DGUF Newsletter Nr. 139 vom 31.05.2026
Inhalt
1.1 DSchG NRW: DGUF und Deutsche Stiftung Denkmalschutz lobbyieren im Landtag
1.2 Novellierung DSchG NRW: Argumente der Kommunen und der Fachgesellschaften verfangen nicht
1.4 Archäologische Quellen 9 erschienen: Neues zum frührömischen Neuss
1.5 Archäopilot.de: Ein Jahr Orientierung in der Archäologie
2 Tagungen und Veranstaltungen
2.3 Summer School "Resilient Humanscapes" (Mainz, 17.–21.8.; CfP bis 5.6.)
2.4 4. Community Meeting "Forschungsdateninfrastruktur in der wiss. Praxis" (Online, 12.6.)
3.1 Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2 Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien
3.4 Südafrika: 220.000 Jahre alte Spuren des Hornfelsabbaus
3.5 Archäoakustik: Klanglandschaften prähistorischer Felsbilder
4.1 Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2 Anhörung im Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien betr. Denkmalpflege
5.1 DGUF-Gründungsmitglied Dr. Rudolph Kuper verstorben
5.2 Zukunftsfähig und in hohem Maße stabil: das marktbestimmte archäologische Leistungsfeld
5.3 Renovierung des WissZeitVG: Referentenentwurf liegt vor
5.4 HTW Berlin: Studiengang Konservierung / Restaurierung / Grabungstechnik
5.5 Neuer Vorstand des Verbandes für Grabungstechnik und Feldarchäologie
5.6 Junge Forschende sind innovativer, aber der Wissenschaftsbetrieb setzt auf Erfahrung
6.1 Das Archäologische Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern: Stand der Dinge
7.1 EAA: glätten sich die Wellen noch vor der Jahrestagung in Athen?
7.2 Literaturabverkauf der ÖGUF
7.3 Archäologische Frühdiagnostik in der Planfeststellung
7.4 "Profunder Überblick": Zu Ulrich Veits "Grundfragen der Prähistorischen Archäologie"
1 DGUF-Nachrichten
1.1 DSchG NRW: DGUF und Deutsche Stiftung Denkmalschutz lobbyieren im Landtag
Die gegen das laufende Gesetzgebungsverfahren zum DSchG NRW gerichteten Aktivitäten der im Denkmalschutz-Bündnis NRW versammelten Experten, Vereine und NGOs beschränken sich nicht auf Pressemeldungen und Stellungnahmen. Am Donnerstag, 7.5., waren DGUF und Deutsche Stiftung Denkmalschutz ganztägig mit einem (beim Landtagspräsidenten angemeldeten) Stand im Düsseldorfer Landtag präsent: gut sichtbar im Foyer, nahe der Landtags-Cafeteria. Der Termin lag an einem Sitzungstag des Landtags, d. h. alle Abgeordneten sind vor Ort, ständig laufen Abgeordnete geschäftig und in Eile am Stand vorbei. Die NRW-Politprominenz zum Verweilen zu veranlassen und ins Gespräch zu verwickeln, blieb schwierig, so waren z. B. Ministerpräsident H. Wüst, Innenminister H. Reul oder Arbeitsminister K.-J. Laumann allenfalls für einen kurzen Händedruck samt Foto aufzuhalten. Doch Oppositionsführer Jochen Ott (SPD) nahm sich Zeit für ein ausführliches Gespräch am Stand, eingeleitet von dem Hinweis, dass man derzeit leider nur Opposition sei und unser Widerstand die Regierungsparteien CDU und GRÜNE erreichen müsse. Inhaltlich teilen Ott und die SPD die Sicht der Denkmalschützer: Das Gesetzesvorhaben sei ungenügend und werde zu schnell durchgepeitscht. Mit etwas Courage und wohl auch Penetranz gelang es im Laufe des langen Tages immer wieder, einzelne Abgeordnete aufzuhalten und ins Gespräch zu verwickeln, gerade auch solche von den Regierungsparteien CDU und GRÜNE. Meist hört man von den Abgeordneten als erstes: Man sei ja kein Experte, vielmehr zuständig für Schulpolitik oder Landwirtschaft oder Gesundheitspolitik, usw. Doch meist wird interessiert zurückgefragt: "Was drückt Sie denn an dem Gesetzesentwurf an meisten?". Denn Denkmalschutz und Archäologie sind "catchy", jede Abgeordnete, jeder Abgeordnete hat in seinem Wahlkreis irgendein ihm bekanntes Baudenkmal, irgendwas Archäologisches, und kennt irgendwen, der Ärger mit der Baudenkmalpflege hatte. Die Gruppe der Aktiven am Stand war inhaltlich und regional breit aufgestellt, sodass stets jemand da war, der an das jeweilige regionale Interesse der Abgeordneten anknüpfen konnte. Vorteilhaft: auf Initiative der DGUF waren auch je eine rheinische und eine westfälische Grabungsfirma dabei, d. h. echte Arbeitgeber - was durchaus wahrgenommen wurde. – Was lernen wir aus den Gesprächen? Es ist nicht leicht, omnipräsente Mythen von sperrigen Baudenkmalpflegern "vom Amt" und deren befremdliche Auflagen oder von "jahrelang" "mit dem Pinsel" in der Baustelle tätigen Archäologen zu zerstreuen. Es fehlen uns empirische Fakten: Wie lange dauert es vom Bauantrag bis zur Bewilligung, und wie viel Zeit davon benötigt die denkmalrechtliche Begutachtung und Genehmigung? Die meisten Abgeordneten haben keine Sachkenntnis, sie werden mit den Experten ihrer Fraktion stimmen. Doch es ist möglich, Sand in diesem eingefahrenen Getriebe zu sein, denn die Argumente, die wir gegen den Gesetzentwurf vorbrachten, haben oft überzeugt, auch Abgeordnete der Regierungsfraktionen - wenn man es schafft, das Argument auf eine überschaubare Aufmerksamkeitsspanne und den Duktus einer Zeitungsschlagzeile zu reduzieren. Dass die geplante Veränderung von "im Benehmen" zu "nach Anhörung" eine erhebliche Einfluss-Reduktion der Fachlichkeit ist, braucht man den Polit-Profis nicht lange zu erklären. Trotz der o. g. Mythen: alle halten den Erhalt von Baudenkmalen für wichtig, die Archäologie hat viel Sympathie und Interesse. Das argumentative Aber - dass an dem Gesetzentwurf doch was Richtiges sei - macht sich verlässlich nicht an der Archäologie, sondern an der Baudenkmalpflege fest: Man müsse doch auch mal priorisieren können und nicht alles als gleich wichtig bis zum Letzten verteidigen wollen. Es folgen Beispiele wie eine denkmalgeschützte Brücke, die für den Verkehr so wichtig sei, usw. usf. Dass das nicht nur der Ethos den Denkmalschützer ist, sich schützend vor jedes Denkmal zu stellen, sondern schlicht Vollzug ihres gesetzlichen Auftrags, wird ungern gehört. Immerhin: dass der Gleichbehandlungsgrundsatz ein sehr hohes Gut sei und es daher keine gute Idee ist, private Denkmaleigentümer anders zu behandeln als staatliche Denkmaleigentümer (wie es das Gesetz nun vorsieht), leuchtet rundum ein - zumindest so lange, wie man am Stand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz debattiert. "Ich habe den Eindruck, dass man viele Abgeordnete im Einzelgespräch würde erreichen und auch überzeugen können", bilanzierte Frank Siegmund, der für die DGUF am Stand war, den Tag, "aber 195 Landtagsabgeordnete einzeln in ihrem jeweiligen Wahlkreis aufzusuchen, das können wir leider nicht leisten."
