Unter Mitarbeit von Melanie Eigen, Dirk Herdemerten, Joachim Hunke, Dieter Hupka, Maria Klefke, Lilly Lukas, Peter Motsch und Torsten Zimmer
Archäologische Quellen 9
Neuss gehört zu den wenigen Orten in Deutschland, deren Wurzeln tief in der Antike liegen. Schon in den letzten beiden vorchristlichen Jahrzehnten befand sich hier an der Mündung der Erft in den Rhein eine stark befestigte Operationsbasis der römischen Streitkräfte. Dort führte das Pulheimer Fachbüro 'minerva X' in den Jahren 2021 und 2022 auf dem ca. 7 ha großen Gelände der ehemaligen Eternitfabrik anlässlich des Abbruchs der Werkshallen eine archäologische Untersuchung durch. Wenngleich der Fundplatz als Teil des augusteisch-tiberischen Truppenplatzes NOVAESIUM seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt ist und hier über Jahrzehnte zahlreiche Maßnahmen stattfanden, bildet der derzeitige Publikationsstand nicht die Höhe der Forschung ab. Der vorliegende Bericht fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen und gibt eine Übersicht der Befundlage im Westen der UNESCO-Welterbefläche.
Im Zuge Neugestaltung des Geländes der ehemaligen Eternitfabrik in Neuss-Gnadental wurde der Abriss der ehemaligen Werkshallen in den Jahren 2021 und 2022 durch das archäologische Fachbüro minerva X sachkundig begleitet. Das Gebiet liegt mitten im sogenannten "Truppenplatz NOVAESIUM", einem der ältesten bekannten römischen Militärstandorte am Rhein. Im Zuge der Begleitung des Abbruchs der Fundamente und Keller der ehem. Eternitwerksgebäude gelang es ca. 1,5 ha der insgesamt ca. 7,2 ha großen Vorhabensfläche archäologisch zu untersuchen. Obwohl das Gelände seit dem 19. Jahrhundert industriell genutzt wurde und stark überbaut war, zeigte es, dass im Boden noch zahlreiche Spuren der römischen Vergangenheit erhalten geblieben sind. Unter anderem wurden Fundamente römischer Gebäude sowie Relikte der Nutzung des Geländes entdeckt. Diese lassen sich in die Zeit zwischen dem späten ersten Jahrhundert vor Christus und der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus einordnen – also in die frühe Phase der römischen Besetzung des Rheinlandes.
Ebenso außerordentlich erwies sich das Fundmaterial. Ein besonderes Fundstück sticht dabei hervor: eine sogenannte Defrutumpfanne aus Blei, das in der Antike zur Herstellung von „Defrutum“ verwendet wurde – einem süßen, mit Bleizucker eingekochten Traubenmost, der als Süßungsmittel oder Konservierungsstoff diente. Der Fund ist bislang der erste Nachweis eines solchen Gefäßes nördlich der Alpen.
Die archäologische Untersuchung lieferte nicht nur neue Erkenntnisse über die Entwicklung der römischen Lager in Neuss, sondern auch über das Alltagsleben der Menschen, die dort vor über 2000 Jahren lebten. Die dokumentierten römischen Bodendenkmäler helfen, die Geschichte von Neuss besser zu verstehen. Sie dienen als Grundlage für künftige Bauvorhaben, um bedeutende Bodendenkmäler, die Teil des Weltkulturerbes sind, zu schützen.
Die Autorin
Stefanie Esser (minerva X) ist seit vielen Jahren deutschlandweit in der Feldarchäologie tätig. Ihr persönlicher Forschungsschwerpunkt liegt auf den Kulturen des Jungneolithikums, doch in zahlreichen Ausgrabungen hat sie diachron praktische Erfahrungen gesammelt und deckt ein breites Spektrum innerhalb der Archäologie ab.
Der Band
Kerpen-Loogh 2025. 110 Seiten, mit 53 meist farbigen Abbildungen. Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF).
E-Book im kostenlosen Open Access: eISBN 978-3-96929-452-9. DOI: https://doi.org/10.11588/propylaeum.1655
Gedruckte Ausgabe: ISBN 978-3-945663-28-8. Softcover. 29,80 Euro, für DGUF-Mitglieder 19,90 Euro. Preise zzgl. Porto und Verpackung.
CC BY 4.0
Bestellung
DGUF-Verlag
z.Hd. Dr. Werner Schön
An der Lay 4
D - 54 573 Kerpen-Loogh
Telefon: 06593 / 98 96 42
Stand: April 2026