DGUF Newsletter Nr. 137 vom 29.01.2026

Inhalt

1  DGUF-Nachrichten

1.1 DGUF-Tagung 2026: "Zwischenbilanz Lineare Projekte: Chancen, Learnings, Verbesserungspotenziale" (Leipzig, 6.11.)

1.2 Ausschreibung des Deutschen Studienpreises für Archäologie 2026 (bis 31.3.)

1.3 Novellierung Denkmalschutzgesetz NRW: es wird schlimmer als befürchtet

1.4 Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Paul Belford and Gerry Wait: Ethics in Archaeological Practice

2  Tagungen und Veranstaltungen

2.1 Archäologiemesse 2026 im Rahmen der "denkmal" (Leipzig, 5.-7.11.)

2.2 Podiumsdiskussion "FLINTA* im Feld" (Online, 14.2.)

2.3 4. Fachtagung des VGFA (Brandenburg, 14.-17.4.)

3  Forschung

3.1 Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

3.2 Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

3.3 ClioArch legt zu Projektende Ergebnisse zusammenfassend vor

3.4 Erster Paranthropus-Fund in Äthiopiens Afar-Region

3.5 Genetisches und soziales Profil einer 3.500 Jahre alten Gemeinschaft aus Nordwestkalabrien

3.6 Griechenland: 430.000 Jahre alter Beleg für Holzwerkzeug

3.7 Südafrika: Verwendung von Gift auf mikrolithischen Pfeilspitzen vor 60.000 Jahren

4  Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

4.1 Sprecherwahl NFDI4Objects

4.2 Gründung der temporären Arbeitsgruppe "CARE-Prinzipien"

5  Kulturgutschutz

5.1 Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

6  Beruf Archäologie

6.1 Grabungstechnik und Restaurierung an der HTW Berlin: der aktuelle Stand

6.2 Archäologenmangel in Kanada schadet der Wirtschaft

6.3 "Kleine Fächer" fordern Sonderbedingungen bei Novellierung des WissZeitVG

7  Ausstellungen und Museen

7.1 Aktuelles rund um Museen in den Medien

7.2 Museum Troyes (Fr): Sonderausstellung zum "Prinz von Lavau" eröffnet

7.3 Meisterwerke der Technik: Roms neue U-Bahn-Stationen "Kolosseum/Kaiserliche Foren" und "Porta Metronia"

8  Und sonst …

8.1 EAA-Mitglieder stimmen anlässlich eines internen Streits über zukünftige Ausrichtung der Vereinigung ab (bis 31.1.)

8.2 Drittmittelforschung am Szilard-Punkt

8.3 Vatikan würdigt 100 Jahre PIAC: Archäologie als "Schule der Inkarnation"

8.4 Neuanfang oder Notbremse: die saarländische Landesarchäologie

8.5 Ausschreibung 6. Europäischer Archäologiepreis Joseph Déchelette (Bewerbung bis 1.3.)

 

 

1         DGUF-Nachrichten

1.1         DGUF-Tagung 2026: "Zwischenbilanz Lineare Projekte: Chancen, Learnings, Verbesserungspotenziale" (Leipzig, 6.11.)

Die Jahrestagung der DGUF findet dieses Mal eingebettet in die Messen "denkmal" und MUTEC in Leipzig (5.-7.11.) statt, und zwar am Freitag, 6.11. Ziel ist, aus einer Rückschau heraus innezuhalten und für Künftiges zu lernen. Es geht um "Lineare Projekte" wie z. B. die A4 Kassel - Dresden - Görlitz, die A20 Ostseeautobahn, die B6n, die NEL Pipeline oder die Ethylen-Pipeline Süd, die die Archäologie in Deutschland insbes. seit der Wende 1989 stark beschäftigt haben. Ein Ende ist nicht absehbar, im Gegenteil: Insbesondere die Energiewende geht mit zahlreichen weiteren Trassenbauten und -planungen einher, z. B. SuedLink, SuedOstLink, A-Nord/Ultranet. Was haben wir im Rückblick aus drei Jahrzehnten Trassenarchäologie methodisch und strukturell gelernt? Was lernen wir in den laufenden Planungsprozessen? Was folgt daraus für die Zukunft? Die Tagung möchte zusammentragen, welche übergreifenden Erkenntnisse für Planer und Investoren, Fachfirmen, Denkmalbehörden und Forschende gewonnen wurden. Vortragsanmeldungen mit den üblichen Angaben sind herzlich willkommen, an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Tagungswebsite: https://www.dguf.de/tagungen-events/tagungen/aktuelle-tagung

 

1.2         Ausschreibung des Deutschen Studienpreises für Archäologie 2026 (bis 31.3.)

Ab sofort läuft der Ausschreibungszeitraum für den Deutschen Studienpreis für Archäologie 2026 der DGUF. Die Ausschreibung richtet sich an Studierende aller archäologischer Fachdisziplinen und ihrer Nachbarwissenschaften, die an einer deutschen Hochschule im Jahr 2025 preiswürdige Studienleistungen erbracht haben. Hierzu zählen Seminar‐ oder Abschlussarbeiten und erste eigene Publikationen, die sich innovativ mit für die europäische Archäologie relevanten Forschungsthemen auseinandersetzen. Als preiswürdig erachtet werden herausragende archäologische Forschungsarbeiten zur Geschichte Mitteleuropas oder zu Regionen der Welt, die auf die kulturellen Entwicklungen Mitteleuropas Einfluss ausgeübt haben respektive zu deren Verständnis wichtig sind. Ebenso können innovative methodologische Arbeiten in der Archäologie oder ihren Nachbardisziplinen gewürdigt werden, die der archäologischen Wissenschaft, der archäologischen Denkmalpflege, dem Kulturgüter- und Kulturlandschaftsschutz oder den archäologierelevanten Rechts- und Umweltwissenschaften einen wichtigen Impuls geben. Die eingereichte Arbeit soll auf Grundlage eines findigen interdisziplinären Ansatzes oder einer besonderen Vernetzung oder eines unorthodoxen Forschungskonzeptes oder eines innovativen Einsatzes neuer Medien oder technischer Anwendungen erfolgt sein. Die DGUF kann auch hochschulpolitische Aktivitäten auszeichnen, die der Verbesserungen der archäologischen Studiengänge oder der allgemeinen Studienbedingungen dienen. Die ausgezeichnete Studienleistung kann in eine Publikation in einer der DGUF-Schriften münden. Wir unterstützen dies durch ein bis zu vierstündiges Publikations-Coaching durch einen der Herausgeber bzw. Redakteure der DGUF‐Schriften, das der Preisträgerin bzw. dem Preisträger bei Bedarf hilft, der Arbeit den letzten Schliff zu geben. Die viele Zeit und der große Aufwand, der in die Erstellung der prämierten Arbeit geflossen ist, können sich für den Preisträger also besonders lohnen, wenn die Arbeit einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Eine Veröffentlichung trägt zudem dazu bei, für den am Anfang seiner Karriere stehenden Preisträger eine fachliche Reputation aufzubauen. Der Preis ist ansonsten undotiert. Vorschläge können durch Studierende und Dozenten einer deutschen Hochschule oder Mitglieder einer deutschen archäologischen Gesellschaft eingereicht werden. Der Einreichungszeitraum endet am 31.3.

https://www.dguf.de/fachgesellschaft/deutscher-studienpreis-fuer-archaeologie

 

1.3         Novellierung Denkmalschutzgesetz NRW: es wird schlimmer als befürchtet

Die Landesregierung NRW hat den - gegenüber der Fassung vom Sommer 2025 erheblich veränderten - Gesetzesentwurf (Drs. 18/17474) förmlich ins Parlament eingebracht. Er wird am Do., 29.1. in 1. Lesung im Landtag beraten und voraussichtlich (wie üblich) an den zuständigen Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung überwiesen. Die nun vorgesehenen Einschränkungen des Denkmalschutzes gehen erheblich über den Entwurf vom Sommer 2025 hinaus, mit gravierenden Konsequenzen auch für die Archäologie. Die DGUF berät u. a. im Denkmalschutz-Bündnis NRW über Handlungsoptionen. Dass es seitens der Fachgesellschaften ablehnende Stellungnahmen geben wird, dürfte bei der Landesregierung längst eingepreist sein. Die Lage ist ernst.