DGUF.de zum laufenden Gesetzgebungsverfahren: https://www.dguf.de/ngo/stellungnahmen/regelungen-und-gesetzgebungsverfahren/2026-novellierung-des-denkmalschutzgesetzes-nordrhein-westfalen
Denkmalschutz-Bündnis NRW: https://denkmalschutz-erhalten.nrw/
Deutsche Stiftung Denkmalschutz: https://www.denkmalschutz.de/aktuelles.html
1.2 Novellierung DSchG NRW: Argumente der Kommunen und der Fachgesellschaften verfangen nicht
Das in 1. Lesung ins Landesparlament NRW eingebrachte Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung enthält in § 2 tiefgreifende Veränderungen am Denkmalschutzgesetz NRW. Diese Änderungen werden von vielen Fachgesellschaften und NGOs (u. a. der DGUF) abgelehnt, aber auch von wichtigen Kommunen und Kommunalverbänden. Trotz ungewöhnlich vieler Stellungnahmen und eingehender Debatte im zuständigen Fachausschuss am 14.4. lautet das Zwischenergebnis: "Der Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung empfiehlt, den Gesetzentwurf, Drucksache 18/17474, unverändert anzunehmen." Es lohnt, das öffentlich zugängliche Sitzungsprotokoll zu lesen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie rüde der Gesetzentwurf von der aktuellen Mehrheit durchgepeitscht und wie sehr fachlich fundierte Einwände ignoriert werden - wobei der Aspekt, welche Partei sich hier wie positioniert und profiliert z. T. überraschend ist. Spannend ist, dass rel. viele Kommunen die Übernahme der ihnen neu übertragenen Aufgaben ausdrücklich ablehnen. Zuletzt hat als hochkarätiges Gremium die "Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände NRW", d. h. der Städtetag NRW, der Landkreistag NRW und "Kommunen.NRW", sich in einer Stellungnahme ausdrücklich gegen geplante Änderungen am DSchG NRW ausgesprochen und dem Parlament konstruktiv konkrete alternative Formulierungsvorschläge gemacht. Das Denkmalschutz-Bündnis NRW, das den fachlichen Widerstand gegen die Gesetzesnovellierung bündelt und koordiniert, unterstützt nun den Vorschlag der kommunalen Spitzenverbände im Sinne eines "das Schlimmste verhüten". Die 2. Lesung des Gesetzes im Parlament (und voraussichtliche Beschlussfassung) ist für die Sitzungsperiode 17.-19.6. vorgesehen. Bis dahin versucht u. a. die DGUF, weiter auch ins persönliche Gespräch mit den Abgeordneten der Regierungsparteien zu kommen - ein Versuch, der von der CDU bereits abgelehnt wurde. Ja, am 27.4.2027 sind Landtagswahlen in NRW, und die DGUF wird das ihr Mögliche tun, den Wählern und Wählerinnen das Vorgehen und die (dann wohl gefallenen) Entscheidungen der Parteien zur Frage des Denkmalschutzes in NWR nahezubringen.
Gesetzentwurf der Landesregierung: "Drittes Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung 2018 und weiterer Vorschriften im Land Nordrhein-Westfalen", Drs. 18/17474: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-17474.pdf
Stellungnahme der DGUF: https://www.dguf.de/ngo/stellungnahmen/regelungen-und-gesetzgebungsverfahren/2026-novellierung-des-denkmalschutzgesetzes-nordrhein-westfalen
Alle dem Parlament vorliegenden Stellungnahmen zum Gesetzentwurf 18/17474: https://www.landtag.nrw.de/home/dokumente/dokumentensuche/gesetzgebungsportal/suchergebnis-gesetze.html?nummer=1812841/0100&ev=g&wp=18
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Bauen, Wohnen und Digitalisierung (14.4.2026): https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD18-19457.pdf
Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände NRW: "Drittes Gesetz zur Änderung der Landesbauordnung 2018 und weiterer Vorschriften im Land Nordrhein-Westfalen, Ltg.-Drucksache 18/17474, hier: Artikel 2 Gesetz zur Änderung des Denkmalschutzgesetzes NRW (DSchG NRW), Artikel 4 Inkrafttreten: Ergänzende Stellungnahme mit Anregungen der Landschaftsverbände und der Kommunalen Spitzenverbände NRW" (Drs. 18/3815): https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST18-3815.pdf
1.3 DGUF-Session "Praktika im Archäologiestudium" im Rahmen der WSVA-Tagung (Bonn, 22.9.; CfP bis 15.6.)
Der DGUF-Arbeitskreis "Studentische Belange" wird auf der Jahrestagung der Altertumsverbände im Rahmen einer halbtägigen Session die Ergebnisse der Umfrage zu Praktika im Archäologiestudium vorstellen und damit als Einstieg ins Thema einen Überblick über studentische Erfahrungen geben. Unser bis 15.6. verlängerter CfP richtet sich an Studierende, die den allgemeinen Überblick durch fokussierte Erfahrungen oder Statements ergänzen wollen, sowie an Lehrende, an Praktika-Geber und Arbeitgeber, die aus ihrer Perspektive das Thema beleuchten wollen. Ziel ist es, in Bonn gemeinsam eine Zwischenbilanz zu ziehen und Perspektiven zu entwickeln, um den Ist-Zustand weiter zu verbessern. Vortragsanmeldungen bitte bis 15.6. an
Tagungswebsite beim WSVA: https://wsva.net/tagungen/
Website zur DGUF-Session "Praktika im Archäologiestudium": https://www.dguf.de/component/content/article/dguf-session-praktika-im-archaeologiestudium
1.4 Archäologische Quellen 9 erschienen: Neues zum frührömischen Neuss
Hinter einem ebenso inhaltlich eindeutigen wie sperrig langen Buchtitel verbirgt sich der Erfolg einer engagierten Firmengrabung und -grabungsauswertung: Nördlich der römischen Brücke über die Erft und des sog. Koenenlagers - dem antiken Novaesium / Neuss - birgt der Boden Reste mehrerer frührömischer Lager der Zeit ca. 20 v. Chr. - 40 n. Chr. Beauftragt war die Firma minerva X mit der baubegleitenden Untersuchung während des Abrisses der Werkshallen der Neusser Eternit-Fabrik, die vor allem im mittleren Drittel des 20. Jahrhunderts Dachbedeckungen herstellte. Auf dem insges. 7 Hektar großen Abbruchgelände konnten ca. 1,5 ha archäologisch untersucht werden. Der Grabungsbericht legt dar, dass trotz der unglücklich beauflagten Vorgehensweise als Abbruchbegleitung und trotz der Industrieüberbauung des 20. Jahrhunderts wertvolle frührömische Funde und Befunde gesichert werden konnten. Der bislang nur zu Teilen bekannte Grundriss des Lagers Novaesium A kann nun vollends konkretisiert werden, zudem wird ein (noch) früheres, augusteisch-tiberisches Lager wahrscheinlich gemacht. Als besonderes Fundstück wird eine sogenannte Defrutumpfanne aus Blei hervorgehoben - ein Objekt, das in der Antike zur Herstellung von "Defrutum" verwendet wurde, einem süßen, mit Bleizucker eingekochten Traubenmost, der als Süßungsmittel oder Konservierungsstoff diente. Der Fund ist bislang der erste Nachweis eines solchen Gefäßes nördlich der Alpen.
