• Aktuelle und ehemalige DGUF-Aktive bei der 50-Jahres-Feier der DGUF 2019 in Bonn, Museum Alexander König. v.l.n.r.: Rengert Elburg, Gerhard Ermischer, Henning Haßmann, Diane Scherzler, Hans-Helmut Wegner, Rudolph Kuper, Marjorie de Grooth, Winrich Schwellnus, Günther Junghans (sitzend), Martin Schmidt, Sabine Rieckhoff, Inken Jensen, Jens Lüning, Frank Siegmund, Werner Schön.
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DGUF-Newsletter vom 17.9.2018

DGUF-Newsletter vom 17.9.2018


1. DGUF-Nachrichten
1.1. Feste Zusammenarbeit vereinbart: DGUF und EAA unterzeichnen "Memorandum of Understanding"
1.2. Bericht von der EAA 2018 session #384: "The self-organization of archaeologist in Europe: Roles and needs, responsibilities and legitimacy" (Barcelona, 6.9.)
1.3. Bücher zur Rezension in den "Archäologischen Informationen": Erweiterte und aktuelle Liste auf DGUF.de

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. "Genes, Isotopes and Artefacts. How should we interpret the movements of people throughout Bronze Age Europe?" (Wien, 13.-14.12.)
2.2. "Reconstructing the Human Past - Using Ancient and Modern Genomics" (Heidelberg, 31.3.-4.3.; CfP bis 15.12.)
2.3. "Socio-Environmental Dynamics over the Last 15,000 Years: The Creation of Landscapes VI" (Kiel, 11.-16.3.; CfP bis 15.11.)
2.4. 6. Jahrestagung des Verbands "Digital Humanities im deutschsprachigen Raum" (Frankfurt, Mainz, 25.-29.3.; CfP bis 30.9.)
2.5. Museumsmanagement-Tagung "Erfolg durch Personal" (Rosengarten b. Hamburg, 12.-13.11.)
2.6. "Glaube, Kunst und Herrschaft – Mittelalterliche Klöster zwischen Saale und Mulde" (Meerane, 23.-24.11.)
2.7. "Computer Applications in Archaeology" (CAA-Tagung) (Kraków, 23.-27.4.; CfP bis 10.10.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. Neuzeitarchäologie: In Berlin ist erneut ein vergessenes Stück der Mauer entdeckt worden
3.5. Kenia: Monumentaler Friedhof früher Viehzüchter am Turkana-See
3.6. "Multikulti" in der Denisova-Höhle: Neandertaler und Denisovaner hatten gemeinsame Kinder
3.7. aDNA-Analyse zur Separatnekropole von Niederstotzingen bestätigt Wissen der konventionellen Frühmittelalterarchäologie
3.8. Forderung: aDNA-Gruppen sollen nicht mehr nach archäologischen Kulturen benannt werden

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. Welchen Schaden richten Raubgrabungen tatsächlich an?
4.3. Die Schweiz erwägt, den Natur- und Denkmalschutz in "nationalen Schutzgebieten" erheblich zu reduzieren – oder doch nicht? Ein Update

5. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
5.1. Verloren im Software-Dschungel? Kein Problem: Die DGUF-Softwarebox 2.0 ist da!
5.2. Deutschlandfunk porträtiert "Brain Gains" der Urgeschichtsforschung
5.3. Luigi Luca Cavalli-Sforza verstorben
5.4. Ein sozialwissenschaftlich-linguistischer Blick auf das Begutachten von Forschungsanträgen

6. Berufsverband
6.1. Verstärkte Aufmerksamkeit für Diskriminierung und Belästigung in der Archäologie

7. Open Access & Open Data
7.1. "cOAlition S": Europa macht Ernst mit Open Access, und Deutschland schaut zu
7.2. Über Open Access hinausgedacht: Macht Inhalte FAIR (findable, accessible, interoperable and reusable)!
7.3. Gute Darstellung von Geschäftsmodellen fürs Open-Access-Publizieren
7.4. Wichtige, sehenswerte Doku über Bezahlschranken im wiss. Publikationswesen ("paywall")
7.5. Hans Geislers Monografie "Straubing-Bajuwarenstraße" (5.-7. Jh. n. Chr.) nun im Open Access

8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1. Wie wertvoll Citizen Scientists für die Wissenschaften sein können
8.2. Denkmalpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern: Gruppe ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger lehnt Annahme ab

9. Ausstellungen und Museen
9.1. Großbrand zerstört brasilianisches Nationalmuseum in Rio de Janeiro. Wut über vorherigen Sparkurs der Regierung
9.2. Dänemark: Auf Grabungsbesuch bei der "Vikingeborgen"

10. Und sonst …
10.1. Bericht von der Sektion der norddeutschen Landesarchäologen bei der Jahrestagung des NWDVA in Heide (12.9.)
10.2. Videotipp: "Am Anfang war das Wir"
10.3. Archäologisch korrektes Bier, gebraut aus der Roggentrespe
10.4. Lässt sich die Entwicklung menschlicher Kultur auf natürliche Mechanismen zurückführen? Daniel C. Dennetts Buch "Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes"
10.5. Grönland auf Normalmaß geschrumpft - Google Maps verabschiedet sich von der Mercator-Projektion
10.6. Peer Review: Publons publiziert Jahresbericht 2018 mit wertarmen Einsichten zum Peer Review
10.7. Zeitschrift stoppt Manuskripteingang wegen eigenen Erfolgs und fehlenden Reviewern
10.8. Spannender Ansatz: Jeder Jugendliche in Frankreich erhält 500 Euro für Kino, Konzerte, Theater, Museen etc.
10.9. Die letzten Wikinger auf den Lofoten
10.10. Nette Dokumentation: "Auf den Spuren von Liebe und Sex – eine archäologische Zeitreise"

11. Impressum und Redaktionshinweise


1. DGUF-Nachrichten
1.1.
Feste Zusammenarbeit vereinbart: DGUF und EAA unterzeichnen "Memorandum of Understanding"
Die DGUF arbeitet auf europäischer Ebene mit der ihr in Mitgliederstruktur, Aufgaben und Zielen ähnlichen European Association of Archaeologists (EAA) zusammen. Am 5.9. haben EAA und DGUF auch förmlich vereinbart, zusammenzuarbeiten, einander gegenseitig zu unterstützen, ihre eigenen Mitglieder zur Mitgliedschaft im jeweils anderen Verband zu ermuntern und den Mitgliedern im Partnerverband nach Möglichkeit Vorteile gegenüber Nichtmitgliedern einzuräumen. Forschung ist und war immer international, Archäologie endet selten an der Grenze eines heutigen Nationalstaates. Seit ihrer Gründung 1994 haben die Jahrestagungen der EAA eine wachsende Bedeutung für den wissenschaftlichen Austausch zwischen Forschenden auf europäischer Ebene gewonnen. Zudem spielt Europa in der Gesetzgebung für die Archäologie eine immer wichtiger werdende Rolle; die europäische Gesetzgebung und Rechtsprechung wirkt auch auf die nationalen Gesetzgebungen ein. Die DGUF, die v. a. allem im deutschen Sprachraum für fachliche wie fachpolitische Debatten steht, für eine offene Kommunikation und ein offenes Publikationswesen sowie für ein Einwirken als NGO auf die nationale Archäologie-Politik, findet in der EAA einen idealen, auf europäischer Ebene in ganz verwandtem Sinne wirkenden Partner. Beide Gesellschaften verstehen sich als Fachgesellschaft und NGO, beide Gesellschaften verstehen sich als komplementär und nicht konkurrierend. Nach langen Jahren eines gegenseitigen informellen Austauschs, bei dem z. B. Vorstandsmitglieder gegenseitig an den Tagungen des Partners teilnahmen und aktiv zu ihnen beitrugen sowie in Arbeitsgruppen tätig waren, haben beide Gesellschaften jetzt ihre Kooperation mit einem Memorandum of Understanding, einer Absichtserklärung, formell unterstrichen: Sie wollen ihre Kooperation ausbauen und vertiefen. Sie wollen kooperierend und arbeitsteilig im gemeinsamen Sinne auf die archäologie-relevante Politik einwirken. Sie ermuntern ihre Mitglieder gegenseitig zu einer Mitgliedschaft auch im Partnerverband. Beide Gesellschaften suchen nach Wegen, ihren Mitgliedern einen vergünstigten Bezug der Publikationen des Partners zu ermöglichen und die Tagungsteilnahme beim Partnerverband zu erleichtern und vergünstigen. Ein nächstes konkretes Kooperationsprojekt von EAA und DGUF zielt auf die Wahl zum Europäischen Parlament im Mai 2019: Die EAA adaptiert das seit vielen Jahren von der DGUF angewandte Instrument von Wahlprüfsteinen und wird zur Europawahl 2019 mit Wahlprüfsteinen an die zur Wahl stehenden Parteien herantreten. Die DGUF berät und unterstützt die EAA bei diesem Prozess intensiv.
Das Memorandum of Understanding: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/partner/DGUF-Dok_MoU_DGUF-EAA-2018-09-05.pdf

1.2.
Bericht von der EAA 2018 session #384: "The self-organization of archaeologist in Europe: Roles and needs, responsibilities and legitimacy" (Barcelona, 6.9.)
Die von DGUF (D. Scherzler, F. Siegmund) und CIfA (P. Belford) gemeinsam organisierte Sektion auf der EAA in Barcelona fand mehr Resonanz als erwartet: Neben den Vortragenden kamen so viele Teilnehmende, dass im übervollen Raum die Stühle ausgingen. K. Aitchison (Landward Research Ltd.) und L. de Wit (Europae Archaeologiae Consilium) betonten aus jeweils ihrer Perspektive heraus, dass Einfluss auf die Politik nur erreichbar sei, indem man sich auch aktiv mit einer gewissen Empathie für Politiker und in deren Sprache an die Politik wende, und zwar in Rollen und auf Wegen, die die Politik erwarte. Der weithin übliche Binnendialog innerhalb der Archäologie könne nicht erfolgreich sein. Anhaltendes Klagen helfe nicht, und ebenso wenig das bequeme Nichtstun. "You might fail, but a least you fail" schloss EAC-Präsident de Wit und ermunterte alle Kollegen, die Vorstöße planen; die Chancen stünden gut, denn: "Everyone likes small children, cats and cultural heritage." Die beiden Vorstellungen eines Berufsverbandes, RPA für USA und CIfA für Europa, ähnelten einander im Tenor: Diese Struktur sei wichtig und könne sehr erfolgreich sein, weil hier - im Unterschied zu manch anderen Organisationen - kein Diktat von oben erfolge, sondern die Verbände aufgrund selbst definierter und wiederum selbst kontrollierter Regelwerke funktionierten. In den USA betrage der Organisationsgrad inzwischen etwa 30 - 40 % aller in der Archäologie Tätigen, besonders hoch sei er bei Firmenarchäologen und Freiberuflern, die dieses Qualitätssiegel für eine erfolgreiche Auftragsakquise bräuchten. Im Kontrast dazu verdeutlichte der Vortrag von I. Pastor Batalla (Associacio d‘Arqueolegs de Catalunya) eindrucksvoll, was geschieht, wenn statt eines großen, überwölbenden Berufsverbandes kleinere, auf spezifische Interessengruppen hin fokussierte Verbände - ggf. sogar mit unklaren Rollen (Berufsverband? NGO?) - gegründet werden und nebeneinander agieren: die Außenwirkung nimmt erheblich ab. Der von Leonardo Bison (University of Bristol) u. a. präsentierte Fall "Mi riconosci" aus Italien zeigte auf, dass der Schritt in die Öffentlichkeit, Probleme offen zu benennen statt sie fachintern zu halten und zu verschweigen, sehr erfolgreich sein kann. Nachdem dort in den vergangenen Jahren sukzessive immer mehr Archäologen-Arbeit an sog. Praktikanten und Ehrenamtliche (volunteers) übertragen wurde, kostenloses Arbeiten hoch ausgebildeter Archäologen auch an fachlichen Brennpunkten immer mehr zur Selbstverständlichkeit wurde, konnte "Mi riconosci" wie eine Bürgerinitiative eine hohe Resonanz und eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für diesen Missbrauch erreichen. In Folge werden wieder vermehrt korrekt angestellte und bezahlte Archäologen statt "volunteers" eingesetzt - erfolgreiches Agieren seitens einer NGO, das so von Staatsbediensteten nicht hätte durchgeführt werden können. In der Generaldebatte wurden nochmals die notwendigen, unterschiedlichen Rollen von Fachgesellschaften (learned societies), NGOs und Berufsverbänden sowie deren jeweils spezifische, unterschiedliche Legitimation geschärft. Die mancherorts beliebte Forderung, die Archäologie müsse "stets mit einer Stimme sprechen", wurde abgelehnt. Vielmehr seien unterschiedliche Rollen auf jeweils transparenter Legitimierung wichtig, schließlich sei auch die Politik vielstimmig und Politiker es gewohnt, damit umzugehen. Die Teilnehmer kamen überein, die Vorträge zu veröffentlichen und das Thema u. a. in Gremien der EAA weiter zu verfolgen.
Zu den Abstracts der Session 384 im Abstract-Book der EAA 2018, dort Vol. 1, p. 307-311: https://www.e-a-a.org/EAA2018/Programme.aspx?Program_ContentCollectionOrganizerCommon=3

1.3.
Bücher zur Rezension in den "Archäologischen Informationen": Erweiterte und aktuelle Liste auf DGUF.de
Die Buchbesprechungen in den "Archäologischen Informationen" zeichnen sich u. a. durch ihre hohe Aktualität aus. Neben Rezensionen, die uns unverlangt eingereicht werden, schreiben wir auch aktuelle Bücher zur Rezension aus. Eine auf 20 Verlage erweitere Liste finden Sie jetzt auf DGUF.de. Unter den angebotenen Bänden sind z. B.: Charlotte A. Roberts, Human Remains in Archaeology: A Handbook (Council for British Archaeology); Julia Menne, Keramik aus Megalithgräbern in Nordwestdeutschland (Habelt) und David Reich, Who We Are and How We Got Here. Ancient DNA and the new science of the human past (Oxbow). Wenn Sie eines der angebotenen Bücher rezensieren möchten, wenden Sie sich bitte an die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).
http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf


2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1.
"Genes, Isotopes and Artefacts. How should we interpret the movements of people throughout Bronze Age Europe?" (Wien, 13.-14.12.)
The recent and rapid advances in genomic, isotope and archaeological research have provided complex, but frequently contradictory, perspectives on human mobility across Bronze Age Europe. Debates concerning mobility have now shifted to direct evidence from humans (and animals). The aim of the conference is to identify the different scales, patterns and societal impacts of mobility throughout Europe.As an inter-disciplinary forum, this event will provide room for networking and discussions to lay the theoretical and methodological foundations for future scientific advancement. The event is free, but space is limited.
https://www.orea.oeaw.ac.at/veranstaltungen/event-detail/article/genes-isotopes-and-artefacts/

2.2.
"Reconstructing the Human Past - Using Ancient and Modern Genomics" (Heidelberg, 31.3.-4.3.; CfP bis 15.12.)
According to the organizers this meeting will involve scientists from genomics, bioinformatics, microbiology, anthropology, archaeology and historians. Amongst the sessions topics are: Genomic analyses of our closest living and extinct relatives; Reconstructing the genetic history of human populations; Combining genetics and historical evidence; and Genetic history of domestication. The meeting is organized by EMBO, the European Molecular Biology Organization, together with the scientific organizers Johannes Krause of Max Planck Institute for the Science of Human History; Anna-Sapfo Malaspinas, University of Lausanne; and David Reich of Harvard Medical School. Registration fees are 620 Euros (regular), 520 Euros for PhD students, and 820 Euros (Industry). Limited financial assistance is provided in the form of both registration fee waivers and travel grants. Availability will be indicated during the abstract submission process. CfP is open until 15 Dec.
https://www.embo-embl-symposia.org/symposia/2019/EES19-02/index.html