Gesetzentwurf der Landesregierung: Drittes Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung 2018 und weiterer Vorschriften im Land Nordrhein-Westfalen. Drucksache 18/17474 (20.1.2026): https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-17474.pdf

Info-Seite auf DGUF.de zu Sachverhalt und Hintergründen: https://www.dguf.de/ngo/stellungnahmen/regelungen-und-gesetzgebungsverfahren/2025-ministerin-scharrenbach-cdu-moechte-denkmalschutz-in-nrw-erheblich-einschraenken

Denkmalschutz-Bündnis NRW: "Protest gegen die Novellierung der Landesbauordnung NRW 2025": https://denkmalschutz-erhalten.nrw/

 

1.4         Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Paul Belford and Gerry Wait: Ethics in Archaeological Practice

Unter den zahlreichen Publikationen, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal auf einen bei Routledge erschienener Band verwiesen. Aus dem Klappentext: "'Ethics in Archaeological Practice' focuses on the ethics of archaeological work in a European context. This book covers all aspects of the archaeological profession, including archaeological advisors employed by state national, or regional heritage agencies, commercial archaeologists (consultants and contractors), and academics. It considers all archaeologists as professionals and situates ethical practice at the heart of what it means to be a professional archaeologist. It works as a practical handbook organised around the main areas of activity that archaeologists undertake allowing the book to be used as a reference work when required." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: https://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/dguf-dok_arch-inf_rezensionsangebote.pdf

Paul Belford and Gerry Wait: Ethics in Archaeological Practice. 204 Pages with 24 B/W illus. September 2025. Routledge. https://www.routledge.com/Ethics-in-Archaeological-Practice/Belford-Wait/p/book/9780367481445

 

2         Tagungen und Veranstaltungen

2.1         Archäologiemesse 2026 im Rahmen der "denkmal" (Leipzig, 5.-7.11.)

Am 18.6.2022 fand im "Casino" der Univ. Frankfurt im Anschluss an die DGUF-Tagung eine von DGUF und CIfA Deutschland gemeinsam organisierte Archäologiemesse statt, die gut besucht, heiter und erfolgreich war. Für die zweite Runde hat CIfA Deutschland beschlossen, sich in eine anspruchsvollere und auch professionellere Umgebung zu begeben: Innerhalb der renommierten europäischen Fachmesse "denkmal" - und parallel zur MUTEC - findet als eigener Bereich eine Archäologie-Messe statt. Aktuell läuft die Anmeldung für Aussteller, die dort ihr Unternehmen, ihre Dienstleistungen und Innovationen einem qualifizierten nationalen und internationalen Fachpublikum vorstellen können. Die Archäologiemesse richtet sich an Fachfirmen, Institutionen, Behörden, Wissenschaft und Praxis und bietet optimale Voraussetzungen für Sichtbarkeit, Austausch und Vernetzung. Sie bietet Ausstellern die Gelegenheit, nachhaltige Kontakte zu Auftraggebern, Denkmalbehörden, Planungsbüros sowie internationalen Akteurinnen und Akteuren aus Forschung und Praxis zu knüpfen. In die Messe eingebettet sind die jeweils eintägigen wiss. Tagungen der DGUF am 6.11. und von CIfA Deutschland am 7.1. Für Aussteller, die sich zeitnah anmelden, gilt bis 31.3. ein Frühbucherrabatt.

Die Anmeldung erfolgt direkt über die Website der denkmal: https://www.denkmal-leipzig.de/de/ausstellen/ausstellungsbereich-archaeologie/

Interessierte, die noch unsicher sind oder Fragen zur Standgestaltung, Preisen und Anmeldeprozess haben, wenden sich an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Website Archäologiemesse 2026: https://cifa-deutschland.de/veranstaltungen/archaeologie-messe

DGUF-Tagung: "Zwischenbilanz Lineare Projekte: Chancen, Learnings, Verbesserungspotenziale":  https://www.dguf.de/tagungen-events/tagungen/aktuelle-tagung

Tagung von CIfA Deutschland: "Nachhaltigkeit in der Archäologie – Verantwortung für Daten, Funde und Wissen": https://cifa-deutschland.de/veranstaltungen/tagungen

 

2.2         Podiumsdiskussion "FLINTA* im Feld" (Online, 14.2.)

Die Podiumsdiskussion am 14.2. von 10.00-12:30 Uhr bringt Vertreter und Vertreterinnen aus Grabungsfirmen, Universitäten und von CIfA Deutschland auf die digitale Bühne. Diskutiert werden soll über Arbeitsbedingungen für Feldarchäologinnen und Feldarchäologen, der Blick soll Problemfeldern wie Diskriminierung und (sexueller) Belästigung gelten, der Vereinbarkeit mit Care-Arbeit, fairer Bezahlung und arbeitsrechtliche. Handlungsmöglichkeiten richten.

Anmeldung (bis 13.2.): https://femarc.de/onlineanmeldung/

 

2.3         4. Fachtagung des VGFA (Brandenburg, 14.-17.4.)

Baumwürfe im feldarchäologischen Kontext erkennen und bewältigen, Dokumentationsmethoden in QGIS, die vierte Fassung der Grabungsrichtlichtlinien in Baden-Württemberg: Die Tagung des Verbands für Grabungstechnik und Feldarchäologie e. V. (VGFA) sieht sich als Forum für den fachlichen Austausch zur feldarchäologischen Arbeit und Forschung. Neben Vorträgen bilden auch archäologische Exkursionen in das nähere Tagungsumfeld einen wichtigen Programmpunkt.

https://feldarchaeologie.de/tagungen-2/brandenburg-2026/

 

3         Forschung

3.1         Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

Hüglin, S. (2026). Sammelrezension zu: Hatz, Chr. (2023). Celtia: Die Kelten vor der Zeitenwende. Basel: Librum. / Leskovar, J. (2023). Salzberg-Göttin: Historischer Roman aus der Hallstatt-Zeit. Meßkirch: Gmeiner. / Leskovar, J. (2024). Salzberg-Erbin. Historischer Roman aus der Hallstatt-Zeit. Meßkirch: Gmeiner. / Leskovar, J. (2025). Salzberg-Tod. Historischer Roman aus der Hallstatt-Zeit. Meßkirch: Gmeiner. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 14. Jan. 2026.

