DGUF-Newsletter vom 18.12.2019

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DGUF Newsletter

vom 18. Dezember 2019

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Inhalt

1  DGUF-Nachrichten

1.1  Die derzeitige Wirtschaftslage in der privatwirtschaftlichen Archäologie Deutschlands – DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2019 erschienen

1.2  Archäologische Quellen 3 erschienen. Erwin Cziesla: Archäologie auf der Ortsumfahrung Passow (Lkr. Uckermark, Bundesland Brandenburg)

1.3  DGUF-Jahrestagung 2020 darf nicht Teil des 10. Deutschen Archäologie-Kongresses in Kiel sein

1.4  Neue Rubrik im DGUF-Newsletter: der Gastkommentar

1.5  Die DGUF beim Amazon-Einkauf finanziell unterstützen - ohne zusätzliche Kosten

1.6  Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Stefanie Berg, Jörg Bofinger, Rüdiger Schulz (Hrsg.): 370 Kilometer Archäologie - Ausgrabungen an der Ethylen Pipelinetrasse in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

2  Tagungen und Veranstaltungen

2.1  CIfA-Deutschland-Jahrestagung 2020 (Frankfurt, 26./27.6.2020)

2.2  "Kleine Fächer: Perspektiven eröffnen, Zukunft gestalten!" (Marburg, 1.-2.4.; CfP bis 20.1.)

2.3  Studierendenkonferenz Klassische Archäologie "VIS A VIS" (Wien, 13.-14.3.; CfP bis 20.12.)

2.4  "Shaping sustainable futures through heritage" (Östersund, Schweden, 12.-13.2.)

2.5  TAG 2020 (Stanford, 1.-3.5.; CfS bis 15.1., CfP bis 15.3.)

2.6  "Kulturtourismus, Besuchermanagement und Marketing für Museen" (Brandenburg, 20.-22.4.)

2.7  17th International Colloquium on Roman Provincial Art (Wien / Carnuntum, 31.5.-5.6.2021)

3  Forschung

3.1  Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

3.2  Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

3.3  Jetzt mit neuem Verfahren dendrodatiert: Stabkirche von Urnes ca. 30 Jahre älter als konventionelle Datierung

3.4  Niederlande: Merowingerzeitliches Gräberfeld von Hogebeinturm veröffentlicht

3.5  Maes Howe: Zum maßlich-geometrischen Konzept der Planung des Ganggrabes

3.6  Sessionbericht: Untangling the Final Palaeolithic and Mesolithic in Europe

3.7  Videos vom Kolloquium 2019 zum Staffordshire Hoard bei YouTube

3.8  Salango (Ecuador): Kinderschädel, die in Kinderbestattungen als Helm dienten

4  Archäoinformatik

4.1  Zweite Auflage "R Graphics Cookbook" (2019) im Open Access

5  Kulturgutschutz

5.1  Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

5.2  Europol: 23 Festnahmen, 80 Hausdurchsuchungen, 10.000 beschlagnahmte Objekte

5.3  Wer weiß mehr über Fundort und Fundumstände dieser keltischen Schnabelkanne?

5.4  Schweiz: Kanton Zug weicht Denkmalschutz auf

6  Studium, Job-Themen und Personalia

6.1  Gernot Jacob-Friesen verstorben

6.2  Prof. Dr. Dr. mult. h.c. Michael Müller-Wille verstorben

6.3  Während der Abschlussarbeit: So verbessern Sie die Kommunikation zwischen sich und Ihrem Dozenten

6.4  DFG-Fachkollegienwahl beendet, vorläufige Ergebnisse veröffentlicht

7  Open Access & Open Data

7.1  "Archäologischer Anzeiger" neu im Open Access

7.2  HessenArchäologie: willkommen im Club Propylaeum!

7.3  "Archaeologia" (Kiev) nun komplett im Open Access

7.4  Neu schrittweise im Open Access: Acta Praehistorica et Archaeologica Jg. 1 bis 47

7.5  Weitere Bände der Freiburger Reihe "Archäologie und Geschichte" im Open Access

7.6  Zeitschrift für Kunstgeschichte: Herausgeberteam tritt mangels Open Access geschlossen zurück und gründet neue Zeitschrift

8  Bürger und Archäologie & Citizen Science

8.1  Anja Karliczek: "Wissen verpflichtet auch zu seiner Vermittlung"

8.2  Ellwangen: Ist korrekt immer auch klug? Analyse eines Kommunikations-GAUs

8.3  Portable Antiquities of the Netherlands vermeldet 25.000 validierte Funde

9  Ausstellungen und Museen

9.1  Dauerthema Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern - DGUF unterstützt neuen "Freundeskreis"

9.2  "Gold und Ruhm": Eine sehr sehenswerte Ausstellung des Historischen Museums über die Zeit Heinrichs II. (Basel, bis 19.1.2020)

9.3  "Sehenswert!": Die Sonderausstellung "Ringe der Macht" (Halle, 15.11.2019-1.6.2020)

9.4  "Alles nur anmoderiert ": Die Sonderausstellung "Leben am Toten Meer: Archäologie aus dem Heiligen Land" (Chemnitz, 27.9.2019-29.3.2020)

9.5  "Eine begrüßenswerte Entwicklung": Bericht zur Tagung "Objekte im Netz. Wissenschaftliche Sammlungen im digitalen Zeitalter" (Nürnberg, 5.-6.11.)

10     Und sonst …

10.1      "Verantwortung für die Zukunft friedlicher und stabiler Gesellschaften": Zur Berner Erklärung der European Association of Archaeologists

10.2      Seit 1.12. online: Nationales Keramikinventar der Schweiz (1500–1950)

10.3      Neuer Newsletter: "European Heritage Tribune"

 

1         DGUF-Nachrichten

1.1        Die derzeitige Wirtschaftslage in der privatwirtschaftlichen Archäologie Deutschlands – DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2019 erschienen

Mit einer kurzen Befragung der Archäologie-Unternehmen wollte die DGUF v. a. die Größe und Entwicklung der Firmen und des Arbeitsmarkts Firmenarchäologe erfassen. Die Umfrage erhielt eine hohe Rücklaufquote: ca. 30 % der geschätzt ca. 120 Grabungsfirmen haben sich beteiligt. Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden am 12.12. veröffentlicht. Aus den erhobenen Daten lässt sich ableiten, dass die Anzahl der in der privatwirtschaftlichen Grabungsarchäologie Beschäftigten mit insgesamt etwa 1.860 bis 2.850 Mitarbeitern weitaus höher ist, als es ältere Studien bisher nahelegten, und personell die gleiche Größenordnung hat wie das Fachpersonal der staatlichen Bodendenkmalpflege, Museen und Forschung zusammengenommen. Die Grabungsfirmen geben im bundesweiten Mittel an, ihren Mitarbeiterstab zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019 um 27 % aufgestockt zu haben und bis Sommer 2020 um weitere 6 % aufstocken zu wollen, d.h. dieser Arbeitsmarkt wächst binnen zweier Jahre um ein Drittel. Der für die nahe Zukunft geplante Mitarbeiterzuwachs findet vor allem in Baden-Württemberg und Niedersachsen statt. Drei Viertel aller Mitarbeiter in Grabungsfirmen sind in unbefristeten Verträgen sozialversichert angestellt. Der jährliche Gesamtumsatz der Branche liegt bei 90 Millionen Euro. Gleichzeitig muss auf Basis der erhobenen Daten der wirtschaftliche Zustand der privatwirtschaftlichen Archäologie als desolat bezeichnet werden und macht schlichtweg erschrecken. Die Zahlen und die Freitextantworten legen auch das Wirkungsgefüge offen, in dem die privatwirtschaftliche Archäologie handelt. Es ist nach Auffassung der Archäologie-Unternehmer stark von Mängeln in den Denkmalbehörden und Universitäten geprägt: Das Zuwenig an gut ausgebildeten Fachkräften (d. h. zu wenig ausgebildete Techniker, Defizite der Studiengänge), eine fehlsteuernde Ausschreibungspraxis und vor allem die zu schwache Durchsetzung angemessener Grabungsstandards seitens der staatlichen Archäologie öffnen das Feld für Billiganbieter unter den Firmen. – Es ist geplant, die Befragung 2020 zu wiederholen.

Siegmund, F. & Scherzler, D. (2019). Die derzeitige Wirtschaftslage in der privatwirtschaftlichen Archäologie Deutschlands – DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2019. Archäologische Informationen 42, Early View: http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Siegmund_Scherzler.pdf

 

1.2        Archäologische Quellen 3 erschienen. Erwin Cziesla: Archäologie auf der Ortsumfahrung Passow (Lkr. Uckermark, Bundesland Brandenburg)

Eine ritualisierte Landschaft, die seit rund 4.000 v. Chr. Bestand hatte und vermutlich bis in die Römische Kaiserzeit von Bedeutung war: Die "Archäologischen Quellen 3" enthalten die wesentlichen Ergebnisse von Flächengrabungen westlich von Passow aus den Jahren 2003 bis 2005. Auf ca. 70.000 Quadratmetern konnten rund 1.350 archäologische Befunde in sechs räumlich getrennten Arealen dokumentiert werden. Erhältlich ist die Publikation als Download im Open Access sowie als gedruckte Ausgabe. Die "Archäologischen Quellen" sind die 2017 begründete Monografienreihe der DGUF, die der Vorlage von "Quellen" dient, d. h. von Grabungsdokumentationen, Grabungsfunden u. ä., ohne dass deren Publikation von tiefgehenden wissenschaftlichen Analysen begleitet sein muss. Die Quellen bieten das Rohmaterial für vertiefende wissenschaftliche Analysen, die dann in weiteren Publikationen erfolgen können.

Erwin Cziesla: Archäologie auf der Ortsumfahrung Passow (Lkr. Uckermark, Bundesland Brandenburg). Kerpen-Loogh 2019: https://www.dguf.de/498.html

Die Reihe "Archäologische Quellen: http://www.archaeologische-quellen.de

 

1.3        DGUF-Jahrestagung 2020 darf nicht Teil des 10. Deutschen Archäologie-Kongresses in Kiel sein

Entgegen der Ankündigung im DGUF-Newsletter vom 3.10. 2019 (Punkt 1.1.) wird die DGUF-Jahrestagung im Sept. 2020 zum Thema "Wollen und brauchen wir mehr Archäologie der Moderne?" keine Sektion des 10. Deutschen Archäologie-Kongresses im Sept. 2020 in Kiel sein. Weil: die DGUF ist unerwünscht. Auf das Schreiben der DGUF an den Vorsitzenden des ausrichtendenden Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (NWDV), Prof. Dr. v. Carnap-Bornheim, mit der Bitte um Zuteilung eines Sektionsplatzes antwortete dieser, er werde dies im Lenkungsausschuss, dem er vorsitzt, besprechen; er sei persönlich "allerdings der Meinung, dass nach dem Austritt der Dguf aus dem DAV [gemeint ist der DVA; Anm. d. Red.] eine klare Trennungslinie gezogen werden sollte, und dies eben auch auf Veranstaltungen der Verbände bzw. des DAV." Am 9.11. beschied dann v. Carnap-Bornheim, eine Sektion der DGUF auf dem Kongress sei wie schon angekündigt nicht möglich. Diese Reaktion erstaunt den DGUF-Vorstand, der seit dem 6. DAK 2008 in Mannheim zu jedem DAK unter Verzicht auf die übliche, eigenständige DGUF-Tagung eine DGUF-Sektion eingebracht hatte. Denn seit der Vereinigung Deutschlands wird der DAK gemeinsam von den drei Altertumsverbänden ausgerichtet, wobei reihum jeweils einer der Verbände vor Ort die Rolle des Organisators innehat. Der Dachverband DVA hingegen hatte das Übernehmen dieser Aufgabe - wiewohl seinerzeit eines seiner Gründungsargumente - unlängst nochmals energisch zurückgewiesen; er labelt auf den Programmheften ausschließlich als die Organisation, für die die jeweiligen Altertumsverbände einen DAK ausrichten. Daher ist die Verkoppelung, die v. Carnap-Bornheim zwischen einer Mitwirkung der DGUF am vom NWDV ausgerichteten DAK 2020 und dem DGUF-Austritt aus dem DVA herstellt, nicht nachzuvollziehen. Oder hat hier ein schmollender DVA-Vizepräsident v. Carnap-Bornheim dem Vorsitzenden des NWDV v. Carnap-Bornheim eine Entscheidung ans Herz gelegt, die keinesfalls dem Selbstbild und der Agenda des NWDV folgt? Bei Gründung des DVA, welche die DGUF seinerzeit vorangetrieben hatte und die ja auch während eines (vom NWDV ausgerichteten) DAK stattfand, war die Erlaubnis zur Teilnahme an künftigen DAKs nicht als "DVA-Mitgliederprivileg" vorgesehen worden, welches nach dem DGUF-Austritt zum 31.12 gestrichen würde. Auch hat der DGUF-Vorstand mit Blick auf zurückliegende DAKs den Eindruck, dass neben den Altertumsverbänden und den AGs, die sich förmlich als "AGs bei den Altertumsverbänden" sehen, immer wieder auch andere Fachgesellschaften Sektionen auf dem DAK ausgerichtet haben, wiewohl sie keinesfalls eine AG, sondern autonome e.V.s sind. Gleichwie: Für unsere DGUF-Jahrestagung im Sept. 2020 in Kiel werden wir uns zu helfen wissen – näheres dazu zu gegebener Zeit u. a. im DGUF-Newsletter.

 

1.4        Neue Rubrik im DGUF-Newsletter: der Gastkommentar

Debatten rund um die Archäologie seriös, aber niederschwelliger und auch schneller als über einen Fachaufsatz zu führen, ist Ziel eines neuen Angebots an die Mitglieder der DGUF. Als "Gastkommentar" können Sie im DGUF-Newsletter Ihre Gedanken und Meinungen frei kundtun. Die "Spielregeln" und alle Informationen zum Ablauf haben wir für Sie zusammengestellt.

https://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/DGUF-Dok_Gastkommentar-Newsletter.pdf

 

1.5        Die DGUF beim Amazon-Einkauf finanziell unterstützen - ohne zusätzliche Kosten

Wir erinnern daran, dass wir im Amazon-Programm "Smile" als gemeinnützige Organisation registriert sind, wie z. B. auch das Deutsche Rote Kreuz, UNICEF oder die UNO-Flüchtlingshilfe. Wenn Sie möchten, können Sie die DGUF auf diesem Wege finanziell unterstützen. Via Amazon Smile gibt der Versandhändler 0,5% des Preises qualifizierter Käufe an die vom Käufer ausgewählte Organisation weiter, z. B. also die DGUF. Dadurch kommen uns jährlich Gelder in Höhe einiger Mitgliedsbeiträge zu, über die wir schlicht sehr froh sind. Für den Amazon-Kunden, der diese Option wählt, entstehen keinerlei zusätzliche Kosten. Über das Smile-Programm wählt man die DGUF als begünstigte Organisation aus und kauft dann ganz normal ein. Warenkorb, Wunschzettel und andere Kontoeinstellungen bleiben unverändert. Wer von Ihnen also Amazon ohnehin nutzt und einen Einkauf plant, kann uns dadurch künftig fördern: Klicken Sie, bitte, auf untenstehenden Link und loggen sich in Ihr bestehendes Amazon-Konto ein. Damit ist dort hinterlegt, dass Sie künftig die DGUF mit Ihren Einkäufen unterstützen, Sie müssen sich künftig einfach stets über https://smile.amazon.de/ einloggen. Natürlich können Sie diese persönliche Einstellung auch jederzeit wieder ändern.

Die DGUF bei Amazon Smile: https://smile.amazon.de/ch/43-669-20954

 

 

1.6        Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Stefanie Berg, Jörg Bofinger, Rüdiger Schulz (Hrsg.): 370 Kilometer Archäologie - Ausgrabungen an der Ethylen Pipelinetrasse in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Unter den zahlreichen Bänden, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei in diesem Monat eine im Oktober erschienene Monographie, herausgegeben von Stefanie Berg, Jörg Bofinger und Rüdiger Schulz hervorgehoben: "370 Kilometer Archäologie - Ausgrabungen an der Ethylen Pipelinetrasse in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz". Aus dem Klappentext: " Zwischen 2007 und 2011 wurden archäologische Ausgrabungen auf der EPS-Trasse durchgeführt. Die Zahl der dabei dokumentierten Fundstellen geht in die Hunderte, wobei allein die weit über 100 Neuentdeckungen eindrucksvoll belegen, welch einschneidende Bedeutung im wahrsten Sinne des Wortes ein solches Projekt für unsere Kulturlandschaft darstellt. Selbst in vermeintlich gut erforschten Landschaften konnten spannende Neuentdeckungen gelingen. Von der Steinzeit bis in die Neuzeit reicht die zeitliche Spanne der untersuchten Fundstellen, und ähnlich vielschichtig ist das Befundspektrum." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständige Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf

 

2         Tagungen und Veranstaltungen

2.1        CIfA-Deutschland-Jahrestagung 2020 (Frankfurt, 26./27.6.2020)

Die kommende Jahrestagung des Berufsverbandes CIfA Deutschland findet parallel zur Jahrestagung des DArV in Frankfurt am Main statt. Die Veranstaltung soll aus zwei Workshop-Blöcken zu je ca. 90 Min. bestehen, die sich mit den Themen beschäftigen, welche die CIfA-Mitglieder bewegen. "Wir möchten über die Dinge sprechen und diskutieren, die Ihnen unter den Nägeln brennen" , schreiben die Veranstalter, "ganz gleich, ob es sich um wiederkehrende Schwierigkeiten im Beruf, im Umgang mit der Öffentlichkeit, gern auch um positive Erfahrungen handelt, die geteilt werden wollen, oder um offene Fragen an die Archäologie oder die Gesellschaft." Vorschläge für Workshop-Themen können bis 17.1. an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! eingereicht werden.

http://www.cifa-deutschland.de

 

2.2        "Kleine Fächer: Perspektiven eröffnen, Zukunft gestalten!" (Marburg, 1.-2.4.; CfP bis 20.1.)