2.3.
"Socio-Environmental Dynamics over the Last 15,000 Years: The Creation of Landscapes VI" (Kiel, 11.-16.3.; CfP bis 15.11.)
The scientific programme of this international open workshop aims to promote discussion by merging themes that reflect aspects of human development in landscapes as well as different scales of transformations in prehistoric and archaic societies. The 18 sessions intend to explore wide diachronic and interdisciplinary spectra: From Lateglacial societies to communities of pre-modern cites, topics on human adaptation and coping strategies, burial rites, residential behaviour, formation of complex networks and past health, and different theoretical and methodological approaches covering social, physical, life, and formal sciences. Abstracts are welcome until November 15.
http://www.workshop-gshdl.uni-kiel.de/

2.4.
6. Jahrestagung des Verbands "Digital Humanities im deutschsprachigen Raum" (Frankfurt, Mainz, 25.-29.3.; CfP bis 30.9.)
Die digitale Erfassung von Artefakten produziert sowohl Beschreibungen, Abzeichnungen und Fotografien als auch 3D-Repräsentationen der Oberflächengeometrie dieser Objekte, häufig ergänzt um multispektrale radiometrische Information. Ein solches Beispiel zeigt, so die Tagungsorganisatoren, dass erst die gemeinsame Betrachtung von textuellen, visuellen oder auditiven Daten Zugänge zu forschungsrelevanten Digitalisaten erschließt. Die Konferenz will den Medienbegriff und dessen Aufschlüsselung innerhalb der Digital Humanities thematisieren sowie Möglichkeiten und Grenzen multimodaler Zugänge zu und Analysen von digitalen Forschungsobjekten diskutieren. Einreichungsfrist für den CfP ist der 30.9.
https://dhd-blog.org/?p=10204

2.5.
Museumsmanagement-Tagung "Erfolg durch Personal" (Rosengarten b. Hamburg, 12.-13.11.)
Ob ein Museum Besucher, Geldgeber und Kollegen von der eigenen Arbeit überzeugen kann, hängt v. a. vom eigenen Personal ab: Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Aufgabenfeldern eines Hauses, die mit ihren Ideen und ihren Leistungen ein Museum tragen und dafür sorgen, dass auch neue Aufgabengebiete bewältigt werden. Gleichzeitig prägen immer mehr Aufgaben, dringend benötigte neue Kompetenzen und ein sich wandelnder Arbeitsmarkt die Museumswelt. Was genau gutes Personalmanagement bedeutet, möchte die diesjährige Tagung des Arbeitskreises Museumsmanagement am 12. und 13.11. im Freilichtmuseum am Kiekeberg südlich von Hamburg thematisieren. Die Bandbreite soll von Arbeitsmarkt, Berufsbildern und Ausbildung über strukturelle Aspekte etwa der Kulturpolitik oder der internen Kommunikation bis hin zu aktuellen Ansätzen und Trends reichen, z. B. Diversity oder Agilität. Die Tagung will die verschiedenen Perspektiven auf das Thema Personalmanagement widerspiegeln: Erkenntnisse aus der Forschung, Erfahrungen und konkrete Beispiele aus der Museumspraxis, aber auch der Blickwinkel von Kulturpolitik und -beratung bieten Anregungen zur Übertragung auf das eigene Haus. Die Tagungsgebühr beträgt 195 Euro, für Studierende und Volontäre 95 Euro. Anmeldeschluss ist der 9.10.
https://www.kulturmanagement.net/Themen/Vorschau-Museumsmanagement-Tagung-2018-Erfolg-durch-Personal,3871

2.6.
"Glaube, Kunst und Herrschaft – Mittelalterliche Klöster zwischen Saale und Mulde" (Meerane, 23.-24.11.)
Am 23. und 24.11. findet im Schloss Ponitz bei Meerane (Ldkr. Zwickau) die interdisziplinäre Tagung "Glaube, Kunst und Herrschaft – Mittelalterliche Klöster zwischen Saale und Mulde" statt. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte und Entwicklung der Klöster. Beispielsweise wird Ines Spazier, Weimar, über archäologische Forschungen zu Männer- und Frauenklöstern in Ostthüringen sprechen. Eine Tagungsanmeldung ist erwünscht, der Tagungsbeitrag beträgt 5 Euro.
http://www.renaissanceschloss-ponitz.de/Mitteilungen/Flyer_Tagung_2018.pdf

2.7.
"Computer Applications in Archaeology" (CAA-Tagung) (Kraków, 23.-27.4.; CfP bis 10.10.)
Die internationale Tagung "Computer Applications in Archaeology" (CAA) findet 2019 vom 23.-27.4. in Krakau statt. Heute wurde das CfP eröffnet, bis zum 10.10. ist es möglich, einen Vortrag oder ein Poster zu einer der 46 Sessions anzumelden. Neben "traditionellen" Themensphären wie digitale Infrastrukturen, GIS, Stratigraphie, Netzwerkanalyse und Big Data werden, wie schon 2018, Themen wie Ethik und Kulturerbe sowie "R" und transparentes Skripten stärker als zuvor betont. Wer die Vorbereitungen schon jetzt kontinuierlich verfolgen will, kann neben der Tagungswebsite auch die Tweets verfolgen: @KrakCAA2019, bzw. #KrakCAA oder sich via Facebook auf dem Laufenden halten.
Die Tagung auf Facebook: https://www.facebook.com/CAA-Krak%C3%B3w-2019-228161724654066/
CfP CAA 2019 Krakau: https://2019.caaconference.org/2018/09/01/call-papers-posters-open/


3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Cladders, M. (2018). Rezension zu: Strien, H.-Chr. (2018). Westexpansion und Regionalisierung der Ältesten Bandkeramik. (Kommunikation und Wandel 1). Kerpen-Loogh: Welt und Erde Verlag. Archäologische Informationen 41, Early View, online publiziert 18. Sept. 2018.
Strien, H.-Chr. (2018). Rezension zu: Friederich, S. (2017). Der linienbandkeramische Brunnen von Leipzig-Plaußig (Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen 62). Dresden: Landesamt für Archäologie Sachsen. Archäologische Informationen 41, Early View, online publiziert 17. Sept. 2018.
Ickerodt, U. (2018). Rezension zu: Feugère, M. (2018). Protocoles d’études des objets archéologiques. Drémil-Lafage: Editions Mergoil. Archäologische Informationen 41, Early View, online publiziert 10. Sept. 2018.
http://www.dguf.de/earlyview.html

3.2.
Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
"Kurdistan: Remains of two more Neanderthals found in Kurdistan Region" (kurdistan24, 15.9.): http://www.kurdistan24.net/en/news/464cfb49-659e-46da-8c5a-3089e5f79f40
Ribe (Dänemark): Thousands of objects discovered in Scandinavia’s first Viking city (Science Nordic, 13.9.): http://sciencenordic.com/thousands-objects-discovered-scandinavia%E2%80%99s-first-viking-city
"'Spectacular' mummified ice age wolf pup, caribou calf found at Yukon mine sites" (CBC, 13.9.): https://www.cbc.ca/news/canada/north/mummified-wolf-pup-caribou-yukon-1.4822323
"Bronzezeitliche Siedlung in Riehen entdeckt!" (Kanton Basel Stadt, 12.9.): http://www.bs.ch/nm/2018-bronzezeitliche-siedlung-in-riehen-entdeckt-pd.html
"Cute first pictures of new 50,000 year old cave lion cub found perfectly preserved in permafrost" (The Siberian Times, 12.9.): https://siberiantimes.com/science/casestudy/news/cute-first-pictures-of-new-50000-year-old-cave-lion-cub-found-perfectly-preserved-in-permafrost-of-yakutia/
"Archäologen freuen sich über wertvolle Funde bei Büren-Wewelsburg. Steinzeitgrab unterm Acker" (Westfalen-Blatt, 11.9.): https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Paderborn/Bueren/3469214-Archaeologen-freuen-sich-ueber-wertvolle-Funde-bei-Bueren-Wewelsburg-Steinzeitgrab-unterm-Acker
"Tausend und eine Scherbe. Archäologie entlang der neuen Ferngasleitung zwischen Kleinlinden (Stadt Gießen) und Hüttenberg (Lahn-Dill-Kreis)" (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 6.9.): https://lfd.hessen.de/sites/lfd.hessen.de/files/06.09.2018_Presseinformation%20Open%20Grid%20Giessen_V2_0.pdf
Mistelbach (Österreich): "Mammutknochen bei A5-Umfahrung gefunden" (ORF, 5.9.): https://noe.orf.at/news/stories/2934209/
Sitten: "Grabplatten ‚von europäischer Bedeutung‘ entdeckt. Die gravierten Stelen sollen Informationen zu Bestattungsriten oder Gesellschaftsformen vor 5000 Jahren liefern" (SRF, 5.9.): https://www.srf.ch/news/regional/bern-freiburg-wallis/ausgrabungen-in-sitten-grabplatten-von-europaeischer-bedeutung-entdeckt
"Ausgrabungen im Salzbergwerk von Hallstatt: Grabungsstart 2018" (Stiegen-Blog, 30.8.): https://hallstatt-forschung.blogspot.com/2018/08/grabungsstart-2018.html
"Ptolemäische Felsengräber in Alexandria entdeckt" (Selket's Blog, 26.8.): https://blog.selket.de/aus-der-archaeologie/ptolemaeische-felsengraeber-in-alexandria-entdeckt
"Siberian Permafrost Reveals Perfectly Preserved Ice-Age Baby Horse" (LiveScience, 24.8.): https://www.livescience.com/63430-preserved-ancient-foal-siberia.html
"Archäologie in Peru: Miniroboter entdeckt erstmals Chavín-Gräber" (Spiegel, 23.8.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/peru-miniroboter-entdeckt-erstmals-chavin-graeber-a-1224621.html
Uckermark: "Archäologen stoßen an der Eugal-Pipeline auf Opfertiere" (RBB, 20.8.): https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/2018/08/opfertiere-beim-bau-der-eugal-pipeline-gefunden.html
Caral: "Archaeologists unearth 3,800-year-old wall relief in Peru" (Deutsche Welle, 17.8.): https://www.dw.com/en/archaeologists-unearth-3800-year-old-wall-relief-in-peru/a-45112955
"Suspected first trace of Beringia people on the land bridge - now mostly sunken - joining Russia and North America. Most northerly palaeolithic site found on Arctic island of Stolbovoy, part of lost continental link between Siberia and Alaska, believe scientists" (The Siberian Times, 15.8.): http://siberiantimes.com/science/casestudy/news/suspected-first-trace-of-beringia-people-on-the-land-bridge-now-mostly-sunken-joining-russia-and-north-america/
Prähistorischer Kupferabbau im Surses: "Schon mehr als 80 Fundstellen im Tal" (Südostschweiz, 14.8.): https://www.suedostschweiz.ch/ereignisse/2018-08-14/schon-mehr-als-80-fundstellen-im-tal
8. Jahrhundert: "Historisches Schiffsteil gefunden" (NDR, 14.8.): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Historisches-Schiffsteil-gefunden,primelberg100.html
Lübeck: "Forscher wollen DNS-Proben aus mittelalterlichen Kloaken auswerten" (Lübecker Nachrichten, 13.8.): http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Gruendungsviertel-in-Luebeck-Forscher-wollen-DNS-Proben-aus-mittelalterlichen-Kloaken-auswerten
"Die Sage lebt. Archäologen graben in Cornwall die Überreste von Tintagel aus" (Süddeutsche, 13.8.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-die-sage-lebt-1.4091393
Aargau: "Baden: Sensationsfunde im Bäderquartier. Archäologen haben einzigartige Funde der Römer gemacht. Sie untersuchen, wie die Römer einst badeten" (SRF, 12.8.): https://www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/archaeologie-in-baden-sensationsfunde-im-baederquartier
Bayern: "Riesiges Bauprojekt der Römer im Murnauer Moos entdeckt" (Südeutsche Zeitung, 10.8.): https://www.sueddeutsche.de/bayern/archaeologie-roemer-murnauer-moos-1.4084386