Aufderhaar, I., Ditmar-Trauth, G. & Insogna, C. (2026). Rezension zu: Otto, Chr. (2025). Die Ausgrabungen im Jahr 2022 an der St. Andreas Kirche in Cloppenburg-Krapendorf (Niedersachsen). (Archäologische Quellen, 8). Kerpen-Loogh: DGUF-Verlag. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 12. Jan. 2026.

https://www.dguf.de/early-views

 

3.2         Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

Römisches Köln: "Archäologische Pfahlwand gefunden" (Stadt Köln, 27.1.): https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/28168/index.html

"Tracing the wave of Neanderthal-modern interactions. A rapid expansion of modern people ran into Neanderthals and mixed with them nearly to the ends of their range" (Johan Hawks, 27.1.): https://www.johnhawks.net/p/tracing-the-wave-of-neanderthal-modern

"Spektakuläre Entdeckung auf dem Sinai. Prof. Ludwig Morenz von der Uni Bonn entschlüsselt 5.000 Jahre alte Inschrift, die koloniale Dominanz der Ägypter in Szene setzt" (Universität Bonn, 27.1.): https://www.uni-bonn.de/de/neues/019-2026

"Heiliger See im Karnak-Tempel entdeckt" (Selket's Blog, 27.1.): https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/heiliger-see-im-karnak-tempel-entdeckt

"Mit Abstand ältester Syphilis-Erreger entdeckt. Offenbar zirkulierte der Erreger bereits vor 5500 Jahren unter Jägern und Sammlern in Amerika. Das offenbaren in Kolumbien entdeckte Überreste. War Syphilis die erste globale Infektionskrankheit?" (Spiegel, 26.1.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kolumbien-mit-abstand-aeltester-syphilis-erreger-entdeckt-a-56d371f2-ba7b-438c-8ec6-4e3bd65db7f4

"Rock art may be far older than modern humans in Sulawesi. Dating of a panel with two handprints puts their production sometime before 68,000 years ago" (John Hawks, 22.1.): https://www.johnhawks.net/p/rock-art-may-be-far-older-than-modern

"Bisher vollständigstes Skelett des Homo habilis identifiziert. Erhalten sind unter anderem Arme, Teile des Beckens und der Wirbelsäule: Der Fund eines zwei Millionen Jahre alten Homo-habilis-Skeletts verzückt die Wissenschaft. Imposant sind die Arme des Frühmenschen" (Spiegel, 21.1.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/homo-habilis-bisher-vollstaendigstes-skelett-des-fruehmenschen-identifziert-a-5738232f-ac10-4516-8696-31e4c024df4c

"Une occupation humaine depuis le Néolithique à Vauclerc, aux portes du Perthois (Marne)" (INRAP, 20.1.): https://www.inrap.fr/une-occupation-humaine-depuis-le-neolithique-vauclerc-aux-portes-du-perthois-20488

"Neue Untersuchungen zu den ersten Bauern in Mitteldeutschland: Die Siedlung von Eilsleben, Lkr. Börde" (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 20.1.): https://idw-online.de/de/news864568

"A deep record of unknown hominins from Sulawesi. A cave known as Leang Bulu Bettue provides a record from the Middle Pleistocene across the arrival of modern people" (John Hawks, 18.1.): https://www.johnhawks.net/p/a-deep-record-of-unknown-hominins

"Standen wir schon vor 7 Mio. Jahren aufrecht?" (Neanderthal-Blog, 16.1.): https://neanderthal-blog.de/2026/01/standen-wir-schon-vor-7-millionen-jahren-aufrecht/ und "Frühester bekannter Hominine: Vormensch ging schon vor sieben Millionen Jahren aufrecht" (Spiegel, 5.1.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sahelanthropus-tchadensis-vormensch-ging-schon-vor-sieben-millionen-jahren-aufrecht-a-917973eb-073c-4138-b140-116b02746158 "

"Erste römische Marschlager in Sachsen-Anhalt entdeckt – Fundplätze zwischen Nordharz und Elbe belegen römische Vorstöße im 3. Jahrhundert nach Christus" (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 15.1.): https://www.lda-lsa.de/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/presseinformationen/15126-sachsen-anhalt-marschlager

"La nécropole antique d’Annay-sous-Lens (Pas-de-Calais)" (INRAP, 15.1.): https://www.inrap.fr/la-necropole-antique-d-annay-sous-lens-pas-de-calais-20478

"Hygienische Bedingungen in Pompejis frühen Bädern waren schlecht. Kalkablagerungen in Brunnen, Rohren und Badeanlagen geben Aufschluss über die antike Wasserversorgung Pompejis" (Universität Mainz, 13.1.): https://presse.uni-mainz.de/hygienische-bedingungen-in-pompejis-fruehen-baedern-waren-schlecht/ und "Pompejis Badegäste tauchten in Schmuddelwasser" (Spiegel, 13.1.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wellness-in-pompeji-pompejis-badegaeste-tauchten-ins-schmuddelwasser-a-8ac66b70-1ee1-4e10-8244-58bcff92ec03

"773.000 Jahre alt: Neues Puzzlestück zur frühen Menschheitsgeschichte" (Neanderthal Blog, 12.1.): https://neanderthal-blog.de/2026/01/773-000-jahre-alt-neues-puzzlestueck-zur-fruehen-menschheitsgeschichte/

"Frühe Homininen aus Marokko gehören zu einer afrikanischen Abstammungslinie nahe dem Ursprung von Homo sapiens. 773.000 Jahre alte Fossilien geben neue Einblicke in die gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens, Neandertalern und Denisova-Menschen" (MPG, 7.1.): http://mpg.de/25957814/0105-evan-fruehe-homininen-aus-marokko-150495-x und "Fossils from the Grotte à Hominidés, Morocco, and crossroads of human evolution" (John Hawks, 9.1.): https://www.johnhawks.net/p/fossils-from-the-grotte-a-hominides

"Forschungsgrabung im Bereich eines ehemaligen Konzentrations-Außenlagers bei Walbeck, Sachsen-Anhalt" (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte, 8.1.): https://idw-online.de/de/news864051

Ägypten: "Taltempel des Niuserre in Abusir ausgegraben" (Selket's Blog, 3.1.): http://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/taltempel-des-niuserre-in-abusir-ausgegraben

"Evolution: Liefen Frühmenschen schon vor sieben Millionen Jahren auf zwei Beinen?" (MDR, 3.1.): https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/evolution-aufrechter-gang-sieben-millionen-jahre-alt-100.html

Malawi: "Forscherteam entdeckt ältesten Scheiterhaufen in Afrika. Schon vor rund 9500 Jahren haben Jäger und Sammler in Afrika ihre Toten eingeäschert. Darauf deuten Knochenfunde einer Grabstätte hin. Der Aufwand für das Ritual muss enorm gewesen sein" (Spiegel, 2.1.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologie-forschende-entdecken-aeltesten-scheiterhaufen-in-afrika-a-f64f1b77-bad9-45bb-bc16-6cecd2d50718

"2.000 Jahre alte Herpesviren im menschlichen Genom" (Universität Wien, 2.1.): https://www.univie.ac.at/aktuelles/press-room/pressemeldungen/detail/bahnbrechende-entdeckung-2000-jahre-alte-herpesviren-im-menschlichen-genom

"A possible archaic human from Borneo. The find of a single tooth from Gua Danang may be the first evidence of the archaic inhabitants of the island" (John Hawks, 28.12.): https://www.johnhawks.net/p/a-possible-archaic-human-from-borneo

"Herkunft des Hjortspring-Bootes geklärt? Eisenzeitliche Seekrieger griffen Dänemark von Osten aus an" (Scinexx, 15.12.): https://www.scinexx.de/news/archaeologie/herkunft-des-hjortspring-bootes-geklaert/

 

 