Die Konferenz ist Teil der Initiative "Kleine Fächer-Wochen an deutschen Hochschulen" und hat zum Ziel, die Situation der Kleinen Fächer und ihre Entwicklungsperspektiven im deutschen und europäischen Wissenschaftssystem mit einer breiten Fachöffentlichkeit aus Hochschulen, Forschungsförderung und Politik zu diskutieren. Auf dem Programm stehen u. a. eine Keynote Carsten Könnekers "Junge Zielgruppen erreichen: Wie können sich Kleine Fächer ins Gespräch bringen?" und eine Paneldiskussion "Internationale Perspektive: Status quo in anderen Ländern und internationale Vernetzung". Geboten werden auch mehrere Workshops, z. B. zur Wissenschaftskommunikation und Studiengangs-Entwicklung. Für die Workshops können bis 20.1. Vorschläge für Impulsvorträge aus der Berufspraxis eingereicht werden.

https://kleinefaecher2020.de/

 

2.3        Studierendenkonferenz Klassische Archäologie "VIS A VIS" (Wien, 13.-14.3.; CfP bis 20.12.)

"Auf (un)bekannten Wegen. Bewegung und Austausch in der Antike" steht im Fokus dieser Konferenz von und für Studentinnen und Studenten am Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien. Infrastruktur und Warenaustausch können – so die Veranstalter - in Vorträgen ebenso thematisiert werden, wie Migration, der "Import" von Handwerkern, Technologien und Kulten, oder der "Export" von Mythen und Bildsprache. Der zeitliche und geografische Rahmen fokussiert von der minoischen Palastzeit bis in die Spätantike. Als Vortragende sowie Zuhörerinnen und Zuhörer sind ausschließlich Studentinnen und Studenten des Fachs Klassische Archäologie willkommen, beginnend mit einem abgeschlossenen Bachelorstudium, sowie Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler am Anfang ihrer Karriere. Vortragsvorschläge sind bis 20.12. einzureichen.

http://www.visavis-conference.at/

 

2.4        "Shaping sustainable futures through heritage" (Östersund, Schweden, 12.-13.2.)

The conference intends to engage with the challenging but very important question of how heritage can be used in order to move towards a more sustainable future. Participants will discuss how different fields within the heritage sector may have different approaches to the future. From the perspective of heritage management, the future can be seen as a result of institutionalized practices within the sector. Therefore, informed future-perspectives will prepare the sector to meet other demands and expectations that a different future will place on heritage, and – ideally – make the sector an active creator of a more sustainable future. The organisers are approaching sustainable futures from the 17 Global Goals for Sustainable Development as listed in UN’s Agenda 2030. The conference will include three main sub-themes: 1.) Creating a future of diversity through heritage, 2.) Conflict resolution through dissonant heritage, and 3.) heritage and climate change. The conference will host speakers from universities, museums, archives as well as artists and activists, in order to reach a broad and diverse discussion. It will also initiate workshops in which each participant will be actively contributing. It is our aim to create an inclusive, engaging and forward-oriented meeting!

http://nckultur.org/verksamhet/varkonferensen/

 

2.5        TAG 2020 (Stanford, 1.-3.5.; CfS bis 15.1., CfP bis 15.3.)

The conference will begin with a full-day plenary session designed to question the "Potentials and Limits of Big Data": "In a world in which large amounts of gray literature have become available in digital form, and in which large-scale and long-term excavations have produced a wealth of quantitative data, and in which there are pressures to explore Big History and Grand Narrative, what are the impacts on local voices and alternative pasts?" The two following days will be dedicated to session organised by the participants. Session proposals should be made by January 15; the deadline for individual paper contributions to an accepted session or a general session will be March 15.

https://archaeology.stanford.edu/tag2020

 

2.6        "Kulturtourismus, Besuchermanagement und Marketing für Museen" (Brandenburg, 20.-22.4.)

Das interdisziplinäre Forum "FOCUS" tagt im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel über aktuelle Entwicklungen, Zukunftstrends sowie Chancen und Herausforderungen im heutigen Museumsbetrieb. Mit Best-Practice-Beispielen zeigen lt. Veranstaltern Museen, Fachdienstleister und Entwickler, wie sie z. B. durch Social Media und andere Marketing-Aktivitäten neue Besuchergruppen erreichen oder wie sie digitale Vermittlungsformen und Storytelling nutzen, um ihre Sammlungsbestände auf neue Weise zu präsentieren. Darüber hinaus werden Themenfelder wie Besuchersoftware, Shopbetrieb, Sponsoring, Kulturfinanzierung und Fördermittelakquise sowie relevante Rechtsfragen im Besuchermanagement behandelt. Neben Vorträgen und Debattenformaten findet eine Messe statt, auf der Fachunternehmen die neuesten Software- und Medienanwendungen, Dienstleistungen, Plattformen und Produkte zum Thema vorstellen.

https://www.focus-museum.de/

 

2.7        17th International Colloquium on Roman Provincial Art (Wien / Carnuntum, 31.5.-5.6.2021)

"Time(s) of transition and change" is title of the conference that will focus on stone monuments of the Roman provinces in their various forms of appearance as components of architectural and sculptural ensembles or as bearers of inscriptions. The main topics of the conference will be: New methods of analysis, presentation and evaluation of ancient stone monuments; Monuments of Late Antiquity; and New finds and current themes. The main contact for this colloquium is Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

 

3         Forschung

3.1        Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

Siegmund, F. & Scherzler, D. (2019). Die derzeitige Wirtschaftslage in der privatwirtschaftlichen Archäologie Deutschlands – DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2019. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 12. Dez. 2019.

Scherzler, D., Siegmund, F. & Belford, P. (2019). "The self-organization of archaeologists in Europe: roles and needs, responsibilities and legitimacy" - Zur Sektion 384 auf der EAA-Jahrestagung 5.-8. September 2018 in Barcelona. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 22. Nov. 2019.

Meyer-Christian, W. (2019). Maes Howe (Orkney, Mainland) – Rekonstruktion der Planung einer jungsteinzeitlichen Grabanlage. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 19. Nov. 2019.

Meier, Th. (2019). Archäologie und die Pflicht zum Politischen: Die Berner Erklärung der European Association of Archaeologists. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 7. Nov. 2019.

http://www.dguf.de/earlyview.html

 

3.2        Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

Pylos: "Archaeologists find Bronze Age tombs lined with gold. The family tombs are near the 2015 site of the 'Griffin Warrior,' a military leader buried with armor, weapons and jewelry" (University of Cincinnati, 17.12.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-12/uoc-afb121719.php und "Tombs at Ancient Greek Site Were Gold-Lined Chambers. The burial structures were looted during antiquity, but beads and a pendant depicting Hathor, an Egyptian goddess, suggest earlier trade links between Pylos, Greece, and Egypt" (The New York Times, 17.12.): https://www.nytimes.com/2019/12/17/science/tombs-archaeology-ancient-greece.html

Paderborn: "Archäologen stoßen auf mittelalterliche Mauern: Domburg war größer als bislang angenommen" (LWL; 17.12.): https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=49896

"Ancient 'chewing gum' yields insights into people and bacteria of the past" (University of Copenhagen, 17.12.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-12/uoct-ag121719.php und "Fund in Dänemark: Erbgut einer Frau aus Steinzeit-Kaugummi entschlüsselt" (Spiegel, 18.12.) : https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/daenemark-erbgut-einer-frau-dank-steinzeit-kaugummi-entschluesselt-a-1301884.html

"La grotte Chauvet, un chef-d’œuvre à l’équilibre fragile. Parvenue intacte jusqu’à nous et strictement protégée par l’Etat depuis sa découverte, il y a vingt-cinq ans, cette caverne ornée subit depuis peu des modifications climatiques" (Le Monde, 16.12.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/12/16/la-grotte-chauvet-un-chef-d-uvre-a-l-equilibre-fragile_6023089_1650684.html und " La grotte Chauvet, une révolution" (Le Monde, 16.12.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/12/16/la-grotte-chauvet-une-revolution_6023091_1650684.html

Größtes Bahnbauprojekt Österreichs: "Koralmbahn-Bau bringt weitere archäologische Funde hervor. Töpferofen aus der La-Tène-Zeit ist nur das jüngste Beispiel einer langen Reihe von Fundstücken" (Der Standard, 13.12.): https://www.derstandard.at/story/2000112260594/koralmbahn-bau-bringt-weitere-archaeologische-funde-hervor

"Archaeologists Find Case Of Dwarfism In 3rd Millennium BC China" (Forbes, 13.12.): https://www.forbes.com/sites/kristinakillgrove/2019/12/13/archaeologists-find-case-of-dwarfism-in-3rd-millennium-bc-china

"Rare find: human teeth used as jewelry in Turkey 8,500 years ago" (University of Copenhagen, 13.12.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-12/uoc--rfh121319.php

"Hamburg Neustadt – Die Ausgrabung 'Neue Burg' – Reloaded" (Hafenradio, 12.12.): https://hafenradio.org/hr027-hamburg-neustadt-die-ausgrabung-neue-burg-reloaded

"Es werde Kunst. Zweibeiner jagen ein Rind, Schweine fliehen: Diese Szene zeigt eine wohl 40.000 Jahre alte Höhlenzeichnung auf Sulawesi. Liegen die Wurzeln der Malerei jenseits Europas?" (ZEIT, 11.12.): https://www.zeit.de/2019/52/hoehlenmalerei-sulawesi-archaeologie-religion

Mexiko: "Isotope analysis points to prisoners of war Researcher at the University of Bonn investigates bones from the 1,400-year-old Maya mass grave of Uxul" (Universität Bonn, 11.12.): https://www.uni-bonn.de/news/311-2019

"Tiny, Ancient Native American Weapons May Have Been Used to Train Children to Fight" (LiveScience, 11.12.): https://www.livescience.com/ancient-tiny-weapons-taught-native-american-children-hunt.html

Südliches Asien: "Ancient monkey painting suggests Bronze Age Greeks travelled widely" (New Scientist, 11.12.):

https://www.newscientist.com/article/2227146-ancient-monkey-painting-suggests-bronze-age-greeks-travelled-widely/

"An Ornate Shield Found in a Celtic Warrior’s Grave Is Challenging What We Know About Ancient Combat. The piece of armor, found on a UK housing development, is being called 'the most important British Celtic art object of the millennium.'" (Artnet News, 10.12.): https://news.artnet.com/art-world/celtic-shield-warrior-grave-1725090

"Buried Christian (and Pagan) Basilica Discovered in Ethiopia's 'Lost Kingdom' of Aksum" (LiveScience, 10.12.): https://www.livescience.com/buried-christian-church-lost-kingdom-ethiopia.html

"Archaeologists discover 'amazing' 4,000 year old carved stones on Orkney" (The Scotsman, 9.12.): https://www.scotsman.com/heritage/archaeologists-discover-amazing-4-000-year-old-carved-stones-on-orkney-1-5059203

"Les papyrus d’Herculanum, des énigmes fragiles et tenaces. Ces rouleaux carbonisés par l’éruption du Vésuve attisent la convoitise des savants, qui multiplient les tentatives pour lire leur contenu" (Le Monde, 9.12.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/12/09/les-papyrus-d-herculanum-des-enigmes-fragiles-et-tenaces_6022247_1650684.html

"Pompéi, inépuisable trésor archéologique" (Le Monde, 9.12.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/12/09/pompei-inepuisable-tresor-archeologique_6022262_1650684.html

"Weimarer Land: Schatz aus dem Mittelalter in Thüringen entdeckt" (MDR, 6.12.): https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/apolda-weimarer-land/uhrda-muenzen-schatz-vollradisroda-fund-100.html

"Der Habsburger Kiefer – wie Inzucht das spanische Weltreich zugrunde richtete. Mit glücklichen Heiraten schufen die Habsburger aus Österreich ein Weltreich. Damit das Gebilde fortbestand, heirateten sie 200 Jahre lang untereinander – mit schrecklichen Folgen" (Stern, 6.12.): https://www.stern.de/panorama/wissen/der-habsburger-kiefer---wie-inzucht-das-spanische-weltreich-zugrunde-richtete-9035056.html

"Forscher machen erstaunliche Funde in Kairo. Erstmals Einblick in die früheste Geschichte der Tempelstadt Heliopolis" (Universität Leipzig, 5.12.): https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/forscher-machen-erstaunliche-funde-in-kairo-2019-12-05/

"Justinianic Plague Not a Landmark Pandemic? Researchers now have a clearer picture of the impact of the first plague pandemic, the Justinianic Plague, which lasted from about 541-750 CE." (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 5.12.): https://www.shh.mpg.de/1577098/justinianic-plague

"Londinium Romans’ blood lead levels so high they may have lowered birth rates" (Royal Society of Chemistry, 4.12.): https://www.chemistryworld.com/news/londinium-romans-blood-lead-levels-so-high-they-may-have-lowered-birth-rates/4010808.article

"Neolithic Yangshao Culture: World's earliest silk fabrics discovered in central China's ruins" (Xinhua, 4.12.): http://www.xinhuanet.com/english/2019-12/04/c_138605658.htm

"Long-distance timber trade underpinned the Roman Empire's construction" (PLOS, 4.12.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-12/p-ltt112719.php

"Une Vénus du paléolithique découverte à Amiens. Haute de 4 centimètres, la statuette féminine vieille de 23.000 ans a été trouvée lors d’une fouille située à quelques pas d’une zone d’activité commerciale" (Le Monde, 4.12.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/12/04/une-venus-du-paleolithique-decouverte-a-amiens_6021702_1650684.html

"The art of the Roman surveyors emerges from newly discovered pavements in Pompeii" (Politecnico di Milano, 3.12.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-12/pdm-tao120319.php

Tor des Legionärslagers: "'Damit konnten wir nicht rechnen': Archäologen machen in Vindonissa eine wichtige Entdeckung" (Aargauer Zeitung, 2.12.): https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/brugg/damit-konnten-wir-nicht-rechnen-archaeologen-machen-in-vindonissa-eine-wichtige-entdeckung-136054621

"New archaeological information on the use of plants in prehistoric northern Europe" (University of Helsinki, 2.12.): https://www.helsinki.fi/en/news/language-culture/new-archaeological-information-on-the-use-of-plants-in-prehistoric-northern-europe

"Wie Baggerfahrer Stefan Bitterli den Mammut-Stosszahn in Eschenbach fand. Bei Arbeiten in Eschenbach wurde ein 80'000 Jahre alter Stosszahn freigelegt. So gelassen wie der Baggerfahrer reagierte, so erstaunt ist die Luzerner Kantonsarchäologie über den Fund" (Luzerner Zeitung, 28.11.): https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/luzern/wie-baggerfahrer-stefan-bitterli-den-mammut-stosszahn-in-eschenbach-fand-ld.1173019

"Inbreeding and population/demographic shifts could have led to Neanderthal extinction. Neanderthal extinction could have occurred without environmental pressure or competition with modern humans" (PLOS, 27.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/p-iap112019.php

Verbreitung des Pastoralismus: "Perlen aus Straußeneierschalen belegen 10.000 Jahre interkulturellen Austausch in ganz Afrika" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 27.11.): https://www.shh.mpg.de/1572672/Miller-Ostrich-Eggshell

"Neue Entdeckungen am Leubinger Grabhügel" (Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, 27.11.): https://www.thueringen.de/th1/denkmalpflege/landesamt/archaeologischedenkmalpflege/aktuelles/presse/data/111141/index.aspx

"Unique sledge dogs helped the Inuit thrive in the North American Arctic" (University of Exeter, 26.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/uoe-usd112519.php