3.3.
Aktuelle Forschung in den Medien
"Jaguar günstig abzugeben. Die Maya opferten in ihren Ritualen Wildkatzen, Hirsche, Eulen und Krokodile. Eine neue Studie zeigt jetzt: Sie jagten die Tiere nicht nur, sondern hielten sie als Haustiere, um sie zu verkaufen" (Spiegel, 13.9.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologie-maya-betrieben-schwunghaften-wildtierhandel-a-1227697.html und "Wild animals were routinely captured and traded in ancient Mesoamerica" (PLOS, 12.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-09/p-waw090518.php und "Cross-Legged Woman's Tomb Reveals Ancient Maya Kept Jaguars in Cages" (LiveScience, 12.9.): https://www.livescience.com/63558-copan-bones-jaguar-captivity.html
Blombos-Höhle (Südafrika): "Discovery of the earliest drawing" (CNRS, 12.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-09/c-dot091018.php und "Multimedia graphic design – 73 000 years ago. Drawing on a piece of silcrete found in Blombos Cave in South Africa predates previous human-made drawings by at least 30 000 years" (Wits University, 12.9.): http://www.wits.ac.za/news/latest-news/research-news/2018/2018-09/multimedia-graphic-design--73-000-years-ago.html
"Ancient bird bones redate human activity in Madagascar by 6,000 years" (Zoological Society of London, 10.9.): https://www.zsl.org/science/news/ancient-bird-bones-redate-human-activity-in-madagascar-by-6000-years
"Un jeu d'échecs viking découvert en Écosse permettra-t-il de retrouver un monastère perdu" (Le Figaro, 8.9.): http://www.lefigaro.fr/culture/2018/09/08/03004-20180908ARTFIG00010-un-jeu-d-echecs-viking-decouvert-en-ecosse-permettra-t-il-de-retrouver-un-monastere-perdu.php
"Human evolution: secrets of early ancestors could be unlocked by African rainforests" (The Conversation, 6.9.): https://theconversation.com/human-evolution-secrets-of-early-ancestors-could-be-unlocked-by-african-rainforests-101636
Northamptonshire: "What Anglo Saxon teeth can tell us about modern health" (University of Bradfor, 6.9.): https://www.bradford.ac.uk/news/2018/anglo-saxon-teeththur-6-sept-2018.php
"Original oder Fälschung? Die mysteriöse Maya-Schrift aus der Höhle. Nur drei Bilderhandschriften der Maya haben die Eroberung der Spanier in Mittelamerika überstanden. Über die Authentizität einer vierten streiten Forscher seit Jahren. Nun scheint der Fall gelöst" (Spiegel, 5.9.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/codex-grolier-alte-mayaschrift-ist-keine-faelschung-a-1226407.html
"Earliest Mediterranean cheese production revealed by pottery over 7,000 years old. Researchers suggest cheese and other dairy products aided human expansion across Europe" (PLOS, 5.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-09/p-emc082818.php und "Pokrovnik in Kroatien: In der Steinzeit-Molkerei" (Süddeutsche Zeitung, 5.9.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-in-der-steinzeit-molkerei-1.4117599
Slawische Siedlung Starigard (Holstein): "Skelettfunde aus Fürstengräbern untersucht" (Göttinger Tageblatt, 4.9.): http://www.goettinger-tageblatt.de/Campus/Goettingen/Skelettfunde-aus-Fuerstengraebern-untersucht
Shimao: "Die Pyramide von China" (Süddeutsche Zeitung, 30.8.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-die-pyramide-von-china-1.4103998
"Schon unsere Vorfahren vor 12,5 Millionen Jahren aßen Süßes und entwickelten Fettleibigkeit. Forscher der Universität Tübingen untersuchen Zivilisationskrankheiten und ihre evolutiven Ursachen" (Universität Tübingen, 30.8.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/schon-unsere-vorfahren-vor-125-millionen-jahren-assen-suesses-und-entwickelten-fettleibigkeit/
Sicilian amber in western Europe pre-dates arrival of Baltic amber by at least 2,000 years (University of Cambridge, 29.8.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-08/uoc-sai082818.php
"Frühe Herden trugen mit ihrem Dung zur Vitalität heutiger afrikanischer 'Wildnis-Hotspots' bei. Wandernde Viehhirten 'düngten' mit ihrem Viehbestand über tausende von Jahren die afrikanischen Savannen" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 29.8.): http://www.shh.mpg.de/1038519/ancient-livestock-dung-heaps
Australopithecus africanus und Paranthropus robustus: "Die Zahnwurzeln unserer Vorfahren" (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, 29.8.): https://www.eva.mpg.de/german/presse/aktuelles.html#c41697
"Doch nicht ganz ausgestorben – Biologen untersuchten Genom des Höhlenbären" (Universität Potsdam, 27.8.): https://idw-online.de/de/news701142
Palenque: "Maya-Fund in Mexiko: Archäologen entdecken Königsmaske" (Spiegel, 25.8.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/maya-stadt-palenque-archaeologen-entdecken-maske-des-herrschers-pakal-a-1224928.html
Schweden: "Half of Viking city of Sigtuna were immigrants: study" (The Local, 25.8.): https://www.thelocal.se/20180825/half-of-sigtuna-swedens-first-capital-were-immigrants
"Mutations in This Molecule May Have Helped Mammoths Tolerate the Cold" (Columbia University Irving Medical Center, 24.8.): http://newsroom.cumc.columbia.edu/blog/2018/08/24/mutations-in-this-molecule-may-have-helped-mammoths-tolerate-the-cold/
Tomba della Regina: "Bedeutendes Frauengrab aus dem 6. Jahrhundert wird erstmals vollständig untersucht" (RGZM, 22.8.): https://web.rgzm.de/a/article/bedeutendes-frauengrab-aus-dem-6-jahrhundert-wird-erstmals-vollstaendig-untersucht-1/
"Stone tools reveal modern human-like gripping capabilities 500,000 years ago" (University of Kent, 20.8.): https://www.kent.ac.uk/news/society/18995/stone-tools-reveal-modern-human-like-gripping-capabilities-500000-years-ago
"Genome Analysis of 6,500-Year-Old Human Remains in Israeli Cave Points to Origin of Ancient Chalcolithic Culture" (American Friends of Tel Aviv University, 20.8.): https://www.aftau.org/news-page-archaeology?&storyid4677=2407&ncs4677=3
"Nach 1000 Jahren: Waldrodung durch die Mayas hinterlässt noch Spuren" (ZEIT, 20.8.): https://www.zeit.de/news/2018-08/20/waldrodung-durch-die-mayas-hinterlaesst-noch-spuren-180820-99-615461
"Forscher identifizieren Knochen aus Riesensarkophag. Das Geheimnis um einen riesigen schwarzen Sarkophag aus Alexandria ist offenbar gelüftet. Archäologen konnten nun das Geschlecht und das Alter der drei Skelette bestimmen" (Spiegel, 20.8.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/alexandria-forscher-identifizieren-knochen-aus-schwarzem-riesensarkophag-a-1224060.html
"Das Rätsel von Thera. Irgendwann in der Bronzezeit hat ein gigantischer Vulkanausbruch die Mittelmeerinsel Santorin hervorgebracht. Doch wann genau hat sich die Katastrophe ereignet?" (Süddeutsche Zeitung, 20.8.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-das-raetsel-von-thera-1.4097812
"Mumifizierung im alten Ägypten begann 1500 Jahre früher als bisher angenommen" (Selket’s Blog, 18.8.): https://blog.selket.de/aus-der-forschung/mumifizierung-im-alten-aegypten-begann-1500-jahre-frueher-als-bisher-angenommen
"Luftbildarchäologie in England: Dürre legt urzeitliche Siedlungen frei" (Tagesspiegel, 17.8.): https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/luftarchaeologie-in-england-duerre-legt-urzeitliche-siedlungen-frei/22926356.html
"Putzen, trocknen, trinken - Schweinsblasen als prähistorische Wasserbehälter" (Stiegen-Blog, 16.8.): https://hallstatt-forschung.blogspot.com/2018/08/putzen-trocknen-trinken-schweinsblasen.html
"Prehistoric mummy reveals ancient Egyptian embalming ‘recipe’ was around for millennia" (University of York, 15.8.): https://www.york.ac.uk/news-and-events/news/2018/research/mummy-embalming-turin/
Mittelalter-Forschungsprojekt der Lübecker Archäologie & University of Oxford: "Erkenntnisse aus der Tiefe der Toilette" (Lübecker Nachrichten, 14.8.): http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Erkenntnisse-aus-der-Tiefe-der-Toilette
"Origins and spread of Eurasian fruits traced to the ancient Silk Road" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 14.8.): http://www.shh.mpg.de/1026595/origins-of-eurasian-fruits-traced-to-silk-road
Schweiz: "Augusta Raurica - Mit moderner Technik den Römern auf der Spur" (SRF, 14.8.): https://www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/augusta-raurica-mit-moderner-technik-den-roemern-auf-der-spur
"Being human: Big toe clung on longest to primate origins" (BBC, 14.8.): https://www.bbc.com/news/science-environment-45183651
"Easter Island's society might not have collapsed. Analysis of tools used to make giant statues could hint at a collaborative society" (Field Museum, 13.8.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-08/fm-eis080818.php
"Çatalhöyük: Animal fat on ancient pottery reveals a nearly catastrophic period of human prehistory" (Science Magazine, 13.8.): http://www.sciencemag.org/news/2018/08/animal-fat-ancient-pottery-shards-reveals-nearly-catastrophic-period-human-prehistory
"Ancient Ceramic Cups Reveal Oldest Direct Evidence of Beer in Mesopotamia" (Smithsonian Magazine, 13.8.): https://www.smithsonianmag.com/science-nature/ancient-ceramic-cups-reveal-oldest-direct-evidence-beer-mesopotamia-180969975/#yJLL4YXdTsxU2tVs.99
"Skull trauma in children indicates violent pre-Hispanic Canary Island societies" (Childhood Bioarchaeology, 10.8.): https://childhoodbioarchaeology.org/2018/08/09/skull-trauma-in-children-indicates-violent-pre-hispanic-canary-island-societies/
"Genforschung in der Archäologie - Fluch oder Segen?" (WDR, 9.8.; Audio, 11:41 Min.): https://www1-orig.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/quarks/hintergrund/audio-genforschung-in-der-archaeologie---fluch-oder-segen-100.html
"Lost Norse of Greenland fuelled the medieval ivory trade, ancient walrus DNA suggests" (University of Cambridge, 8.8.): https://www.cam.ac.uk/research/news/lost-norse-of-greenland-fuelled-the-medieval-ivory-trade-ancient-walrus-dna-suggests
Steiermark: "Versuch in Großklein - Ernten wie vor 7000 Jahren" (Kleine Zeitung, 26.7.): https://www.kleinezeitung.at/steiermark/suedsuedwest/5469969/Versuch-in-Grossklein_Ernten-wie-vor-7000-Jahren

3.4.
Neuzeitarchäologie: In Berlin ist erneut ein vergessenes Stück der Mauer entdeckt worden
Entdeckt haben Bürger das Mauerstück bei einem Kiezspaziergang in Berlin-Mitte. Es handelt sich um einen Abschnitt der Vorfeldsicherungsmauer von etwa 1985 beim Grenzübergang Chausseestraße. Der Bundesnachrichtendienst (BND), dem das Stück Mauer nie aufgefallen war ;-), befindet sich in der Nähe. Das ca. 20 Meter lange Betonstück mit Lampenhaltern wurde in die Denkmalliste eingetragen. Bereits Anfang des Jahres hatte ein Hobby-Archäologe ein verlassenes Stück Berliner Mauer in Berlin-Schönholz entdeckt (DGUF-Newsletter vom 31.1.2018 Punkt 3.5.).
"Überraschender Fund: Stück der Berliner Mauer entdeckt" (Tagesschau, 13.8.): http://www.tagesschau.de/inland/mauer-berlin-105.html

3.5.
Kenia: Monumentaler Friedhof früher Viehzüchter am Turkana-See
Beim Turkana-See - UNESCO-Welterbe und eine "Wiege der Menschheit" - wurde ein knapp 5.000 Jahre alter, monumentaler Friedhof erster Viehzüchter erforscht: Die Fundstelle Lothagam North wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg genutzt; sie enthält die Gräber von mindestens 580 Individuen. In Lothagam North befinden sich die größten Bauwerke, die in dieser Zeit in Ostafrika angelegt wurden. Die in PNAS publizierten Ergebnisse des Forschungsteams von der Stony Brook University und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte lassen auf eine egalitäre Gesellschaft mobiler Viehhalter schließen. Dies widerspreche bisherigen Forschungsansätzen, wonach eine entwickelte gesellschaftliche Hierarchie nötig sei, um derart komplexe bauliche Anlagen zu errichten.
E. Hildebrand et al., A monumental cemetery built by eastern Africa’s first herders near Lake Turkana, Kenya. PNAS August 20, 2018 ("Significance" und "Abstract" frei zugänglich, sonst Closed Access): http://www.pnas.org/content/early/2018/08/14/1721975115
"Massive Monumental Cemetery Built by Eastern Africa’s Earliest Herders Discovered Near Lake Turkana, Kenya" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 20.8.): http://www.shh.mpg.de/1030272/lake-turkana
Turkana-See: "5.000 Jahre alte Riesengräber in Afrika geben Rätsel auf" (Der Standard, 21.8.): https://www.derstandard.de/story/2000085703449/5-000-jahre-alte-riesengraeber-in-afrika-geben-raetsel-auf

3.6.
"Multikulti" in der Denisova-Höhle: Neandertaler und Denisovaner hatten gemeinsame Kinder
Die abgelegene Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge entwickelt sich immer mehr zu *der* Schlüsselfundstelle für die Paläogenetik des frühen Menschen. Dank der dort in einem sozusagen natürlichen Kühlschrank besonders gut erhaltenen DNA gelingt den internationalen Forschergruppen des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ein Coup nach dem anderen. Mit dem jüngst erfolgreich sequenzierten sechsten Individuum aus der Höhle ("Denisova 11") ist ihnen nun ein besonderer Fisch ins Netz gegangen: Ein etwa 50-60.000 Jahre altes unscheinbares, etwa 3 cm langes Langknochenfragment hat sich nach der genetischen Untersuchung als Überrest einer mindestens 13jährigen Tochter einer Neandertaler-Mutter und eines Denisovaners zu erkennen gegeben. Letztere sind überhaupt erst 2010 an Funden vom gleichen Ort als eigene Menschenform erkannt worden. Daneben liegen dort auch unterschiedlich alte Reste vom Neandertaler und Modernen Menschen vor. Aber das ist nicht das einzige unerwartete Ergebnis. Ein Vergleich der Neandertaler-Mutter-DNA mit der anderer Neandertaler zeigte, dass sie enger mit späten (etwa 35.000 Jahre alten) westlichen Neandertalern (vertreten durch ein Individuum aus dem kroatischen Vindija) verwandt war als mit der etwa 90.000 Jahre alten, lokalen Altai-Neandertalerpopulation. Entweder hat sich also eine östliche Neandertalerpopulation nach 90ka nach Westen ausgebreitet, oder die westlichen Neandertaler breiteten sich vor 90ka nach Osten aus und ersetzten dort weitgehend die lokale Population. - Bereits 2014 hatten die Genetiker bei einem anderen Denisovaner-Individuum ("Denisova 3") geringe Mengen an Neandertaler-Erbgut feststellen können, ein Beleg, dass sich beide Menschenformen schon früher getroffen und vermischt haben müssen. Überhaupt zeigt sich, dass Vermischungen von fossilen Subspezies des Menschen recht häufig vorgekommen sein müssen, denn von sechs bisher sequenzierten Individuen aus der Denisova-Höhle ist das bei zweien festzustellen und bei den bislang nur drei sequenzierten frühen Modernen Menschen bei immerhin einem Individuum aus der rumänische Oase-Höhle, das einen Neandertaler-Vorfahren gehabt haben muss. Das ist umso bemerkenswerter, als sich die verschiedenen Subspezies des fossilen Menschen nur selten getroffen haben dürften, da diese sich durch lange Phasen der Isolation ja überhaupt erst herausbilden konnten. Die Denisova-Höhle ist also auch deshalb ein besonderer Glücksfall, weil ihre geografische Position offenbar genau da liegt, wo die vor allem in Europa beheimateten Neandertaler mit den Denisovanern zusammentrafen, die wohl vor allem in Asien lebten. Wie die Neandertaler in Europa haben Letztere sich in Asien dann ebenfalls mit dem Modernen Menschen vermischt, wie die Spuren ihres Erbguts in der dortigen modernen Bevölkerung zeigen.
Viviane Slon et al., The genome of the offspring of a Neanderthal mother and a Denisovan father (Nature, vol. 561,113–116, 22.8.; Closed Access): https://www.nature.com/articles/s41586-018-0455-x
"Mum’s a Neanderthal, Dad’s a Denisovan: First discovery of an ancient-human hybrid. Genetic analysis uncovers a direct descendant of two different groups of early humans" (Nature News, 22.8.): https://www.nature.com/articles/d41586-018-06004-0
"Neandertal mother, Denisovan father! Newly-sequenced genome sheds light on interactions between ancient hominins" (Max-Planck-Gesellschaft, 22.8.): https://www.eva.mpg.de/press/news.html#c41653
"Neuer Denisovaner-Fund: Prähistorisches Date mit den Neandertalern" (Deutschlandfunk, 23.8.): https://www.deutschlandfunk.de/neuer-denisovaner-fund-praehistorisches-date-mit-den.676.de.html?dram:article_id=426203

