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2026: Zwischenbilanz Lineare Projekte: Chancen, Learnings, Verbesserungspotenziale

Lineare Projekte wie z.B. die A4 Kassel - Dresden - Görlitz, die A20 Ostseeautobahn, die B6n, die NEL Pipeline oder die Ethylen-Pipeline Süd haben die Archäologie in Deutschland insbes. seit der Wende 1989 stark beschäftigt. Ein Ende ist nicht absehbar, im Gegenteil: Insbesondere die Energiewende geht mit zahlreichen weiteren Trassenbauten und -planungen einher, z.B. SuedLink, SuedOstLink, A-Nord/Ultranet. Was haben wir im Rückblick aus drei Jahrzehnten Trassenarchäologie methodisch und strukturell gelernt? Was lernen wir in den laufenden Planungsprozessen? Was folgt daraus für die Zukunft? Die Tagung möchte zusammentragen, welche übergreifenden Erkenntnisse für Planer und Investoren, Fachfirmen, Denkmalbehörden und Forschende gewonnen wurden.

Die Tagung findet eintägig im Rahmen der Messen "denkmal" und MUTEC in Leipzig (5.-7.Nov.) am Freitag, 6. November statt.

 

Organisatorisches

Die Tagung findet räumlich innerhalb der Messe 'denkmal' statt (Link). Die DGUF erhebt keine Tagungsgebühr, Teilnehmer müssen aber den üblichen Eintritt in die Messe entrichten; näheres dazu auf der Website der Messe, dort. Die DGUF bietet während der Tagung, z.B. in den Kaffeepausen, kein eigenes Catering an; alle Teilnehmer:innen sind frei, die diversen Angebote auf dem Messegelände zu nutzen.

Anmeldung: Die DGUF bittet um eine Anmeldung zur Tagung bis spätestens 22. Oktober. Die Anmeldung bitte mit akad. Titel, Name, Vorname, Institution (wenn gewünscht) per Email an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

Vorträge

8:45 Uhr ff.

DGUF-Vorstand: Einführung.
Dr. Harald Stäuble: 30 Jahre Lineare Großprojekte am LfA Sachsen (1995-2025).
Dr. Stefanie Berg (BLfD, München): Erfahrungen bei Linearen Projekte in Bayern in den letzten 25 Jahren.
Dr. Jörg Bofinger & Marco Schrickel M.A. (LAD Baden-Württemberg): Lineare Projekte in Baden-Württemberg - Chancen und Risiken für die Landesarchäologie in Südwestdeutschland.
Dr. Ralf Keller & Sascha Schmidt M.A. (Fodilus GmbH, Rottenburg-Wurmlingen): Archäologie im Takt der Linienbaustelle - Erfahrungen aus 6 Jahren Trassenarchäologie in Baden-Württemberg und Bayern.

Dr. Susanne Friederich (LAD Sachsen-Anhalt): Tausende Kilometer Archäologie in Sachsen-Anhalt.
Alissa Foltin (Jacobs GmbH /Transnet BW) & Phoebe Zabel (SWA, Göttingen): Trassenprojekt SuedLink – eine Zwischenbilanz aus Südniedersachsen.
Dr. Gabor Viragos & Gergő A. Juhász M.A.: Lineare Projekte in Ungarn – Erfahrungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven aus archäologischer Sicht.

Anna Anzenberger M.Sc. (Archäologisches Büro Anzenberger & Leicht GbR, Furth), Falk Näth M.A: (denkmal3D GmbH & Co. KG, Vechta) & Stephan Winkler M.A.: (Archäologieberatung Winkler KG, Münster): Vergeben und Vergessen 2.0. Warum wir in der Archäologie immer noch falsch ausschreiben.
Dr. Jan Weinig (Arch Pro Beratungsgesellschaft mbH, Ingolstadt): Staatliche Denkmalpflege und privatwirtschaftliche Archäologie – Geoinformationssysteme und Standardisierung: ein Status quo?

Diskussionsrunde I

12:30 - 13:30 Mittagspause

PD Dr. Frank Siegmund, MCIfA (DGUF): Fachkräftemangel in der Archäologie: Ist-Zustand und Perspektiven.
Dr. Jan Schneider, MCIfA (SPAU GmbH, Münzenberg): Jenseits der Ausgrabung: Neue Aufgaben für archäologische Fachfirmen.
Sascha Piffko M.A., MCIfA (SPAU GmbH, Münzenberg): Megaprojekte: Traum oder Alptraum?
Sarah Wolff M.A., MCIfA (ADW, Hardheim / infra jv): With a little help from my friends: Fachkräftemangel und Strukturwandel in archäologischen Fachfirmen im Rahmen linearer Großprojekte.