"The Edøy Ship: New ship burial found in Norway. A high-resolution georadar has detected traces of a ship burial and a settlement that probably dates to the Merovingian or Viking Period at Edøy in Møre and Romsdal County in Norway" (NIKU, 26.11.): https://www.niku.no/en/2019/11/new-ship-burial-found-in-norway/

"Two Lion Cub Mummies Discovered in Egypt for the First Time" (LiveScience, 26.11.): https://www.livescience.com/lion-cub-mummies-saqqara-egypt.html

"Burgwall am Kap auf Rügen wird erstmalig untersucht" (NDR, 25.11.): https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Burgwall-am-Kap-auf-Ruegen-wird-erstmalig-untersucht,nordmagazin68666.html

Eisenzeit: "New archeological site discovered in Oman" (Times of Oman, 25.11.): https://timesofoman.com/article/2281861/Oman/New-archeological-site-discovered-in-Oman

"A Multicolored Library of the World’s Ochre Pigments Archived by Heidi Gustafson" (Colossal, 24.11.): https://www.thisiscolossal.com/2019/11/heidi-gustafson-ochre-pigment-archive

Urs Leuzinger: "Das 5380 Jahre alte Pfahlbaudorf in Arbon auszugraben war faszinierend» – das sagt der 'Thurgauer Indiana Jones' über seinen Beruf als Archäologe" (Tagblatt, 24.11.): https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/frauenfeld/das-5380-jahre-alte-pfahlbaudorf-in-arbon-auszugraben-war-faszinierend-das-sagt-der-thurgauer-indiana-jones-ueber-seinen-beruf-als-archaeologe-ld.1171102

"Hunderte Artefakte in Sakkara gefunden" (Selket's Blog, 24.11.): https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/hunderte-artefakte-in-sakkara-gefunden

"Verkohlte antike Bibliothek: Die Hoffnung auf das Unlesbare. Hunderte verkohlter Papyrusrollen aus Herculaneum warten darauf, gelesen zu werden. Noch nie waren die Aussichten so gut wie jetzt. Lüftet neue Technik das Geheimnis ihres Inhalts?" (Spektrum, 23.11.): https://www.spektrum.de/news/die-hoffnung-auf-das-unlesbare/1687132

"Women and goddesses of the Trojan War" (British Museum, 22.11.): https://blog.britishmuseum.org/women-and-goddesses-of-the-trojan-war/

"Über 22.000 Tote gefunden: Archäologische Grabungen auf St. Pöltner Domplatz abgeschlossen" (Der Standard, 22.1.): https://www.derstandard.at/story/2000111363026/ueber-22-000-tote-gefundenarchaeologische-grabungen-am-domplatz-abgeschlossen

"Turkey: 8,000-year old monument unearthed. Structure to shed light on history of Gokceada district of northwestern Canakkale province" (Anadolu Agency, 21.11.): https://www.aa.com.tr/en/culture/turkey-8-000-year-old-monument-unearthed/1651927

"Morgendämmerung der Bronzezeit. Große Erfindungen wie Rad und Wagen verortete man lange in Mesopotamien. Doch archäologische Erkenntnisse zeigen jetzt: Der Ursprung vieler Innovationen könnte im Kaukasus liegen. Erst dann wanderten sie in die Metropolen an Euphrat und Tigris" (Deutschlandfunk, 21.11.): https://www.deutschlandfunk.de/technikgeschichte-morgendaemmerung-der-bronzezeit.1148.de.html?dram%3Aarticle_id=463857

"Schmelzeis der Mongolei gibt Aufschluss über die Geschichte der Rentierhaltung. Untersuchungen von Eisflächen in der nördlichen Mongolei liefern erste archäologische Einblicke aus der Region und bringen empfindliche organische Gegenstände ans Licht" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 20.11.): https://www.shh.mpg.de/1568124/schmelzeis-der-mongolei

"Cave lion figurine made of woolly mammoth tusk found at Denisova Cave" (The Siberian Times, 20.11.): https://siberiantimes.com/science/casestudy/news/cave-lion-figurine-made-of-woolly-mammoth-tusk-found-at-denisova-cave/

Linienbandkeramik: "Archäologische Sensation in der Börde" (Volksstimme, 19.11.): https://www.volksstimme.de/lokal/haldensleben/grabungen-archaeologische-sensation-in-der-boerde

"Löhne: Spektakuläres Hermes-Grabfeld: Reste des "Gohfelder Reiters" entdeckt. Die Grabbeigaben erzählen vom Leben zwischen Eisenzeit und Mittelalter" (Neue Westfälische, 19.11.): https://www.nw.de/lokal/kreis_herford/loehne/22617484_Schon-der-Gohfelder-Reiter-mochte-offenbar-Schweinefleisch.html

Krim: "Archäologie als Ausrede und Sündenbock" (Archaeologik, 18.11.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/11/archaologie-als-ausrede-und-sundenbock.html

"Römischer Schatz mit 300 Silbermünzen im Baselbiet entdeckt. Die Silbermünzen stammen aus der Zeit um 180 n. Chr. und wurden vermutlich aus Angst vor einem Diebstahl vergraben" (SRF, 18.11.): https://www.srf.ch/news/regional/basel-baselland/ueberraschender-fund-roemischer-schatz-mit-300-silbermuenzen-im-baselbiet-entdeckt

Peru: "Archaeologists Discover 3,000-Year-Old Megalithic Temple Used by a 'Water Cult'" (LiveScience, 18.11.): https://www.livescience.com/ancient-megalithic-temple-discovered-peru.html

"Mysterious Viking boat graves unearthed in central Norway. Two people died roughly 100 years apart. Nevertheless, they were buried together. In boats" (Norwegian SciTech News, 18.11.): https://norwegianscitechnews.com/2019/11/mysterious-viking-boat-graves-unearthed-in-central-norway/ und " Das doppelte Wikingergrab von Vinjeøra" (Spiegel, 25.11.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/norwegen-archaeologen-finden-raetselhaftes-wikingerschiffsgrab-a-1298097.html

Ägypten: "Römische Katakombe in Sakkara gefunden" (Selket's Blog, 17.11.): https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/roemische-katakombe-in-sakkara-gefunden

"Wikinger und Walrösser - eine Geschichte der Ausrottung" (Archaeologik, 16.11.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/11/wikinger-und-walrosser-eine-geschichte.html

"143 New Geoglyphs Discovered on the Nasca Pampa and Surrounding Area. Yamagata University Expands Use of IBM's AI Technology in an Aim to Understand Nasca Lines as a Whole" (Yamagata University, 15.11.): https://www.yamagata-u.ac.jp/en/information/info/20191115_01/

Salzbergwerk von Hallstatt: "Grabungskampagne 2019 – Fotostrecke" (Stiegen-Blog, 14.11.): http://hallstatt-forschung.blogspot.com/2019/11/grabungskampagne-2019-fotostrecke.html

Klosterfrauenbichl: "Keltische Kriegstrompete in Lienz gefunden" (ORF, 13.11.): https://tirol.orf.at/stories/3021502/ und "Ein heiliger Hügel gibt faszinierende Funde frei" (Universität Innsbruck, 11.11.): https://www.uibk.ac.at/newsroom/ein-heiliger-huegel.html.de

"Römischer Münzschatz auf dem Zugerberg entdeckt" (Luzerner Zeitung, 13.11.): https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/zug/roemischer-muenzschatz-auf-dem-zugerberg-entdeckt-ld.1168098

"Seit drei Jahren untersuchen Archäologen aus Sachsen zwei Brunnen aus der Jungsteinzeit. Dabei sind sie auf eine Sensation gestoßen" (Sächsische, 13.11.): https://www.saechsische.de/sensationelle-funde-aus-der-steinzeit-5139708.html

"1000 Jahre -10 Geschichten: Baustelle Münsterhügel" (Stadtgeschichte Basel, 11.11.): https://www.stadtgeschichtebasel.ch/index/geschichten/2019/01/baustelle_muensterhuegel.html

"Mögliches Schwesternschiff der Vasa nahe Stockholm entdeckt. Unterwasserarchäologen fanden vor der Stadt Vaxholm zwei Schiffswracks aus dem 17. Jahrhundert" (Der Standard, 10.11.): https://www.derstandard.de/story/2000110890388/moegliches-schwesternschiff-der-vasa-nahe-stockholm-entdeckt

St. Pölten: "Ein Schatz aus 22.000 Skeletten - Grabung in Österreich soll Forschern helfen" (Redaktionsnetzwerk Deutschland, 8.11.): https://www.rnd.de/wissen/ein-schatz-aus-22000-skeletten-grabung-in-osterreich-soll-forschern-helfen-E7F2J2N6OW5H6TTGFPQIJRSZEI.html

"Mittelalterliche Häuser und Kanäle: Archäologen gewinnen neue Erkenntnisse zur Mindener Stadtgeschichte" (LWL, 8.11.): https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=49594

"Archaeologists unearth ancient settlement in SE Turkey. Sewer system dating back 11,800 years, over 20 architectural structures found in Mardin province" (Anadolu Agency, 7.11.): https://www.aa.com.tr/en/culture/archaeologists-unearth-ancient-settlement-in-se-turkey/1638247

"Das alte Rom: eine 12.000-jährige Geschichte genetischer Veränderungen, von Migration und Vielfalt" (Universität Wien, 7.11.): https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/das-alte-rom-eine-12000-jaehrige-geschichte-genetischer-veraenderungen-von-migration-und-vielfalt/

"Stanford scientists link Neanderthal extinction to human diseases" (Stanford University, 7.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/suo-ssl110719.php

"Skull features among Asian and Asian-derived groups differ significantly. Findings demonstrate the potential for differentiating beyond the traditional, broad 'Asian' ancestral classification in future forensic casework" (Boston University School of Medicine, 7.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/buso-sfa110719.php

"See the Mississippi River's hidden history, uncovered by lasers. Using hyperprecise LiDAR data, a cartographer maps the river’s bends and channels over time with mesmerizing results" (National Geographic, 7.11.): https://www.nationalgeographic.com/science/2019/11/mississippi-rivers-hidden-history-uncovered-by-lidar/

"Mexiko: Archäologen entdecken 15.000 Jahre altes Mammut-Massengrab. Archäologen haben rund 800 Knochen von mehr als einem Dutzend Mammuts ausgegraben. Die Tiere stürzten wohl einst in von Menschen angelegte Fallen. Der Fund verändert das Bild der frühen Jäger und Sammler" (Spiegel, 7.11): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mexiko-forscher-entdecken-15-000-jahre-alte-mammut-fallen-a-1295306.html

"The human body never truly disappears – finding the remnants of a tragic end can help us uncover atrocities" (The Conversation, 6.11.): https://theconversation.com/the-human-body-never-truly-disappears-finding-the-remnants-of-a-tragic-end-can-help-us-uncover-atrocities-122817

Eisenzeit: "Der älteste Hausgrundriss des Sauerlandes: archäologische Ausgrabung bei Attendorn" (LWL, 6.11.): https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=49579

Schottland: “Whale bone DNA gives new clues to Iron Age Orkney life” (BBC, 6.11.): https://www.bbc.com/news/uk-scotland-north-east-orkney-shetland-50308033

"Neuer Vorfahr des Menschen in Europa entdeckt. Bislang unbekannte Primatenart lebte vor fast zwölf Millionen Jahren in Süddeutschland – Aufrechter Gang entwickelte sich offenbar deutlich früher als bisher angenommen" (Universität Tübingen, 6.11.): https://bit.ly/2YWLyga und "Danuvius guggenmosi: Aufrechter Gang könnte sich in Europa entwickelt haben" (ZEIT, 6.11.): https://www.zeit.de/news/2019-11/06/aufrechter-gang-koennte-sich-in-europa-entwickelt-haben und "Ur-Mensch 'Udo' könnte eine Besucherzentrum bekommen" (Stuttgarter Zeitung, 14.11.): https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.soeder-besucht-menschenaffen-fundort-ur-mensch-udo-koennte-eine-besucherzentrum-bekommen.47bb85b6-4536-4a6c-a4f1-dabc33914bed.html

"How Human Population came from our ability to cooperate. Humans are an astonishingly successful ape" (University of Chicago Press Journals, 6.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/uocp-hhp110619.php

"The genetic imprint of Palaeolithic has been detected in North African populations. They have identified a small genetic imprint of the inhabitants of the region in Palaeolithic times, thus ruling out the theory that recent migrations from other regions completely erased the genetic traces of ancient North Africans" (Universitat Pompeu Fabra Barcelona, 6.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/upf--tgi110619.php

Ostholstein: "Fehmarnbelt: Archäologische Funde präsentiert" (NDR, 6.11.): https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Fehmarnbelt-Archaeologische-Funde-praesentiert,fehmarnbelt404.html

"Ancient 70-Mile-Long Wall Found in Western Iran. But Who Built It?" (LiveScience, 5.11.): https://www.livescience.com/hadrians-wall-of-iran-discovered.html

"Study reveals that humans migrated from Europe to the Levant 40,000 years ago. Discovery of teeth in Manot Cave sheds light on a population known for its cultural contributions" (American Friends of Tel Aviv University, 5.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/afot-srt110519.php

Irland: "Archaeologists say they've discovered what could be Neolithic log boats near Newgrange. The river bed of the Boyne is being searched by archaeologists" (The Journal, 4.11.): https://www.thejournal.ie/newgrange-archaeologists-neolithic-boats-boyne-4878107-Nov2019/

 

3.3        Jetzt mit neuem Verfahren dendrodatiert: Stabkirche von Urnes ca. 30 Jahre älter als konventionelle Datierung

Die Stabkirche von Urnes – um das Jahr 1100 erbaut und in West-Norwegen an einem Seitenarm des Sognefjords gelegen - gilt als die älteste Stabkirche Skandinaviens und ist seit 1979 UNESCO-Welterbestätte. Die eindrucksvollen Holzschnitzereien am Nordportal sind namengebend für den Urnesstil, den jüngsten der skandinavischen Tierstile. Ein Team um den Dendrochronologen Terje Thun von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) hat die Kirche von Urnes und weitere norwegische Stabkirchen nun erstmals dendrochronologisch datiert. Nicht klassisch mit Hilfe der Entnahme eines Bohrkerns, sondern per "Photodendrometrie" - einem neuen, zerstörungsfreien Verfahren, das auf Fotos von den Oberflächen der bearbeiteten Hölzer beruht. Danach wurde die Kirche von Urnes 1069-1070 n.Chr. errichtet, mit einer zweiten Bauphase 1129-1130. Auch die Stabkirchen von Kaupanger (1137-38), Hoppestad (1131-32), Gol (1204-05) und Borgund (1180-1181) wurden mit diesem neuen, zerstörungsfreien Verfahren untersucht und datiert. Leider lassen die bislang greifbaren Berichte nicht erkennen, ob die berühmten Schnitzereien in Urnes mit der ersten oder der zweiten Bauphase zusammenhängen. Deren Umdatierung auf 1069/70 hätte nämlich auch Konsequenzen für die absolute Datierung der wikingerzeitlichen Tierstile.

"Stave churches in Norway older than previously believed" (Norwegian SciTech News, 6.11.): https://norwegianscitechnews.com/2019/11/stave-churches-in-norway-older-than-previously-believed/

Wikipedia: "Stabkirche Urnes": https://de.wikipedia.org/wiki/Stabkirche_Urnes. Ausführlicher: https://en.wikipedia.org/wiki/Urnes_Stave_Church

 

3.4        Niederlande: Merowingerzeitliches Gräberfeld von Hogebeinturm veröffentlicht

Hogebeinturm in der niederländischen Provinz Friesland gilt als höchster Terp (Warft/Wurt) in den Niederlanden. 1904-1907 wurde dort ein frühmittelalterliches Gräberfeld mit mehr als 142 Bestattungen erfasst, das jedoch bislang nur in knappen Vorberichten von P. C. J. A. Boeles greifbar war. Nun hat der Konservator am Museum Groningen, Egge Knol, das Material mit einem kleinen Team als knappe Auswertung mit zeitgemäß gutem Katalog vollständig publiziert - in niederländischer Sprache. Im Fundspektrum des birituellen Bestattungsplatz finden sich neben einigen wenigen, typisch fränkischen Knickwandtöpfen vor allem handgemachte Keramikgefäße, die nach ihrer Art als "sächsisch" bezeichnet werden. Für die im Aufsatztitel genannte absolute Datierung wurden auch zahlreiche 14C-Daten angefertigt.