3.7.
aDNA-Analyse zur Separatnekropole von Niederstotzingen bestätigt Wissen der konventionellen Frühmittelalterarchäologie
Mit dem nunmehr für DNA-Studien gewohnten PR-Rummel samt aufgeregter Medienberichterstattung (besonders unglücklich: "Stern" vom 10.9.) erschien am 5.9. ein Aufsatz zur aDNA-Analyse des vieldiskutierten, 1967 von P. Paulsen veröffentlichten Gräberfeldes von Niederstotzingen: 12 Grabgruben mit 14 Individuen der Zeit um 580 bis 630 n. Chr. Die DNA-Studie unterstreicht, dass es sich um einen reinen Männer-/Krieger-Friedhof handelt, während gegen den archäologischen Befund ältere anthropologische Studien das Vorhandensein von ein oder zwei Frauen vermutet hatten. Sie widerspricht damit zugleich der ersten DNA-Studie zu Niederstotzingen von M. Zeller (2000), die - weithin beachtet - einen archäologischen Krieger als genetische Frau herausgestellt hatte, was indes bereits 2014 in einer weiteren DNA-Untersuchung korrigiert worden war (Wahl et al. 2014). Die neuerliche (dritte) DNA-Studie zeigt nun auf, dass - mit zwei Ausnahmen - alle diese Männer recht eng verwandt waren und genetisch einer mitteleuropäischen Population entstammen. Die zwei Ausnahmen waren bereits 2014 per Isotopenuntersuchungen als anderswoher stammend identifiziert worden, nach ihrer DNA gehören sie einer mediterranen Population an - was gut zum importreichen Niederstotzinger Beigabenspektrum passt. Eine gute, breiter verständliche Auskunft über die Ergebnisse der aktuellen Studie gibt ein Interview im Deutschlandfunk mit dem Anthropologen Joachim Wahl; der jüngste archäologische Wissensstand findet sich in den "Fundberichten aus Baden-Württemberg" von 2014, wo Dieter Quast die gute ältere Synthese von Ursula Koch (1997) leicht modifizierte. Aus archäologischer Sicht sind die drei DNA-Studien zu Niederstotzingen vor allem ein "Caveat" hinsichtlich der Zuverlässigkeit von DNA-Studien, denn die Frage nach der historischen Deutung des Befundes (Beweis für ein Gefolgschaftswesen? Zeugnis für eine Nobilifizierung und frühe Adelsnekropole? ...) wird weiterhin eher in der Archäologie zu erarbeiten sein.
O’Sullivan, N., Posth, C., Coia, V., et al. (2018). Ancient genome-wide analyses infer kinship structure in an Early Medieval Alemannic graveyard. Science Advances 4(9), eaao1262 (5.9.): http://advances.sciencemag.org/content/4/9/eaao1262/
"DNA of early medieval Alemannic warriors and their entourage decoded" (Eurac Research, 5.9.): https://www.sciencedaily.com/releases/2018/09/180905184821.htm
"DNA frühmittelalterlicher Alemannen-Krieger und ihres Gefolges entschlüsselt" (Max-Planck-Institut f. Menschheitsgeschichte Jena, 5.9.): http://www.shh.mpg.de/1046585/alemannic-graveyards
"Archäologische Gen-Untersuchung: Fremde im Familiengrab" - Joachim Wahl im Gespräch mit Arndt Reuning (Deutschlandfunk, 6.9.): https://www.deutschlandfunk.de/archaeologische-gen-untersuchung-fremde-im-familiengrab.676.de.html?dram:article_id=427442
"Geschichte+Archäologie: DNA gibt Einblicke in Alemannen-Familie" (Damals, 6.9.): https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/dna-gibt-einblicke-in-alemannen-familie/
"Grabfund: Frauen und Fremde - die multikulturellen Kriegerfamilien des Mittelalters" (Stern, 10.9.): https://www.stern.de/panorama/wissen/frauen-und-fremde---die-multikulturellen-kriegerfamilien-des-mittelalters-8346424.html
M. Zeller (2000). Molekulargenetische Geschlechts- und Verwandtschafts-Bestimmung in historischen Skelettresten. Diss. Tübingen 2000.
Wahl, E., Cipollina, G., Coia, V. et al. (2014). Neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Separatgrablege von Niederstotzingen, Kreis Heidenheim. Fundberichte aus Baden-Württemberg 34(2), 341-390: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/view/44507
Ursula Koch: "Der Ritt in die Ferne: Erfolgreiche Kriegszüge im Langobardenreich". In: Die Alamannen (Stuttgart 1997), 403-415.

3.8.
Forderung: aDNA-Gruppen sollen nicht mehr nach archäologischen Kulturen benannt werden
Die nicht mehr zu überhörende und überlesende Kritik von Archäologen an dem allzu naiven Umgang vieler aDNA-Forscher mit Namen und Benennungen ihrer mittels naturwissenschaftlicher Kriterien ausgemachten Gruppen nach archäologischen Entitäten hat endlich zu einer öffentlich wahrnehmbaren Reflektion geführt. In einem Team-Aufsatz von Genetikern und Archäologen wird die bisherige Benennung genetischer Gruppen nach archäologischen Einheiten (Kulturen) wie z. B. "Yamnaya-Leute" als fehlleitend verworfen und ein anderes System vorgeschlagen. Im Kern empfehlen die Autoren, genetische Gruppen nicht länger nach archäologischen Kulturen zu benennen, sondern eigene, neutrale Begriffe zu wählen. Eine mögliche rein numerische Nomenklatur aus unanschaulichen Zahlen-/Buchstaben-Kombinationen sei zu abstrakt, daher empfehlen die Autoren die Verwendung geographisch-zeitlicher Begriffe wie z. B. "C_Europe_LN" für "Central-European Late Neolithic". Sollte sich der Vorschlag durchsetzen, würde endlich eine in der Archäologie nunmehr gut einhundert Jahre währende Debatte und deren Ergebnisse von der Nachbarwissenschaft wahrgenommen und die Konsequenzen daraus gezogen werden - ein überfälliger Schritt. Wäre dann alles im Lot? Mitnichten. Denn die somit erreichte Eigenständigkeit wäre eine rein nomenklatorische. Solange nämlich die Probenauswahl für aDNA-Untersuchungen von den auf archäologische Gruppen zielenden Fragestellungen bestimmt wird, ist keine Eigenständigkeit der resultierenden genetischen Gruppierungen gegeben. Dem begrüßenswerten ersten Schritt muss ein zweiter folgen, der neue Strategien beim Sampling wie auch eine transparente Darlegung der "objektiven naturwissenschaftlichen" Gruppierungsverfahren umfasst.
Eisenmann, St., Bànffy, E., van Dommelen, P. et al. (2018). Reconciling material cultures in archaeology with genetic data: The nomenclature of clusters emerging from archaeogenomic analysis. Nature Scientific Reports 8, no. 13003(2018): https://doi.org/10.1038/s41598-018-31123-z


4. Kulturgutschutz
4.1.
Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
St. Wendel: "Schatzgräber in Bubach erwischt" (Saarländischer Rundfunk, 16.9.):
https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/schatzgraeber_stwendel100.html&t=Schatzgr%C3%A4ber+in+Bubach+erwischt
"Kulturgut in Syrien und Irak (Juli - August 2018)" (Archaeologik, 5.9.): http://archaeologik.blogspot.com/2018/09/kulturgut-in-syrien-und-irak-juli.html
"Two Sculptures of Ancient Women Give Voice to the Protection of Antiquities in War Zones. The Smithsonian’s elegant Haliphat of Palmyra and the blue-eyed Miriam from Yemen raise awareness of the illegal trade in and destruction of antiquities" (Smithsonian Magazine, 31.8.): https://www.smithsonianmag.com/smithsonian-institution/two-sculptures-ancient-women-give-voice-protection-antiquities-war-zones-180970179/
"Münzen, Militaria, Waffen Darum leidet besonders Sachsen-Anhalt unter Raubgräbern" (Mitteldeutsche Zeitung, 27.8.): https://www.mz-web.de/sachsen-anhalt/muenzen--militaria--waffen-darum-leidet-besonders-sachsen-anhalt-unter-raubgraebern-31169550
"Drohne filmt abgeschottete Ureinwohner. Sie leben in Isolation, wollen keinen Kontakt zur Außenwelt: Eine Expedition der brasilianischen Regierung hat Ureinwohner im Amazonas aus der Luft gefilmt" (Spiegel, 23.8.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/brasilien-abgeschottete-ureinwohner-mit-drohne-gefilmt-a-1224552.html
"Fake News des Antikenhandels" (Archaeologik, 23.8.): http://archaeologik.blogspot.com/2018/08/fake-news-des-antikenhandels.html
"Finders, But Not Keepers: The Controversies of Cultural Heritage and Ownership" (Global Heritage Fund, 21.8.): https://globalheritagefund.org/2018/08/21/finders-but-not-keepers-the-controversies-of-cultural-heritage-and-ownership/
"British Museum returns Iraq's looted antiquities" (Al-Monitor, 17.8.): https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2018/08/british-museum-hands-over-girsu-treasures-to-iraq.html
"The Middle East’s Other Facebook Revolution: Antiquities Trafficking in the Digital Age" (World Politics Review, 14.8.): https://www.worldpoliticsreview.com/articles/25532/the-middle-east-s-other-facebook-revolution-antiquities-trafficking-in-the-digital-age
"British Museum to return antiquities looted during 2003 invasion of Iraq" (The Indepenent, 9.8.): https://www.independent.co.uk/news/science/archaeology/british-museum-looted-antiquities-iraq-eninnu-temple-tello-2003-invasion-a8485056.html

4.2.
Welchen Schaden richten Raubgrabungen tatsächlich an?
Dies fragte sich Raimund Karl und legte in einem Beitrag auf seinem Blog "Archäologische Denkmalpflege" vom 11.9. eine Schätzung vor, die auf Daten aus Österreich beruht. Die öffentlich einsehbaren, vollständigen Fundberichte der österreichischen Denkmalpflege der Jahre 2013 bis 2015 wurden untersucht. Karls Ausganghypothese ist, dass bei allen seriösen Grabungen neben anderem auch Raubgrabungsbefunde aufgedeckt und dokumentiert werden müssten, seien sie "frisch" oder antik, und folglich in den Dokumentationen enthalten sind. Die elektronisch zugänglichen Texte wurden von ihm systematisch durchsucht und ausgewertet: nur in zwölf Fällen aus 1.414 Grabungsberichten wurden sichere oder mögliche Raubgrabungseingriffe dokumentiert. Das sei, so Karl, eine sehr geringe Quote und ein vergleichsweise kleiner Schaden am kulturellen Erbe. Es gebe gewichtigere Ursachen für Denkmalverluste. So unbequem die Studie sein mag, Karl legt seine Annahmen, sein Vorgehen und die Datengrundlage für seine Schätzung sorgfältig offen. Eine Einladung an Zweifler, seine Annahmen und sein Vorgehen zu kritisieren oder seine Studie aufgrund eigener, besserer Daten zu wiederholen und zu anderen Ergebnissen zu kommen.
Raimund Karl: "Empirische Untersuchungen des durch Raubgrabungen verursachten archäologischen Sachschadens" (Archäologische Denkmalpflege, 11.9.): https://archdenk.blogspot.com/2018/09/empirische-untersuchungen-des-durch.html

4.3.
Die Schweiz erwägt, den Natur- und Denkmalschutz in "nationalen Schutzgebieten" erheblich zu reduzieren – oder doch nicht? Ein Update
Inzwischen ist die sog. Vernehmlassungsfrist zu einer Änderung des Natur- und Heimatschutzgesetzes, die wesentliche Verschlechterungen für Denkmalschutz und Archäologie mit sich bringen würde (DGUF-Newsletter vom 31.5.2018, Punkt 4.2), abgelaufen. Vernehmlassungsfrist? In der Schweiz werden Kantone, politische Parteien und Interessenverbände u. a. bei Gesetzesentwürfen zur Stellungnahme eingeladen, mit dem Ziel, Fachwissen einzuholen und die Erfolgschancen des Entwurfs im weiteren Gesetzgebungsprozess abzuschätzen. Am 24.8. wurde der Bericht zur Vernehmlassung publiziert. Praktisch zeitgleich ist die dritte diesjährige Nummer der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine erschienen, die die geplante Gesetzesrevision aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und ein Referendum dagegen ankündigt. Möglicherweise wird das Referendum aber gar nicht nötig sein, denn die ablehnende Haltung der im Rahmen der Vernehmlassung eingegangenen Voten (u. a. von Kantonen, aber insbesondere von Interessenverbänden und Organisationen wie "Archäologie Schweiz") und auch in Medienberichten ist stärker als von den Befürwortern der Revision erhofft. Noch ist allerdings nicht klar, wie das Parlament weiter verfahren wird. Im Raum steht neu eine Verknüpfung von Inhalten der Initiative mit der Revision des Raumplanungsgesetzes, wie sie von mehreren in der Vernehmlassung eingegangenen Voten gefordert wird. Dies wird bisher explizit vom Heimatschutz, wohl aber auch von den anderen Interessenverbänden abgelehnt, da die vorgesehenen Änderungen auch dort auf eine Schwächung von Schutzbestimmungen für Natur, Kultur und Kulturlandschaft hinauslaufen.
"Vernehmlassung zur Änderung des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) im Rahmen der parlamentarischen Initiative 12.402" (Bundesamt für Umwelt, 24.8.): https://www.parlament.ch/centers/documents/de/ergebnisbericht-urek-s-12-402-2018-08-24-d.pdf
"Heimatschutz/Patrimoine 3/2018" (Schweizer Heimatschutz, 28.8.): https://issuu.com/heimatschutz/docs/heimatschutz_patrimoine_3-2018
"Revision Natur- und Heimatschutzgesetz – Heimatschutz fordert Übungsabbruch" (Denkmalpflege Schweiz, 5.9.): https://denkmalpflege-schweiz.ch/2018/09/05/revision-natur-und-heimatschutzgesetz-heimatschutz-fordert-uebungsabbruch/
"Stellungnahme der Vereinigung Archäologie Schweiz" (AS, 22.6.): http://www.archaeologie-schweiz.ch/fileadmin/user_upload/customers/archaeologie_schweiz/AS/Dokumente_dt/Politik_dt/201806AS-Stellungnahme_zu_Parlamentar_Initiative_Eder_22.6.18.pdf
"Natur- und Heimatschutz stehen nicht im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen" (NZZ, 6.9.): https://www.nzz.ch/meinung/natur-und-heimatschutzgesetz-man-schlaegt-den-sack-und-meint-den-esel-ld.1402760


5. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
5.1.
Verloren im Software-Dschungel? Kein Problem: Die DGUF-Softwarebox 2.0 ist da!
Die DGUF-Handreichung zum Thema archäologierelevanter Software, die "Software-Box", ist für die Mitglieder und Freunde der DGUF eigentlich nix Neues. Allerdings ist Softwareentwicklung bekanntermaßen ein dynamisches Feld, Empfehlungen veralten schnell. Deshalb ist die Software-Box jetzt endlich rundumerneuert und ergänzt! Eine neue Perle aus dem Inhalt: Meshroom, ein freies Image-based-modeling-Paket. Wir erinnern uns: "Image based modeling", in der Archäologenwelt besser bekannt unter "Structure from Motion", ist ein photogrammetrisches Verfahren, das aus normalen Fotos 3D-Modelle baut. Und das war bislang entweder kompliziert oder mühsam oder teuer oder langwierig oder nicht so ganz zufriedenstellend oder alles zusammen. Aber auch diesseits von 3D findet sich in der Softwarebox allerhand Spannendes und Unbekanntes: Von Hardware und deren Beschaffung über Normalo-Programme für Ottilie und Otto Normalstudent bis hin zu abgedrehter Software zum Verbiegen von Pixeln, Zahlen oder Geodaten, vom Backup bis zur Verbreitungskarte. Die DGUF-Softwarebox stellt zahlreiche, überwiegend freie Softwarelösungen für alle archäologischen Lebenslagen bereit. Ein Wegweiser durch den Software-Dschungel, erstellt von echten Archäologen! (Die mit der Peitsche und dem Hut und der Machete, Ihr wisst schon :o)
Handreichung "DGUF-Softwarebox" (PDF, 1,14 MB): http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Studierende/DGUF-Dok_Software-Box.pdf
Meshroom-Homepage: https://alicevision.github.io/
Übersicht und Testberichte zu freier und kostenloser image-based-modelling-Software (Blog des Paläontologen Peter Falkingham): https://pfalkingham.wordpress.com/blog/
"How to Photoscan Easy and Free - Meshroom and Blender" (Blogbeitrag von Steve Lund auf blendernation.com, 26.8.): https://www.blendernation.com/2018/08/26/how-to-photoscan-easy-and-free-meshroom-and-blender/