Teresa Losert M.A. (Pro Arch Prospektion und Archäologie GmbH, Ingolstadt): "Einmal mit Profis arbeiten" - Großprojekte und ihr Einfluss auf eine Branche.
Jessica Meyer M.A., Dipl. Geogr. Burkart Ullrich (Eastern Atlas GmbH) & Katharina Schmeiduch, M.A. (AiMV GmbH, Neubukow): Planungssicherheit im Trassenbau – Erkenntnisse aus dem Abgleich geophysikalischer Prospektionen mit archäologischen Ausgrabungen auf der Trasse OST-6-1, M-V.
Anna Anzenberger M.Sc. (Archäologisches Büro Anzenberger & Leicht GbR, Furth) & Gergő A. Juhász M.A.: Planungssicherheit in Infrastrukturprojekten: Daten, Methoden und Anwendung in der Projektvorbereitung.

Dipl.-Geogr. Britta Kopecky-Hermanns (Büro für Bodenkunde und Geoarchäologie, Aystetten) & Dr. Christian Tinapp: Geoarchäologische Begleitung linearer Infrastrukturprojekte. Zwischenbilanz aus 20 Jahren praktischer Geoarchäologie: Chancen und Nutzen der interdisziplinären Zusammenarbeit für die Bodendenkmalpflege.
Dr. Holger Hitgen (TenneT TSO GmbH) & Dr. Jürgen Obmann (BLfD, München): Grundlagen zur Umsetzung der bodendenkmalpflegerischen Maßnahmen im Erdkabelprojekt SüdOstLink in Bayern.
Dr. Jörg Bofinger & Dr. René Wollenweber (LAD Baden-Württemberg): Gaspipelines und Fernverkehrstrassen - große Infrastrukturprojekte im Vergleich.
Gunhilt Merker (Atlas Titan GmbH) & Sebastian Tegge (Cteam Engineering GmbH): Archäologie in der Projektplanung sichtbar machen.

Diskussionsrunde II

17:45 Uhr: Ende der Tagung

 

Vortragszusammenfassungen

30 Jahre Lineare Großprojekte am LfA Sachsen (1995-2025) (Dr. Harald Stäuble)

Ein marodes Versorgungsnetz und zahlreiche nach der Wende notwendig gewordene Infrastrukturmaßnahmen führten zu einem ähnlichen Bauboom, wie er wohl in den 1950er Jahren vor allem im westlichen Europa stattgefunden haben muss. Einen Vorteil gab es in der ersten Hälfte der 1990er Jahre dennoch: die in den neuen Bundesländern geänderten Denkmalschutzgesetze. In Sachsen erfolgte das im März 1993. Im neuen DSchG wurden ein paar ganz wichtige Aspekte berücksichtigt, die uns erlaubten, sämtliche größeren Baumaßnahmen archäologisch zu begleiten. Es hat allerdings seine Zeit gebraucht, bis "das System" tatsächlich auch fast reibungslos funktionierte. So kämpfte man 1995/96 mit dem Autobahnamt, um die von uns geforderten und für sie damals noch ungewohnten archäologischen Arbeiten in den üblichen Workflow einer solchen komplexen Baumaßnahme zu integrieren. Erst ab 1997 funktionierte das – nicht zuletzt mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums – so gut, dass man sich bei neuen oder auch bei Autobahnverbreiterungen stets freiwillig meldete, uns ausreichend Vorlauf gab und die gut fundierten finanziellen Forderungen meist widerspruchlos hinnahm. Ein ähnlicher Prozess fand auch bzgl. der großen Anzahl von sog. Produktenleitungen statt, die gerade im Umfeld der großen Braunkohlenabbaugebiete notwendig waren. Die Durchsetzung unserer "radikalen Arbeitsweise" – übrigens stets ohne juristische Komplikationen, jedoch weiterhin mit politischer Unterstützung – erfolgte ab 1996/97 und wurde trotz unterschiedlicher Verursacher nach einem gewissen Überzeugungs- und Gewöhnungsprozess als gegeben, weil funktionierend akzeptiert. Behilflich waren dabei nicht zuletzt die ersten sicherlich etwas holprigen Maßnahmen, die gute, vorzeigbare Resultate erbrachten und sich als additive positive Beispiele etablierten. Das einfache Ziel, dass die archäologischen Arbeiten weit im Vorfeld der Baumaßnahme erfolgten und der tatsächliche Bau ungehindert stattfinden konnte, verlangte freilich beidseitige Kompromissbereitschaft, bildete jedoch einen Vorteil für beide Parteien. Das sprach sich herum, es galt "never change a running system".

 

Lineare Projekte in Baden-Württemberg - Chancen und Risiken für die Landesarchäologie in Südwestdeutschland (Dr. Jörg Bofinger & Marco Schrickel M.A. )