Esser, St. (2025). Ergebnisse zur archäologischen Abbruchbegleitung der ehemaligen Eternitfabrik im Bereich des augusteisch-tiberischen Truppenplatzes NOVAESIUM im Neusser Augustinusviertel. (Archäologische Quellen 9). Kerpen-Loogh 2025 - 110 Seiten, mit 53 meist farb. Abb. Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). Gedruckt und online im Open Access: https://www.dguf.de/publikationen/archaeologische-quellen/bisher-erschienen-aq/aq-9-stefanie-esser-ergebnisse-zur-archaeologischen-abbruchbegleitung-der-ehemaligen-eternitfabrik-im-bereich-des-augusteisch-tiberischen-truppenplatzes-novaesium-im-neusser-augustinusviertel
1.5 Archäopilot.de: Ein Jahr Orientierung in der Archäologie
Vor einem Jahr, am 30.5.2025, launchte die DGUF den Archäopilot – ein umfassendes Branchenverzeichnis der deutschen Archäologie, in dem Suchende ihre zuständige Landesarchäologie finden, ein interessantes Archäologie-Museum, eine Fachfirma, einen Spezialisten / Dienstleister, oder Studieninteressierte ihren künftigen Studienstandort, junge Wissenschaftlerinnen ihre Lieblings-AG. Als Besonderheit verfügt der Archäopilot über eine regionale Suche, sodass man gezielt suchen kann, was es im Umkreis des eigenen Standorts oder z. B. des geplanten Urlaubsortes gibt. Das Sich-Eintragen im Archäopiloten ist kostenlos! – und im Unterschied zu anderen Verzeichnissen nicht an eine Vereins-Mitgliedschaft gebunden. Aber: institutionelle DGUF-Mitglieder erhalten breitere Möglichkeiten der Selbstdarstellung, was z. B. für kleine Firmen oder Gründer sehr interessant sein kann, die keine eigene Website haben. Der Archäopilot ermöglicht es, in der Kategorie "Events" z. B. auf Ausstellungen oder Tagungen aufmerksam zu machen oder einen Call for Papers zu veröffentlichen. Die Kategorie "Angebote" bietet insbes. Stellenanzeigen. Die DGUF erinnert Eingetragene regelmäßig daran, ihren Eintrag ggf. zu aktualisieren, sodass Nutzer sich auf die Aktualität der Einträge verlassen können. Dass der Archäopilot weiterhin als Beta-Version gekennzeichnet ist, ist Teil seines Entwicklungsverständnisses: Er ist bereits breit nutzbar, wird aber mit den Erfahrungen aus der Praxis weiter geschärft, ergänzt und verbessert.
Der Archäopilot: https://archaeopilot.de/
DGUF Newsletter Nr. 131 vom 11.6.2025: https://www.dguf.de/newsletter/newsletter-lesen/dguf-newsletter-nr-131-vom-11-06-2025
Ein FAQ zum Archäopilot: https://archaeopilot.de/infos/faq
1.6 Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Gail M. Higginbottom et al. (eds): Megalithic Societies: Old Questions, New Narratives
Unter den zahlreichen Publikationen, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal auf einen im März erschienenen Band hingewiesen, der 16 Artikel aus der European Megalithic Studies Group beinhaltet. Aus dem Klappentext: "Shining a light on some of the most interesting research results on megalithic cultures, as well as their contemporaries, these 16 papers cover monuments from Germany, moving down the Atlantic Facade across to Ireland and then back to the Western Mediterranean. Issues presented in this volume include temporality and mobility (both at the broad scale and at the local scale), social organisation & settings and external relationships. The methods used to investigate these themes are various: bio-molecular and isotopic analyses, typo-chronology, targeted excavations & radiocarbon dating, material cultural analyses, 3D models, ceremonial & funerary/burial practices (including osteometrics) and large-scale prospection. New methods researching the materiality and symbolism of monuments are also presented; some incorporate the role of the natural world. Alongside them are other contributions focusing on the key characteristic of megalithic monuments – the skilful and purposeful arrangement of large blocks of stone – and their interpretation. Discoveries include the intriguing return of large & complex ceremonial timber circles in active megalithic areas, presenting a significant contrast to what was considered the main funerary expressions in South Portugal. Ultimately, through the application of new, or differently applied, technologies and ways of thinking, this volume offers a series of studies that remove some of the mystery that surrounds these mementos of another time." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an:
Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: https://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/dguf-dok_arch-inf_rezensionsangebote.pdf
Gail M. Higginbottom, Jadranka Verdonkschot, Chris Scarre, A. César González-García, and Felipe Criado-Boado (eds): Megalithic Societies: Old Questions, New Narratives. 299 pages w. 164 figures, 20 tables. March 2026. https://www.archaeopress.com/Archaeopress/Products/9781805830764
2 Tagungen und Veranstaltungen
2.1 Gemeinsame Tagung des West- und Süddeutschen, des Nordwestdeutschen und des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (Bonn, 21.-25.9.)
Auf der Verbandstagung treffen sich die folgenden Arbeitsgruppen: Spätantike/Frühmittelalter (SFM), Boden, Waffen und Werkzeuge, Theorie in der Archäologie (TidA), Neolithikum, Römerzeit, RKZ Barbaricum, Master und Promotion sowie Geschlechterforschung. Die DGUF beteiligt sich mit einer halbtägigen Session am 22.9. zum Thema "Praktika im Archäologiestudium"; dafür können Vortragsvorschläge bis 15.6. eingereicht werden. Das gesamte Tagungsprogramm ist ab Mitte Juli auf der Tagungswebseite verfügbar. – Die Tagung wird ausgerichtet vom WSVA in Kooperation mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und dem LVR-LandesMuseum Bonn. Anmeldeschluss ist der 1.9.
Tagungswebsite mit Anmeldung: https://wsva.net/tagungen/
DGUF-Session "Praktika im Archäologiestudium": https://www.dguf.de/component/content/article/dguf-session-praktika-im-archaeologiestudium
2.2 "Digital Minds or Digital Mines? Digitale Archäologie als Kritische Archäologie des Digitalen" (Bonn, 22.9.)
Durch neue digitale Methoden und Instrumente wird die tägliche Arbeit und Routine in Archäologien und Altertumswissenschaften gravierend und nachhaltig beeinflusst. Wie verändern digitale Tools und Digitalität nicht nur den Methodenapparat, sondern auch unsere Art zu denken (datenorientiertes Denken), Fragen zu stellen, Antworten zu validieren? Eine Session der AG TidA in Kooperation mit Propylaeum und NFDI4Objects auf der gemeinsamen Jahrestagung der Verbände für Altertumsforschung will sich mit den Themenbereichen KI und Big Data & Open Data auseinandersetzen.
https://www.agtida.de/news/cfp-digital-minds-or-digital-mines/
2.3 Summer School "Resilient Humanscapes" (Mainz, 17.–21.8.; CfP bis 5.6.)
Wie entstehen Resilienzen, wie werden sie ausgehandelt und in den Verflechtungen menschlicher Gesellschaften mit ihren kulturellen, ökologischen und historischen Kontexten sichtbar? Damit befasst sich im August eine Summer School "Resilient Humanscapes: Exploring Resiliencies in Human-Spatial Interactions" in Mainz am LEIZA. Sie richtet sich an Masterstudierende, Doktoranden und Postdocs. Bewerbungsfrist ist der 5.6.