Knol, E. (2019). Het vroegmiddeleeuwse grafveld van Hogebeinturm (400-730 n.Chr.). In A. Nieuwhof, E. Knol & J. Nicolay (red.). De hoogste terp van Friesland:  Nieuw en oud onderzoek in Hogebeintum. (Jaarverslagen van den Vereniging voor Terpenonderzoek, 101). (p. 159-231). Groningen: Vereniging voor Terpenonderzoek. https://www.academia.edu/40796383/Het_vroegmiddeleeuwse_grafveld_van_Hogebeintum_400-730_n._Chr._ und: https://www.academia.edu/40796398/Catalogus_van_het_grafveld_Hogebeintum_400-730_n._Chr._

Warft, Wurt, Terp (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Warft

 

3.5        Maes Howe: Zum maßlich-geometrischen Konzept der Planung des Ganggrabes

Der Architekt Wolf Meyer-Christian legt dar, wie das um 2.800 v.Chr. erbaute und Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgedeckte Ganggrab von Maes Howe (Orkney, Schottland) mit Hilfe einfacher Mittel und pythagoräischer Dreiecke sorgfältig geplant gewesen sein könnte. "Der Plan ist die Sprache des Architekten", sagt man, und so sind hier die Abbildungen zur UNESCO-Welterbestätte fast wichtiger als Text. Ein Beitrag abseits des Mainstreams, der sich nicht schnell erschließt, sondern in Ruhe nachvollzogen werden will.

Meyer-Christian, W. (2019). Maes Howe (Orkney, Mainland) – Rekonstruktion der Planung einer jungsteinzeitlichen Grabanlage. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 19. Nov. 2019. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Meyer-Christian.pdf

"Maeshowe Chambered Cairn, Orkney, 3D Scanning" (Historic Environment Scotland, 4.9.2012; Video, 2:55 Min.): https://youtu.be/_DX-OBFdUTE

World Heritage: "The Heart of Neolithic Orkney" (UNESCO): https://whc.unesco.org/en/list/514/

 

3.6        Sessionbericht: Untangling the Final Palaeolithic and Mesolithic in Europe

Wie lassen sich unterschiedliche Lebensweisen des Endpaläolithikums und des frühen Mesolithikums definieren, und unterscheiden sich diese auf regionaler / europäischer Ebene? Wie hängen die verschiedenen Regionen im 10. Jahrtausend kulturell zusammen? 16 Vorträge und ein Poster beschäftigten sich im Rahmen der Session "Untangling the Final Palaeolithic and Mesolithic in Europe" während der EAA-Tagung 2019 in Bern mit diesen Fragen, und zwar aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, darunter: Lithologiestudien (einschließlich Rohstoff-, Technologie- und Typologiestudien); Netzwerkanalysen; Untersuchung von Knochen- und Geweihmaterial; Paläogenomik; rechnergestützte Ansätze zum Klimawandel und die Untersuchung lebender Rentierjagdkulturen. Einen Bericht von der Session finden Sie im aktuellen Newsletter der EAA.

https://www.e-a-a.org/EAA/Publications/Tea/Tea_62/Session_reports/EAA/Navigation_Publications/Tea_62_content/Session_reports.aspx#62_palaeolithic

 

3.7        Videos vom Kolloquium 2019 zum Staffordshire Hoard bei YouTube

Der Mitte 2009 entdeckte Staffordshire Hoard ist eine jener vielen spektakulären Entdeckungen in Großbritannien, die durch Sondengänger gemacht wurden und - den britischen Regularien folgend - anschließend von öffentlichen Sammlungen angekauft wurde. Er umfasst mehr als 3.500 Objekte von insges. über 5 kg Gewicht und enthält Objekte vom späten 6. bis ins 2. Viertel des 7. Jahrhunderts n. Chr. Der Hortfund wurde seitdem von einem großen Expertenteam bearbeitet und 2019 wissenschaftlich publiziert. Aus Anlass der Publikation veranstaltete nun die Society of Antiquaries am 1.11. ein Kolloquium, bei dem namhafte Experten den Stand der Erforschung aus ihrer Sicht beleuchteten, auch, um die Deutung und weitere Erforschung dieses außerordentlichen Fundes nach seiner Primärpublikation weiterzuführen. Ob des großen öffentlichen Interesses am Hort wie an diesem Kolloquium wurden die Vorträge gefilmt und sind nunmehr als Folge von aktuell neun Videos auf YouTube frei zugänglich.

Kolloquium zum Staffordshire Hoard am 1.11.2019 (Society of Antiquaries, Nov./Dez.; Playlist mit neun Videos, je ca. 25 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=zQGR_y1UsbQ&list=PLGOCpw7BaRwWqvdJBCDXUvotQVSqKaIeb

Fern, Chr., Dickinson, T. & Webster, L. (2019). The Staffordshire Hoard: An Anglo-Saxon Treasure. (Society of Antiquaries of London Research Committee Report, 80). London: Society of Antiquaries of London.

"The Staffordshire Hoard Conference and Book Launch, 1 November 2019, Society of Antiquaries of London" (Archaeodeath, 2.11.): https://howardwilliamsblog.wordpress.com/2019/11/02/the-staffordshire-hoard-conference-and-book-launch-1-november-2019-society-of-antiquaries-of-london/

 

3.8        Salango (Ecuador): Kinderschädel, die in Kinderbestattungen als Helm dienten

Aus dem Bereich der präkolumbianischen Guangala-Kultur in Ecuador, deren Menschen vorwiegend von Ackerbau und Fischfang lebten, hat ein internationales Forscherteam einen sehr ungewöhnlichen Befund publiziert. In einem rituellen Komplex in der Provinz Salango an der Küste wurde 2014-16 eine Plattform ergraben, in der elf Individuen mit diversen Grabbeigaben, u.a. steinerne Ahnenfigürchen, bestattet worden waren. Der Komplex datiert auf etwa 100 v. Chr. Zwei der elf Individuen waren Bestattungen von Kindern, 18 Monate und 6-9 Monate alt. Über beide Kinderschädel waren manipulierte Schädel älterer Kinder (4-12 Jahre alt) so gestülpt wurden, dass sie den eigentlich Bestatteten wie ein Helm dienten. Während Sonderbehandlungen von Schädeln Erwachsener in vielen südamerikanischen Kulturen nicht ungewöhnlich sind, sind hervorgehobene Kinderschädel generell selten und dieser spezielle Befund mit zusätzlichen, als Helm dienenden Schädeln bislang einzig. Es sind aDNA-Untersuchen geplant, um zu prüfen, ob die Kinder und die ihnen als Helme dienenden Schädel eng verwandt sind.

Kristina Killgrove: "Babies In Ancient Ecuador Were Buried With Human Skull Helmets" (Forbes, 13.11.): https://www.forbes.com/sites/kristinakillgrove/2019/11/13/babies-in-ancient-ecuador-were-buried-with-human-skull-helmets/#6b3673924d4d

"2 Infants Were Buried Wearing Helmets Made from Kids' Skulls. And Archaeologists Are Puzzled" (LiveScience, 12.11.): https://www.livescience.com/infants-buried-wearing-skull-helmets.html

Juengst, S., Lunniss, R., Bythell, A., & Ortiz Aguilu, J. (2019). Unique Infant Mortuary Ritual at Salango, Ecuador, 100 BC. Latin American Antiquity, 1-6. doi:10.1017/laq.2019.79 https://www.cambridge.org/core/journals/latin-american-antiquity/article/unique-infant-mortuary-ritual-at-salango-ecuador-100-bc/288F1E104204E9FB0C7D2308878FAC9C

 

4         Archäoinformatik

4.1        Zweite Auflage "R Graphics Cookbook" (2019) im Open Access

Winston Changs "R Graphics Cookbook", erstmals erschienen im April 2012, gilt in der Szene als Klassiker, es ist "die" Einführung in das heute weithin als modern geltende R-Graphik-System "ggplot2". Es ist tatsächlich wie ein Kochbuch mit 150 Rezepten angelegt: Entlang einer generellen Gliederung werden stets Fragen gestellt: "Was muss ich tun, wenn ich dies und jenes umsetzen will?" und dann handfest und Schritt-für-Schritt erläutert. Ja, das kann im Einzelfall auch etwas nervig sein, nämlich wenn man schnell etwas nachschlagen will, eignet sich aber vorzüglich als Buch zum Selbst-Einarbeiten in dieses ebenso wichtige wie - ob der sehr breiten Palette von Möglichkeiten - etwas schwierige Thema. Das Buch ist im November 2019 neu in einer zweiten Auflage erschienen, die nun auch im Open Access zur Verfügung steht. Der Vergleich zeigt: Es ist eine leicht überarbeitete Auflage ohne grundlegende Änderungen, Neuerungen oder Erweiterungen, aber sicherlich wurden die üblichen kleinen Fehler von Erstausgaben ausgemerzt. Vorteil der Online-Edition: man kann die Code-Zeilen kopieren und bequem für die eigene Arbeit anpassen.

Chang, W. (2019). R Graphics Cookbook, 2nd edition: https://r-graphics.org/index.html

 

5         Kulturgutschutz

5.1        Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

Raimund Karl: " Liberale Briten? Fundregelsysteme im Vergleich" (Archäologische Denkmalpflege, 10.12.): http://archdenk.blogspot.com/2019/12/liberale-briten.html

"Wie gehen wir mit 'unserem Raubgut' um?" (ttt, 8.12.; Video, 6:18 Min.): https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videosextern/wie-gehen-wir-mit-unserem-raubgut-um-100.html

"Penn Museum hands over fragments of 387 ancient clay tablets to Iraqi Embassy. Archaeologists say the tablets, unearthed nearly a century ago, are akin to receipts" (The Art Newspaper, 5.12.): https://www.theartnewspaper.com/news/penn-museum-hands-over-fragments-of-387-ancient-clay-tablets-to-iraq

"Rückgabe afrikanischer Raubkunst: Wie die Soros-Stiftung die Bundesregierung übertrumpft. Die große Koalition will die deutsche Kolonialgeschichte aufarbeiten – doch viel Geld ist ihr das nicht wert. Von der Soros-Stiftung dagegen kommen Millionen" (Der Tagesspiegel, 27.11.): https://www.tagesspiegel.de/politik/rueckgabe-afrikanischer-raubkunst-wie-die-soros-stiftung-die-bundesregierung-uebertrumpft/25274240.html

"Dieses Mal nur 10.000 Raubgrabungsfunde - Europol-Operationen der vergangenen Jahre" (Archaeologik, 27.11.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/11/dieses-mal-nur-10000-raubgrabungsfunde.html

"Archaeologists fear Bolsonaro agenda will kill Amazon civilisation research" (The Guardian, 26.11.): https://www.theguardian.com/environment/2019/nov/26/brazil-amazon-archaeologists-bolsonaro-civilisation

"Unterschlagung: Hobby-Schatzsucher lassen 1100 Jahre alten Wikingerfund verschwinden – und fliegen auf" (Stern, 23.11.): https://www.stern.de/panorama/hobby-schatzsucher-lassen-1100-jahre-alten-wikingerfund-verschwinden-9015692.html

"Venus von Aufhausen"/Lkr. Dingolfing-Landau: "Archäologen-Panne: Bedeutendes Fundstück wurde wohl verschlampt" (Heimatzeitung, 12.11.): https://www.heimatzeitung.de/startseite/aufmacher/3509862_Archaeologen-Panne-Bedeutendes-Fundstueck-wurde-wohl-verschlampt.html

"Art in crisis: identifying and returning looted objects. Curator St John Simpson explains how the Museum is helping to fight the contemporary trade of looted antiquities across the globe" (The British Museum, 5.11.): https://blog.britishmuseum.org/art-in-crisis-identifying-and-returning-looted-objects/

 

5.2        Europol: 23 Festnahmen, 80 Hausdurchsuchungen, 10.000 beschlagnahmte Objekte

Am 18.11. berichtete Europol von einem großen Schlag gegen eine international agierende Gruppe illegaler Antikenhändler. Die von der italienischen Carabinieri-Einheit "Comando Tutela del patrimonio culturale" geführte Aktion "Achei" wurde zusammen mit französischen, deutschen, serbischen und britischen Polizeibehörden durchgeführt. Nach Aussage von Europol begannen die Recherchen im Jahr 2017. In der Sache geht es um Handelswerte von mehreren Millionen Euro und eine "gut strukturiert geführte kriminelle Vereinigung", die alle Phasen des Antikenraubes und Handels in der Hand hielt: von der Antiken-"Gewinnung" durch Raubgrabungen in Kalabrien an antiken Stätten der griechischen und römischen Epoche über Transporteure und Händler in Italien, mit wichtigen Verteilerknoten in Dijon, München, London und Vršac. Das Europol-Projekt FURTUM habe die internationalen Ermittlungen koordiniert und den Tag der Festnahmen und Durchsuchungen organisiert.

"23 arrests and around 10 000 cultural items seized in an operation targeting Italian archaeological trafficking" (Europol, 18.11.): https://www.europol.europa.eu/newsroom/news/23-arrests-and-around-10-000-cultural-items-seized-in-operation-targeting-italian-archaeological-trafficking

"Indagini avviate nel 2017 Calabria. Traffico reperti archeologici: 23 arresti" (RAI, 18.11.): http://www.rainews.it/dl/rainews/articoli/calabria-traffico-reperti-archeologici-23-arresti-e7e84629-9870-4492-9d07-e2d414af4069.html

"Traffico illegale di beni archeologici dalla Calabria all'estero: 23 arresti" (Calabria Magnifica, 18.11.; Video, 7:04 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=b7Es8-W-T1s

"'Achei', smantellato traffico illecito di beni archeologici calabresi" (L'altro Corriere Tv, 18.11.; Video, 1:18 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=r4ZA27i39ts

 

5.3        Wer weiß mehr über Fundort und Fundumstände dieser keltischen Schnabelkanne?

"Man sinkt da schon auf die Knie und verliebt sich in die Details", schwärmt Dr. Martin Schönfelder. Nein, es geht nicht um eine atemberaubende Frau, sondern um eine keltische Schnabelkanne. Sie hat die Sinne des beim RGZM tätigen Archäologen so ungemein betört. Sie dürfen gerne freundlich lächeln, aber lesen Sie nun bitte weiter: Die mehr als 2.000 Jahre alte Kanne sollte 2015 in London verkauft werden, das BKA stoppte dies. Derzeit wird das bronzene Objekt im RGZM aufbewahrt. "Wir wünschen uns sachdienliche Hinweise auf den Fundort und die Fundumstände", sagt Schönfelder Kollege Dr. Michael Müller-Karpe. Denn vermutlich stammt die Kanne aus Raubgrabungen und wurde aus einem keltischen Fürstengrab gestohlen. Anschließend wurde sie – um sie verkaufsfähig zu machen – restauriert. Wüsste jemand mehr über die Herkunft der Kanne, wäre dies ein enorm wichtiger Erkenntnisgewinn für die Archäologie. Bislang sind nur sechs dieser Schnabelkannen bekannt, darunter eine vom Fürstengrab am Glauberg. Der Artikel im "Pfälzischen Merkur" zeigt und beschreibt die Kanne. Sollten Sie mehr über das Objekt wissen (oder jemanden kennen, der mehr darüber wissen könnte): das RGZM ist für jede Hilfe sehr dankbar!

"Eine leere Kanne voller Geheimnisse" (Pfälzischer Merkur, 19.11.): https://www.pfaelzischer-merkur.de/welt/kultur/wie-sich-in-mainz-ein-krimi-um-ein-archaeologisches-fundstueck-entwickelt-dessen-preis-unfassbar-ist_aid-47297197

 

5.4        Schweiz: Kanton Zug weicht Denkmalschutz auf

Im zentralschweizerischen Kanton Zug hat Ende November eine auf die Aufweichung des Denkmalschutzes zielende Revision des Denkmalschutzgesetzes zu einer Volksabstimmung geführt, die sehr klar ausfiel: Fast zwei Drittel aller Stimmberechtigten stimmten für das neue Gesetz mit deutlich gelockerten Schutzbestimmungen; die Stimmbeteiligung lag bei für lokale Abstimmungen nicht unüblichen 44 %. Obwohl im Kanton Zug deutlich weniger Gebäude unter Denkmalschutz stehen als im gesamtschweizerischen Vergleich, werden die Voraussetzung für die Unterschutzstellung eines Baudenkmals in Zukunft noch einmal deutlich erhöht - durchaus nicht ohne Haar-Gespalte und Wortklaubereien: Ein "sehr hoher" Denkmalwert reicht nun nicht mehr, der muss schon "äusserst" hoch sein. Wer auch immer das bewertet - die frühere Denkmalschutzkommission, eine breit in Gremien, Verbänden und Vereinen des Kantons Zug abgestützte Kommission mit beratender Wirkung, jedenfalls nicht, denn die wird ersatzlos abgeschafft. Dabei ist die Schweiz doch sonst immer so stolz auf ihre gut funktionierende Basisdemokratie, bei der Alle und Jeder in extenso mitreden kann!? Pikanterweise sind unter den Protagonisten der Gesetzesnovellierung durchaus einige Häuslebesitzer, die sich per neuem Gesetz die finanziellen Beihilfen des Kantons bei Renovationen kräftig erhöht haben - honi soit qui mal y pense, wie der im Newsletter schon häufiger zitierte Hosenbandorden sagt (der Schwabe spräche von "Gschmäckle") ... Und dass die neuen gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere eine starre Altersgrenze von 70 Jahren, unterhalb der der Gebäudebesitzer der Unterschutzstellung explizit zustimmen muss, wohl gegen übergeordnetes Recht verstoßen, ficht die Befürworter des neuen "Denkmalschutz light" nicht an. Ebenso wenig wie der ganz leicht irreführende "Denkmalschutz ja"-Slogan, wenn man doch ebendiesen einschränken will – wie viele Stimmbürger da wohl im guten Glauben an der falschen Stelle ein Kreuz gesetzt haben? Auch wenn die Archäologie bei diesem neuen Gesetzesvorhaben nur indirekt betroffen ist, gibt die Sache doch Anlass zur Sorge: Das neue Zuger Denkmalschutzgesetz ist ein weiteres Mosaiksteinchen in einer ganzen Reihe von Vorstößen ähnlicher Zielrichtung in verschiedenen Kantonen wie auch auf Bundesebene, die sich insbesondere gegen Natur-, Landschafts- und Denkmalschutz richten.