3.3         ClioArch legt zu Projektende Ergebnisse zusammenfassend vor

Das an der Universität Aarhus beheimatete und von der Europäischen Kommission im Paket "CORDIS" geförderte Projekt ClioArch "Cliodynamic archaeology: Computational approaches to Final Palaeolithic/earliest Mesolithic archaeology and climate change" (1.9.2019-31.8.2025) bereitet derzeit die letzten, abschließenden Publikationen vor und hat aus diesem Anlass seine Projektseite renoviert und auf den jüngsten Erkenntnisstand aktualisiert. Als übergreifendes Ergebnis liest man dort: "Insgesamt deuten die Ergebnisse des Projekts darauf hin, dass die meisten menschlichen Kulturen am Übergang Pleistozän / Holozän über eine 'geräumige Nische' verfügten (bezogen auf ihre Fähigkeit, eine Vielzahl von Umgebungen zu bewohnen und zu gestalten) und einen Großteil Europas hätten besiedeln können, außer während der härtesten klimatischen Einbrüche." "Die Gründe, warum sie dies nicht taten, hängen mit ihrer Suche nach ganz bestimmten Ressourcen, wichtigen geografischen Korridoren, kulturellen Präferenzen und wahrscheinlich auch mit dem Zufall zusammen", fügt Projektleiter Felix Riede hinzu. "Dies waren die wichtigsten Hypothesen, denen wir in ClioArch nachgegangen sind." Das Projekt demonstrierte auch die Wirksamkeit neuer digitaler Methoden zur Analyse kultureller Artefakte und konnte die klimatischen Nischenräume der frühen Jäger und Sammler aus dieser Zeit präzise definieren." Gebündelte Verweise auf die Fachpublikationen und zugänglich gemachten Daten finden sich ebenfalls auf der Website.

CORDIS Website "Cliodynamic archaeology: Computational approaches to Final Palaeolithic/earliest Mesolithic archaeology and climate change": https://cordis.europa.eu/article/id/462713-analysing-the-influence-of-climate-on-cultural-change

ClioArch: https://cas.au.dk/en/ERC-clioarch/

 

3.4         Erster Paranthropus-Fund in Äthiopiens Afar-Region

Paranthropus-Fossilien stammen aus der Zeit vor 1,4 bis 2,8 Mio. Jahren und wurden zuvor in Teilen des südlichen und östlichen Afrikas gefunden. Eine jetzt in Nature veröffentlichte Studie beschreibt ein neues Paranthropus-Fossil, das in der nördlichen Afar-Region Äthiopiens entdeckt wurde – 1.000 km weiter nördlich als das bisher bekannte Verbreitungsgebiet von Paranthropus. Das neue Fossil, Teil eines Unterkiefers, wurde auf ein Alter von 2,6 Mio. Jahren bestimmt; das macht es zu einem der ältesten Paranthropus-Fossilien. Bisher ging die Forschung davon aus, dass der Lebensraum von Paranthropus aufgrund der verfügbaren Nahrungsquellen begrenzt war. Die neuen Erkenntnisse stellen die Grenzen dieser hypothetischen ökologischen Nische infrage. Paranthropus scheint tatsächlich eine größere Ernährungsflexibilität besessen zu haben als ursprünglich angenommen, konnte sich an ein breites Spektrum von Umweltbedingungen anpassen und war in Afrika ähnlich weit verbreitet wie andere Gruppen ausgestorbener menschlicher Verwandter, darunter Australopithecus und frühe Homo-Arten.

Alemseged, Z., Spoor, F., Reed, D. et al. Afar fossil shows broad distribution and versatility of Paranthropus. Nature (21 January 2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09826-x

"'Nutcracker Man' ventured further and wider than first thought, new Ethiopian fossil discovery shows" (Natural History Museum London, 21.1.): https://www.nhm.ac.uk/press-office/press-releases/-nutcracker-man--ventured-further-and-wider-than-first-thought--.html

 

3.5         Genetisches und soziales Profil einer 3.500 Jahre alten Gemeinschaft aus Nordwestkalabrien

Über die Bevölkerung Kalabriens vor der griechischen Kolonisation ist wenig bekannt. Jetzt wurden Genomdaten der mittelbronzezeitlichen Fundstätte Grotta della Monaca (ca. 1780–1380 v. Chr.) in der süditalienischen Provinz Cosenza analysiert. Der Fundort zählt zu den bedeutendsten prähistorischen Stätten Kalabriens und war sowohl ein Ort des Kupfer- und Eisenerzabbaus als auch eine Bestattungsstätte. Die untersuchte Gemeinschaft weist eine engere genetische Verwandtschaft zu sizilianischen Bevölkerungsgruppen der frühen Bronzezeit auf als zu zeitgleichen Populationen der italienischen Halbinsel. Im Gegensatz zu heutigen sizilianischen Individuen fehlen ihr jedoch östliche genetische Einflüsse. Das deute darauf hin, dass Kalabrien trotz Kontakten über die Straße von Messina hinweg seine eigene demografische und kulturelle Entwicklung verfolgte. Durch die Kombination genetischer, archäologischer und anthropologischer Daten konnten Forschende auch familiäre Beziehungen innerhalb der Höhlenbestattungen identifizieren. Die Forschergruppe geht davon aus, dass die Bestattungspraktiken nach Geschlecht und Verwandtschaftsverhältnissen der Verstorbenen strukturiert waren. Die Forschenden legen außerdem den Fall einer inzestuösen Beziehung zwischen Eltern und Kind dar.

Fontani, F., Larocca, F., Cilli, E. et al. Archaeogenetics reconstructs demography and extreme parental consanguinity in a Bronze Age community from Southern Italy. Commun Biol 8, 1766 (2025). https://doi.org/10.1038/s42003-025-09194-2

"Bronzezeitliche DNA aus Kalabrien enthüllt eigenständige Bergbevölkerung. Alte DNA aus Süditalien enthüllt Herkunft und Sozialstruktur einer Gemeinschaft der Mittelbronzezeit" (MPG, 16.12.): https://www.mpg.de/25893106/1215-evan-bronzezeitliche-dna-aus-kalabrien-enthuellt-eigenstaendige-bergbevoelkerung-150495-x

 

3.6         Griechenland: 430.000 Jahre alter Beleg für Holzwerkzeug

Zwei von Menschen hergestellte und gebrauchte Werkzeuge aus Erlenholz beziehungsweise Weiden- oder Pappelholz aus dem Mittelpleistozän wurden bei der systematischen Untersuchung von hölzernen Fundstücken aus Marathousa 1 (Peloponnes) identifiziert. Der Datierung zufolge sind sie rund 430.000 Jahre alt und damit die ältesten jemals gefundenen Holzwerkzeuge. Sie schieben den Nachweis des Werkzeuggebrauchs dieses Typs um mindestens 40.000 Jahre weiter in die Vergangenheit zurück. Funde von Steinwerkzeugen und Überresten eines zerlegten Ur-Elefanten sowie anderer Tiere weisen Marathousa 1 als früheren Schlachtplatz aus, der damals am Ufer eines Sees lag. Das eine Fundstück, ein Stock, wurde wahrscheinlich zum Graben am Strand des Sees benutzt oder auch zum Ablösen von Baumrinde. Ein andere, sehr kleine Holzstück zeige Spuren der Bearbeitung und potenzielle Gebrauchsspuren.