2.4 4. Community Meeting "Forschungsdateninfrastruktur in der wiss. Praxis" (Online, 12.6.)
Inzwischen steht das Programm des 4. Community Meetings "Forschungsdateninfrastruktur in der wissenschaftlichen Praxis" online. Die halbtägige Vortragsveranstaltung richtet sich sowohl an Personen, die NFDI4Objects kennenlernen möchten, als auch an Forschende und Interessierte. Sie findet virtuell statt, die Zugangsdaten sind über die NFDI-Website erhältlich.
Meeting-Website: https://www.nfdi4objects.net/events/n40_activity_20260612-CM2026/
3 Forschung
3.1 Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Flückiger, A. (2026). Rezension zu: Ausstellung "Verlorene Krieger": Germanen zwischen Macht und Mythos. VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese, 25. 4. 2026 – 7. 11. 2027. Archäologische Informationen 49, Early View, online publiziert 29. Mai 2026.
Dietrich, O. (2026). Rezension zu: Veit, U. (2025). Grundfragen der Prähistorischen Archäologie. Eine Einführung in archäologische Frage- und Begründungsweisen. Tübingen: Narr Francke Attempto. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 12. Mai 2026.
Merker, G. & Tegge, S. (2026). Archäologische Frühdiagnostik in der Planfeststellung von NABEG-Erdkabelvorhaben – ein planungsintegrierter Ansatz. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 11. Mai 2026.
Tegge, S., Merker, G. & Nolle, J. (2026). Perspektiven und Perspektivwechsel für das vorhabenbezogene archäologische Berufsfeld im Bereich von linearer Infrastrukturplanung: Chancen im Rahmen des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 30 April 2026.
Ballin, T. B., Birch, St., Hardy, K. & Peteranna, M. (2026). The procurement and exchange of lithic raw materials on Skye during the Mesolithic period. Archäologische Informationen 48, Early View, published online: 23 April 2026.
https://www.dguf.de/early-views
3.2 Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien
"Wie die Cheops-Pyramide auch Erdbeben übersteht. Seit Jahrtausenden trotzt die Cheops-Pyramide bei Kairo selbst starken Erschütterungen. Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen Frequenzen, in denen das Bauwerk und seine Umgebung schwingen" (Spiegel, 22.5.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/aegypten-wie-die-cheops-pyramide-auch-erdbeben-uebersteht-a-46bf13f8-6b06-4448-8829-f54140551a49
"Ökokrise in der Bronzezeit. Bereits vor Jahrtausenden folgten Umweltkrisen auf den Wirtschaftsboom, wie Ausgrabung in Troja zeigen" (Universität Tübingen, 22.5.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/forschungsmagazin-attempto/oekokrise-in-der-bronzezeit/
Erbgut aus Großsteingräbern in Mitteldeutschland: "Patchwork-Familien vor mehr als 5000 Jahren" (Roots, 21.5.): https://www.uni-kiel.de/de/cluster-roots/detailansicht/news/082-verwandtschaft-jungsteinzeit
Frankfurt a. M.: "Ein Bauwerk am Mainufer aus keltischer Zeit" (FAZ, 21.5.): https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/archaeologie/bauwerk-aus-keltischer-zeit-in-aschaffenburg-gefunden-accg-200854349.html
"Umfassende Pflanzennutzung durch Regenwaldbewohner bereits lange vor dem Beginn der Landwirtschaft" (MPG, 20.5.): https://www.gea.mpg.de/225524/foragers-intensify-plant-use?c=192952
"KI liest Keilschrift neu: Meilenstein für die Altorientalistik" (Universität Würzburg, 18.5.): https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/single/news/ki-palaeographicum/
"Rethinking Homo erectus and Denisovans with ancient proteins. Mixture demonstrated for old fossil teeth hints that anthropologists may have mixed ideas" (John Hawks, 15.5.): https://www.johnhawks.net/p/rethinking-homo-erectus-and-denisovans
"Frühe Homininen: Ein Blick in die Vergangenheit mit Röntgenstrahlen. Waren Australopithecus und Paranthropus Zweibeiner oder Baumbewohner?" (TU Wien, 12.5.): https://www.tuwien.at/tu-wien/aktuelles/news/news/fruehe-homininen-ein-blick-in-die-vergangenheit-mit-roentgenstrahlen
"Un petit groupe funéraire mérovingien à Porte-de-Seine (Eure)" (INRAP, 12.5.): https://www.inrap.fr/un-petit-groupe-funeraire-merovingien-porte-de-seine-eure-20715
"Archäologie-Experiment: Wie Menschen in der Steinzeit Käse machten" (Tagesschau, 9.5.): https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/archaeologie-kaeseherstellung-steinzeit-100.html
"A new age for ‘Ubeidiya. The earliest Acheulean artifacts in Eurasia may be closely connected to their development in Africa" (John Hawks, 9.5.): https://www.johnhawks.net/p/a-new-age-for-ubeidiya
Cucuteni-Tripolje-Kultur: "FAU-Forschende finden neue Hinweise auf frühe soziale Organisation" (Universität Erlangen-Nürnberg, 8.5.): https://www.fau.de/2026/05/news/archaeologie-siedlungsstrukturen-aus-der-urgeschichte/
"Forschungsgrabung im Bereich eines ehemaligen Konzentrations-Außenlagers und weiterer Zwangsarbeitslager bei Genthin" (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte, 7.5.): https://idw-online.de/de/news870431
Nuraghe Barru: "Bronzezeitliche Türme auf Sardinien dienten in der Eisenzeit als religiöse Kultstätten" (Universität Tübingen, 6.5.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/bronzezeitliche-tuerme-auf-sardinien-dienten-in-der-eisenzeit-als-religioese-kultstaetten/
"Pompeji: Opfer wollte sich mit Tongefäß schützen" (ORF, 28.4.): https://science.orf.at/stories/3235285/
3.3 Innere Hebriden: Die Beschaffung und der Austausch von Steinrohmaterialien auf Skye während des Mesolithikums
Im Gegensatz zum südlichen Großbritannien oder Dänemark, wo urgeschichtliche Steinartefakt-Inventare von Feuerstein dominiert werden, sind Inventare aus Schottland oft diverser, wobei Inventare von der Insel Skye die bei weitem vielfältigsten sind. Der Aufsatz diskutiert Versorgung, Austausch und Territorialstrukturen auf der Grundlage von Rohmaterialien mit begrenzten, aber geographisch bekannten Aufschlüssen diskutiert, wie Heliotrop von Rum, Durness-Hornstein, Staffin-Tonstein und massive Lapillituffe aus der erloschenen Kilchrist-Caldera im südlichen Skye
Ballin, T. B., Birch, St., Hardy, K. & Peteranna, M. (2026). The procurement and exchange of lithic raw materials on Skye during the Mesolithic period. Archäologische Informationen 48, Early View, published online: 23 April 2026. http://dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_ballin-etal.pdf
3.4 Südafrika: 220.000 Jahre alte Spuren des Hornfelsabbaus
Das bisher vorherrschende Paradigma lautet, dass Jäger‑ und Sammlergruppen während der Altsteinzeit das Material für Steinwerkzeuge beiläufig bei anderen Aktivitäten sammelten. An der Fundstelle Jojosi in Südafrika wurden 220.000 Jahre alte Spuren gezielten Rohstoffabbaus entdeckt. "Wir fanden in Jojosi zahlreiche Spuren des Hornfelsabbaus: Blöcke, die auf ihre Qualität hin angeschlagen wurden, Abschläge verschiedener Größe, tausende millimetergroße Produktionsabfälle und Hammersteine", sagt Dr. Manuel Will aus der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen. Die Forschergruppe entdeckte ausschließlich Produktionsabfall, keine Endprodukte oder anderer Aktivitäts- und Besiedlungsspuren. Die Wissenschaftler gehen von einer Nutzung des Areals über zehntausende von Jahren hinweg aus, mindestens bis 110.000 v. Chr. Die Fundstelle wird seit 2022 untersucht. "Schon bei ersten Begutachtungen zu Fuß und bei Drohnenüberflügen entdeckten wir etwa ein Dutzend Orte, an denen perfekt erhaltene, unverwitterte Hornfelsabschläge im erodierten Sediment sichtbar waren – eine absolute Seltenheit in einer Freilandfundstelle", sagt Will. Bei den Ausgrabungen legten die Forschenden dann klar abgegrenzte, horizontale Lagen mit hohen Funddichten von 200.000 bis zwei Mio. Artefakten pro Kubikmeter frei. Sämtliche Sedimente wurden gesiebt, um selbst die kleinsten Abschläge zu bewahren.