5.2.
Deutschlandfunk porträtiert "Brain Gains" der Urgeschichtsforschung
Brain Drain kennen wir: wenn – zumeist aufgrund schlechter Rahmenbedingungen – hochqualifizierte Personen der hiesigen Forschung verloren gehen, weil sie in andere Segmente abwandern, z. B. in die Industrie, oder auch in andere Länder. "Brain Gains" kennzeichnet den umgekehrten Weg, und Michael Stang (Deutschlandfunk) porträtierte im August kluge Köpfe, welche die deutsche Wissenschaftslandschaft bereichern. Darunter sind der französische Paläobiologe Hervé Bocherens, der US-amerikanische Prähistoriker Nicholas Conard (beide Universität Tübingen) sowie der schwedische Paläogenetiker Svante Pääbo (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie Leipzig).
Brain Gain: Hervé Bocherens. Den ausgestorbenen Tieren der Eiszeit auf der Spur (Deutschlandfunk, 16.8.): https://www.deutschlandfunk.de/brain-gain-herve-bocherens-den-ausgestorbenen-tieren-der.676.de.html?dram:article_id=425670
Brain Gain: Nicholas Conard. Auf der Suche nach dem Ursprung der Kultur (Deutschlandfunk, 20.8.): https://www.deutschlandfunk.de/brain-gain-nicholas-conard-auf-der-suche-nach-dem-ursprung.676.de.html?dram:article_id=425914
Brain Gain: der Anthropologe Svante Pääbo. Dem Erbgut des Neandertalers auf der Spur (Deutschlandfunk, 22.8.): https://www.deutschlandfunk.de/brain-gain-der-anthropologe-svante-paeaebo-dem-erbgut-des.676.de.html?dram:article_id=426149

5.3.
Luigi Luca Cavalli-Sforza verstorben
Am 31.8. verstarb der italienische Populationsgenetiker Luigi Luca Cavalli-Sforza. Berühmt wurde er durch sein Buch "Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation" (München: Hanser 1999), in dem er eine weltweite Kongruenz von Sprachen (sensu Sprachfamilien/-genese) und genetischen Gruppen darlegte. Auch wenn dieses Werk seitens der Genetik gänzlich auf der Untersuchung an rezenten Menschen(gruppen) beruhte, war es ein wesentlicher Impuls für die anschließend aufkommende und heute boomende aDNA-Forschung.
"Luigi Luca Cavalli-Sforza" (Wikipedia, 3.9.2018): https://de.wikipedia.org/wiki/Luigi_Luca_Cavalli-Sforza

5.4.
Ein sozialwissenschaftlich-linguistischer Blick auf das Begutachten von Forschungsanträgen
Selbst für erfahrene Wissenschaftler bleibt der Erfahrungspool mit dem Begutachtungswesen zu Forschungsanträgen recht limitiert, eng an die Zahl der selbst gestellten Anträge und evtl. enger Freunde beschränkt. Daher ist ein Aufsatz von Peter van den Besselaar, Ulf Sandström und Hélène Schiffbaenker spannend, die alle 3.200 Bewerbungen um einen ERC-Starters Grant im Jahr 2014 analysieren konnten. Neben den statistischen Ergebnissen beschreibt der Aufsatz auch ihre Eindrücke vom Begutachtungsverfahren. Ein lehrreicher Text für potenzielle Antragsteller - und im Grunde eine vernichtende Kritik des Vorgehens beim ERC. Im Kern legen die Autoren dar, dass die von den Gutachtern geforderte getrennte Bewertung der Qualität von Person und Projekt (Hauptantragsteller und Forschungsvorhaben) nicht stattfindet, und dass kritische Mäkeleien (Negativbeobachtungen) eine weitaus höhere Rolle spielen als das Potenzial des Antrags, d. h. die Möglichkeit, bedeutende Erkenntnisse zu gewinnen. Die Ursache liegt ihres Erachtens vor allem in der Tatsache, dass zu viele Anträge in zu kurzer Zeit behandelt würden und der Selektionsdruck zu hoch sei. Wenn am Ende nur circa 10 % der Einreichungen erfolgreich sein können, läge das Augenmerk naheliegenderweise mehr auf dem Aussortieren als auf dem Annehmen. Da die von den Autoren beschriebene und herausgearbeitete Dynamik nicht nur beim ERC-Grant greift, sondern auch andere Gutachterverfahren übertragbar ist, ist dies ein rundum wichtiger und lesenswerter Aufsatz für Jungforscher.
van den Besselaar, P., Sandström, U. & Schiffbaenker, H. (2018). Studying grant decision-making: a linguistic analysis of review reports. Scientometrics 117, 313-329: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11192-018-2848-x.pdf
Peter van den Besselaar, Ulf Sandström: "Linguistic analysis reveals the hidden details of research grant proposal peer review reports" (LSE Blog, 10.9.): http://blogs.lse.ac.uk/impactofsocialsciences/2018/09/10/linguistic-analysis-reveals-the-hidden-details-of-research-grant-proposal-peer-review-reports/


6. Berufsverband
6.1.
Verstärkte Aufmerksamkeit für Diskriminierung und Belästigung in der Archäologie
Seit einigen Jahren sind Themen wie Belästigung und Diskriminierung jeglicher Art sowohl in den Medien als auch im fachlichen und beruflichen Feld der Archäologie sehr präsent. Archäologische Organisationen weltweit legen deshalb verstärkt Wert drauf, ihre Mitglieder zum korrekten Umgang miteinander zu verpflichten. So enthalten die Verhaltenskodizes sowohl des großen US-amerikanischen Berufsverbands Register of Professional Archaeologist (RPA) als auch des europäischen Chartered Institute for Archaeologists (CIfA) eindeutige Regeln zu diesen Themen: Das Vorwort des Verhaltenskodex des RPA stellt klar, dass einem professionellen Archäologen jegliche Art von Belästigung und Gewalt, egal welcher Ursache und Art und unabhängig vom Gegenüber untersagt ist. Er verpflichtet sich außerdem dazu einzugreifen, sobald er Fehlverhalten bei Anderen wahrnimmt. Vergleichbares findet sich im Verhaltenskodex §5.3 des CIfA. Innerhalb des CIfA beschäftigt sich zudem die Interessensgruppe "Equality and Diversity" dezidiert mit Themen der Gleichberechtigung und des gewaltfreien Arbeitsumfelds. Erwähnenswert ist außerdem das gemeinsame Projekt "Archaeological Ethics Database" von RPA und CIfA. Dort können via Suchmaske Informationen rund um das Thema Archäologie und Ethik abgerufen werden. Sucht man z. B. nach dem Begriff "harassment" (d. h. Schikane, Belästigung), so gibt die Datenbank Links zu allen dort hinterlegten Artikeln und Verhaltenskodizes verschiedener archäologischer Organisationen wieder. Doch nicht nur die großen Berufsverbände des Faches befassen sich mit Belästigung und Diskriminierung in der Archäologie. Auch die European Association of Archaeologists (EAA) verlangt in ihrem "Code of Practice" eine neutrale, von Geschlecht und Neigungen unabhängige Stellenbesetzung. Zu einem gewaltfreien und ethisch korrektem Umgang miteinander halten auch weitere Organisationen wie z. B. die Society for Historical Archaeology (SHA) in ihren "Ethics Principles" §5 oder die Society of Africanist Archaeologists (SAfA) in ihrem "Statement of Professional Behavior" §3.e an. Einen wichtigen Unterschied gibt es zwischen den Kodizes der Berufsverbände RPA und CIfA zu denen der genannten NGOs und Fachgesellschaften: Anders als bei Good-Will-Erklärungen, die aber letztlich innerhalb der Fachgesellschaft keine Konsequenzen haben, kann ein Mitglied bei RPA und CIfA wegen Fehlverhaltens entlang kontrollierter, transparenter Verfahren ausgeschlossen werden.
RPA, Code of Conduct, https://rpanet.org/page/CodeOfConduct
CIfA, Verhaltenskodex, https://www.archaeologists.net/sites/default/files/CIfA_D_Verhaltenskodex.pdf
Archaeological Ethics Database, http://archaeologicalethics.org/
EAA, Code of Practice, https://www.e-a-a.org/EAA/About/EAA_Codes/EAA/Navigation_About/EAA_Codes.aspx?hkey=714e8747-495c-4298-ad5d-4c60c2bcbda9
SHA, Ethics Principles, https://sha.org/about-us/ethics-statement/
SAfA, Statement of Professional Behavior, https://safa.rice.edu/uploadedFiles/Rice_Website/Content/SAfAEthicscode%20amended%202016.pdf


7. Open Access & Open Data
7.1.
"cOAlition S": Europa macht Ernst mit Open Access, und Deutschland schaut zu
"cOAlition S - Making Open Access a reality by 2020" – Erste Reaktion: Gähn, noch so eine folgenlose Man-müsste-mal-Open-Access-Erklärung. Zweite Reaktion: Oder doch nicht? Vielleicht nicht! Am 4.9. haben elf bedeutende nationale Forschungsförderer in Europa, unterstützt durch die Europäische Kommission und den European Research Council (ERC), die Initiative "cOAlition S" ins Leben gerufen und ein Zehn-Punkte-Programm veröffentlicht. Ab 1.1.2020 müssen alle EU-geförderten Forschungsprojekte (ERC!) sowie alle jener der elf mitzeichnenden nationalen Forschungsförderer ihre Forschungsergebnisse im Open Access publizieren, und das Zehn-Punkte-Programm legt die Regeln dazu fest. Neben dem ERC sind ab Start dabei u. a. der österreichische FWF, die französische Agence Nationale de la Recherche, die Nederlandse Organisatie voor Wetenschappelijk Onderzoek und UK Research and Innovation. Der schweizerische SNF und die DFG gefallen sich noch in der Rolle eines wohlwollenden Beobachters. Immerhin: ERC und die elf nationalen Förderorganisationen, das sind gebündelt 7,6 Milliarden Euro jährlich an Forschungsgeldern, die sich hier festgelegt haben. Die zehn Prinzipien legen im Kern fest: Lizensierung CC BY verpflichtend; keine Hybrid-Modelle (d. h. teils Open Access, teils Closed Access in einer Zeitschrift); Publikationsgebühren (APCs) sollen von Institutionen, nicht von Individuen gezahlt werden; "cOAlition S" will (demnächst) für jene APCs eine Höchstsumme festlegen, also nach oben hin deckeln; sofern noch fehlend, fördern die Forschungsförderer den Aufbau der nötigen Repositorien. Was bedeutet das? Es ist vielen der großen nationalen Forschungsförderer und der EU ernst mit diesen Maßnahmen, und es gibt mit dem 1.1.2020 nun ein verbindliches Datum. Die einstweilige Zurückhaltung der DFG, "cOAlition S" gleich beim Start beizutreten, und der gedankliche Ansatz sowie der aktuelle Stillstand von DEAL (vgl. DGUF-Newsletter vom 9.7.2018, Punkt 7.7. und 7.9.) ermöglichen einen vertieften Blick in das, was hier gerade an Umwälzendem geschieht: DEAL verhandelt explizit erst einmal mit den drei großen globalen Wissenschaftsverlagen, denn man brauche sie (so DEAL); der Rest - wo zweifellos auch die Archäologie rangiert - finde sich dann schon. Doch DEAL steckt nun eben in der Sackgasse. Wie ginge es denn anders? Es ginge anders, wenn man Geld in ein anderes Publikationsmodell gösse, und zwar in jenes, mit dem das wissenschaftliche Publikationswesen einst begann: Wissenschaftler finden sich zu Fachgesellschaften (learned societies) zusammen, welche u. a. eine wissenschaftliche Zeitschrift für ihr Fachgebiet herausgeben. Altes Modell: man wird Mitglied der Gesellschaft, zahlt dafür einen Jahresbeitrag, und bekommt als Jahresgabe die (closed access) Zeitschrift "geschenkt". Um es für die Archäologie deutlich zu machen: nicht nur die Druckausgabe der "Archäologischen Informationen" der DGUF funktioniert so, sondern sehr viele unserer noch im 19. Jahrhundert begründeten Traditionszeitschriften wie z. B. die Bonner Jahrbücher, das Jahrbuch des Instituts (DAI), usw. usf. Unter Open-Access-Bedingungen kann dieses Modell bestens weiter funktionieren, wenn man APCs erhebt und erhält. Hier liegt das Besondere von "cOAlition S": Mit dem ernsthaften Sich-Kümmern um die Option APCs bietet "cOAlition S" dem ursprünglichen wissenschaftlichen Publikationsmodell die Hand, an den Großen vorbei ein solide finanziertes, hochqualitätsvolles Zeitschriftenwesen zu generieren. Wer's verstanden hat, mache sich auf den Weg, denn spätestens ab 1.1.2020 suchen sehr viele hochkarätige Manuskripte z. B. aus ERC-geförderten Forschungsprojekten ihre Golden-Open-Access-Zeitschrift, wo sie fürs Publiziert-Werden gerne bezahlen, weil sie dafür auch die nötigen Mittel haben. Der Weg, den "cOAlition S" hier aufstößt, ist so viel handfester, machbarer und wissenschaftskonformer als DEAL, dass wir dem Projekt das "Vergessen" der geisteswissenschaftlichen Monografien vorerst verzeihen.
cOAlition S: https://www.scienceeurope.org/coalition-s/
"'Plan S' für Open Access Bewegung: Europäische Förderer wollen Publikationsgebühren deckeln" - Ulrich Herb im Gespräch mit Ralf Krauter (Deutschlandfunk, 5.9.): https://www.deutschlandfunk.de/plan-s-fuer-open-access-bewegung-europaeische-foerderer.676.de.html?dram:article_id=427365
Christian Gutknecht: "Plan S: Europäische Förderorganisation wollen OA" (wisspub.net, 7.9.): https://wisspub.net/2018/09/07/plan-s-europaeische-foerderorganisation-wollen-oa/
"Stellungnahme der DFG zur Gründung von ‚cOAlition S‘ zur Unterstützung von Open Access" (DFG, Information für die Wissenschaft Nr. 56, 4.9.): http://www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2018/info_wissenschaft_18_56/index.html
"A Gold road paved with good intentions? What Plan S implies for Humanities OA book publishing" (Leiden Arts and Humanities Blog, 6.9.): https://www.leidenartsinsocietyblog.nl/articles/a-gold-road-paved-with-good-intentions
"Meilenstein für Open Science: Forschungsfonds verpflichten sich zu Open Access" (Heise, 5.9.): https://www.heise.de/newsticker/meldung/Meilenstein-fuer-Open-Science-Forschungsfonds-verpflichten-sich-zu-Open-Access-4155491.html
"COAR (Confederation of Open Access Repositories) responds to Plan S" (VÖB Blog, 13.9.): https://www.univie.ac.at/voeb/blog/?p=47082