"Denkmalschutz ja". Website der Befürworter des neuen Denkmalschutzgesetzes: https://www.denkmalschutz-ja.ch/

"Denkmalschutzgesetz nein". Website der Gegner des neuen Denkmalschutzgesetzes: https://www.denkmalschutzgesetz-nein.ch/

"Zuger Bevölkerung sagt Ja zur Revision des Denkmalschutzgesetzes" (Pressemitteilung des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, 25.11.): https://www.zg.ch/behoerden/direktion-des-innern/amt-fuer-denkmalpflege-und-archaeologie/aktuell/zuger-bevoelkerung-sagt-ja-zur-revision-des-denkmalschutzgesetzes

"Zuger stimmen Lockerung des Denkmalschutzes zu" (zentralplus.ch, 24.11.): https://www.zentralplus.ch/zuger-stimmen-lockerung-des-denkmalschutzes-zu-1660171/

"Experte: "Diese Vorschrift kann beim Bundesgericht angefochten werden" (zentralplus.ch, 20.11.): https://www.zentralplus.ch/experte-diese-vorschrift-kann-beim-bundesgericht-angefochten-werden-1658015/

Stefan Kunz: Kommentar "Denkmalpflege stärken" (Heimatschutz 4/2019): http://heimatschutz.ch/fileadmin/heimatschutz/user_upload/files/Zeitschrift/Kommentar/Kommentar-Commentaire-4-2019.pdf

 

6         Studium, Job-Themen und Personalia

6.1        Gernot Jacob-Friesen verstorben

Am 27.10. verstarb im Alter von 93 Jahren Prof. Dr. Gernot Jacob-Friesen. Nach kurzem Klinikaufenthalt hatte er sich nicht mehr von den Folgen eines Sturzes erholt. Der 1926 geborene gebürtige Hannoveraner wurde 1951 an der Universität Bonn promoviert und habilitierte sich 1963 an der Universität Köln mit einer bis heute als grundlegend geltenden Arbeit über bronzezeitliche Lanzenspitzen. Nach seiner Promotion war er zunächst an unterschiedlichsten Orten in Deutschland als Grabungsarchäologe tätig; unter anderem leitete er 1954/55 die Aufdeckung des ersten Ha C-zeitlichen Wagengrabes der dann berühmt gewordenen Separatnekropole von Großeibstadt (Unterfranken). 1965 wurde er in Köln am Institut für Ur- und Frühgeschichte Assistent bei Hermann Schwabedissen, 1968 erhielt er dort den Ruf auf eine C3-Professur. Als Nachfolger von Klaus Raddatz wurde er 1982 auf den Lehrstuhl (C4) für Ur- und Frühgeschichte an die Georg-August-Universität Göttingen berufen, wo er bis zur Erreichung seines Ruhestandes 1993 wirkte. In Köln führte Gernot Jacob-Friesen vier Schüler zum akademischen Abschluss, in Göttingen ca. 25 Schüler. Auch nach seiner Pensionierung blieb er der nds. Landesarchäologie und dem akademischen Leben an der Georgia Augusta verhaftet und lebte bis zu seinem Tod selbständig in Göttingen. Seine Beisetzung fand am 15.11. auf dem Stadtfriedhof Hannover-Engesohde statt.

Schriftenverzeichnis in: Die Kunde NF 41/42, 1990/91, 1-8.

 

6.2        Prof. Dr. Dr. mult. h.c. Michael Müller-Wille verstorben

Am 12.11. verstarb Prof. Dr. Michael Müller-Wille. Am 1. März 1938 in Münster geboren und aufgewachsen, wurde er nach einem Studium in Münster, Uppsala und Montpellier 1964 an der Univ. Münster promoviert. 1965 wurde er Assistent bei Georg Kossack an der Universität Kiel, wo er sich 1970 habilitierte. 1976 erhielt er den Ruf auf die Professur für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Mainz, 1981 wechselte er an den Kieler Lehrstuhl, den er bis 2003 innehatte. Von 1989 bis 1991 war er Rektor der Universität Kiel. In seiner Lehre wie in seinen Forschungen lag im vor allem die frühgeschichtliche Archäologie in Nordeuropa am Herzen.

Website Prof. Müller-Wille an der Univ. Kiel: http://www.mueller-wille.de/

 

6.3        Während der Abschlussarbeit: So verbessern Sie die Kommunikation zwischen sich und Ihrem Dozenten

Die Sprechstunde beim Dozenten ist ständig ausgebucht, und auf Ihre E-Mails kommen keine oder nur kurze Antworten - während jedoch der Abgabetermin Ihrer Abschlussarbeit naht. Kennen Sie? "bento", ein Magazin des "Spiegel", hat richtig guten Rat, was Sie in so einer Situation tun sollten.

"Meine Professorin betreut meine Abschlussarbeit nicht richtig. Was kann ich tun?" (bento, 6.11.): https://www.bento.de/future/studium-aerger-mit-dozenten-so-laeuft-die-kommunikation-besser-a-53cece90-2eab-4114-a632-c416b0452b19

 

6.4        DFG-Fachkollegienwahl beendet, vorläufige Ergebnisse veröffentlicht

Die DFG Fachkollegienwahl 2019 für die Amtsperiode von 2020 bis 2023 endete am 18.11. mit der Beteiligung von mehr als 53.000 stimmberechtigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Am 22.11. wurden die von der DFG als vorläufig bezeichneten Ergebnisse publiziert. Für 49 Fachkollegien wurden 632 Plätze vergeben; der Frauenanteil unter den Gewählten liegt bei 32,1 %. Für das Fachkollegium 101 "Alte Kulturen" waren drei Gutachter für den Bereich "Ur- und Frühgeschichte (weltweit)" zu wählen; aus den neun Nominierungen wurden gewählt (in der Reihenfolge der Stimmzahlen): Prof. Dr. Doris Mischka (Erlangen), Prof. Dr. Dieter Quast (Mainz) und Prof. Dr. Michael Meyer (Berlin). Die Newsletter-Redaktion gratuliert den Gewählten herzlich! Wichtig zu betrachten sind jedoch nicht nur die Wahlergebnisse, sondern der ganz wesentliche Schritt davor: die Nominierungen. Gewählt werden kann ja nur, wer es zuvor auf die Liste geschafft hat. Die nunmehrige Veröffentlichung der DFG lässt weitaus klarer als vor der Wahl erkennen, wie diese Nominierungen zustande kamen. Bei Michael Meyer durch das Bündnis von drei Berliner Universitäten - ohne jede Nominierung einer Fachinstitution und damit nach genau jenem Muster, das weit im Vorfeld der Fachkollegienwahlen u.a. der Philosophische Fakultätentag, der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und auch die DGUF der DFG gegenüber kritisiert hatten. Ganz ähnliche Bündnisse von Nominierungen seitens der Universitäten fallen auch bei anderen Fächern innerhalb der "Alten Kulturen" auf und dominieren die Fachgesellschaften. In anderen Fällen fällt eine befremdliche Sichtweise der DFG auf, nach der sowohl das DAI (also eine Abteilung des Außenministeriums) als auch die RGK (also eine Filiale des DAI) mit je einer Stimme ein eigenes Vorschlagsrecht wahrnehmen, während die gesammelten Fachgesellschaften der UFG – wie zuvor auch für diese Wahlperiode im DVA gebündelt – als eine (1) Stimme gezählt werden. Ist das wirklich eine adäquate Umsetzung des der DFG zu Grunde liegenden Prinzips einer fairen und autonomen Selbstorganisation der Wissenschaft? Trifft wirklich zu, was DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider am 22.11. sagte, dass sich nämlich "in der Wahl der Mitglieder der Fachkollegien durch die jeweiligen fachlichen Gemeinschaften der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler […] die Selbstorganisation von Wissenschaft in Deutschland" verwirklicht, wenn die zuvor erfolgte Nominierung der Kandidatinnen und Kandidaten so schief verläuft? Jedenfalls darf der gemeinsame Versuch der vier Fachgesellschaften Hugo-Obermaier-Ges., DGUF, DGAMN und GfA, durch eine bessere Konzertierung innerhalb des DVA eine breitere Repräsentanz des Faches inkl. Paläolith.-Mesolith.-Archäologie, AMANZ und Anthropologie zu erreichen, als gescheitert betrachtet werden, weil manche Akteure neben ihrer Mitwirkung innerhalb des DVA zusätzlich noch ein eigenes autonomes Vorschlagsrecht wahrnehmen. Was bitte als Kritik am Verfahren, keinesfalls an den nun demokratisch gewählten Gutachtern, allesamt herausragend kluge Köpfe, zu verstehen ist.

Vorläufiges Wahlergebnis der DFG-Fachkollegienwahl 2019 (DFG, 22.11.): https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/gremien/fachkollegien/fk-wahl2019/fkwahl_2019_wahlergebnis_vorlaeufig_191122.pdf

"DFG-Fachkollegienwahl 2019: Vorläufiges Ergebnis steht fest" (Pressemeldung DFG, 22.1.): https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2019/pressemitteilung_nr_57/index.html

"DGUF kritisiert weitere Schwächung der Fachgesellschaften bei den Wahlen zu den DFG-Fachkollegien" (DGUF.de, Februar 2018): http://dguf.de/458.html

 

7         Open Access & Open Data

7.1        "Archäologischer Anzeiger" neu im Open Access

Am 20.11. vermeldete das DAI die umfassende Renovierung des Archäologischen Anzeigers, der nun im Open Access publiziert wird - unter Beibehaltung einer gedruckten Ausgabe. Für Klassische Archäologen eine sofort verständliche und sensationelle Meldung - die dennoch kurz erläutert sei. Das 1829 in Rom als Privatinitiative gegründete DAI wurde 1874 zum Reichsinstitut, erstarkte und expandierte. Dazu gehören ganz am Anfang zwei Zeitschriften, die sich schnell zu Leitmedien des Faches entwickeln: das Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts (JdI; 1885 ff.) und der Archäologische Anzeiger (AA; 1889 ff.); letzterer ergänzte das JdI mit seinen umfangreicheren Forschungsaufsätzen um kleinere Beiträge, Nachrichten und Mitteilungen - für das Fach nicht minder wichtig als das JdI. Nun erscheint Jg. 2019 des AA im Open Access, und zwar auf der DAI-eigenen Plattform IDAI.publications. Dabei werden die Beiträge zum Lesen mit einem responsiven Viewer angeboten und zusätzlich als PDF, sie können mit Forschungsdaten und der Geodatenbank des DAI verknüpft werden. Der Viewer mit seiner Gliederungsleiste, seinen Sprungfunktionen und dem Ein- und Ausblenden von Fußnoten erlaubt ein angenehmes Lesen und Arbeiten auch am Tablet oder Smartphone: rundum gelungen! Die zurückliegenden Ausgaben des AA werden derzeit sukzessive als PDF online gestellt, verfügbar sind derzeit die Jahrgänge 2008-2011.

"Der neue Archäologische Anzeiger im Journal-Viewer mit vernetzten Forschungsdaten aus der iDAI.welt" (DAI, 20.11.): https://www.dainst.org/-/der-neue-archaologische-anzeiger-im-journal-viewer-mit-vernetzten-forschungsdaten-aus-der-idai-welt

Archäologischer Anzeiger 2019(1): https://publications.dainst.org/journals/aa/issue/375

JdI - Jahrgänge 1 (1886) - 40 (1925) online: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jdi

 

7.2        HessenArchäologie: willkommen im Club Propylaeum!

Nun also auch die "Fundberichte aus Hessen"! - im Bündel der archäologischen Open-Access-Fachzeitschriften bei Propylaeum (UB Heidelberg). Von 1961 bis 2017 erschien die Fachzeitschrift der hessischen Landesarchäologie als gedruckte Ausgabe. Mit erweitertem Namen als "Fundberichte aus Hessen Digital" geht es nun runderneuert mit Jahrgang 1 (2019/20) online in den Open Access. Der konkrete Weg, für den sich HessenArchäologie entschieden hat, weicht vom Vorgehen anderer Landesarchäologien, deren Online-Varianten z. T. lange Sperrfristen vorsehen, ab und ist ungemein offensiv: Gemäß der Ankündigung auf der Plattform Propylaeum sollen neue Beiträge - ganz ähnlich wie bei den Archäologischen Informationen - "online first" bei Propylaeum publiziert werden, und erst später, wenn alle Beiträge eines Jahrgangs beisammen sind, folgt auch eine gedruckte Ausgabe als "Zweitpublikation". Die beiden ersten Beiträge stehen bereits online. Sie berichten über die Grabung an einem Abri mit (früh-?) mesolithischem Inventar und glockenbecherzeitlicher Zweitbegehung (A. Sattler), sowie einer Verursachergrabung mit bandkeramischen Hausgrundrissen (N. Fröhlich). Doch bitte nicht zu viel Neuerung auf einmal! - die Regelung zur Rechteübertragung an den Herausgeber klingt diffus und sehr "old fashioned", und "über die Annahme eines Beitrags entscheidet der Herausgeber nach erfolgter Qualitätsprüfung durch die wissenschaftliche Redaktion; ein Peer-Review-Verfahren ist nicht vorgesehen." Damit ist die Zeitschrift für den wissenschaftlichen Nachwuchs sogleich wieder uninteressant geworden.

Fundberichte Hessen Digital: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbhd/index

 

7.3        "Archaeologia" (Kiev) nun komplett im Open Access

Die 1947 begründete, in Kiev erscheinende Fachzeitschrift "Archaeologia" ist vollständig retrodigitalisiert und im November in den Open Access gegeben worden. Seit 1970 erscheint die Zeitschrift in vier Heften pro Jahr, aktuell publiziert sie in ukrainischer, russischer und englischer Sprache. Das Suchen kann etwas komplex werden: Die Bandübersichten der retrodigitalisierten Ausgaben liegen auf der Website des Ukrainischen Archäologischen Gesellschaft, das Archiv der Artikel mit allen PDFs findet sich jedoch bei Academia.edu, und die aktuellen Jahrgänge seit 2015 liegen wiederum auf einer anderen Seite. Gleichwie: das Stöbern und Entdecken macht Freude!