Will, M., Sommer, C., Möller, G. H. D., Botha, G. A., Blessing, M. A., Msimanga, L., Mazel, A., Val, A., Venditti, F., Riedesel, S: Specialised and persistent raw material procurement by humans in the Middle Pleistocene. Nature Communications, http://doi.org/10.1038/s41467-026-70783-8
"Steinzeitlicher Steinbruch: Bereits vor 220.000 Jahren bauten Menschen in Südafrika gezielt Rohstoffe ab" (Universität Tübingen, 7.4.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/steinzeitlicher-steinbruch-bereits-vor-220000-jahren-bauten-menschen-in-suedafrika-gezielt-rohstoffe-ab/
3.5 Archäoakustik: Klanglandschaften prähistorischer Felsbilder
Felsbilder wurden vielerorts offenbar nicht an beliebigen, sondern an akustisch besonderen Stellen angebracht: an Orten mit Echo, Resonanz, Schallverstärkung oder auffälliger Schallübertragung. Das zeigen bereits ältere Beobachtungen u. a. in französischen Höhlen. Inzwischen wurden solche Zusammenhänge im vom ERC geförderten Projekt "Artsoundscapes" systematischer und mit moderner Messtechnik untersucht. Zum Einsatz kamen u. a. Impulsantwortmessungen, Lautsprecheranordnungen, GIS-gestützte Kartierungen und Auralisationen. Die Ergebnisse legen nahe, dass prähistorische Bildorte nicht allein visuell, sondern multisensorisch zu verstehen sind. Klang, Stimme, Musik, Tierlaute, Wind oder Feuergeräusche konnten die Wirkung von Felsbildern verstärken und möglicherweise in rituelle, narrative oder schamanische Praktiken eingebunden sein. Besonders interessant ist die Deutung, dass Geräusche an manchen Orten scheinbar aus dem Fels oder hinter den Bildern kamen und so als Präsenz von Personen, Tieren oder übernatürlichen Akteuren wahrgenommen worden sein könnten. Ein zusammenfassender Beitrag in "Spektrum der Wissenschaft" plädiert dafür, dass die Erforschung prähistorischer Kunst stärker als bisher auch den akustischen Raum berücksichtigen sollte – nicht als dekorativen Zusatz, sondern als möglichen Bestandteil der ursprünglichen Bedeutungs- und Nutzungskontexte.
"Als Höhlen noch sprechen konnten" (Spektrum der Wissenschaft, 15.4.): https://www.spektrum.de/news/soundscapes-der-steinzeit-als-hoehlen-noch-sprechen-konnten/2221114?utm
ERC-Projekt "Artsoundscapes": https://www.ub.edu/artsoundscapes/
4 Kulturgutschutz
4.1 Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
"Zur Plünderung freigegeben - die Katastrophe wiederholt sich jeden Tag" (Archaeologik, 12.5.): https://archaeologik.blogspot.com/2026/05/zur-plunderung-freigegeben-die.html
"KI-Inhalte zum Holocaust verfälschen Geschichte" (Tagesschau, 8.5.): https://www.tagesschau.de/faktenfinder/ki-fakes-holocaust-100.html
"Venedig geht langsam unter. Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen. Zugleich sinkt der Boden unter Venedig ab. Forscher halten für möglich: Irgendwann muss die Lagunenstadt ins Landesinnere umziehen" (Tagesschau, 29.4.): https://www.tagesschau.de/wissen/klima/meeresspiegelanstieg-venedig-100.html
4.2 Anhörung im Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien betr. Denkmalpflege
Am 20.5. fand in Berlin eine öffentliche Sitzung des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien statt. Thema: "Aktueller Stand der Denkmalpflege und der Baukultur sowie Perspektiven für Denkmäler von nationaler Bedeutung". Ohne konkreten Anlass sollte die Anhörung der Information der Abgeordneten und dem Austausch mit Experten dienen. Geladen waren Experten und Interessenvertreter des Baudenkmalschutzes, deren schriftliche Stellungnahmen über die Website des Deutschen Bundestags einsehbar sind. Die Experten nutzten die Gelegenheit, den Wert der reichen (Bau-) Denkmal-Landschaft in Deutschland und die Vorteile bewährter Regelungen zu betonen, die derzeit rundum unter den Schlagwörtern "Entbürokratisierung", "Bürokratieabbau", "Verfahrensbeschleunigung", "Bau-Turbo" etc. bedroht sind. Interessant ist, dass das Thema Denkmalschutz vom Ausschuss spezifisch als "Baudenkmalschutz" verstanden wurde und daher kein Archäologie-Experte oder -Verband zur Stellungnahme eingeladen war, obwohl die Gesetze und Regelungen in der Regel Bau- wie Bodendenkmalpflege betreffen. Der Versuch des Verbandes der Landesarchäologien, mit seiner Stellungnahme vom 14.5. "Archäologie in Gefahr" in diese gedankliche Phalanx einzubrechen und auf die Betroffenheit der Archäologie hinzuweisen, findet im politischen Raum offensichtlich wenig Resonanz.
Tagesordnung: https://www.bundestag.de/resource/blob/1177898/PA22_to22-pdf.pdf
Website mit Stellungnahmen: https://www.bundestag.de/ausschuesse/a22_kultur/oeffentliche_sitzungen/1177896-1177896
"Archäologie in Gefahr: Statement des Verbandes der Landesarchäologien zur Lage der staatlichen Bodendenkmalpflege in Deutschland" (VLA, 14.5.): https://www.landesarchaeologien.de/aktuelles/newsdetail/archaeologie-in-gefahr
5 Beruf Archäologie
5.1 DGUF-Gründungsmitglied Dr. Rudolph Kuper verstorben
Am 14.4. starb der Rudolph Kuper. Der am 28.5.1937 geborene Archäologe war Gründungsmitglied der DGUF, Gründer der Forschungsstelle Afrika (Universität zu Köln) und des Heinrich-Barth-Instituts e. V. Rudolph Kuper rief das Sonderforschungsprojekt "Siedlungsarchäologie der Aldenhovener Platte" ins Leben, aus dem ab 1965 ein Pilotprojekt der Braunkohlenarchäologie wurde. 2019 nahm Kuper an der 50-Jahr-Feier der DGUF in Bonn teil und beschenkte uns mit Tonaufnahmen und Originaldokumenten aus der Gründungsphase. Das DAI würdigt in seinem Nachruf, dass neben dem Heinrich-Barth-Institut die Projekte "B.O.S. – Besiedlungsgeschichte der Ostsahara" und "A.C.A.C.I.A. – Kultur- und Landschaftswandel im ariden Afrika" maßgebliche und bis heute unverzichtbare Beiträge zur Erforschung der frühen Kulturstufen Ägyptens und des Sudan geleistet haben. Der Schutz der Wüste sei Kuper ebenfalls eine Herzensangelegenheit gewesen.