Annemieke Milks, Maria Ntinou, Stylianos Koutalis, Dimitrios Michailidis, George E. Konidaris, Domenico Giusti, Nicholas Thompson, Georgia Tsartsidou, Eleni Panagopoulou, Vangelis Tourloukis, Panagiotis Karkanas, Katerina Harvati: Evidence for the earliest hominin use of wooden hand-held tools found at Marathousa 1 (Greece). PNAS, https://doi.org/10.1073/pnas.2515479123

"Frühester Nachweis von Menschenhand genutzter Holzwerkzeuge" (Universität Tübingen, 26.1.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/fruehester-nachweis-von-menschenhand-genutzter-holzwerkzeuge/

"Vielleicht älteste Holzwerkzeuge der Menschheit in Griechenland entdeckt" (Spiegel, 27.1.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/griechenland-vielleicht-aelteste-holzwerkzeuge-der-menschheit-entdeckt-a-3774a432-b260-4172-8c2c-2129a1094ba3

 

3.7         Südafrika: Verwendung von Gift auf mikrolithischen Pfeilspitzen vor 60.000 Jahren

Vergiftete Waffen sind ein Kennzeichen hochentwickelter Technologien von Jägern und Sammlern. Ein Forschungsteam konnte auf mehreren aus Quarzstein gefertigten Mikrolithen chemische Rückstände der hochgiftigen Substanzen Buphandrin und Epibuphanisin nachweisen. Die Funde aus dem Umhlatuzana-Felsunterstand in KwaZulu-Natal stammen aus einer Schicht, die auf ein Alter von 60.000 Jahren datiert wird. Die Alkaloide Buphandrin und Epibuphanisin stammen ausschließlich aus Amaryllisgewächsen, die in Südafrika heimisch sind. Der Fund verdeutlicht fortgeschrittenes Denken im Pleistozän. Denn für einen gezielten Einsatz toxischer Substanzen ist es notwendig, die Wirkung bestimmter Pflanzen zu kennen, sie richtig dosiert zu verarbeiten und ihre Wirkung zeitlich einschätzen zu können.

Sven Isaksson et al., Direct evidence for poison use on microlithic arrowheads in Southern Africa at 60,000 years ago. Sci. Adv.12,eadz3281(2026). https://doi.org/10.1126/sciadv.adz3281

"Giftpfeile aus der Steinzeit gefunden" (Tagesschau, 8.1.): https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/giftpfeile-steinzeit-suedafrika-102.html

 

4         Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

4.1         Sprecherwahl NFDI4Objects

Am 15.12. versammelten sich virtuell Vertreter aller in NFDI4Objects vereinten Institutionen (u. a. die DGUF), um für die nächste Periode die beiden Sprecher von NFDI4Objects zu wählen. Die Versammlung wählte Dr. Philipp von Rummel (z. Zt. Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts, demnächst FU Berlin), als stellvertretenden Sprecher wählte sie Dr. phil. Kai-Christian Bruhn (Professor für Interdisziplinäre Anwendungen Raumbezogener Informations- und Messtechnik, Hochschule Mainz). Die Gewählten nahmen die Wahl an.

https://www.nfdi4objects.net/

 

4.2         Gründung der temporären Arbeitsgruppe "CARE-Prinzipien"

CARE steht für " Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics ". Die Prinzipien sollen im Kontext von Open Data und Open Science explizit die Rechte von indigenen Völkern an Forschungsdaten sichern. Die Arbeitsgruppe soll sich aus unterschiedlichen Perspektiven damit beschäftigen welche Rolle die CARE-Prinzipien im Forschungskontext der Archäologie und angrenzenden Fachbereichen spielen, wo es Fallstricke gibt und wie sich die CARE-Prinzipien im Forschungsdatenmanagement wieder finden. Ziel sei es, eine Handreichung zum Thema zu erarbeiten. Zunächst soll die Arbeitsgruppe in der konstituierenden Sitzung mit Leben gefüllt werden. Wer teilnehmen möchte, soll sich bis 30.1. für die Terminumfrage eintragen.

Proposal mit genaueren Infos zu Inhalt und Zielen der Arbeitsgruppe: https://community.nfdi4objects.net/assemblies/TWG/f/4/proposals/47

Terminumfrage konstituierende Sitzung (bis 30.1.): https://terminplaner6.dfn.de/de/p/2cfc7d22ddd42123980e92989aafde81-1579486

 

5         Kulturgutschutz

5.1         Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

"Brasilien: Piripkura warten seit 40 Jahren auf Anerkennung ihres Landes" (Survival, 16.12.): https://www.survivalinternational.de/nachrichten/14427

 

6         Beruf Archäologie

6.1         Grabungstechnik und Restaurierung an der HTW Berlin: der aktuelle Stand

Mitte Dezember hat der Fachbereich 5 an der HTW Berlin das Auslaufen der Studiengänge betr. Grabungstechnik und Restaurierung beschlossen. Zugleich wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die ausloten soll, "wie das Fachgebiet in der Metropolregion Berlin-Brandenburg und deutschlandweit gesichert werden kann." Und was bedeutet das nun? - frug die DGUF Mitte Januar bei der HTW nach. Wie uns die HTW mitteilte, soll die "Kommission Kulturgut" im Februar vom Fachbereich bestätigt werden und kann dann ihre Arbeit aufnehmen. Es ist beabsichtigt, Vertreter aus Politik, aus den Fachverbänden und aus Institutionen zu beteiligen. "Institutionen" meint solche, bei denen das Fachgebiet möglicherweise angegliedert werden könnte. Dabei sollen mehrere Lösungsansätze geprüft werden: u. a. eine Eingliederung in den Fachbereich GeschKult der FU Berlin oder in die TU Berlin (Technik- und Baugeschichte). Angestrebt ist, einen Vertreter des Konsortiums von Fachfirmen in die Kommission zu holen sowie einen Vertreter des VLA. Neben der Anbindung sei eine Fokussierung und die inhaltliche Ausrichtung des neuen Konstrukts zu klären: Bleibt es ein gemeinsamer Studiengang Konservierung & Grabungstechnik, dürfte es anstelle von ehedem vier nur noch zwei Ausbildungsschwerpunkte geben, Grabungstechnik und Objektrestaurierung. Das würde die Komplexität, den Verwaltungsaufwand und die Kosten reduzieren. Das Ergebnis der "Kommission Kulturgut" kann aber auch sein, dass die Schwerpunkte getrennt weitergeführt werden und die Grabungstechnik den Weg in ein duales Ausbildungsmodell sucht. Für die zweite Februarhälfte ist ein persönliches Treffen mit dem Konsortium der Fachfirmen geplant.

"Studiengänge Konservierung/Restaurierung: Transformationsprozess startet" (HTW Berlin Fb 5, 18.12.2025): https://www.htw-berlin.de/einrichtungen/zentrale-referate/kommunikation/pressemitteilungen/studiengaenge-konservierungrestaurierung-transformationsprozess-startet/

"Studienrichtungen 'Konservierung und Restaurierung' sowie 'Grabungstechnik' an der HTW Berlin nach 32 Jahren eingestellt" (HTW Berlin Studiengang KRG, o. D.): https://krg.htw-berlin.de/files/Stg/KR/Bachelor/Pressestatement_zur_Einstellung_KRG_Dez_2025.pdf

Hintergründe, Stellungnahmen und Pressespiegel: https://www.dguf.de/ngo/stellungnahmen/einzelanliegen/2025-dguf-setzt-sich-fuer-erhalt-der-techniker-studiengaenge-an-der-htw-berlin-ein

 

6.2         Archäologenmangel in Kanada schadet der Wirtschaft

In Kanada kommt es zu Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten. Er gebe zu wenig erfahrene Archäologen, die die gesetzlich vorgesehenen Vorarbeiten ausführen könnten, schreiben die Archäologen Lindsay Amundsen-Meyer, Kenneth Roy Holyoke und Matthew Munro in "The Conversation". Aktuell sei der Bedarf an Nachwuchs höher als die Anzahl der Absolventen. Zudem brächen wegen der schlechten Stimmung an Universitäten und auch wegen Budgetkürzungen dort all zu viele Archäologie-Studierende ihr Studium ab oder schlössen ohne hinreichende Kenntnisse in der angewandten Archäologie ab. In den USA sehe die Situation ähnlich aus, wie ein Aufsatz von Jeff Altschul und Terry Klein aufzeigt.