Archiv aller Jahrgänge seit 1947, mit Jahrgangsübersichten (Autor, Titel, Abstract): http://www.vgosau.kiev.ua/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=93&Itemid=171

Archiv der Zeitschrift bei Academia.edu: https://independent.academia.edu/JournalArchaeologyUA

Website der Zeitschrift: https://archaeologyen.wordpress.com/

 

7.4        Neu schrittweise im Open Access: Acta Praehistorica et Archaeologica Jg. 1 bis 47

Die 1970 erstmals erschienene Zeitschrift "Acta Praehistorica et Achaeologica", herausgegeben vom (West-) Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, hatte das Ziel, "der Welt die archäologischen Schätze der Staatlichen Museen zu Berlin zu öffnen" und ein Organ für die nach dem Krieg in West-Berlin verbliebenen Sammlungen zu sein. Mit der Wiedervereinigung 1989 der Berliner Museen in Ost und West veränderte sich auch die inhaltliche Ausrichtung der Zeitschrift. Heute dient die Zeitschrift als Jahrbuch des Museums für Vor und Frühgeschichte, dessen Schwerpunkte auf Beiträgen zu Themen mit Bezug auf die Sammlung und Archivalien des Hauses liegen. Die zurückliegenden Jahrgänge der Zeitschrift werden nun sukzessive retrodigitalisiert und über das Portal Propylaeum in den Open Access gestellt.

https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/apa/index

 

7.5        Weitere Bände der Freiburger Reihe "Archäologie und Geschichte" im Open Access

"Archäologie und Geschichte. Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland" ist die 1986 begründete Monografienreihe des Freiburger Forschungsverbunds "Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland". Forschungsverbund und Reihe bündeln für die Region die Fächer Urgeschichtliche Archäologie, Provinzialrömische Archäologie sowie Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie des Mittelalters, Mittelalterliche Geschichte und Landesgeschichte. Alle Bände der Reihe erscheinen als gedrucktes Buch und werden seit einiger Zeit zusätzlich, mit einer Sperrfrist von zwei Jahren, via Propylaeum in den Open Access gestellt. Neu sind nun drei Bände online gestellt worden, über deren vereinfachte Verfügbarkeit sich insbes. Frühmittelalter-Archäologen sehr freuen dürften: Band 6: Michael Hoeper, Christel Bücker, Lothar Bakker, Hugo Steger (1994): Römer und Alamannen im Breisgau. Studien zur Besiedlungsgeschichte in Spätantike und frühem Mittelalter; Band 7: Hans Ulrich Nuber, Karl Schmid, Heiko Steuer, Thomas Zotz (Hrsg.) (1995): Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland; Band 12: Michael Hoeper, Heiko Steuer, Jörg Lienemann, Christel Bücker (2003): Völkerwanderungszeitliche Höhenstationen am Oberrhein.

https://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/series/info/archuge

 

7.6        Zeitschrift für Kunstgeschichte: Herausgeberteam tritt mangels Open Access geschlossen zurück und gründet neue Zeitschrift

Die 1932 gegründete, peer reviewte "Zeitschrift für Kunstgeschichte" gehört neben der "Kunstchronik" wohl zu den renommiertesten Zeitschriften der Kunstgeschichte in Deutschland. Sie erscheint im "Deutschen Kunstverlag", der seit 2018 zum Verlag de Gruyter gehört. Per Ende 2019 sind die bisherigen Herausgeber geschlossen zurückgetreten, wegen des Streits um den ihnen notwendig erscheinenden Wandel in der Open Access. Bereits 2015 hatten die Herausgeber absehbare Probleme mit der Finanzierung der gedruckten Zeitschrift signalisiert, weil sich ein bedeutender Unterstützer zurückziehen werde. Unter anderem aus diesem Grund sei eine umfassende Renovierung notwendig. Zuletzt bot der Deutsche Kunstverlag an, 2021 in den Open Access zu gehen, und zwar mit einer Sperrfrist von einem Jahr auf dem grünen Weg, d.h. der Erlaubnis an die Autoren zum Self-Archiving. Das war den Herausgebern angesichts der Notwendigkeit von Open Access in der modernen Wissenschaftslandschaft zu wenig. Über die Universität Bern wurde dann eine neue Finanzierung möglich, jedoch unter der Bedingung, dass der Verlag einem Goldenen Open Access ab 2020 und ohne Sperrfrist zustimme - was dieser jedoch ablehnte. Das Herausgeberteam tritt nun zurück und gründet zum Januar 2020 eine neue Zeitschrift: "21: Inquiries into Art, History, and the Visual", die via arthistoricum.net (UB Heidelberg) online publiziert werden wird. Der Deutsche Kunstverlag sucht nun nach neuen Herausgebern für das angeschlagene Flaggschiff.

"Kunstzeitschrift entzweit sich wegen Open Access" (horizonte, 5.12.): https://www.horizonte-magazin.ch/2019/12/05/kunstzeitschrift-entzweit-sich-wegen-open-access/

"Statement of the hitherto acting editors of 'Zeitschrift für Kunstgeschichte'" (arthist.net, 19.9.): https://arthist.net/archive/21570

"Stellungnahmen: Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte unterstützt die Gründung der Open-Access Zeitschrift '21. Inquiries into Art, History, and the Visual' durch die ehemaligen Herausgeber*innen der Zeitschrift für Kunstgeschichte" (Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte, 12.11.): http://digitale-kunstgeschichte.de/aktuelles/356/

Website "Zeitschrift für Kunstgeschichte": https://www.deutscherkunstverlag.de/buch/zeitschriften/uebersicht/buchdetail/anzeige/zeitschrift-fuer-kunstgeschichte.html

Website "21: Inquiries into Art, History, and the Visual": https://21-inquiries.eu/

 

8         Bürger und Archäologie & Citizen Science

8.1        Anja Karliczek: "Wissen verpflichtet auch zu seiner Vermittlung"

In einem zunächst in der ZEIT erschienenen Gastbeitrag fordert Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, dazu auf, dass Wissenschaftler mehr als bisher selbst an die Öffentlichkeit kommunizieren müssten. "Es herrscht viel Unsicherheit und diese wird von bestimmten politischen Gruppierungen noch verstärkt, indem Fakten ignoriert oder schamlos umgedeutet werden. Umso wichtiger sind da die Stimmen der Wissenschaft, die Behauptungen geraderücken, über den wahren Erkenntnisstand berichten und diesen einordnen." - schreibt Karliczek und legt offen, dass es auch darum geht, "Vorbehalte gegenüber Entwicklungen in der Wissenschaft abzubauen" – was im Klartext die Stärkung von Wissenschafts-PR bedeutet. Daher wolle das BMBF Wissenschaftlern "ganz konkrete Anreize für mehr Kommunikation im Forschungsalltag [...] geben, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit noch einmal zu intensivieren." Was auch bedeutet, dass sie entsprechende Ressourcen in ihre Projektanträge einbinden sollten resp. dürften. Archäologie-Twitterer Jens Notroff sieht Vorteile in der Initiative der Ministerin: Das Wissen um einen festen Posten Wissenschaftskommunikation bedeute, dass solche Arbeit nicht "nebenher" erledigt werden müsste. Er sehe Kaliczeks "Vorstoß daher auch weniger als Zwang zur Kommunikation, sondern eher als Chance, Wissenschaftskommunikation als genuinen Bestandteil von Forschung zu begreifen - und schon in der Planung von Projekten einer gewissen Größenordnung zu berücksichtigen", twitterte er. Kritik an der Ministerin kommt sowohl aus der Wissenschaft als auch aus den Reihen der Wissenschaftsjournalisten: Karliczek beziehe sich explizit auf die 1999 ausgerufene Initiative "Public Understanding of Science and Humanities" (PUSH), die seinerzeit falsch angelegt und im Grunde gescheitert sei, nicht dem aktuellen Wissensstand im Bereich Wissenschaftskommunikation entspreche. Tatsächlich, so Kathrin Zinkant in der Süddeutschen, werde aktuell reichlich und eher zu viel kommuniziert, der Bürger zugeschüttet. Nicht zuletzt könne nicht jeder Wissenschaftler auch ein begabter Kommunikator sein. Eine Sicht, die in der Leserdiskussion der SZ reichlich Zustimmung findet, wonach es - so die Mehrheit der Stimmen - reichlich gute Wissenschaftskommunikation gebe. Es bestehe eher die Gefahr der Medialisierung, d.h. der Ausrichtung von Forschung darauf, möglichst öffentlichkeitswirksame Resultate zu erlangen (womit sich die Wissenschaft nicht länger an ihren eigenen Qualitätskriterien orientiert, sondern zunehmend an Maßstäben von außen). Die Wissenschaftspressekonferenz (WPK), eine Vereinigung von Wissenschaftsjournalisten, ist der Auffassung, dass ein weiterer Ausbau von Wissenschaftskommunikation allein keine Lösung für die genannten Probleme darstellt. Im BMBF-Papier "fehlt auch eine Analyse, warum noch mehr Kommunikation durch die Wissenschaft selbst vertrauensbildend wirken soll und nicht geradewegs den gegenteiligen Effekt erzeugt, nämlich eine misstrauische Gesellschaft, die einer immer lauter werdenden Eigenkommunikation der Wissenschaft mit steigender Skepsis begegnet." Entlang der seit Jahren öffentlich vernehmbaren Warnung von Journalisten, dass einerseits für Wissenschafts-PR zunehmend Gelder verfügbar gemacht werden, während gleichzeitig hochwertiger und unabhängiger Wissenschaftsjournalismus zusammengespart wird, bedauert die WPK in ihrem Statement, dass das BMBF-Papier eben auf genau diese Funktion von starkem Journalismus als "Watchdog" jenseits der Sensationsmeldungen aus den PR-Abteilungen der Forschungsprojekte nicht eingeht. Zu befürchten seien nicht nur Nachteile für den Wissenschaftsjournalismus, sondern für die Reputation der Wissenschaft selbst.

Anja Karliczek: "Gastbeitrag: 'Wissen verpflichtet auch zu seiner Vermittlung'" (BMBF, 14.11.): https://www.bmbf.de/de/wissen-verpflichtet-auch-zu-seiner-vermittlung-10168.html

Kathrin Zinkant: "Wissenschaft: Die Forschung ist zu viel auf Sendung" (SZ, 16.11.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/wissenschaft-die-forschung-ist-zu-viel-auf-sendung-1.4683337

"Leserdiskussion: Muss Wissenschaft im Alltag präsenter sein?" (SZ, 16.11.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/wissenschaftspolitik-karliczek-foerdergeld-1.4684830

"Mehr Wissenschaftskommunikation allein löst nicht die gesellschaftlichen Probleme. WPK-Stellungnahme zum Grundsatzpapier Wissenschaftskommunikation des BMBF" (Meta-Blog, 10.11.): https://www.meta-magazin.org/2019/11/16/wpk-stellungnahme-zum-grundsatzpapier-wissenschaftskommunikation-des-bmbf/

"Schweigsamen Wissenschaftlern stehen schwierige Zeiten bevor. Interview: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will Forscher zum Dialog mit der Gesellschaft bewegen. Sie lehnt Staatsmittel für Wissenschaftsjournalismus ab" (Riffreporter, 15.11.): https://www.riffreporter.de/der_bildungsforscher_jan_martin_wiarda/wissenschaftskommunikation-karliczek/

 

8.2        Ellwangen: Ist korrekt immer auch klug? Analyse eines Kommunikations-GAUs

"Alte Silbermünzen gefunden: Daniel muss Eintritt für seinen Schatz zahlen" titelte die BILD am 19.11. - eine Nachricht, die neben den analogen und klassisch digitalen Lesern dieser Zeitung zusätzlich bei ca. 2,5 Mio. Facebook-Abonnenten der BILD ankommt und binnen weniger Stunden über 1.500 Emoticons und über 600 Kommentare einsammelt. Kein Wunder, denn die BILD bedient eifrig das Klischee "armer Bürger, der Willkür der fiesen Behörden ausgeliefert", und die BILD-Darstellung "Er überließ Baden-Württemberg einen großen Schatz" ist jedenfalls irreführend. Was war geschehen? Der 29-jährige Finder des Münzschatzes von Ellwangen - laut Landesdenkmalamt "einem der größten spätmittelalterlichen Silbermünzschätze, die bislang in Baden-Württemberg bekannt geworden sind"- war an der Museumskasse des Alamannenmuseums Ellwangen gebeten worden, den üblichen Eintritt von 3,50 Euro zu bezahlen, um in die am 9.11. eröffnete Sonderausstellung "Der Münzschatz von Ellwangen" zu gelangen. Nun, der ohne Genehmigung handelnde Sondengänger hatte den 2017 gemachten, auf um 1300 n. Chr. datierten Fund zunächst nicht gemeldet. Später gab es eine Ermittlung wegen Unterschlagung samt Strafbefehl und Geldstrafe. Somit menschlich verständlich und gewiss auch sachlich völlig korrekt, dem Finder in Folge auch keine besonderen Privilegien einzuräumen. Entsprechend schreibt Museumsleiter Andreas Gut auf Facebook sowohl als Privatperson als auch als Seitenbetreiber des Museums zur Frage, ob der Sondengänger den Museumseintritt zahlen muss: "Ja was denn sonst? Mit dem rechtskräftig verurteilten Täter haben wir nun wirklich kein Mitleid." Gut ärgert sich auf Facebook außerdem öffentlich darüber, dass der Sondengänger laut BILD ein Star in seinem Heimatdorf sei, und stellt Gedanken zum Vergleich mit einem Bankräuber an. Zusammen mit dem Museumsleiter schimpfen Archäologen und der Archäologie zugewandte Personen mit und vermengen sachliche Fragen ("Gehört der Schatz dem Land?") mit der Emotion. Völlig losgekoppelt davon läuft die Debatte auf der BILD-Facebook-Seite. Dort gibt es zahlreiche Stimmen pro illegales Sondengehen, aber auch Verwunderung, dass sich der Sondengänger wegen läppischer 3,50 Euro an die BILD-Zeitung gewandt hatte. Bei der Vorstellung des Münzschatzes am 16.4.2019 sagte Landesarchäologe D. Krausse gegenüber der "Südwestpresse": "Der Sondengänger war sehr kooperativ". Eine Szenerie voller Gräben und mit vielen Emotionen also. Wie damit bestmöglich umgehen? Wie wäre es denn, persönlichen Ärger nicht in der Rolle des Museumsdirektors öffentlich kundzutun und, auch wenn es schwer fällt, "fünfe gerade sein lassen"? Den Finder zur Ausstellungseröffnung einzuladen und ihm wenigstens ein Mal freien Eintritt zu gewähren? Für das öffentliche Bild von Archäologie und das Verhältnis zwischen Fachämtern und Sondengängern hätte dies ein Gewinn sein können. Auch hätte sich ein erwiesenermaßen erfolgreicher Sondengänger fortan der professionell ausgeübten Archäologie womöglich etwas verbundener gefühlt. Ob das Museum für 3,50 Euro noch einmal so hohe mediale Aufmerksamkeit bekommt wie in diesen Tagen?

"Alte Silbermünzen gefunden: Daniel muss Eintritt für seinen Schatz zahlen" (BILD, 19.11.):

https://www.bild.de/regional/stuttgart/stuttgart-aktuell/alte-muenzen-gefunden-daniel-muss-eintritt-fuer-seinen-schatz-zahlen-66110860.bild.html

Sonderausstellung "Der Münzschatz von Ellwangen" (Alamannenmuseum Ellwangen, bis 19.1.): https://www.ellwangen.de/index.php?id=332&no_cache=1?&id=332&publish[id]=421716&publish[start]=

Museumsleiter Andreas Gut zur Frage des Eintritts für den Sondengänger (Facebook, 18.11.): https://bit.ly/2XuY0mN

Facebook-Posting der BILD zur Frage des Eintritts für den Sondengänger (19.11.): https://bit.ly/2XBalG3

"Münzschatz von Ellwangen: Sie suchten Weltkriegswaffen – und entdeckten die 'Euros des Mittelalters'" (WELT, 13.11.): https://www.welt.de/geschichte/article203451398/Muenzschatz-von-Ellwangen-Wem-gehoerten-die-9200-Silbermuenzen.html

"Mittelalterlicher Fund aus dem Ostalbkreis: Silbermünz-Schatz aus Ellwangen vorgestellt" (SWR aktuell, 16.4.): https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/Mittelalterlicher-Fund-aus-dem-Ostalbkreis-Silbermuenz-Schatz-aus-Ellwangen-wird-praesentiert,silbermuenz-schatz-in-esslingen-praesentiert-100.html

"9200 Münzen aus dem Mittelalter: Der Silberschatz von Ellwangen" (Südwestpresse, 16.4.):

https://www.swp.de/suedwesten/der-silberschatz-von-ellwangen-30763356.html

 

8.3        Portable Antiquities of the Netherlands vermeldet 25.000 validierte Funde

Das Projekt "Portable Antiquities of the Netherlands" (PAN) bietet eine Plattform, in Privatbesitz befindliche archäologische Funde - insbes. Detektorfunde - zu dokumentieren und online zu veröffentlichen, damit die Informationen zu Fund und Fundumständen der Wissenschaft wie der Öffentlichkeit zugänglich sind. Das Projekt wird von der VU Universiät Amsterdam konzertiert, viele wichtige Archäologie-Einrichtungen der Niederlande wirken daran mit, die Datenbank und das Kartierungstool werden von namhaften Experten getragen und professionell gehostet. PAN ist Teil des European Public Finds Recording Network (EPFRN), einer Zusammenarbeit von Organisationen, die sich auf die Registrierung archäologischer Funde konzentrieren. Neben dem PAS in England und Wales sind dies MEDEA in Flandern, DIME in Dänemark und Find Sampo in Finnland. Sowohl das Melden als auch das Arbeiten mit PAN erfordert eine Registrierung. Am 2.12. vermeldete das am 1.9.2016 gestartete Projekt den 25.000. validierten Fund (von insgesamt weit über 60.000 Fundmeldungen). Als "validiert" gilt ein gemeldeter Fund dann, wenn einer der autorisierten PAN-Experten die Fundmeldung überprüft, den Fund wissenschaftlich bestimmt und datiert hat und ihn für den öffentlich zugänglichen Teil der PAN-Website freigegeben hat.