"Nachruf Rudolph Kuper (28. Mai 1937 – 14. April 2026)" (DAI, 23.4.): https://www.dainst.org/newsroom/noslug/820
5.2 Zukunftsfähig und in hohem Maße stabil: das marktbestimmte archäologische Leistungsfeld
"Archäologische Leistungserbringung erweitert sich von einer primär reaktiv organisierten, grabungsnahen Auflagenpraxis zu einem daten- und prozessintegrierten Wissens- und Leistungsfeld", schreiben Sebastian Tegge (K2 Engineering GmbH), Gunhilt Merker (ATLAS TITAN Ost GmbH) und Jana Nolle (TenneT TSO GmbH). Eine stabile Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal, langfristig angelegte Infrastrukturprogramme sowie ein wachsender Bedarf an digitaler Fachkompetenz sorgten insbes. im Kontext marktbestimmter archäologischer Dienstleistungen für ein deutlich klareres und planbareres Berufsfeld als noch vor wenigen Jahren.
Tegge, S., Merker, G. & Nolle, J. (2026). Perspektiven und Perspektivwechsel für das vorhabenbezogene archäologische Berufsfeld im Bereich von linearer Infrastrukturplanung: Chancen im Rahmen des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 30 April 2026. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_tegge-merker-nolle.pdf
5.3 Renovierung des WissZeitVG: Referentenentwurf liegt vor
Ende Mai hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt den Referentenentwurf für die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) vorlegt und das parlamentarische Verfahren zur Gesetzgebung eingeleitet. Damit wird kurz vor knapp die Vereinbarung im Koalitionsvertrag abgearbeitet, das WissZeitVG bis Sommer 2026 zu novellieren. Diese Vereinbarung wiederum geht auf die Vorgängerregierung ("Ampel") zurück, die die unter den Parteien und zwischen den Stakeholdern strittige Novellierung zwar begonnen hatte, aber wegen des vorzeitigen Endes der Koalition nicht zu Ende führen konnte. Die nun vorgesehenen Änderungen sind gegenüber dem (vielerorts kritisierten) Ist-Zustand recht überschaubar: Für die Promovierenden wird - wie oft gefordert - neu eine Mindestvertragslaufzeit von drei Jahren festgelegt. Für die Post-Docs bleibt es bei der Sechs-Jahres-Höchstdauer, wobei - anders als zuvor - "gesparte" Jahre aus der maximal sechsjährigen Promotionsphase nicht mehr verlängernd in die Post-Doc-Zeit übertragen werden können. Eine erste fundierte Analyse des noch frischen Papiers liefert der Journalist Jan-Martin Wiarda in seinem vielgelesenen Blog. Er sieht wesentliche Forderungen der #IchBinHanna-Bewegung nicht erfüllt und hält den Entwurf für einen Versuch der Ministerin, nur weniges zu regeln und zentrale Streitpunkte auf die Länder zu verlagern. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz hingegen begrüßt den Gesetzentwurf ausdrücklich; für ihn sind positiv genau jene Aspekte, die seit langem - und nun wieder verstärkt in den Social Media aufbrandend - von der GEW und der #IchBinHanna-Bewegung kritisiert werden. Dort schlussfolgern viele Betroffene: Der Entwurf sei ein klares Signal an junge Wissenschaftler: verlasst die Wissenschaft so bald wie möglich und sucht ein Berufsleben außerhalb der Academia.
"Referentenentwurf des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (26.5.): Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Befristungsrechts im Wissenschaftsbereich": https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/gesetze/befr_Arbeitsvertraege_Wissenschaft_WissZeit_VG/referentenentwurf/RefEntwurf_WissZeitVG_2026.pdf?__blob=publicationFile&v=2
"Wissenschaftszeitvertragsgesetz: Neuer Referentenentwurf liegt vor" (Forschung & Lehre, 29.5.): https://www.forschung-und-lehre.de/politik/neuer-referentenentwurf-liegt-vor-7723
"WissZeitVG: BMFTR legt Referentenentwurf vor" (JMWiarda-Blog, 28.5.): https://www.jmwiarda.de/blog/2026/05/28/wisszeitvg-bmftr-legt-referentenentwurf-vor
"HRK-Präsident zum aktuellen Referentenentwurf zur Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes" (HRK, 29.5.): https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/hrk-praesident-zum-aktuellen-referentenentwurf-zur-novellierung-des-wissenschaftszeitvertragsgesetzes/
",Ampel light‘ ist kein Rezept gegen Befristungsmissbrauch" (GEW, 29.5.): https://www.gew.de/presse/pressemitteilungen/detailseite/gew-ampel-light-ist-kein-rezept-gegen-befristungsmissbrauch
[exemplarisch für die #IchBinHanna-Bewegung:]
Kristin Eichhorn (LinkedIn, 29.5.): https://de.linkedin.com/posts/kristin-eichhorn-451502127_wisszeitvg-bmftr-legt-referentenentwurf-activity-7465827997166501903-jMOy und Amrei Bahr (LinkedIn, 30.5.): https://de.linkedin.com/posts/amrei-bahr-8a9269275_wisszeitvg-ichbinhanna-wisszeitvg-activity-7466092920886964224-a9KA
5.4 HTW Berlin: Studiengang Konservierung / Restaurierung / Grabungstechnik
Nach zahlreichen Protesten und Hintergrundgesprächen gegen das Auslaufen der Studiengänge Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik an der HTW Berlin gab die Fachhochschule am 15.4. per Pressemeldung bekannt, dass nun doch neue Studierende zum WS 2026/27 angenommen würden. "Studiengang gerettet" lief es alsbald durch diverse News- und Social-Media-Kanäle im Fach – gewiss eine vorschnelle Deutung der Pressemeldung. Denn die HTW unterliegt weiterhin erheblichen Sparzwängen, und der zuständige Fachbereich wird frei werdende Stellen nicht wiederbesetzten - auch das wird in der Pressemeldung vom 15.4. recht unmissverständlich dargelegt. Es geht also aktuell mehr um eine Galgenfrist denn um eine Rettung; eine Galgenfrist, die Gelegenheit bieten soll, den nun wohlklingend "Transformierung" genannten Sparprozess zu gestalten. Während die üblichen Kräfte im Fach nach Bekanntgabe der Schließungspläne vor allem starke Worte fanden - das ganze Spektrum von "Protest", "Bestürzung", "Empörung" war zu lesen -, organisierte die DGUF einen handfesten Kontakt der HTW Berlin zum CIfA-Deutschland-Arbeitskreis Fachfirmen und einem Konsortium von zuletzt 19 Fachfirmen, der konkrete Unterstützung bot: Man könne die HTW praktisch und finanziell unterstützen, wenn denn neu ein Dualer Studiengang entstehe, dessen Inhalte sich auch am (großen) inhaltlichen Bedarf der Fachfirmen orientieren. Über ein hochkarätiges Treffen dazu am 12.3. in Frankfurt berichteten wir im DGUF-Newsletter vom 5.4. Und seitdem? Sascha Piffko, Sprecher des AK Fachfirmen, berichtet am 26.5. in einem Rundbrief an die AK-Mitglieder: Ja, es gab weitere Gespräche. Aber seit dem Beschluss der vorläufigen Nicht-Schließung steht das Konzept eines Dualen Studiums, das seitens der Fachfirmen angeregt wurde (und mitfinanziert würde!), einstweilen nicht mehr zur Debatte. Offenbar sucht die HTW Berlin derzeit lieber Wege, Absolventen für den öffentlichen Dienst in Berlin zu generieren. Aktuell also geht's mit aller Kraft zurück auf den Weg, der bereits gescheitert war (mangels Studierenden), während die Option einer Private-Public-Partnership wieder verworfen wurde. Verstehe das, wer will ...