7.2.
Über Open Access hinausgedacht: Macht Inhalte FAIR (findable, accessible, interoperable and reusable)!
In Amsterdam unterhalten die Universität und die TU (der Verständlichkeit halber verwenden wir hier die deutsche Terminologie) eine gemeinsame Bibliothek. Nun fiel den Bibliothekaren auf, wie unterschiedlich beide Institutionen sich zum Thema Open Access verhalten: Die Uni deutlich mehr schielend auf hochrangige Zeitschriften mit Impact-Faktor und in Konsequenz auch Closed Access, die TU mehr auf praktische Umsetzungen zielend und ihre Open-Access-Politik weitaus konsequenter umsetzend. Dazu gehört nicht nur, die finanziellen und rechtlichen Aspekte von Open Access zu berücksichtigen, sondern aktiv daran zu arbeiten, dass Publikationen gut auffindbar sind (Erschließung, Metadaten, Austausch) und technisch weiterverarbeitet und -verwendet werden können - gerade auch von Interessierten außerhalb der akademischen Welt. Ein Uni- und TU-Welt vergleichender Aufsatz zeigt auf, dass der TU-Weg sehr erfolgreich ist und der Uni-Welt als Vorbild dienen könnte.
Woutersen-Windhouwer, S. & Kuijper, J., (2018). How to reach a wider audience with open access publishing: what research universities can learn from universities of applied sciences. LIBER Quarterly. 28(1), 1-13. http://doi.org/10.18352/lq.10237

7.3.
Gute Darstellung von Geschäftsmodellen fürs Open-Access-Publizieren
In einer kleinen, feinen Broschüre hat OPERAS die Geschäftsmodelle der Herausgeber oder Verleger von Open-Access-Zeitschriften und -Monografien systematisch beleuchtet. OPERAS, d. h. "Open Access in the European Research Area through Scholarly Communication", ist eine EU-geförderte Forschungsinfrastruktur zur Förderung und Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Kommunikation in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Die Broschüre gibt einen systematischen Überblick über bestehende Geschäftsmodelle und beschreibt kurz deren jeweilige Vor- und Nachteile. Anschließend werden einige typische Vertreter von (größeren) Open-Access-Verlagen vorgestellt. Nein, es ist keine Werbebroschüre für einen bestimmten Verlag oder ein bestimmtes Geschäftsmodell, sondern eine Zusammenstellung, die Verantwortlichen beim Nachdenken und Entwickeln eigener Wege helfen soll und hilft. Aufgrund der Orientierung auf Geistes- und Sozialwissenschaften werden auch Monografien und deren Spezifika gleichberechtigt zum Zeitschriftenwesen beleuchtet. Abschließend betonen die Autoren, dass es derzeit nicht das eine, optimale Modell gebe, sondern eine Mehrzahl guter, vermutlich nachhaltiger Ansätze, aus denen jeder interessierte Herausgeber oder Verleger den für ihn besser geeigneten Weg wählen und entwickeln könne. Eine angenehm sachliche, unaufgeregte Studie.
Speicher, L., Armando, L., Bargheer, M. et al. (2018). Open Access Business Models White Paper. OPERAS: Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.1323708
OPERAS-Blog: https://operas.hypotheses.org/
OPERAS bei Twitter: https://twitter.com/OPERASEU
OPERAS bei Facebook: https://www.facebook.com/OPERASEU/

7.4.
Wichtige, sehenswerte Doku über Bezahlschranken im wiss. Publikationswesen ("paywall")
Ein wichtiger Anlass und Grund - nicht der einzige - für die Open-Access-Bewegung sind die extrem hohen Profite, welche die großen Wissenschaftsverlage im traditionellen Publikationswesen erzielen. Profite, die auf öffentlichem Geld beruhen, welches das Bildungs- und Wissenschaftssystem einwirbt und das via Publikationswesen in die Taschen der privaten Eigentümer der Großverlage wandert. In kaum einem anderen legalen Wirtschaftszweig werden ähnlich hohe Renditen (von bis zu 40 %!) erzielt. Wer sich das nochmals vor Augen führen will, einschließlich der konkreten aktuellen Zahlen, findet in einer ca. einstündigen US-amerikanischen Filmdoku von Jason Schmitt, Professor für Kommunikation und Medien an der Clarkson University in Potsdam (New York), alle Informationen, Fakten und Argumente. Der Film ist keine neutrale Dokumentation, sondern versteht sich durchaus als Plädoyer gegen Bezahlschranken, die aus der Zeit des reinen Zeitschriftendrucks vertraut erscheinen, heute aber eben die Gewinnmargen der Verlage sichern: Von einem Fachartikel stellen Springer, Elsevier und Co. oft nur das Abstract frei zur Verfügung, für die Lektüre des gesamten Artikels muss man teuer bezahlen. In einer Folge von Interviews / Aussagen von Wissenschaftlern, Bibiothekaren, Wissenschaftsfunktionären und Verlegern erzählt der Film auch die Gründe und das Werden des Ist-Zustandes im Publikationswesen. Am Ende hat man auch verstanden, wie wichtig ein freies Internet als Gegengewicht zu diesen gravierenden Fehlentwicklungen der Vergangenheit ist und wie wichtig wiederum aktuell eine vernünftige Gesetzgebung der EU zum Thema Urheberrecht und Copyright wäre. Der Film steht unter der Lizenz CC BY 4.0 frei zur Verfügung.
"Paywall: The Business of Scholarship" (5.9.; Video, 65 Min.): https://paywallthemovie.com
Facebook-Seite zum Film: https://www.facebook.com/paywallthemovie/
Lindsay McKenzie, "Open Access at the Movies" (Inside Higher Ed, 10.9.): https://www.insidehighered.com/news/2018/09/10/open-access-movement-hits-silver-screen
"Open access — the movie. Richard Poynder views a documentary on the tug of war over paywalls in scholarly publishing" (Nature News, 4.9.): https://www.nature.com/articles/d41586-018-06140-7
"Documentary puts lens on the open-access movement upending scientific publishing" (Science Magazine, 5.9.): http://www.sciencemag.org/news/2018/09/documentary-puts-lens-open-access-movement-upending-scientific-publishing

7.5.
Hans Geislers Monografie "Straubing-Bajuwarenstraße" (5.-7. Jh. n. Chr.) nun im Open Access
Vor 30 Jahren, in der damals vielbeachteten "Bajuwaren"-Ausstellung 1988 in Mattsee, wurden viele der Funde erstmals öffentlich gezeigt, zehn Jahre später schien die wissenschaftliche Monografie von Hans Geisler: das "bajuwarische" Gräberfeld von Straubing-Bajuwarenstraße. Nebst dem erst später erschlossenen Altenerding ist es weiterhin das größte frühmittelalterliche Gräberfeld in Bayern, zeitlich früher als andere beginnend und kontinuierlich bis ins späte 7. Jh. hinein belegt. Wen die Völkerwanderungszeit oder das 5. Jh. in Bayern interessieren, kam und kommt an der Monografie von Hans Geisler nicht vorbei. Mit aktuellen anthropologischen Studien zu aDNA, Isotopen und "Turmschädeln" rückt das Material derzeit mit neuen Daten und Informationen wieder in den Fokus der Forschung. Nun liegt die Publikation im Open Access vor, als Zweitveröffentlichung der UB Regensburg. Offensiver als andere hatte der Autor seinerzeit seine Veröffentlichung um Open Data bereichert: dem Band eine CD beigelegt, die den Katalog in elektronisch lesbarer Form enthielt sowie Ergänzende Materialen, z. B. einen gegenüber dem gedruckten Buch erheblich bereicherten Fototeil. So wertvoll die CD war: gerade beim Ausleihen des Buches aus öffentlichen Bibliotheken fehlte sie oft resp. ihr Erhalt war mit Komplikationen und besonderem Aufwand verbunden. Die moderne Open-Access-Veröffentlichung durch die UB Regensburg beendet nun diese Hemmnisse, der Band ist samt der Ergänzenden Materialien nun besser denn je nutzbar.
Geisler, H. (1998). Das frühbairische Gräberfeld Straubing-Bajuwarenstraße I: Textband - Tafelband - Beilagen (Internationale Archäologie 30). Rahden /Westfalen: Marie Leidorf. ePub (2018): https://epub.uni-regensburg.de/37462/ resp. urn:nbn:de:bvb:355-epub-374629


8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1.
Wie wertvoll Citizen Scientists für die Wissenschaften sein können
Kann man Bürgerwissenschaftler, neusprachlich Citizen Scientists, wirklich an die Archäologie heranlassen? Machen die nicht alles kaputt, kriegen die Aufgaben nicht hin und liefern verfälschende Ergebnisse? Ein lesenswerter Artikel in der Süddeutschen Zeitung erzählt von Bürgerwissenschaft in der Zoologie und Umweltforschung. Da sollen die Bürger Insekten zählen, aber manche zählten auch die Spinnen mit. Andere gäben schnell auf, seien nicht so geschickt oder geübt. Trotzdem: der Großteil der europäischen Monitoring-Programme sei auf die Hilfe der Freiwilligen angewiesen, ca. 86% derer, die Daten sammeln, seien Citizen Scientists. Und zahlreiche Studien zeigten: Nach einer ordentlichen Einweisung unterscheiden sich die Daten der Bürgerwissenschaftler qualitativ kaum von denen der Profis. Automatische Plausibilitätsprüfungen bei der Dateneingabe, Standardisierung von Aufgaben, die Masse von Daten und eine einfache, unmissverständliche Arbeitsanleitung seien essenziell. Citizen Science könne aber noch mehr: Die Teilnehmer lernen Neues und werden für Probleme wie – im Fall der Umweltforschung – den Artenschwund sensibilisiert.
"Wie wertvoll freiwillige Helfer für die Wissenschaft sind" (Süddeutsche Zeitung, 27.8.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/citizen-science-wie-wertvoll-freiwillige-helfer-fuer-die-wissenschaft-sind-1.4103346

8.2.
Denkmalpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern: Gruppe ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger lehnt Annahme ab
Die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger "De Ackerlöper" gelten als Entdecker des sog. Blauzahn-Münzschatzes von Rügen (DGUF-Newsletter vom 30.4.2018 Punkt 3.7.). Im August wurde bekannt, dass die achtköpfige Gruppe den mit 4.000 Euro dotierten Friedrich-Lisch-Denkmalpreis 2018 des Landes Mecklenburg-Vorpommern erhalten sollte. Kurz vor der geplanten Verleihung im September lehnte die Gruppe die Annahme jedoch ab. "Wir wollen erst einmal Ruhe in die Gruppe bekommen", begründete der Sprecher der Arbeitsgruppe, Michael Parchow, die Entscheidung gegenüber der Schweriner Volkszeitung. Innerhalb der Ackerlöper hatte es Diskussionen gegeben, weil der Fund in den Medien vor allem einem 13-jährigen Jungen zugeschrieben wurde. Ursprünglich sollte auch nur er den Preis erhalten, allerdings hatte Kultusministerin Birgit Hesse dann entschieden, die ganze Gruppe auszuzeichnen. Doch die Gruppe wollte nicht auf Schatzfunde reduziert werden. Im NDR sagte Parchow, es gehe den Ackerlöpern um die archäologische Sicherung der Insel-Geschichte in Zusammenarbeit mit der Oberen Denkmalbehörde. Dem Presserummel rund um den spektakulären Fund auf Rügen sei die Gruppe nicht gewachsen gewesen. Sie wäre daran beinahe zerbrochen, so Parchow im NDR. Plötzlich seien sie nur noch die Schatzsucher gewesen. "Die Aufgaben von ehrenamtlichen Denkmalpflegern aber sind ganz andere." Der Denkmalpreis wurde am 9.9. schließlich allen ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern im Land gewidmet. Das Preisgeld soll der Landesarchäologe Detlef Jantzen nun zur Weiterbildung der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger verwenden, z. B. für Exkursionen zu aktuellen archäologischen Ausstellungen.
"‘De Ackerlöper‘ nehmen Denkmalpreis nicht an" (Schweriner Volkszeitung, 7.9.): https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/de-ackerloeper-nehmen-denkmalpreis-nicht-an-id20956542.html
"Blauzahn-Schatz: Finder lehnen Preis ab" (NDR, 7.9.): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Finder-des-Blauzahn-Schatzes-lehnen-Preis-ab-,denkmalpreis112.html
"Friedrich-Lisch-Preis: Bodendenkmalpfleger symbolisch geehrt" (Schweriner Volkszeitung, 9.9.): https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/bodendenkmalpfleger-symbolisch-geehrt-id20976562.html
"Denkmalpreis für Finder des Blauzahn-Schatzes" (NDR, 22.8.): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Denkmalpreis-vergeben-doch-nicht-ohne-Streit,denkmalpreis106.html


9. Ausstellungen und Museen
9.1.
Großbrand zerstört brasilianisches Nationalmuseum in Rio de Janeiro. Wut über vorherigen Sparkurs der Regierung
Der Brand brach am 2.9. nach Schließung des 200 Jahre alten Museu Nacional aus, das das größte Natur- und Völkerkundemuseum Lateinamerikas ist. Verletzte gibt es nicht, aber ca. 90% der 20 Mio. Exponate dürften zerstört sein - darunter ägyptische Mumien, griechisch-römische Kunst und archäologische Funde aus Südamerika (dabei sind Objekte von Stämmen, die heute nur noch wenige Mitglieder zählen). Der Verlust entspricht quantitativ ungefähr der doppelten Menge aller Objekte im Besitz des British Museum. Museumsmitarbeiter halfen, Objekte zu retten. Brasiliens Präsident Michel Temer sagte, dies sei ein trauriger Tag für alle Brasilianer. "Zweihundert Jahre Arbeit, Untersuchungen und Wissen sind verloren." In das weltweite Entsetzen mischt sich auch Zorn, denn es gibt Anzeichen, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können: Zwei Hydranten beim Museum waren außer Funktion, so dass sich die Löscharbeiten zunächst verzögerten und das Feuer erst acht Stunden nach Ausbruch unter Kontrolle war. Seit mehr als einem Jahr bemühte sich das Museum bereits um Brandschutz-Maßnahmen – doch das Unterfangen wurde nicht bearbeitet. Das Museum ist nicht versichert, und die nun verlorenen Objekte waren teilweise archivarisch nicht ausreichend erfasst. Die Institution hatte generell mit starken Sparmaßnahmen der brasilianischen Politik zu kämpfen: "Mehrfach musste das Museum schließen, weil die Löhne für das Reinigungs- und Aufsichtspersonal nicht gezahlt wurden", schreibt der "Tagesspiegel". "Mit der Zeit wurden auch Ausstellungsräume geschlossen. Wer das Museum betrat, konnte die Vernachlässigung sehen. Termiten hatten sich in der hölzernen Struktur eingenistet, der Putz bröckelte, Kabel verliefen offen an den Wänden". Für die Reparatur eines termitenzerfressenen Podests eines Dinosauriers musste das Museum unlängst eine Crowdfunding-Kampagne starten. Eine Regierung nach der anderen habe sich geweigert, die für den Erhalt des Gebäudes dringend erforderlichen Mittel bereitzustellen, zitiert die "Tagesschau" Demonstranten, die nach dem Brand ihrem Zorn Ausdruck verliehen. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder und Mitglied im Disaster Risk Management Committee des Internationalen Museumsrates ICOM, rief dazu auf, auch in Deutschland für den Fall möglicher Unglücke vorzubeugen und Kulturgüter besser zu schützen.
"Brasiliens Nationalmuseum niedergebrannt" (Tagesschau, 3.9.): https://www.tagesschau.de/ausland/feuer-rio-101.html
"What Was Lost in Brazil’s Devastating Museum Fire. Two hundred years of work—and millions of priceless specimens—have been destroyed in a preventable tragedy" (The Atlantic, 4.9.): https://www.theatlantic.com/science/archive/2018/09/brazil-rio-de-janeiro-museum-fire/569299/
"200 Jahre Geschichte gehen in Flammen auf. Ein Brand in Brasiliens Nationalmuseum zerstört bis zu 20 Millionen Exponate – und zeigt auch die Krise des Landes" (Tagesspiegel, 3.9.): https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/brand-im-brasilianischen-nationalmuseum-200-jahre-geschichte-gehen-in-flammen-auf/22990280.html
"Ausgebrannt - Fragen zur Zerstörung des Nationalmuseums in Rio" (Archaeologik, 3.9.): https://archaeologik.blogspot.com/2018/09/ausgebrannt-fragen-zur-zerstorung-des.html
"Brazil National Museum: as much as 90% of collection destroyed in fire. Building was not insured, the museum’s deputy director said, but some pieces survived including the Bendegó meteorite" (The Guardian, 4.9.): https://www.theguardian.com/world/2018/sep/04/brazil-national-museum-fire-collection-destroyed-not-insured
"Nach Museumsbrand in Brasilien: 'Ergebnis neoliberaler Sparpolitik'" (Tagesschau, 4.9.): https://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-brand-103.html
"Vorbereitung auf Katastrophen statt Arroganz. Markus Hilgert im Gespräch mit Dieter Kassel" (Deutschlandfunk Kultur, 5.9.): https://www.deutschlandfunkkultur.de/nach-brand-im-brasilianischen-nationalmuseum-vorbereitung.1008.de.html?dram:article_id=427292