Website PAN: https://portable-antiquities.nl/pan/#/public

PAN bei Facebook: https://www.facebook.com/PortableAntiquitiesNetherlands/

Vos, D., Heeren, St., van Ruler, N., Smallenbroek, K. & Lassche, R. (2018). PAN (Portable Antiquities of the Netherlands): Harnessing Geospatial Technology for the Enrichment of Archaeological Data. Journal for Geographic Infomation Science 6(2), 13-20. 10.1553/giscience2018_02_s13 Open Access: https://austriaca.at/0xc1aa5576_0x003a1fc5.pdf

 

9         Ausstellungen und Museen

9.1        Dauerthema Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern - DGUF unterstützt neuen "Freundeskreis"

In Deutschland gilt: Kultur ist Ländersache. Daher gibt es auch "Landesmuseen": Stätten, in denen das archäologische Kulturgut eines Bundeslandes archiviert und für die Bürger erschlossen und zugänglich gemacht wird. Deutschland hat 16 Bundesländer, doch seit 1990 nur 15 archäologische Landesmuseen. ?? Dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gefiel das in der Tat bemerkenswerte Schweriner Schloss so gut, dass er 1992 das dort beheimatete Archäologische Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern hinauswarf und das Schloss für sich selbst herrichten ließ. Seitdem gibt es in Mecklenburg-Vorpommern als einzigem Bundesland kein Archäologisches Landesmuseum mehr. Klar, an Ersatz wird gearbeitet, gründlich, d.h. seit nunmehr 27 Jahren. Schließlich will die Sache gut geplant werden! Wo genau soll ein Neubau errichtet werden? Oder lässt sich auch ein bestehendes Gebäude umnutzen? Geschickt ließ die Politik die Rivalitäten der Landesteile aufeinander wirken, die Standortfrage lähmte jahrzehntelang jedes konkrete Handeln. Im Umfeld der Landtagswahlen 2016 schien dann IPAL, die die 2014 gegründete "Initiative pro Archäologisches Landesmuseum" und ihre 15.000 Unterschriften zählende Unterstützerliste erfolgreich, eine Einigung auf den Standort Rostock wurde erreicht. Die Verbindlichkeit des Beschlusses wurde erhärtet durch die Berufung von Prof. Dr. H.-J. Karlsen auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock, in dessen Stellendenomination ausdrücklich die Aufgabe enthalten war, die Ausstellung des neuen Landesmuseums zu konzipieren. Nur Pessimisten nahmen dies als Überdehnung und Sparlösung wahr, Optimisten sahen die sinnvollen Synergien zwischen Universität, praxisorientierter Bildung des Nachwuchses und Museumsarbeit. Noch 2016 sicherte der damalige Oberbürgermeister von Rostock, Roland Methling, öffentlich zu: Wenn das Land seinen Teil tut, schießt die Stadt Rockock 15 Millionen Baukosten zu und stellt ein Grundstück am Rostocker Stadthafen zur Verfügung - da, wo die Fähren mit vielen Touristen kommen und gehen. Der Durchbruch!? Immerhin ergab sich eine weitere treibende Kraft: Die Bundesgartenschau findet, so im Sommer 2018 entschieden, im Jahr 2025 in Rostock statt, und zwar vor allem im Bereich Stadthafen. Eröffnung des Landesmuseums zur und inmitten der Bundesgartenschau - durchaus machbar, wenn man denn nun endlich anfinge mit dem Planen, Bauen und der Finanzierung. Doch die neue, SPD-geführte Landesregierung will nicht mehr geben als die im Raume stehenden 40 Millionen, und der neue, von FDP und CDU unterstützte parteilose Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen will ein würdiges, ein prächtiges Museum, sprich: mehr Geld vom Land. Und im Übrigen könne der Bau ja auch hie oder da errichtet werden, z. B. irgendwo abseits, um bestehende Stadtbrachen wieder attraktiv zu machen. Also zurück auf Anfang: Endlosdebatte über Standort und Geld? Am 20.11. gab nun die Landespolitik bekannt: Es wird ein Archäologisches Landesmuseum geben, und zwar in Rostock am Stadthafen; das Land stellt 40 Millionen bereit, die Stadt schießt 15 Millionen zu, und das ganze wird ab 2025 *nach* der Bundesgartenschau realisiert. Also dann, wenn die, die jetzt "verbindliche" Zusagen gemacht haben, wohl nicht mehr im Amt sind. Doch keine Sorge: 130 Highlights der mecklenburg-vorpommerschen Landesarchäologie können seit 2015 in einem ausnehmend attraktiven neuen Museum besichtigt werden: Sie sind als Leihgabe im Moesgard-Museum in Aarhus ausgestellt. Ein Museum und eine Ausstellung, die der Schweriner Kulturministerin sehr gefällt. Nun hat sich am 26.10. neu ein "Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern" formiert, der viele wichtige und einflussreiche Kräfte und Gesellschaften bündelt, die den Stillstand nicht hinnehmen wollen und auf einen früheren Beginn und eine auskömmliche Finanzierung dieses längst überfälligen Neubaus drängen. Neben den persönlichen Mitgliedern bündelt der Freundeskreis (Stand 25.11.) acht institutionelle Mitglieder: die Archäologische Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, IPAL, den Förderverein Tradition Ostseeschifffahrt, die Fachgruppe Archäologie Schwerin/Ludwigslust, die AG Junge Archäologen Herzogstadt Wolgast, die AG Kulturerbe Nordvorpommern, die AG "de Ackerlöper" (d.h. die Blauzahnschatzfinder), die AG Ur- und Frühgeschichte Neubrandenburg, dazu etliche Heimatvereine sowie viele ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, Geologen, Archäologen und Interessierte. Auch die DGUF, die bereits IPAL, unterstützt hatte und sich 2016 mit ihren Wahlprüfsteinen zur Landtagswahl für Klärungen zum Thema engagierte, ist Mitglied des Freundeskreises.

Website des Freundeskreises Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern (Dez. 2019): www.freundeskreis-alm.de

"Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern" auf Facebook: https://www.facebook.com/Freundeskreisler/

"Archäologisches Landesmuseum kommt erst nach BUGA" (NDR, Nordmagazin, 20.11.): https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Archaeologisches-Landesmuseum-kommt-erst-nach-BUGA,nordmagazin68524.html

"Museen - Rostock: Erneut Diskussionen um Archäologisches Landesmuseum" (Süddeutsche, 18.10.): https://www.sueddeutsche.de/kultur/museen-rostock-erneut-diskussionen-um-archaeologisches-landesmuseum-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-191018-99-346804

"Mecklenburg-Vorpommern: 130 Leihgaben aus MV im Moesgaard Museum im dänischen Aarhus" (Die WELT, 1.1.2015): https://www.welt.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/article135925650/130-Leihgaben-aus-MV-im-Moesgaard-Museum-im-daenischen-Aarhus.html

"Mecklenburg-Vorpommern: Ministerin Hesse von Moesgaard-Museum angetan" (Die WELT, 8.8.2018): https://www.welt.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/article180810342/Ministerin-Hesse-von-Moesgaard-Museum-angetan.html

"Rostock: Freundeskreis kämpft für Archäologisches Landesmuseum" (Schweriner Volkszeitung, 14.11.): https://www.svz.de/lokales/rostock/Rostock-Freundeskreis-kaempft-fuer-Archaeologisches-Landesmuseum-id26340937.html

"Wahlprüfsteine "Archäologie" zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September 2016": http://dguf.webseiten.cc/403.html

Website von IPAL (dort zahlreiche Hintergrundinformationen und Presse-Sammlung): https://bodendenkmalpfleger.de/

 

9.2        "Gold und Ruhm": Eine sehr sehenswerte Ausstellung des Historischen Museums über die Zeit Heinrichs II. (Basel, bis 19.1.2020)

Aufhänger der Ausstellung im Kunstmuseum Basel ist das 1000-jährige Jubiläum des Basler Münsters, dessen Weihe am 11. Oktober 1019 in der Gegenwart Heinrichs II. stattfand. Dieser stiftete darüber hinaus zahlreiche wertvolle liturgische Gegenstände – die sog. Heinrichsgaben –, die bis zur Reformation den Grundstein des Münsterschatzes bildeten. Dieser wurde übrigens gemeinsam mit der Universität Basel digitalisiert und rechtzeitig zu Ausstellungsbeginn (10.10.2019) in Form hoch aufgelöster Bilder online gestellt. Der Münsterschatz hat eine bewegte Geschichte hinter sich; er wurde im Zuge der Reformation eingelagert und bei der Kantonstrennung 1833 zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft aufgeteilt und später teilweise weiterverkauft. So gelangte auch das "Filetstück" der Ausstellung, der goldene Altarvorsatz, der vor 1019 in Bamberg hergestellt worden sein dürfte, über Umwege schließlich ins Musée de Cluny in Paris, von wo er jetzt für nur recht kurze Zeit und nur unter strengsten Sicherheitsauflagen (weshalb die Ausstellung im Kunstmuseum stattfindet) ausgeliehen wurde. Der Ausstellung gelingt es, zahlreiche kunsthandwerklich unglaublich hochkarätige Objekte des 11. Jh. meist aus Deutschland und der Schweiz, darunter v. a. liturgisches Gerät und Manuskripte, mit historischen Fakten und archäologischen (Be-)Funden aus Basel und Umgebung zu einem Bild zu verweben, das den Besucher in Politik und Gesellschaft des 11. Jh. und nicht zuletzt auch ins Leben von Kaiser Heinrich II. blicken lässt. Fun fact am Rande: Die Frisur Heinrichs II. auf einem als "englisch" bezeichneten Münztypus, lässt erstaunlicherweise an einen aktuellen britischen Politiker denken … Auf alle Fälle kommt man nach Besuch der Ausstellung sicher nicht auf die Idee, das Mittelalter als düster zu bezeichnen. – Hingehen!

Ausstellungswebsite: https://www.hmb.ch/aktuell/ausstellungen/gold-ruhm/

Website Münsterschatz: https://www.muensterschatz.ch/

"Münsterschatz ist zurück in Basel – als Leihgabe" (Tagesschau SRF, 11.10.): https://www.srf.ch/kultur/kunst/1000-jahre-basler-muenster-muensterschatz-ist-zurueck-in-basel-als-leihgabe

"Des Kaisers Gespür für Ruhm (FAZ, 20.10.):

https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/gold-und-ruhm-geschenke-fuer-die-ewigkeit-im-kunstmuseum-basel-16436473.html

"Basel, güldenes" (Tages-Anzeiger, 20.10.): https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/basel-gueldenes/story/15853865

 

9.3        "Sehenswert!": Die Sonderausstellung "Ringe der Macht" (Halle, 15.11.2019-1.6.2020)

"Ringe der Macht" - irgendwas mit J. R. R. Tolkien und Sauron? Ja, klugerweise das auch: Die kleine Sonderausstellung im Hallenser Landesmuseum für Vorgeschichte zeigt den Titelbildentwurf für den "Herrn der Ringe" samt Bild des Rings und verweist auf die vermutliche archäologische Vorlage und Anregung Tolkiens. Doch im Kern erzählt die Ausstellung von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart viele Geschichten rund um kleine kostbare Finger-, Handgelenk- und Halsringe und deren besondere Bedeutung: oft schöne, bisweilen prächtige, doch oft auch unscheinbare Objekte, die ansonsten in Ausstellungen nicht selten zwischen ihren Ensembles untergehen. In klarer, einfacher Ausstellungsgestaltung wird stets ein Objekt in den Mittelpunkt gerückt und drum herum in knappen guten Texten und ggf. Bildern (s)eine Geschichte erzählt. Längliche, vertiefende Texte nur dann, wenn man sie aktiv will. Als Archäologe wird man das eine oder andere Objekt bereits kennen, doch die Ansammlung und die zeitübergreifenden Kontinuitäten (wie auch Unterschiede) sind spannend und den Meisten zuvor wohl unbewusst. Bemerkenswert, was - neben mitteldeutschen Preziosen - alles im Leihverkehr gewonnen werden konnte, wie z. B. der schwere Silberring von Trichtingen, die goldenen Ringe aus Waldalgesheim und diverse Armreliquiare. Großformatiges, das als zum Thema unverzichtbar erachtet wurde, wird statt im sperrigen Original in qualitätvollen Fotos beigebracht, wie z. B. die eisenzeitlichen Kessel aus Dänemark mit Ringdarstellungen oder das Beckumer Kaufringschwert. Ein besonderes fachliches Highlight der Ausstellung ist ohne Zweifel die erst im Herbst 2017 gefundene, einzigartige mittelbronzezeitliche "Hand von Prêles" (Kanton Bern), die hier erstmals jenseits der Schweiz im Original zu sehen ist - und per goldenem Handgelenkring tatsächlich auch thematisch mit der Hallenser Ausstellung verknüpft ist. Sehenswert!

Ausstellungswebsite: https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/sonderausstellungen/ringe-der-macht.html

 

"Barbarenmacht" neu in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle: Abteilungen Römische Kaiserzeit, Spätantike und Völkerwanderungszeit eröffnet

Die Dauerausstellung des traditionsreichen, 1819 gegründeten und seit 1823 in Halle beheimateten archäologischen Landesmuseums für Sachsen-Anhalt wurde seit den Nuller-Jahren vom Paläolithikum ausgehend sukzessive erneuert. Zuletzt wurden am 2.9.2019 die Abteilungen Römische Kaiserzeit, Spätantike und Völkerwanderungszeit in grundlegender Neugestaltung eröffnet; zudem erhielt das Museum eine neue, eigene Webpräsentation. Nun war auch ein Newsletter-Autor zu Besuch in den neuen Räumen. Nach der Wende und dem Auszug des Uni-Instituts waren der 1911-13 errichtete Museumsbau grundlegend saniert und die ersten Teile der neuen Dauerausstellung im Mai 2008 eröffnet worden, womit im ersten Geschoss eine chronologisch geordnete Raumfolge vom Paläolithikum bis zur Frühbronzezeit inkl. der Himmelsscheibe von Nebra präsentiert wurde. Es folgten 2012 im zweiten Geschoss die anschließende Bronzezeit und die Eisenzeit. Dabei wurde und wird die Epochengliederung jeweils durch die Raumgestaltung und -stimmung deutlich spürbar gemacht: Das Paläolithikum in einem Kälte signalisierenden Weiß, der kleine Saal fürs Mesolithikum im Grün eines lichten Birkenwalds, das Neolithikum in unauffälligem Tageslicht - "Jetztzeit" signalisierend - mit großflächigen Inszenierungen. Es folgen nach Hallenser Sicht mit den Becherkulturen die sehr dunklen (dem Autor zu dunklen) Räume der frühen Bronzezeit, u. a. mit den berühmten, weil ausnehmend reichen mitteldeutschen Hortfunden, die von der Präsentation der Himmelsscheibe von Nebra und ihres Kontextes abgeschlossen wurden. Die Räume der anschließenden Bronze- und Eisenzeit im zweiten Geschoss sind ebenfalls sehr dunkel gehalten. Auch innerhalb der Epochen wird dem Besucher die Zeit als Ordnung bietender Faktor vermittelt, d. h. stets sind auch die Kulturenfolgen der traditionellen kulturgeschichtlichen Archäologie sichtbar. Besucher können sich jenseits der jeweiligen Leitfunde sogar über das Herausziehen von Schubladen anhand sehr systematisch dargebotener Informationen vertiefend darin einarbeiten. Neben dem Faktor Zeit werden jeweils eindrucksvolle Inszenierungen, die sich einprägen, und besondere Themen und Geschichten angeboten. Wie führen nun die neuen Räume zur Frühgeschichte den bisherigen Darstellungsstil fort und vermitteln dem Besucher welche Themen? Wieder ist die Epochengrenze eine sehr spürbare Zäsur: der Besucher tritt aus dem Dunkel der Eisenzeit heraus in einen tageslichthellen, pompeijanisch roten Raum - sofort weiß man: jetzt sind die Römer da. Ihm folgt ein schmaler Raum mit in römischer Art gemauerten Wänden, der die Zeit der "Versteinerung des Limes" versinnbildlicht, danach die große und hohe Halle eines germanischen Herrschers. In allen drei Fällen keine Nachbildungen von realen Räumen, sondern erkennbar moderne und auch gebrochene Rauminszenierung, die mit dem Stilmittel des Zitats arbeiten. Wiederum werden dem Besucher verdeckte Vitrinen und Schubladen angeboten (mit je nach Raum wechselnden Beschlägen), die er zur Vertiefung öffnen kann, aber nicht muss, so dass sich "für den eiligen Besucher" wie zuvor ein Kondensat auf das Wichtigste ergibt. Mit der Verwendung von Schriftquellen und Völkernamen unmittelbar am Epochenwechsel wird dem Besucher auch der Eintritt in die Frühgeschichte signalisiert: Schriftquellen ergänzen nun die aus Bodenfunden erschlossene Geschichte. In Köln oder Basel am Rhein, beispielsweise, läge diese Betonung des Einbruchs des Römischen nahe, doch hier in Mitteldeutschland ist sie etwas überraschend. Gewiss, während der Okkupationszeit durchzogen vereinzelt wohl auch römische Heere den mitteldeutschen Raum, doch war dies unmittelbar kulturprägend, epochewendend? Die - wie zuvor - auf Highlights fokussierten Vitrinen mit Funden jedenfalls arbeiten eher eine allmähliche Beeinflussung dieses Raumes durch Elemente römischer Zivilisation heraus, mehr in indirekten Fernwirkungen bei allmählicher Veränderung der kleinteiligen Gesellschaften, z. B. durch die Herausbildung eines Gefolgschaftswesens. Insbesondere anhand der "Fürstengräber" der Älteren wie Jüngeren Römischen Kaiserzeit (die gerne zu "Königen" werden) werden die neuen Karrierewege der indigenen Eliten, ihre Interaktionen mit dem Weltreich und die "Germanisierung der römischen Armee" (eine etwas eindimensionale Sicht der römischen Armee) verdeutlicht und vermittelt. Das Grab von Gommern - endlich wird es vollständig und würdig gezeigt! - ist dann der Dreh- und Angelpunkt des (derzeit) letzten Raumes, der großen Halle der "Barbarenmacht". Die enge Verwobenheit des Toten mit Rom und der römischen Armee steht im Zentrum der Erzählung. Im selben Raum folgen dann, durchaus überraschend, auch der Hunnensturm, die Völkerwanderungszeit und frühmittelalterliche Grabfunde der Thüringer. Während man tief im Westen eher die Zäsur betonen würde - staatliche Spätantike hie, retribalisiertes Frühmittelalter dort, beides durch eine gemeinsame Religion verbunden -, wird hier in Halle die Kontinuität der Entwicklungen von der Älteren Römischen Kaiserzeit bis zu den Thüringern betont. Das ist eine bewusste, spannende Abkehr vom Lehrbuchstoff, die neugierig macht auf den nächsten großen Renovierungsschritt der Hallenser Dauerausstellung: das (in mitteldeutschen Darstellungen gerne ausufernd bedeutende) Thüringerreich? Oder doch sogleich die Karolinger- und Slawenzeit? Man mag sich an der Betonung der stets wie Schätze wirkenden besonderen Funde und der gesellschaftlichen Eliten stoßen, an dem stets etwas arg Plakativen der Themen und dem Fehlen zuvor in der Dauerausstellung verfolgter Themen wie z. B. "die kleinen Leute", Lebensweise, Siedlungswesen, Technologiewandel, Mensch-Umwelt-Interaktion. Im Vergleich zur Präsentation dieses speziellen Zeitraums z. B. in der Dauerausstellung in Chemnitz sind die neuen Räume in Halle jedoch kraftvoll, aussagestark, sie bleiben im Gedächtnis haften. Fazit: Eine Reise wert.