"Studiengang Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik nimmt weiterhin Erstsemester auf" (Pressemeldung HTW Berlin, 15.4.): https://www.htw-berlin.de/einrichtungen/zentrale-referate/kommunikation/pressemitteilungen/studiengang-konservierung-und-restaurierung/grabungstechnik-nimmt-weiterhin-erstsemester-auf
"HTW Berlin: Sondierungsgespräch AK Fachfirmen / Grabungstechnik HTW Berlin" (DGUF Newsletter vom 5. 4. 2026, Punkt 7.3): https://www.dguf.de/newsletter/newsletter-lesen/dguf-newsletter-nr-138-vom-05-04-2026#_Toc226309959
5.5 Neuer Vorstand des Verbandes für Grabungstechnik und Feldarchäologie
Die Mitglieder des Verbandes für Grabungstechnik und Feldarchäologie (VGFA) wählten im April einen neuen Vorstand: Vorsitzende ist Anika Krause M.Sc.. Die Grabungstechnikerin ist beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum tätig. 1. Stellvertretende Vorsitzende ist die selbstständige Grabungstechnikerin Susen Döbel M.Sc. 2. Stellvertretender Vorsitzender ist der Grabungstechniker Julian Schierenbeck M.Sc.,, der beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege beschäftigt ist. Der VBGFA vertritt die beruflichen Interessen von Beschäftigten in der Bodendenkmalpflege im deutschsprachigen Raum.
Website des VGFA: https://feldarchaeologie.de/
5.6 Junge Forschende sind innovativer, aber der Wissenschaftsbetrieb setzt auf Erfahrung
Eine am 7.5. in "Science" veröffentlichte Studie, die Daten von 12,5 Mio. Forschenden untersucht hat, zeigt, dass v. a. zu Karrierebeginn Forschungsdurchbrüche erreicht werden, die bisherige Denkweisen verändern. Mit zunehmendem Alter und mehr Erfahrung werden Forschende immer besser darin, bereits bestehende Ideen neu zu kombinieren. Für ein gut funktionierendes Wissenschaftssystem brauche es beide Herangehensweisen. Unser westlich geprägtes Wissenschaftssystem setze jedoch vorrangig auf Erfahrung, z. B. bei der Leitung von Forschungsteams sowie Gutachter-Tätigkeiten. Die Autoren der Studie regen an, über mögliche politische Implikationen nachzudenken – etwa in den Bereichen Forschungsförderung, Tenure- und Beförderungssysteme, Einwanderung und Mobilität, Personalentwicklung sowie Anreize für (und Barrieren gegen) Kooperation und Innovation.
"Wissenschaftsbetrieb: Junge Forschende sind innovativer" (Tagesschau, 9.5.): https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/forschende-alter-innovativ-100.html
Haochuan Cui et al., Aging and the narrowing of scientific innovation. Science392,588-591(2026). DOI:10.1126/science.ady8732 https://www.science.org/doi/10.1126/science.ady8732
6 Ausstellungen und Museen
6.1 Das Archäologische Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern: Stand der Dinge
Vor zehn Jahren machte die DGUF das (nicht existente) Archäologische Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern zum Punkt 1 ihrer Wahlprüfsteine zur Landtagswahl. Heute gibt es dieses Museum weiterhin nicht. Warum nicht und was seitdem geschah, das fasst eine Gesprächsrunde in der Reihe "Talk auf dem Kran" von MV1 - einem landesweiten, privaten Fernsehsender in Mecklenburg-Vorpommern - zusammen. Außenstehenden mag die Talk-Runde von 37 Minuten etwas länglich erscheinen, aber sie fasst eine zehn Jahre währende (und immer noch andauernde) Debatte zusammen: Inzwischen hat sich ein starker Förderverein gegründet, der rege und nachhaltig lobbyiert; hat man sich für die Wiedereinrichtung eines Archäologischen Landesmuseums entschieden; hat sich für Rostock als Standort entschieden; hat einen Architekturwettbewerb durchgeführt und einen Sieger gekürt; hat die Finanzierung zwischen dem Land und der Stadt Rostock vertraglich geklärt; hat einen Museumsdirektor eingesetzt. Ziel ist ein Neubau am Rostocker Stadthafen, also da, wo jährlich mehrere Millionen Transitgäste auf dem Weg zwischen Norddeutschland und Skandinavien vorbeischauen und derzeit eine unattraktive Wüstenei vorfinden. Doch der berühmte 1. Spatenstich steht weiterhin aus; aktuell werden wieder Finanzierungsfragen betont und ein günstigerer Standort geprüft - nun die sog. Societät in der Rostocker Innenstadt, die bis Ende 2025 als Schifffahrtsmuseum diente und wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Die Talkrunde versammelt erfahrene Befürworter des Landesmuseums und des Standorts am Stadthafen, u. a. den ehem. Rostocker Bürgermeister und den Museumsdirektor Prof. Karlsen. Ebenfalls angefragte Lokal- und Landespolitiker wollten sich nicht am Gespräch beteiligen ...
"Zwischen Warnowbrücke und Stadtentwicklung: Debatte um Rostocks Archäologisches Landesmuseum" (MV1 - Heimat bewegz, 23.5.; 37:11 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=UsSqMVUXzGk
"Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern": https://freundeskreis-alm.de/
"Historisches Schifffahrtsmuseum in Rostock schließt" (NDR, 29.12.2025): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/rostock/historisches-schifffahrtsmuseum-in-rostock-schliesst,mvregiorostock-2126.html
"Wahlprüfsteine der DGUF zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016": https://www.dguf.de/ngo/wahlpruefsteine/bisherige-wahlpruefsteine/wahlpruefsteine-der-dguf-zur-landtagswahl-in-mecklenburg-vorpommern-2016
6.2 "Einen Besuch wert": Zur Ausstellung "Verlorene Krieger. Germanen zwischen Macht und Mythos" (Kalkriese, bis 7. 11. 2027)
Seit 25.4. ist im Museum und Park Kalkriese eine Sonderausstellung mit mehr als 1.000 Funden aus den Moorniederlegungen des 2. bis 5. Jh. n. Chr. von Thorsberg (Schleswig-Holstein) und Nydam (Sønderjylland) zu sehen. Anna Flückiger hat die Ausstellung mit den Prunkstücken (u. a. die Thorsberger Maske, die Tunika und Hose, die Zierscheiben) besucht. Sie lobt, dass nicht nur die Forschungsergebnisse viel Platz bekommen, sondern auch die archäologische Forschung selbst und deren Vertreter. Den Weg der frühen Entdeckungen erzählen auch vier Graphic-Novel-Heftchen. Die absichtsvolle Zerstörung von Artefakten würde sorgsam erklärt, auch theoretische Inhalte würden verständlich vermittelt. Die Ausstellung sei in vielen Aspekten kinderfreundlich und barrierearm sowie optisch ansprechend gestaltet. Flückigers Fazit: "Die neue Ausstellung im Museum Kalkriese ist einen Besuch wert."