"Canada has too few professional archeologists, and that has economic consequences" (The Conversation, 7.1.): https://theconversation.com/canada-has-too-few-professional-archeologists-and-that-has-economic-consequences-272422

Altschul, Jeffrey H. & Klein, Terry H. (2022). Forecast for the US CRM Industry and Job Market, 2022–2031. Advances in Archaeological Practice, 10(4): https://www.cambridge.org/core/journals/advances-in-archaeological-practice/article/forecast-for-the-us-crm-industry-and-job-market-20222031/34BFC0A7C4885030D33D26ABC28C4C9A

 

6.3         "Kleine Fächer" fordern Sonderbedingungen bei Novellierung des WissZeitVG

Auf eine Initiative aus der Ägyptologie heraus berieten sich im Herbst/Winter 2025 Vertreter Kleiner Fächer, wie sie sich zur für 2026 anstehenden Novellierung des WissZeitVG verhalten. Auch die DGUF war an den Gesprächen aktiv beteiligt, hat das resultierende Positionspapier aber aus guten Gründen nicht unterzeichnet. Im Kern fordern die "Kleinen Fächer", dass alles so bleiben möge wie bisher, zu Lasten einer (überfälligen) Reform des WissZeitVG, genauer: zu Lasten des eigenen Nachwuchses. Die nach langen, auch kontroversen Debatten übrig gebliebenen beiden Kernpunkte des Papiers sind: (1) "Wir fordern, dass die Drittmittelbefristung als eigenständiger Befristungsgrund im WissZeitVG erhalten bzw. auch klar als solcher formuliert wird." (2) "Wir fordern, dass die derzeitige Höchstbefristungsdauer von 6 + 6 Jahren nicht noch weiter verkürzt wird." Diese Forderungen stehen der langjährigen Debatte um #IchBinHanna diametral entgegen: Beide Forderungen führen zur Aufrechterhaltung der allzu vielen allzu langen Befristungen jenseits der Promotion, während #IchBinHanna überzeugend argumentiert, dass es nach der Promotion vor allem Festanstellungen im sog. Mittelbau geben solle. Das Papier wird inzwischen auch vom Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands unterstützt, wie auch von vielen archäologischen Fächern und Vereinigungen. Nach Ansicht der DGUF nur begrenzt informiert und ohne erkennbaren Bezug zur weiterführenden und die Interessen des sog. Nachwuchses berücksichtigenden #IchBinHanna-Debatte. Frank Siegmund, stellv. Vorsitzender der DGUF, kommentiert die Initiative: "Die in Deutschland tätige Archäologie des Typus UFG / AMANZ / ARP ist kein "kleines Fach"! Sondern sie steht für eine solide, breit gestützte universitäre Bildung und für ein weites Berufsfeld mit Fachkräftemangel. Die dauerhafte Berufung auf den Status 'kleines Fach' als Argument für Sonderregeln überzeugt nicht. Es ist an der Zeit, dass die Archäologie UFG / AMANZ / ARP ihre Rolle und Verantwortung selbstbewusst wahrnimmt und ihrem Nachwuchs seriöse Arbeits- und Lebensbedingungen bietet. Dazu weist #IchBinHanna den Weg, nicht das wenig zukunftsorientierte  Positionspapier der 'Kleinen Fächer'."

"Forderungen WissZeitVG Kleine" (17.12.): https://www.historikerverband.de/wp-content/uploads/2026/01/Forderungen-WissZeitVG-unterzeichnet-erweitert.pdf

"VHD unterstützt Forderungen kleiner Fächer zum WissZeitVG" (VDH, 15.1.2026): https://www.historikerverband.de/aktuelles/meldungen/vhd-unterstuetzt-forderungen-kleiner-faecher-zum-wisszeitvg/

"Forschung: Fachgespräch zu Stellen und Strukturen an Hochschulen" (Deutscher Bundestag, 28.1.; Video, 90 Min.): https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw05-pa-forschung-hochschulen-1136770

Wissenschaftsrat: "Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem. Positionspapier (Drs. 2639-25), Juli 2025.": https://www.wissenschaftsrat.de/download/2025/2639-25

 

7         Ausstellungen und Museen

7.1         Aktuelles rund um Museen in den Medien

"KI im Museum: Wie Künstliche Intelligenz unsere Erinnerungskultur verändert" (Deutschlandfunk, 17.1.): https://www.deutschlandfunk.de/ki-museum-ausstellung-avatare-erinnerungskultur-100.html

 

7.2         Museum Troyes (Fr): Sonderausstellung zum "Prinz von Lavau" eröffnet

Das 2014/15 von INRAP aufgedeckte, ungeplünderte späthallstattzeitliche Fürstengrab, in Frankreich "prince de Lavau" genannt, wird mit Abschluss der Konservierungsmaßnahmen in einer Sonderausstellung vom 24.1. bis 21.6.2026 im Museum Troyes (Dep. Aube) erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Das waffenlose, Ha D3-zeitliche Wagengrab eines Mannes enthielt vor allem die zeittypische reiche Gefäßausstattung mit einem Mix aus griechischer Importkeramik und einheimischen Bronzegefäßen. Unter den persönlichen Ausstattungsgegenständen auch ein goldener "Torques" mit tropenförmigen Enden, ähnlich wie im Grab der Prinzessin von Vix.

"LAVAU, un prince celte en bord de Seine – vers 450 avant notre ère" (Musées de Tryoes): https://musees-troyes.com/expositions/lavau-un-prince-celte-en-bord-de-seine-vers-450-avant-notre-ere/

"Pas d’armes, mais un vrai trésor : la tombe d’un prince celte sans visage révèle enfin ses secrets" (Ouest-France, 19.1.): https://www.ouest-france.fr/leditiondusoir/2026-01-19/pas-d-armes-mais-un-vrai-tresor-la-tombe-d-un-prince-celte-sans-visage-revele-enfin-ses-secrets-adf9244e-6c4e-4a27-92db-477a46b2e209

"Onze ans après les fouilles, le trésor de Lavau se dévoile au public" (Sciences Avenir, 23.1.): https://www.sciencesetavenir.fr/sciences/onze-ans-apres-les-fouilles-le-tresor-de-lavau-se-devoile-au-public_190553.amp

"Les objets de la tombe du prince de Lavau à l'étude" (INRAP, 2024; 3:44 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=NZBkqViEvOg

INRAP: "Zac du Moutot à Lavau (Aube)": https://www.inrap.fr/une-tombe-princiere-celte-du-ve-siecle-avant-notre-ere-decouverte-lavau-1369

"Complexe funéraire du Moutot à Lavau" (Wikipedia): https://fr.wikipedia.org/wiki/Complexe_fun%C3%A9raire_du_Moutot_%C3%A0_Lavau

 