Neue Dauerausstellung in Halle. Barbarenmacht: Die Germanen sind los im Landesmuseum für Vorgeschichte" (MDR, 3.9.): https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/halle/ausstellung-landesmuseum-vorgeschichte-barbaren-germanen-100.html

"Prunkstück Fürstengrab - neuer Bereich 'Barbarenmacht' der Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte eröffnet" (Wochenspiegel, 4.9.): https://www.wochenspiegel-web.de/wisl_s-cms/_wochenspiegel/7386/Kolumne/60357/Prunkstueck_Fuerstengrab___neuer_Bereich__Barbarenmacht__der_Dauerausstellung_im_Landesmuseum_fuer_V.html

"Landesmuseum für Vorgeschichte (Halle)" (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Landesmuseum_f%C3%BCr_Vorgeschichte_(Halle)

Bisherige Webpräsentation des Museums: http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/

Neue Website des Museums: https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/dauerausstellung.html

 

9.4        "Alles nur anmoderiert ": Die Sonderausstellung "Leben am Toten Meer: Archäologie aus dem Heiligen Land" (Chemnitz, 27.9.2019-29.3.2020)

Das im Mai 2014 eröffnete Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz (smac), ist weiterhin ein Hingucker: eine tief durchdachte und gut gestaltete Dauerausstellung, welche die reiche Archäologie und Geschichte des Bundeslandes Sachsen präsentiert. Eine Dauerausstellung, die zwar Themen setzt, diese aber stets entlang des Faktors Zeit ordnet und damit Besuchern jenen roten Faden gewährt, der vielen hippen "Themenmuseen" schmerzlich fehlt. Eine Ausstellung, die nicht überfrachtet, sondern Stimmungen schafft, zentrale Grundinformationen bietet und die weitere Vertiefung dem Besucher überlässt, die ihn einlädt, sich in der Ausstellung zu verlieren. Ein Museum auch, das mit seiner Präsentation der Schicksale des Architekten des Gebäudes, Erich Mendelsohn (1887-1953), wie auch des Investors, des Kaufhausketten-Inhabers Salman Schocken (1877-1959), und letztlich auch der Geschichte des Gebäudes nach 1945, den schwierigen Themen und "dunkler Geschichte" nicht aus dem Wege geht. Daher die Vorfreude eines stark Jordanien-Interessierten auf die aktuelle Sonderausstellung "Leben am Toten Meer: Archäologie aus dem Heiligen Land", die auf der Museumswebsite anmoderiert wird als "Es ist eine Weltpremiere: Noch nie gab es in Deutschland, Europa oder darüber hinaus eine Ausstellung über die Archäologie und Geschichte rund um das Tote Meer." Und ja, es sind "einzigartige Textilfunde" zu sehen, Schriftrollen aus Qumran, usw. Doch irgendwie passt das alles nicht, hat sich die Ausstellung nicht entschieden, was sie sein will und kann. Denn dass es schwer ist, das "rund um das Tote Meer" zu füllen, dazu bedarf es keines Studiums einschlägiger Sprachen und höherer Staatsdiplomatie: ein (kleiner) Teil dieses Runds gehört heute zu Israel, ein weiterer Teil ist die israelisch besetzte Westbank, und ein wesentlicher Teil gehört zu Jordanien. Ergebnis in Chemnitz, gut erkennbar an der Liste der Leihgeber: Angesichts starker israelischer Beteiligung gibt es kein Mitwirken und keine Leihgaben von jordanischer Seite, womit die Hälfte des "rund um" fehlt. Doch gravierender ist die Unentschiedenheit über die Inhalte, so dass vieles nur angeschnitten, aber nicht erhellend präsentiert wird: Ein bisschen Tells und Jericho, ein bisschen Bronzezeit, ein bisschen Heiliges Land, aber alles nur anmoderiert, weder spannend noch lehrreich. Ja, auch das Thema Tourismus darf nicht außen vor bleiben, inkl. der Frage, ob es einen "grünen" Massentourismus geben könne. Dann ist da ja noch das Thema Salz, und Pech, und Rohstoffe überhaupt, und auch über das Schminken und das lokale Kunsthandwerk könnte man berichten, usw. usf. Kurz: Nett, wenn man eh in Chemnitz ist, doch keine Reise wert.

Ausstellungswebsite: https://www.leben-am-toten-meer.de/

 

9.5        "Eine begrüßenswerte Entwicklung": Bericht zur Tagung "Objekte im Netz. Wissenschaftliche Sammlungen im digitalen Zeitalter" (Nürnberg, 5.-6.11.)

Mehr als 200 Teilnehmer konnten Anfang November auf der Abschlusstagung des BMBF-geförderten Projektes "Objekte im Netz" im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg das Thema  Digitalisierung von archäologischen Artefakten, musealen Sammlungsbeständen, Münzen und Akten, sowie deren Veröffentlichung im digitalen Raum sehr vielschichtig diskutieren. Die Formate reichten von frontal referierten Präsentationsbeiträgen über Podiumsdiskussionen und eine Poster-Session bis hin zu Tweets unter dem Hashtag #ObjekteImNetz. Schon vor Ort zeichnete sich ein großes Bewundern aller Kollegen gegenüber den momentanen Vorreitern im Bereich der Objektdigitalisierung ab, das tagungsmittig durch eine Grundsatzdiskussion über "die Dinglichkeit an sich" unterbrochen wurde. Weitere Debattenthemen: Original oder Digitalisat? Welche Rechte hat wer – am eigenen Bild, am eigenen Kunstwerk oder dem eigenen Foto? Bringen Statistiken mehr Wissen in die Bürgerschaft, wenn sie als nette Visualisierung verpackt sind? Dass Sammlungen eine eigene Dynamik durch die Digitalisierung erfahren können zeigte Sarah Wagner vom Germanischen Nationalmuseum, die moralischen Grenzen der digitalen Öffnung dagegen wurden von Dr. Sabine Imeri (Humboldt-Universität zu Berlin) deutlich gemacht. Robert Päßler (TU Dresden) konnte "unzeigbare" mathematische Modelle in ihrer virtuellen Darstellung erlebbar und begreifbar machen. Doch Prof. Dr. Hans Peter Hahn (Goethe-Universität Frankfurt) ließ am letzten Tagungstag seinen schon in den ersten Tagungsstunden erhobenen Zeigefinger zur kontrovers diskutierten "abgesprochenen Dinghaftigkeit" der Objekte und zur durch ihn wahrgenommenen "Flachmachung" von Dingen, nicht sinken: Er präsentierte einen umfassenden Vortrag zu der aktuellen, durch die Digitalisierungsoffensive bedingte Transformation von Museen. Schlussendlich konnte aber positiv festgestellt werden, dass – im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren – eine überaus große Menge an Museen den Digitalisierungsauftrag verstanden und für sich zur eigenen großen hausinternen Aufgabe gemacht haben. Statt der früher noch unvermeidliche Diskussion, ob denn ein digitales Foto nur in schlechter Qualität oder mit Wasserzeichen ins Netz gelangen könne (so z. B. Tagung des Deutschen Museumsbundes, Fachgruppe Dokumentation, Mannheim 2017) waren sich nunmehr nahezu alle Institutionen einig, dass das bestmögliche Foto in sehr guter Qualität der Öffentlichkeit unter CC-Lizenzen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden müsse. Ein Schritt, der unumgänglich für die Teilhabe kleinerer Institutionen mit weniger Geld innerhalb der bildbasierten wissenschaftlichen Rechercheportale ist und einen notwendigen Dienst für jeden einzelnen Bürger darstellt, den alle Museen (nicht nur die in öffentlicher Trägerschaft) leisten sollten. Eine begrüßenswerte Entwicklung weg von dem "Elfenbeinturm-Wissen" hin zu einem Wissens-Sharing für alle. Der Kanon der Tagung kann so zusammengefasst werden: Die originalen Objekte gehören zwar weiterhin in ein Museum, die Sichtbarmachung der Sammlungen im digitalen Raum ist aber ebenso wichtig, da lediglich 3% aller Sammlungsobjekte in den Ausstellungen öffentlich gezeigt werden können – die weiteren 97% soll dann aber jedermann digital erforschen können.

Website zum Projekt und zur Tagung: http://www.objekte-im-netz.fau.de/projekt/

"Präsentationen und Poster der Abschlusstagung" (FAU, o. D.): http://objekte-im-netz.fau.de/projekt/abschlusstagung/beitraege

Mareike Wöhler: "'Objekte ins Netz!' Über eine Tagung zu wissenschaftlichen Sammlungen" (Blog des Deutschen Museums, 21.11.): https://digital.deutsches-museum.de/blog/Tagung-Objekte-ins-Netz/

Christian Gries: "Digitale Strategien für Museen. Über Veränderungsbereitschaft und Handlungsfähigkeit" (Iliou melathron, 22.11.): http://blog.iliou-melathron.de/veraenderungsbereitschaft-und-handlungsfaehigkeit/

 

 

10    Und sonst …

10.1    "Verantwortung für die Zukunft friedlicher und stabiler Gesellschaften": Zur Berner Erklärung der European Association of Archaeologists

"Archäologinnen und Archäologen haben nicht nur eine fachliche, sondern auch eine politische Verantwortung: für die Zukunft friedlicher und stabiler Gesellschaften, die auf der Achtung der Menschenrechte, Demokratie, kultureller Vielfalt und Rechtsstaatlichkeit beruhen. Durch ihre Praktiken im Umgang mit dem kulturellen Erbe kann Archäologie dazu beitragen, allen sozialen Gruppen und insbesondere auch Minderheiten die menschenrechtlich verbriefte kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen – oder sie zu verweigern." - so im Kern das am 6.9.2019 von der Mitgliederversammlung verabschiedete "EAA 2019 Bern Statement". Prof. Thomas Meier, Universität Heidelberg, der zu den Autoren und Vorbereitern dieses Statements gehört, stellt den Text nunmehr in deutscher Sprache vor, erläutert und kommentiert es, und er legt seine Position zu ersten Kritiken an dem Statement dar.

Meier, Th. (2019). Archäologie und die Pflicht zum Politischen: Die Berner Erklärung der European Association of Archaeologists. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 7. Nov. 2019. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Meier.pdf

 

10.2    Seit 1.12. online: Nationales Keramikinventar der Schweiz (1500–1950)

Die Schweiz hat eine reiche keramische Tradition, die ein treffendes Abbild der Vielgestaltigkeit und kulturellen Vielfalt dieses Landes ist. Dessen ist man sich indes bislang wenig bewusst: Keramisch wird die Schweiz bisher gemeinhin als ein Randgebiet im europäischen Umfeld wahrgenommen. Man weiß vielleicht, dass es in Zürich und in Nyon im 18. Jahrhundert zwei Porzellanmanufakturen gab. Vielleicht weiß man auch, dass damals verschiedene Fabriken bemaltes Fayencegeschirr produzierten, das Bernbiet vor allem für seine Irdenwaren und die Stadt Winterthur im 17. Jahrhundert für ihre Fayencen berühmt waren. Was aber weiß man sonst? Und wie sah das Geschirr aus, das von dort kam? Vom Reichtum dessen, was in der Schweiz an Erzeugnissen aus gebranntem Ton gefertigt oder ins Land eingeführt wurde, lässt sich in den Sammlungen der Schweizer Museen eine gute Vorstellung gewinnen. Dieses Erbe von nationaler und internationaler Bedeutung ist aber nicht nur dem allgemeinen Publikum, sondern selbst den Fachleuten weitgehend unbekannt. Das meiste davon ist heute nicht mehr ausgestellt oder wurde noch nie publiziert. Die Ceramica-Stiftung in Basel hat daher 2009 das Inventarisationsprojekt "CERAMICA CH" initiiert mit dem Ziel, ein nationales Inventar der öffentlich zugänglichen Sammlungen neuzeitlicher Gefäßkeramik (1500–1950) zu erarbeiten. Drei Kantonsinventare (Neuenburg, Solothurn und Waadt) wurden bis heute erstellt und als Buch publiziert. Mit dem vierten Kantonsinventar Graubünden beschreitet das Nationale Keramikinventar neue Wege. Alle erhobenen Daten und Auswertungstexte sind seit 1.12. als zweisprachige Website (Deutsch und Französisch, abschließender Ausbau bis 2022) und als Bilddatenbank im Internet frei zugänglich und recherchierbar. Bis Ende 2020 sollen auch die bereits gedruckten Kantonsinventare in die digitale Fassung überführt werden, womit die Bilddatenbank dann ca. 10.000 Datensätze umfassen wird. Ergänzende Informationen zu den beteiligten Museen und ihren Keramiksammlungen, den Herstellern und Manufakturen sowie den Gefäßformen runden das Bild ab. Eine umfangreiche Bibliographie und ein Glossar zur Keramik ergänzen die Informationen, die laufend erweitert werden.

Nationales Keramikinventar der Schweiz (1500–1950): https://ceramica-ch.ch 

Roland Blaettler: CERAMICA CH III/1. Vaud (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz (1500-1950), Sulgen 2017. ISBN 978-3-7165-1830-4

Roland Blaettler & Rudolf Schnyder: CERAMICA CH II. Solothurn (Nationales Inventar der Keramik in den öffentlichen Sammlungen der Schweiz (1500-1950), Sulgen 2014. ISBN 978-3-7165-1801-4

Roland Blaettler, Peter Ducret & Rudolf Schnyder: CERAMICA CH I: Neuchâtel (Inventaire national de la céramique dans les collections publiques suisses (1500-1950), Sulgen 2013. ISBN 978-3-7165-1776-5

 

10.3    Neuer Newsletter: "European Heritage Tribune"

Für alle diejenigen, die sich mit europaweitem Blick professionell mit Denkmalpflege und kulturellem Erbe beschäftigen, ist im November ein neuer Newsletter aufgegleist worden: der "European Heritage Tribune". Er soll einen knappen Überblick über wichtige Nachrichten, Meinungen und spannende Praxisfälle geben. Der Newsletter ist unabhängig, sein Abonnement kostenlos. Er wird für ein Jahr vor allem von einem Konsortium niederländischer Institutionen finanziert, wobei "Europa Nostra" als Partner angeführt ist. Der Newsletter erscheint in englischer Sprache, doch die Träger wollen versuchen, auch eine niederländische, deutsche und französische Übersetzung herauszubringen.

"European Heritage Tribune": https://heritagetribune.eu/

 

 

Impressum und Redaktionshinweise

Der Newsletter wird herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). Verantwortlich für den Inhalt des Newsletters: Diane Scherzler.

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