9.2.
Dänemark: Auf Grabungsbesuch bei der "Vikingeborgen"
Wer sich mit der Wikingerzeit beschäftigt, kommt an Harald Blauzahn (910-987 n.Chr.) nicht vorbei, dem ersten Einiger Dänemarks, der dort das Christentum einführte (und in der Gegenwart Namensgeber für die Bluetooth-Schnittstelle ist). Vier über ganz Dänemark verteilte kreisförmig angelegte Wallburgen, innen in streng geometrischer Organisation bebaut, verbindet man mit ihm: Trelleborg, Aggersborg, Fyrkat und Nonnebakken. Seit den 1930er Jahren ergraben, heute alle im Gelände gut hergerichtet, Besuchermagnete, und eine Namensliste, die mancherorts in Zwischenprüfungen sicher zu beherrschen war. Anlagen, die vermutlich weniger als Burgen im Sinne einer Landesverteidigung dienten, sondern eher als Lager und Konzentrationspunkte für Militär, um zu Größerem aufzubrechen. Nun ist auf Seeland bei Køge, kaum eine Autostunde südlich von Kopenhagen, eine weitere Anlage dieses Typs entdeckt worden. In der Wikipedia ist sie als "Borgring" verzeichnet, doch vor Ort nennen die Ausgräber sie schlicht "Vikingeborgen". 2014 erfolgte eine gründliche Prospektion und erste Sondagegrabung, dann die übliche Finanzierungsphase, und 2016-2018 drei sehr systematisch angelegte Forschungsgrabungen. Wer sich im Urlaub auf Seeland zu einem spontanen Grabungsbesuch bei Kollegen entschließt, findet Erstaunliches vor. Während man noch grübelt, ob man die Grabungsstelle auch finden wird, weisen irgendwann bereits an der Hauptstraße Verkehrsschilder "Vikingeborgen" zuverlässig den Weg. Dann, unübersehbar, formen drei zweistöckig gestapelte rostige Baucontainer ein mächtiges Eingangstor, davor ein großzügiger PKW-Parkplatz samt gesondert markiertem Stellplatz für Reisebusse. Kassenhäuschen mit Kiosk, Besuchertoilette, ein kleines Museum. Das alles für eine dreijährige Forschungsgrabung?! Ja. Dazu eine eigene Website, ein Facebook-Account mit mehr als 3.500 Abonnenten und die Einladung, sich eingangs am freien WiFi-Spot eine (hochwertige, gelungene) App herunterzuladen, die weiter führt. Es geht auch ohne. Auf großen, robusten Ständern (wieder im Stil "rostiges Eisen") stehen entlang des zu Fuß zu absolvierenden Zuwegs Infotafeln, in denen die wissenschaftliche Fragestellung, der historische Kontext und die bisherigen Grabungsergebnisse vorgestellt werden. Gewiss, aus dem Fernsehen (Schliemanns Erben, Terra-X und so) kennt man das schon: Ein Archäologe steht als Erzähler im Mittelpunkt und bietet den roten Faden der Informationen und Geschichten. Doch das ist TV; wir Wissenschaftler kommunizieren doch weiterhin traditionell, zurückhaltend, Passivkonstruktionen und "man" statt "ich" verwendend. Wie anders das Team Vikingeborgen! Vier starke Personen, professionell ins Bild gesetzt, die sich auf den Tafeln vor Ort als Menschen kurz vorstellen (Jens, Jonas, Søren und Nanna), und ihre spezifische Aufgabe im Team erklären, ihre Anliegen und Fragestellungen. Stets auch auf Englisch, die Website sogar auf Deutsch. "Ich arbeite hier, weil mich dies und jenes interessiert. Dies und das habe ich schon rausgekriegt. In der aktuellen Kampagne möchte ich herausfinden, ob..." - ein offenes, persönliches Informieren, das ganz ohne Schätze, Sensationen und "Geschichte neu schreiben" auskommt, wo es Fragestellungen gibt und Ungelöstes. Derweil erinnert man sich an das Narrativ der heimischen Entsorgungsarchäologie, dass man hier nur schnell grabe, weil man eben graben müsse, und auf jeden Fall den Termin einhalten werde, den der Investor fordert. Ergebnisse? Da muss man die Aufarbeitung abwarten. Vikingeborgen: das ist eine Archäologie "mit Eiern", die stark und selbstbewusst auftritt, mit jedem Sandkorn vermittelt, dass sie etwas Wichtiges tut und hier das kulturelle Erbe Dänemarks sichert; eine Archäologie mit Ausgräbern, die Fragen haben, vieles auch nicht wissen und ihr vorläufiges Wissen gerne und offensiv mit dem interessierten Besucher teilen. "Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis", kommt einem Platon in den Sinn. Nach Ende der 2018er Saison ist die Zukunft des Projekts offen, doch das Besucherzentrum soll im Frühjahr 2019 wieder geöffnet sein.
"Borgring" (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Borgring
Website "Vikingeborgen": https://www.vikingeborgen.dk/de
Facebook-Seite "Vikingeborgen": https://www.facebook.com/vikingeborgen/
Bewertung "Vikingeborgen" auf Tripadvisor: https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g230032-d10406628-Reviews-Vikingeborgen_Borgring-Koege_Koege_Municipality_South_Zealand_Zealand.html


10. Und sonst …
10.1.
Bericht von der Sektion der norddeutschen Landesarchäologen bei der Jahrestagung des NWDVA in Heide (12.9.)
Vom 12.-15.9. fand in Heide (Holstein) die 83. Jahrestagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung statt, die neben dem auf die Region bezogenen Vortragsprogramm auch Sektionen der AG Bronzezeit, der AG Römische Kaiserzeit im Barbaricum und der Fachgruppe Archäologische Museen im Deutschen Museumsbund umfasste. Den Auftakt der Tagung bildete am Mittwoch, 12.9., die von Ulf Ickerodt organisierte Sektion der norddeutschen Landesarchäologen "Zwischen Inhalt und Organisation - gegenwärtige Herausforderungen für die norddeutschen Landesarchäologien". In seiner Begrüßung benannte der Vorsitzender des Verbands der Landesarchäologen (VLA) Michael Rind in Stichworten die s. E. derzeit drängendsten Sorgenfelder: Die Umsetzung des Verursacherprinzips, die Digitalisierung, die Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung und "die Juristerei" - die zunehmende Menge an Verfahren und juristischen Auseinandersetzungen. Der Vortrag des schleswig-holsteinischen Landesarchäologen Ulf Ickerodt war getragen von seinem Amtsverständnis, einen klaren Gesetzesauftrag zu vollziehen, was seitens der Archäologie auf sorgfältig reflektierten, klaren Prinzipien und transparenten Regeln beruhen müsse. Beim Thema Echtheit und Authentizität archäologischer Daten treibt ihn um, dass Daten nachvollziehbar sein müssen und überprüfbar. Schließlich hätten archäologische Daten letztlich auch Rechtsfolgen für Bürger. Die Echtheit von Informationen müsse vom Landesamt garantiert werden – dazu brauche es geordnete Verfahren, die auch den Rückfluss von neu gewonnenen Informationen aus der Forschung in die amtlichen Daten umfassen. Jeder der an der Archäologie beteiligten unterschiedlichen Akteure habe seine spezifische Rolle gewissenhaft zu erfüllen und zu vertreten, das oft gehörte "wir Archäologen" sei Fiktion. In der Diskussion wies Johannes Müller (Uni Kiel) auf die weit verbreiteten prekären Arbeitsverhältnisse hin. Die Fülle der befristeten Arbeitsverhältnisse führe immer wieder zu einem Qualitätsverlust der Ausgrabungen und deren Daten durch Abwanderung erfahrener Archäologen. Der Landesarchäologe von Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Jantzen, beschäftigte sich mit der laufenden Debatte um die übervollen Magazine. Seines Erachtens habe sein Landesamt per Gesetz den Auftrag zu archivieren: das heiße, vorab bewusst und kriteriengeleitet zu entscheiden, was archivwürdig sei ("Überlieferungsbildung"), und das nach dieser Entscheidung als zu archivieren Klassifizierte auch vollumfänglich aufzubewahren. Ein Masseproblem bestehe im Grunde nicht. Als Beispiel führte er die Grabungsfunde der 240 km langen Gastrasse der NEL mit ihren 587 archäologischen Maßnahmen an, deren Funde bei moderner, kompakter Lagerung auf 14 Quadratmetern Schwerlastregal unterzubringen seien. In der Debatte wiesen Kollegen auf die unterschiedliche Gesetzeslage in anderen Bundesländern sowie deren Konsequenzen hin. So habe das Zentraldepot in Schleswig-Holstein explizit den Auftrag, ein Museum zu sein: Nach Übergabe der Grabungsfunde an das Museum dürfe nichts mehr weggeworfen werden. Diese Lage führe, so der Landesarchäologe Franz Schopper, in Brandenburg zu einem jährlichen Bedarf an weiteren 300 Regalmetern, "das läppert sich". Der niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann arbeitete in seinem Vortrag das komplexe Gefüge der Archäologie heraus, deren Akteure er als Netzwerk verstehe. In Niedersachsen schreibe das Gesetz zwar den Schutz der Bodendenkmäler vor, aber tatsächlich "sind wir dazu übergegangen, Dienstleister für die Entsorgung von störenden Kulturdenkmälern zu werden". Das noch selektive, forschende Grabungswesen der 1980er Jahre sei inzwischen abgelöst worden von einem umfassenden "alles ausgraben", weil das der Gesetzesauftrag sei. Haßmann zeigte die derzeitigen Trassenplanungen für Niedersachsen auf und betonte: "Wir werden absehbar in kurzen Zeitfenstern an vielen Stellen gleichzeitig tätig sein müssen." Daraus resultiere ein dramatischer Mangel an Fachkräften, Technikern wie Wissenschaftlern, die man dort einsetzen könne. Auch bei der Konservierung / Restaurierung bestünden große Engpässe. In der Diskussion unterstrich Franz Schopper den Fachkräftemangel, vor allem fehle es an Grabungstechnikern. Zugleich biete die HTW Berlin mehr Studienplätze für Grabungstechnik an, als tatsächlich genutzt würden. Die für Investoren tätige Beraterin Heike Baumewerd-Schmidt betonte in ihrem Vortrag die Termingebundenheit der Projekte. Die Erbauer hätten fixe Termine, zu denen z. B. eine Strom- oder Gastrasse wirklich fertig sein müsse; das wirke sich auch auf die Trassenarchäologie aus. Aus Sicht der Planer und Ingenieure seien bei bundeslandübergreifenden Projekten die doch sehr unterschiedlichen Auflagen und Vorgehensweisen der Landesämter irritierend und schwer vermittelbar. Am Ende der kurzen Schlussdiskussion der Sektion formulierte Michael Rind seine Bilanz: Es mache wenig Sinn, etwa auf Tagungen allgemeine Grundsätze und einen bundesweiten Konsens erarbeiten zu wollen. Archäologie müsse pragmatisch sein, im Grunde gehe es stets um Einzelfallentscheidungen. Den (spontanen) Vorschlag von Henning Haßmann, seitens des VLA gemeinsam ein bundesweites Stipendienprogramm einzufordern, um den Berg pendenter Aufarbeitungen mit Hilfe finanzierter Examensarbeiten angehen zu können, begrüßte Rind und setzte sich dafür ein, dieses Vorhaben gemeinsam mit dem DVA anzugehen. Eine gemeinsame Publikation der Vorträge ist geplant.

10.2.
Videotipp: "Am Anfang war das Wir"
Mit "Am Anfang war das Wir" erzählt ARTE in vier Teilen die Geschichte unserer Zivilisationen. Teil 1 thematisiert über 55 Minuten die Sesshaftwerdung und frühe Stadtgründungen, u. a. Göbekli Tepe. Alle vier Teile sind in der ARTE-Mediathek verfügbar.
https://www.arte.tv/de/videos/RC-016471/am-anfang-war-das-wir/

10.3.
Archäologisch korrektes Bier, gebraut aus der Roggentrespe
Dank der Uni Bayreuth und der Spezialmälzerei IREKS gibt es jetzt ein "archäologisch korrektes" Bier! Hergestellt wurde es aus der Roggentrespe, einem heimischen Süßgras, das von den neolithischen Bauern nicht als separate Getreideart erkannt, sondern mitgeerntet und auch wieder ausgesät wurde. Angebaut wurde die Roggentrespe auf einem 100 Quadratmeter großen Testgelände. Das Craft-Bier ist nach den Regeln des Bayerischen Reinheitsgebots gebraut. Es schmecke "leicht und elegant", so die Tester, hat einen Stammwürzegehalt von 12,8 % und einem Alkoholgehalt von 5,5 %. Die Roggentrespe war bislang noch nie zur Herstellung von Bier verwendet worden. Wie es mit der Produktion des Biers weitergehe, steht noch nicht fest. Die Pflanze sei nur noch selten zu finden. Ein dauerhafter Anbau für die Bierproduktion könne zum Überleben der Roggentrespe beitragen. Eine Arbeitsgruppe des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck bemüht sich übrigens parallel dazu seit zwei Jahren, "nachzuweisen, dass man am Ende des Mesolithikums ein schmackhaftes Bier brauen konnte mit den Mitteln der Zeit".
"Frisch gezapft an der Uni Bayreuth: Neues Craft-Beer aus einer Steinzeit-Pflanze" (Uni Bayreuth, 17.8.): https://www.uni-bayreuth.de/de/universitaet/presse/pressemitteilungen/2018/104-Craft-Beer/index.html
"Brauen wie in der Steinzeit. Eine Arbeitsgruppe des Historischen Vereins probiert sich am Bierherstellen" (Süddeutsche Zeitung, 24.8.): https://www.sueddeutsche.de/muenchen/fuerstenfeldbruck/experimentelle-archaeologie-brauen-wie-in-der-steinzeit-1.4103550