7.3         Meisterwerke der Technik: Roms neue U-Bahn-Stationen "Kolosseum/Kaiserliche Foren" und "Porta Metronia"

13 Jahre Bauzeit: Wer in Rom eine U-Bahn-Strecke bauen will, muss die Archäologie wie an kaum einem anderen Ort berücksichtigen. Mitte Dezember wurden im Herzen des antiken Rom zwei neue U-Bahn-Stationen fertig, deren Erstellung sie zu einer der komplexesten Baustellen Europas machte. "Die archäologischen Schichten wurden nur dort freigelegt, wo die Haltestellen entstanden", erklärt die Archäologin Elisa Cella (Archäologischer Park Kolosseum) der "Tagesschau". "Die Tunnel selbst verlaufen tief darunter, meist in etwa 35 Metern Tiefe, in manchen Fällen sind es sogar bis zu 50 Meter." Der Ingenieur Marco Cervone vom ausführenden Konsortium "Metro C" sagt: "Wir mussten eine neue Bauweise entwickeln, die moderne Technologie und Respekt vor der Antike miteinander verbindet. Es war notwendig, den Baufortschritt in Echtzeit zu überwachen und so zu arbeiten, als wären wir in einem Museum, ohne dabei den Stadtverkehr zu beeinträchtigen." Sensoren, die selbst kleinste, kaum wahrnehmbare Bewegungen und Vibrationen erfassen können, wurden am Kolosseum, der Maxentius-Basilika sowie an antiken Säulen und Mauern installiert. Beschleunigungsmesser, Dehnungs-Messstreifen, Piezometer, Neigungsmesser: ein rund um die Uhr aktives Überwachungsnetzwerk, dessen Daten in ein Steuerungssystem flossen. Anomalien wurden nicht festgestellt: "Der Schutz des Kulturerbes hatte für uns oberste Priorität", sagt Cervone. "Trotz der Ausgrabungstiefe zeigte kein einziges Denkmal auch nur die geringsten Anzeichen von Belastung. Es war eine technische und zugleich kulturelle Herausforderung." Die Station "Kolosseum/Kaiserliche Foren" besteht aus vier Ebenen, und auf jeder werden Ausstellungsstücke aus unterschiedlichen Epochen gezeigt: Brunnen aus der Römischen Republik, Bauwerke aus dem 5. bis 2. Jahrhundert v. Chr., ein kleines privates Balneum. Videoinstallationen und Dioramen inszenieren fünf symbolträchtige Monumente des Kolosseums – vom Augustusforum über den Venus-und-Roma-Tempel und die Trajanssäule bis hin zur Konstantins-Basilika –als kleine, beleuchtete Theater. In der Station "Porta Metronia" sind Teile einer antiken Kaserne aus der Zeit Kaiser Trajans zu sehen, mehr als sieben Meter unter der modernen Oberfläche. Und für all das braucht der Besucher nicht mehr als ein Metroticket.

"Zwei neue Stationen in Rom: Mit dem Metro-Ticket zu antiken Stätten" (Tagesschau, 17.12.): https://www.tagesschau.de/ausland/europa/rom-metro-station-100.html

"Colosseum-Imperial Forums: The Rome Metro Construction Site That Seemed Impossible" (We Build Value, 28.1.): https://www.webuildvalue.com/en/stories-behind-projects/colosseum-rome-metro.html

"Colosseo-Fori Imperiali: All The Secrets of the New Rome Metro Station" (We Build Value, 21.1.): https://www.webuildvalue.com/en/stories-behind-projects/rome-metro-colosseum.html

 

 

8         Und sonst …

8.1         EAA-Mitglieder stimmen anlässlich eines internen Streits über zukünftige Ausrichtung der Vereinigung ab (bis 31.1.)

Seit der Jahrestagung 2025 (2.-6.9.) in Belgrad rumort es in der EAA, und der dortige Streit eskaliert. Auslöser war der Gaza-Krieg. Kurz vor Tagungsbeginn hatte das Executive Board (ExB) aufgrund eines Offenen Briefs und Drängen von Mitgliedern kurzfristig beschlossen, Kolleginnen und Kollegen aus Israel zwar als Personen zur Tagung zuzulassen, aber keine Institutionen aus Israel, so dass z. B. aus dem Programmheft und auf Vortragsfolien die entsprechenden Affiliations zu streichen seien. Nach Reflektion und Protesten (vornehmlich in Form von zahlreichen E-Mails an das ExB) wurde der Beschluss vom ExB wenig später wieder zurückgenommen, d. h. auch israelische Affiliationen wieder zugelassen. Die Debatte spaltet, bis heute. Was die Einen als notwendige Stellungnehme gegen einen Genozid einordnen, ist für Andere verwerflicher Antisemitismus. Neben der umstrittenen Zulassung israelischer Institutionen wurde die Entscheidung der Officers stark kritisiert, kurzfristig angekündigte und von den Gruppierungen "Archaeologists against Apartheid" (AAA) und "The Black Trowel Collective" organisierte Palästina-Protestaktionen in den Tagungssessions zu unterbinden. Dieser Schritt wurde als Einschränkung der Redefreiheit gewertet. Der entsprechende Beschluss wurde noch am selben Tag wieder aufgehoben. Einer geordneten und sachlichen Debatte wenig förderlich war die Tatsache, dass die EAA-Tagung vollständig online stattfand. Die resultierenden Lagerbildungen waren und sind komplex und zeigen Risse auch innerhalb und zwischen den Gremien der EAA. Am 18.9.2025 wandte sich dann eine Gruppe "concernedEAA" an EAA-Mitglieder mit einem "Reader’s Digest guide to the tendentious report published by the Executive Board" und der Bitte, per Abstimmungstool zu entscheiden: "Do you support convening a Special Meeting of the EAA as described above?" – d. h. eine außerordentliche Mitgliederversammlung der EAA einzuberufen, um den Streit zu klären und beizulegen. Weil sich dafür eine hinreichende Anzahl an Zustimmenden fand, berief die EAA-Präsidentin eine außerordentliche Mitgliederversammlung ("Special Meeting") ein, welche am 9.1.2026, 14–17 Uhr online stattfand. Dazu wiederum im Vorfeld das offizielle Informationsmaterial für die Teilnehmenden zur Vorbereitung, zusammengetragen vom EAA Executive Board und "concernedEAA". Dazu Kampagnen von Gruppierungen wie "Archaeologists Against Apartheid", "The Black Trowel Collective" und "BDS Greece", d. h. "mit Standpunkt". Die Sitzung selbst war von einer dichten Folge von kurzen Statements und heftigen gegenseitigen Vorwürfen geprägt und von vielen verkappten Agenden, die für nicht so tief Informierte schwer durchschaubar blieben. Zwar hat sich das ExB zwischenzeitlich mehrmals für seine unglücklichen, unter hohem Zeitdruck stattfindenden Beschlüsse in Belgrad entschuldigt, aber "concernedEAA" fordert weiterhin u. a. den Rücktritt der Präsidentin / der Officers, eine umfassende Überarbeitung der Statuten der EAA usw. In Folge lädt die EAA aktuell alle Mitglieder dazu ein, über fünf Punkte aus dieser Debatte / diesen Anträgen abzustimmen – bis 31.1.. Wem eine funktionsfähige EAA und unsere jährlichen europaweiten Treffen am Herzen liegen, sollte an der Abstimmung teilnehmen, auch wenn der Reflex sehr naheliegt, all dem Streit aus dem Wege gehen zu wollen. Der DGUF-Vorstand hat dies getan. Archäologie ist immer auch politisch, und die DGUF ist als NGO bewusst politisch aktiv, wenn sie sich z. B. für angemessene Denkmalschutzgesetze und Kulturgüterschutz einsetzt. Ob allerdings Archäologie der richtige Ort ist, außer-archäologische politische Themen anzugehen und Agenden zu verfolgen, die wir in unseren repräsentativen Demokratien auf dem Wege von Parteien, Abgeordneten und Parlamenten debattieren, sollte jedes EAA-Mitglied sorgsam für sich bedenken. Zur Erinnerung: 1986/87 hat sich die UISPP wegen des durchaus vergleichbaren Streits um Apartheid und die Teilnahme südafrikanischer Archäologinnen und Archäologen selbst "zerlegt", in Folge wurde der WAC gegründet, sodass seitdem zwei Weltorganisationen parallel arbeiten und konkurrieren.