Gas, Strom, Autobahn oder ICE-Trasse: Die Erneuerung oder der Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur hinterlässt über viele Kilometer mehr oder weniger erkennbare Einschnitte in der Landschaft. Aus der archäologischen Perspektive heraus eröffnen lineare Projekte einzigartige Einblicke in die Kulturlandschaft und öffnen Bereiche, die ansonsten der präventiven Archäologie verborgen bleiben müssen. Dem hohen wissenschaftlichen Potenzial stehen aufwändige Planung und komplexe Realisierung linearer Maßnahmen entgegen und stellen alle Beteiligten vor eine gewaltige Aufgabe. Als Träger öffentlicher Belange ist das LAD Baden-Württemberg bereits im Vorfeld der Planfeststellungsverfahren in die Planungen einbezogen. Es steht in der Planungsphase z.B. für Fragen der optimierten Streckenplanung zur Verfügung und übernimmt die fachliche Bewertung der geplanten Trassen. In der Phase der praktischen Durchführung der Maßnahmen kontrolliert es die fachgerechte Durchführung der notwendigen archäologischen Maßnahmen und übernimmt nach deren Abschuss die Fürsorge um die Abgabe der archivfähigen Dokumentation vollumfänglich und sorgt für eine langfristige Nutzbarkeit der Denkmaldaten. Eine besondere Herausforderung in der Zukunft stellt die wissenschaftliche Inwertsetzung der Grabungsergebnisse dar, wofür es gesonderte Auswertungskonzepte und Publikationsstrategien bedarf. 

 

Jenseits der Ausgrabung: Neue Aufgaben für archäologische Fachfirmen (Dr. Jan Schneider)

Das Kerntätigkeitsfeld archäologischer Fachfirmen umfasst traditionell die Durchführung archäologischer Ausgrabungen sowie die damit verbundenen Dokumentations- und Nachbereitungsarbeiten. Mittlerweile haben sich darüber hinaus verschiedene nicht-invasive Prospektionsmethoden und die damit verbundenen Aufgabenfelder zunehmend im privatwirtschaftlichen Sektor etabliert.

Im Laufe der letzten Jahre werden Archäologinnen und Archäologen auch verstärkt in Tätigkeitsbereichen eingesetzt, die bislang nur eine untergeordnete Rolle spielten. Insbesondere im Rahmen großer linearer Infrastrukturprojekte zählen dazu unter anderem Antrags- und Genehmigungsverfahren, Maßnahmenplanungen, Risikoabschätzungen sowie vielfältige weitere Beratungs- und Begutachtungsleistungen. Der Vortrag beleuchtet anhand bisheriger Erfahrungen, welche neuen Tätigkeitsfelder sich für archäologische Fachfirmen eröffnen, welche Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben und welche fachlichen sowie organisatorischen Anforderungen diese Entwicklungen an Archäologinnen und Archäologen stellen.

 

Gaspipelines, Stromtrassen und Fernverkehrstrassen – erste Ergebnisse großer Infrastrukturprojekte in Baden-Württemberg im Vergleich. (Dr. Jörg Bofinger & Dr. René Wollenweber)

Die aktuellen Trassenprojekte in Baden-Württemberg mit ihren unterschiedlichen Vorhabenträger und Rahmenbedingungen haben bei allen Spezifika in der Gesamtschau bemerkenswerte Ergebnisse erbracht. Im Partnerfeld spielen die unterschiedlichen Beteiligten dabei jeweils eine klar definierte Rolle. Der staatlichen Denkmalpflege kommt insbesondere bei der Planung im Vorfeld der archäologischen Feldarbeiten als auch bei der permanenten Überwachung der Bautätigkeit im laufenden Projekt und nicht zuletzt bei der wissenschaftlichen Inwertsetzung der Grabungsergebnisse eine besondere Aufgabe zu. Die Erfahrungen in der Durchführung archäologischer Trassengrabungen waren in Baden-Württemberg, allein aufgrund der nahtlosen Einbindung der Landesdenkmalpflege, bisher weitestgehend positiv. Das erfolgreiche Zusammenspiel mit den im Land ansässigen und mit der süddeutschen Archäologie auch fachlich sehr eng verbundenen Grabungsfirmen trägt wesentlich zu einer funktionierenden Trassenarchäologie in Baden-Württemberg bei. Die Erfahrungen zeigen, dass Entwicklungspotenziale weniger in der archäologischen Trassenplanung, die von den Denkmalbehörden i.d.R kostenlos den Vorhabenträgern in Form von Stellungnahmen zur Verfügung gestellt wird, als in der fachlichen Umsetzung von Grabungen und Grabungsrichtlinien liegen. So besitzt aus Sicht der Landesdenkmalpflege nach wie vor die fachliche Rückkopplung seitens des beauftragten Partnerfeldes Priorität. Hier spielen die Qualifikation, die archäologische Berufserfahrung, EDV, Sprachkenntnisse sowie Kenntnisse um die Spezifika der süddeutschen Archäologie eine wesentliche Rolle.
Im Vortrag sollen lineare Großprojekte und deren zu erwartender wissenschaftlicher Ertrag der letzten Jahre kursorisch miteinander verglichen werden. Bemerkenswert sind dabei teils herausragende Ergebnisse und Neuentdeckungen sowohl an einzelnen Fundstellen als auch bei der Betrachtung der Siedlungsgeschichte ganzer Landschaften. Diese Ergebnisse müssen möglichst bald der wissenschaftlichen Community auf unterschiedlichen Ebenen zu Verfügung stehen, was alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen stellen wird. Diesen Prozess begleitet und koordiniert das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

 

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Stand: 26. Juli 2026