Flückiger, A. (2026). Rezension zu: Ausstellung "Verlorene Krieger": Germanen zwischen Macht und Mythos. VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese, 25. 4. 2026 – 7. 11. 2027. Archäologische Informationen 49, Early View, online publiziert 29. Mai 2026. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_flueckiger2.pdf
Ausstellungs-Website: https://verlorene-krieger.de/
"Germanen: Museum zeigt Waffen, Kleidung und Alltagsgegenstände" (NDR, 23.4.): https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/germanen-museum-zeigt-waffen-kleidung-und-alltagsgegenstaende,germanen-104.html
7 Und sonst …
7.1 EAA: glätten sich die Wellen noch vor der Jahrestagung in Athen?
Wir erinnern uns: Zur Jahrestagung 2025 in Belgrad hatte es in der EAA angesichts des Kriegs im Gaza-Streifen heftige Auseinandersetzung und ein Hin & Her um die Teilnahme von Institutionen aus Israel gegeben. EAA-Mitglieder hatten im Vorfeld der Belgrader Jahrestagung den Ausschluss von Institutionen aus Israel von der Teilnahme verlangt. Nach der Jahrestagung formierte sich eine Gruppe ConcernedEAA, die ein Special Meeting verlangte (und erreichte), um eine verbindliche Positionsbestimmung der EAA zu einem Israel-Boykott zu erreichen und Satzungsänderungen, die für die Zukunft Vorgehensweisen wie zu Belgrad 2025 ausschließen. Auseinandersetzungen auch innerhalb der EAA-Institutionen und -Gruppen waren die Folge, bis hin zum Rücktritt von Vorstandsmitgliedern. Eine von der EAA eingesetzte Task Force hatte dann im Jan. 2026 die Aufgabe übernommen, verbindliche Positionen und Vorgehensweisen zu finden, um die EAA wieder handlungsfähig zu machen. Anfang Mai veröffentlichte die EAA ein "EAA Statement on Current Conflicts in Western Asia", das Position beziehen und Ruhe in die Mitgliedschaft bringen will. Stark verkürzt: die EAA ist eine Archäologie- und Wissenschaftsorganisation; in Bezug auf die Politik jenseits der unmittelbaren Fachpolitik, insbes. hinsichtlich von Sanktionen, folgt die EAA dem, was berufene, breit anerkannte politische Instanzen wie z. B. die UNO oder die EU beschließen und tun, sie verfolgt diesbezüglich keine eigene politische Agenda. Klärend, beruhigend? Nein, denn schon am 11.5. veröffentlichte die Gruppe "Archaeology Against Apartheid" (AAAEAA) ein Statement, das zum Boykott der 2026er-Jahrestagung in Athen aufruft. Schwer durchschaubare und schwer greifbare Gruppierungen unterstützen diesen Aufruf: ConcernedEAA, Archaeologist Against Apartheid, The Black Trowel Collective; inzwischen hat sogar die Vereinigung griechischer Archäologen dazu aufgerufen, die EAA in Athen zu boykottieren. Der Zwist erreicht aktuell die Organisatoren der einzelnen Sessions, die vom wiss. Komitee bereits angenommen sind. Sie sind nun zu entscheiden gezwungen: ziehen wir unsere Session zurück oder nicht? Neutralität ist kaum mehr möglich: gleich wie man sich entscheidet, es wird als politische Positionsbestimmung in einer polarisierten Debatte verstanden. Damit ist absehbar, dass auch vor Ort in Athen die Politik und der Streit um die Teilnahme von Institutionen u. a. aus Israel eine große, evtl. sogar dominante Rolle spielen werden.
"EAA Statement on Current Conflicts in Western Asia" (EAA, 8.5.): https://www.e-a-a.org/EAA/About/Statements_2018-2024/STATEMENT-ON-THE-CURRENT-CONFLICTS-IN-WESTERN-ASIA-.aspx
EAA-News / Mitgliederbrief vom 8.5.: https://www.e-a-a.org/EAA/News___Publications/News_Items/EAA-Institutional-affiliations-and-Statement-on-Current-Conflicts-in-Western-Asia.aspx
Ανοιχτή επιστολή σχετικά με τις εξελίξεις στην European Association of Archaeologists (SEA, 10.2.): https://archaeol.gr/anoichti-epistoli-schetika-me-tis-exelixeis-stin-european-association-of-archaeologists/
7.2 Literaturabverkauf der ÖGUF
Die Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (ÖGUF) verkauft derzeit Restbestände von einzelnen Büchern und ihrer Zeitschrift "Archäologie Österreichs" (AÖ). Darunter sind teilweise ausschließlich antiquarisch bzw. nicht mehr erhältliche Publikationen (wie z. B. ältere Ausgaben der Mitteilungen der Prähistorischen Kommission). Außerdem bietet die ÖGUF auch Restbestände des AÖ-Vorgängers "Mitteilungen der Urgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft in der Anthropologischen Gesellschaft in Wien" (MUAG) an. Neu dürfen auch Nicht-ÖGUF-Mitglieder bestellen. Bestellungen bitte an
Literaturliste und Preise (zzgl. Versand): https://login.companyserver.at/media/oeguf/1769187285-depotabverkauf-23-01-2026-pdf.pdf
7.3 Archäologische Frühdiagnostik in der Planfeststellung
Die archäologische Frühdiagnostik dient der Identifikation und Bewertung archäologischer Risiken in Erdkabelvorhaben. Mittels eines modularen, iterativen Systems verknüpft sie Desktopstudien und archäologische Prospektionsmethoden mit den Anforderungen der fachplanerischen Trassen-Konkretisierung. Gunhilt Merker (Atlas Titan) und Sebastian Tegge (K2 Engineering GmbH) beschreiben, wie archäologischer Erkenntnisse in die Projektsteuerung integriert und belastbare Entscheidungsgrundlagen im Planfeststellungsverfahren geschaffen werden.
Merker, G. & Tegge, S. (2026). Archäologische Frühdiagnostik in der Planfeststellung von NABEG-Erdkabelvorhaben – ein planungsintegrierter Ansatz. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 11. Mai 2026. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_merker_tegge.pdf
7.4 "Profunder Überblick": Zu Ulrich Veits "Grundfragen der Prähistorischen Archäologie"
Als einen "profunden Überblick zu Kernfragen des Erkenntnisprozesses der Prähistorischen Archäologie" bewertet Rezensent Oliver Dietrich die "Grundfragen der Prähistorischen Archäologie" von Ulrich Veit. Das 2025 erschienene Buch sei weniger auf Studienanfänger ausgerichtet, sondern auf etwas fortgeschrittenere Seminare.
Dietrich, O. (2026). Rezension zu: Veit, U. (2025). Grundfragen der Prähistorischen Archäologie. Eine Einführung in archäologische Frage- und Begründungsweisen. Tübingen: Narr Francke Attempto. Archäologische Informationen 48, Early View, online publiziert 12. Mai 2026. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_dietrich.pdf