Wir verzichten hier auf die Newsletter-übliche Verlinkung von Quellen, weil in der gegeben polarisierten Debatte allein schon die (Aus-) Wahl dieser Quellen als Parteinahme gedeutet werden würde.

 

8.2         Drittmittelforschung am Szilard-Punkt

Mit dem Begriff Szilard-Punkt bezeichnet man den Punkt, an dem die Gesamtkosten einer Drittmitteleinwerbung so hoch sind wie die eingeworbenen Drittmittel. Der Begriff geht auf den ungarischen Physiker Leo Szilard zurück, der diesen Zustand 1948 (!) in einem satirischen Aufsatz beschrieb. Der Österreicher Gerald Schweiger hat sich in jüngerer Zeit häufiger mit dem Thema beschäftigt, zuletzt publiziert in "Nature" (18.12.2025). Dort rechnet er mit seriösen Modellen eine aktuelle Ausschreibung im EU-Horizon-Programm durch ("GenAI for Africa"), bei dem die geschätzten Gesamtkosten der Bewerber wie der Begutachtung - je nach Modellannahmen - bei 5,3 Millionen bis 43,5 Millionen Euro liegen, wobei das Programm selbst 5,0 Millionen Drittmittel vergibt. Damit ist der Szilard-Punkt überschritten: das Ausschreiben, Bewerben und Begutachten kostet mehr als die Höhe der vergebenen Mittel; gesamtgesellschaftlich wird hier Forschungsgeld verbrannt. Eine Gruppe um Finn Luebber empfiehlt daher, wiederum empirisch begründet, an den Beginn ausgeschriebener Projekte eine Lotterie auf Basis von Projektentwürfen zu stellen, nach der die glücklichen Projekte erst tiefer spezifiziert, beantragt und begutachtet werden; solche eine Lotterie vorab würde die gesamtgesellschaftlichen Kosten drastisch reduzieren. Nicht nur: Luebbers et al. (2025) konnten per Simulationen in rückwärtigen Analysen von beantragten und geförderten Projekten zeigen, dass auch Seilschaften gebrochen wü0rden und der Anteil geförderter Frauen stiege. Wer ähnliche Prüfungen und Überlegungen selbst für seinen eigenen Bereich durchführen möchte: Das Social Neuroscience Lab der Universität Lübeck hat mit "GrantInq" ein Online-Tool bereitgestellt, das flexibel für unterschiedliche Bewerbungsszenarien entsprechende Berechnungen anstellt.

Schweiger, G. (2025). Point of no returns: researchers are crossing a threshold in the fight for funding. Nature Career Column, 18.12.2025. https://www.nature.com/articles/d41586-025-04060-x

Luebber, F. et al. (2023). GrantInq: A simulation of grant funding scenarios: https://osi-luebeck.shinyapps.io/GrantInq/

Schweiger, G. et al. (2024). The costs of competition in distributing scarce resarch funds. PNAS, 121 (59) e2407644121: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2407644121

Luebber, F. et al. (2025). Lottery before peer review is associated with increased female representation and reduced estimated economic cost in a German funding line. Nature Communications, 16; arcticle 9824 (2025): https://www.nature.com/articles/s41467-025-65660-9

Siegmund, F. (2021). Forschungsförderung umstellen: Lotterie statt Gutachten! DGUF-Newsletter, 100, 12.5.2021, Punkt 16.4.: https://www.dguf.de/newsletter/newsletter-lesen/100-dguf-newsletter-vom-12-05-2021#_Toc71731972

"Bürokratie: Steuergelder fließen oft zu großem Teil in Anträge statt Forschung" (Deutschlandfunk, 8.1.; Audio, 8:36 Min.): https://www.deutschlandfunk.de/buerokratie-steuergelder-fliessen-oft-zu-grossem-teil-in-antraege-statt-forschung-100.html

 

8.3         Vatikan würdigt 100 Jahre PIAC: Archäologie als "Schule der Inkarnation"

In einem neuen Apostolischen Schreiben vom 11.12. betonte Papst Leo XIV die zentrale Bedeutung der Archäologie für das Verständnis des Christentums. Dies geschah anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Päpstlichen Instituts für Christliche Archäologie (PIAC). Er erinnerte an die Gründung 1925 durch Pius XI (I Primitivi Cemeteri) und würdigte das PIAC als internationale Ausbildungs- und Forschungsstätte mit großem Einfluss auf Lehre und Denkmalpflege. Archäologie sei dabei nicht ausschließlich Spezialistenthema, sondern zeige, wie Glaube in Zeit, Raum und materieller Kultur konkret werde – eine "Schule der Inkarnation" und der Sinne. Das Schreiben verbindet archäologische Arbeit zudem mit kultureller Nachhaltigkeit und dem Nutzen neuer Methoden/Technologien, um Überlieferung und Befunde immer wieder neu zu erschließen. – Ein Apostolisches Schreiben ist ein päpstliches Lehr- bzw. Anlassdokument, mit dem der Papst eine Botschaft, Würdigung oder Orientierung zu einem konkreten Thema veröffentlicht.

"Apostolic Letter of the Holy Father Pope Leo XIV on the Importance of Archaeology on the Occasion of the Centenary of the Pontifical Institute of Christian Archaeology" (LEO PP. XIV, 11.12.: https://www.vatican.va/content/leo-xiv/en/apost_letters/documents/20251211-nel-centenario-piac.html)

 

8.4         Neuanfang oder Notbremse: die saarländische Landesarchäologie

Rainer Schreg bloggt über die Lage in der Landesarchäologie des Saarlandes und zitiert einen Artikel der Saarbrücker Zeitung: Aktuelle Grabungsprojekte im Saarland – nicht: Notgrabungen – sollen pausieren, um bestehende Dokumentationslücken und die Aufarbeitung durchgeführter Ausgrabungen zu regeln. Nicht thematisiert werde, schreibt Schreg, ob es ausschließlich um eine vorübergehende Initiative zur Aufarbeitung und Archivierung der bisherigen Grabungen oder um tiefer gehende strukturelle Reformen gehen soll.

"Notbremse in der saarländischen Landesarchäologie" (Archaeologik, 4.1.): https://archaeologik.blogspot.com/2026/01/notbremse-in-der-saarlandischen.html

 

8.5         Ausschreibung 6. Europäischer Archäologiepreis Joseph Déchelette (Bewerbung bis 1.3.)

Der Dissertationspreis wurde 2016 auf Initiative der Association Joseph Déchelette ins Leben gerufen und wird alle zwei Jahre in Roanne (Frankreich) verliehen. Die Auszeichnung will die Doktorarbeit eines jungen europäischen Archäologen oder einer jungen europäischen Archäologin hervorheben, die sich mit der Frühgeschichte befasst. Der Preis wird von französischen und europäischen Partnern unterstützt und ist mit verschiedenen Prämien dotiert, u. a. einem Preisgeld von 10.000 Euro und mit Forschungsaufenthalten. Die Ausschreibenden möchten die europäische Dimension des Preises stärken und rufen ausdrücklich auch zu Bewerbungen aus anderen Ländern als Frankreich auf.

Ausschreibung 6. Europäischer Archäologiepreis Joseph Déchelette: https://dechelette.hypotheses.org/files/2025/12/2026_Prix_Dechelette_Appel_D.pdf