10.4.
Lässt sich die Entwicklung menschlicher Kultur auf natürliche Mechanismen zurückführen? Daniel C. Dennetts Buch "Von den Bakterien zu Bach – und zurück. Die Evolution des Geistes"
Dass es zwischen Körper und Geist, zwischen Natur und Kulturkeine grundlegenden Unterschiede gebe, sondern alles ein Ergebnis der Evolution sei, postuliert der US-amerikanische Philosoph Daniel Dennett. Für ihn gibt es nichts außerhalb der Reichweite der Naturwissenschaften. "Schon der Gedanke, die Evolution durch natürliche Selektion könne für das Verständnis der Kultur eine grundsätzliche Rolle spielen, erfüllt manche Menschen – darunter auch kluge und nachdenkliche Leute – mit Abscheu", schreibt Dennett in seinem Buch, das im Juni bei Suhrkamp auf Deutsch erschienen ist. "Für sie ist die menschliche Kultur etwas Einzigartiges, ein wunderbares Geschenk, das uns vom Tier unterscheidet." Solchen Lesern erklärt er, wie die Natur "Kompetenz ohne Verständnis" schaffe und dass es Lebewesen gebe, welche auf intelligenteste Weise an ihre Umgebung angepasst seien, ohne dass sie ihr eigenes intelligentes Verhalten unbedingt verstünden. Ansatzpunkte kulturellen Fortschritts sind für Dennett "Meme" - analog zu Genen. Menschen, die sich als bewusste Gestalter ihrer Werke erlebten, säßen einer "Benutzerillusion" auf. Dennetts Perspektiven sind so umstritten wie spannend, so schwierig wie profund. Sicher eine lohnende Lektüre für jeden, der sich mit menschlicher Evolution befasst.
"Blick des Philosophen auf die Evolution des Geistes" (Deutschlandfunk, 8.8.): https://www.deutschlandfunk.de/daniel-dennett-von-den-bakterien-zu-bach-und-zurueck-blick.676.de.html?dram:article_id=424960
"Kultureller Fortschritt braucht keine menschliche Erfindungsgabe" (Deutschlandfunk Kultur, 20.7.): https://www.deutschlandfunkkultur.de/daniel-c-dennett-von-den-bakterien-zu-bach-und-zurueck.950.de.html?dram:article_id=423340
"Book review: From Bacteria to Bach and Back. Daniel Dennett's latest book continues his quest to establish an evolutionary understanding of the mind" (New Humanist, 25.10.2017): https://newhumanist.org.uk/articles/5243/book-review-from-bacteria-to-bach-and-back
"Reading From Bacteria to Bach and Back I: On Cartesian Gravity" (Three Pound Brain, 11.10.2017): https://rsbakker.wordpress.com/2017/10/11/reading-from-bacteria-to-bach-and-back-i-on-cartesian-gravity/
"Daniel Dennett’s Science of the Soul. A philosopher’s lifelong quest to understand the making of the mind" (The new Yorker, 27.3.2017): https://www.newyorker.com/magazine/2017/03/27/daniel-dennetts-science-of-the-soul
"Is Consciousness an Illusion?" (The New York Review of Books, 9.3.2017): https://www.nybooks.com/articles/2017/03/09/is-consciousness-an-illusion-dennett-evolution/
"Do Daniel C. Dennett's memes deserve to survive? His evolutionary account of culture anticipates most objections – and still doesn't quite convince" (The Spectator, 4.3.2017): https://www.spectator.co.uk/2017/03/do-daniel-c-dennetts-memes-deserve-to-survive/

10.5.
Grönland auf Normalmaß geschrumpft - Google Maps verabschiedet sich von der Mercator-Projektion
Das Bild der Weltkarte in Mercator-Projektion ist uns allen gut bekannt, sei es nun als Wandschmuck oder als gebräuchlichste Kartendarstellung unserer Erde im Internet. Diese fast 450 Jahre alte Form der Darstellung hat unbestreitbare Vorteile, so ist sie beispielsweise winkeltreu, was sie zur Navigation gut geeignet macht. Nur: flächentreu ist sie ganz und gar nicht. Kartenrandbereiche werden stark verzerrt dargestellt - was dazu führt, dass Grönland etwa auf die Größe Afrikas "aufgeblasen" wird. Was das mit unserer Wahrnehmung des Weltgeschehens macht, darüber streiten die Gelehrten. Aber zumindest bei Google Maps ist diese grobe Realitätsverzerrung jetzt Geschichte: Beim Auszoomen erscheint nun statt der auf zweidimensionales Format plattgedrückten Erdoberfläche tatsächlich ein Globus. Was dem Newsletter-Redakteur den willkommenen Anlass bietet, einmal einen Link aus Mike Bostocks Block mit einer schick animierten Zusammenstellung der absurdesten Projektions-Varianten zu verbreiten: McBryde-Thomas Flat-Polar Sinusoidal, anyone? Die Google-Maps-App allerdings bleibt derweil der Flat-Earth-Theorie treu - noch.
Google Maps: https://www.google.com/maps/
"Die Erde ist bei Google Maps keine flache Scheibe mehr – das ist wichtiger, als du denkst" (Watson, 7.8.): https://www.watson.de/wissen/umwelt/463268154-die-erde-ist-bei-google-maps-keine-flache-scheibe-mehr-das-ist-wichtiger-als-du-denkst
"Projection Transitions". Website mit Animation verschiedenster Projektionen der Weltkarte. (Mike Bostock's Block, 14.8.2017): https://bl.ocks.org/mbostock/3711652

10.6.
Peer Review: Publons publiziert Jahresbericht 2018 mit wertarmen Einsichten zum Peer Review
Am 7.9. meldete die vielbeachtete Nature-News-Seite: "Peer reviewers unmasked: largest global survey reveals trends" und untermalte ihren Bericht mit diversen eindrucksvollen Graphiken. Doch statt Aufregendes sogleich zu vertwittern, lässt man besser die üblichen Regeln der Wissenschaft greifen: Auf welchen Quellen beruht der Bericht, was sind die Daten? Nature.com bezieht sich auf den Bericht "2018 Global state of peer review" von Publons. Publons? Das ist eine kostenlose Serviceseite, mit der Wissenschaftler, sich als Reviewer anbieten, ihre Peer-Review-Aktivitäten gebündelt verfolgen und, wiederum optional, ihre zunächst anonymen Reviews auch offenlegen können. Circa 200.000 (sagt Publons) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen diesen Service, woraus ein einschlägiger Datenfundus resultiert. Richtig: wissenschaftliche Quellenkritik sollte noch einen Schritt weitergehen und fragen: wem gehört Publons? Publons gehört Clarivate Analytics, einer Tochter des Medienkonzerns Thomson Reuters. Clarivate Analytics betreibt u. a. das Web of Science, die Software Endnote usw. - ist also ein bedeutender kommerzieller Dienstleister im Umfeld des wissenschaftlichen Publikationswesens, u. a. ein Datenhändler. Wer nun von der Publons-Website mit der dortigen (gelungenen) Zusammenfassung des Berichts aus neugierig auf den Button "Vollständigen Bericht lesen" drückt, wird erst einmal eingeladen, seine diversen Kontaktdaten anzugeben ... All das macht den Jahresbericht 2018 nicht falsch, legt aber dar: es ist ein Bericht, der mit spezifischen Interessen einhergehen kann, und die Datengrundlage greift auf den Fundus der großen kommerziellen Wissenschaftsverlage zurück. Bedeutet für interessierte Archäologen: hier wird vor allem das Peer-Review-Verhalten im Bereich Naturwissenschaften, Medizin u. ä. erfasst. Wobei die tatsächlich für die Studie untersuchte Stichprobe nur ca. 12.000 reviewende Wissenschaftler umfasst. Und was erfährt man? Die meisten Reviewer arbeiten an Universitäten (69%) oder Forschungsinstitutionen (15%). Es reviewen mehr Männer (ca. 70%) als Frauen (ca. 30%). Unter den Herkunftsländern dominieren Europa (ca. 37%) und die USA (14%). Derzeit dominiert Single-Blind-Peer Review (ca. 70%; Verfahren wie bei der DGUF) knapp vor Double-Blind-Peer Review (ca. 65%), andere Verfahren sind selten (jetzt bitte nicht fragen, wie 70% + 65% + Übriges = 100%!). usw. usf. Die Grafiken lassen erkennen, dass hier für ein rel. einseitig profiliertes Wissenschaftsfeld Antworten resp. Daten von Viel-Reviewern analysiert werden, ein Viertel der Kohorte hat in einem Jahr mehr als 50 Peer Reviews verfasst. Schade! Denn echte, brauchbare Daten über das Peer Review wären z. B. bei der DGUF-Redaktion sehr willkommen gewesen, um eigene Erfahrungen mit denen anderer Redaktionen abzugleichen und lernen zu können. Doch das ist aufgrund der angegebenen Datenlage kaum möglich.
Inga Vesper: "Peer reviewers unmasked: largest global survey reveals trends. Scientists in emerging economies respond fastest to peer review invitations, but are invited least." (Nature News, 7.9.): https://www.nature.com/articles/d41586-018-06602-y
Publons: "2018 Global state of peer review" (Sept. 2018): https://publons.com/community/gspr

10.7.
Zeitschrift stoppt Manuskripteingang wegen eigenen Erfolgs und fehlenden Reviewern
Die renommierte, peer-reviewte US-amerikanische Zeitschrift "The Review of Higher Education" - 1978 gegründet, Impact-Factor bei 1,3 und vierteljährlich an gut 2.000 Abonnenten ausgeliefert - hat sich im August zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Es werden für voraussichtlich 2 Jahre keine neuen Manuskripte mehr angenommen, sondern allein der Berg bereits angenommener Aufsätze publiziert. Der Grund sei die Schwierigkeit, eine hinreichende Anzahl an willigen Peers für die Reviews zu gewinnen, sowie in Ruhe einen Weg zu finden, doppelt so viele Aufsätze wie bisher zu veröffentlichen. "Wir sind die Opfer unseres Erfolgs", sagt der Herausgeber Gary Pike; die Zeitschrift erhalte in den vergangenen Jahren stark wachsend mehr und zugleich bessere Manuskripte. Den zuletzt circa zehn publizierten Aufsätzen pro Heft stehen etwa zehn Mal so viele Einreichungen gegenüber. Jeder dieser Aufsätze will in einem Peer-Review-Verfahren sorgfältig begutachtet werden, wofür es eine hinreichende Anzahl an unbezahlt, sachgerecht und einigermaßen flink arbeitenden Reviewern braucht. Da einerseits nicht genug Reviewer gefunden würden und andererseits der Berg bereits angenommener, aber noch unpublizierter Manuskripte wachse, wurde jetzt die Notbremse gezogen.
Colleen Flaherty: "Don't Even Think of Publishing in This Journal" (Inside Higher Ed, 16.8.): https://www.insidehighered.com/news/2018/08/16/major-higher-education-research-journal-suspending-submissions-clear-out-two-year
Website mit Annahmestop: https://www.press.jhu.edu/journals/review-higher-education/author-guidelines

10.8.
Spannender Ansatz: Jeder Jugendliche in Frankreich erhält 500 Euro für Kino, Konzerte, Theater, Museen etc.
Präsident Macron setzt ein Wahlkampfversprechen um und verfolgt ein anderes Modell als den umfassenden kostenlosen Eintritt ins Museum. Neu erhalten alle 18-Jährigen in Frankreich einen "culture pass" geschenkt, eine App, die mit 500 Euro aufgeladen ist, die für Kino, Konzerte, Theater, Museen etc. ausgegeben werden können. Seit Juni erfolgt die Ausgabe des Passes in ausgewählten Regionen als Beta-Test, im Jan. 2019 soll die Verteilung landesweit erfolgen. Die App arbeitet mit einer Geolokalisierung, so dass man je nach Standort konkrete Angebote angezeigt bekommen kann. Kritiker bemängeln die weite Spannbreite der möglichen Güter, die man nun kostenlos buchen kann, sie umfasst auch Schulbücher und Videospiele, und sie äußern Bedenken im Hinblick auf den Datenschutz.
"France Is Rolling Out a Multimillion-Dollar App to Give Young People Free Access to Cultural Goods and Events" (artnet.news, 1.8.): https://news.artnet.com/art-world/france-pass-culture-app-1327157

10.9.
Die letzten Wikinger auf den Lofoten
Olaf die Doppelbraue bzw. Olaf Tvennumbrunni war um das Jahr 900 herum der letzte Wikingerhäuptling auf der Lofoten-Insel Vestvågøy. Jetzt wurde sein riesiges Haus erforscht. Von Olafs Reichtum zeugen neben fränkischen Kostbarkeiten aus dem Rheinland auch Keramik aus englischen Klöstern. Schön zu lesender Beitrag in "Spektrum"!
"Wikinger auf den Lofoten: Die Häuptlinge des hohen Nordens" (Spektrum, 27.8.): https://www.spektrum.de/news/die-haeuptlinge-des-hohen-nordens/1586348

10.10.
Nette Dokumentation: "Auf den Spuren von Liebe und Sex – eine archäologische Zeitreise"
Zum Kulturerbejahr 2018 hat die Konferenz der Schweizer Kantonsarchäologen und Kantonsarchäologinnen (KSKA) zusammen mit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Auf den Spuren von Liebe und Sex – Eine archäologische Zeitreise" produziert. Sex im Titel, dazu kann man stehen wie man will; viel Sex im Film gibt es dann ohnehin nicht (abgesehen von den obligaten Öllämpchen natürlich). Vielmehr geht es um Liebe und Sexualität als Motor der Entwicklung und Kitt der menschlichen Kultur, in der auch die Gegenwart lediglich als Etappe gesehen wird. Hier unterscheidet sich der Film wohltuend von der viel evolutionistischer daherkommenden Serie "Am Anfang war das Wir", die zurzeit auf ARTE zu sehen ist (und von der die Newsletter-Autorin zugegebenermaßen nur den ersten Teil gesehen hat). Schritt für manchmal großen Schritt führt der Film aus der Gegenwart bis zurück in die Altsteinzeit und führt Belege (großenteils, aber nicht ausschließlich vom Gebiet der heutigen Schweiz) für Liebe, Sexualität, Fruchtbarkeit und diesen zugeordnete Symbole an. Dass es sich um eine Produktion mit einem vergleichsweise geringen Budget handelt, wird in den kurzen Sequenzen deutlich, in welchen auf spärlich möblierte Animationen (aber vor echten Freilichtmuseums-Hintergründen) in einer Art 80er-Jahre-Disney-Stil zurückgegriffen wird, um den lüsternen Mönch, das ängstliche Römermädchen, die neolithischen Wandkünstlerinnen darzustellen. An manchen Aspekten hätte Freud wohl seine helle Freude, aber insgesamt ist die Erzählung der Zeitreise stringent, abwechslungsreich und vielfältig, eine nette Dokumentation, aber kein Aufreger. Das Video ist in der SRF-Mediathek noch bis 12.10. verfügbar, allerdings nur für inländische Zugriffe.
"Auf den Spuren von Liebe und Sex – eine archäologische Zeitreise" (SRF 1, 13.9.; Video, 51 Min.): https://www.srf.ch/sendungen/ch-filmszene/auf-den-spuren-von-liebe-und-sex-eine-archaeologische-zeitreise
"Am Anfang war das Wir" (ARTE, 11.8., noch bis 25.9. verfügbar):
https://www.arte.tv/de/videos/RC-016471/am-anfang-war-das-wir/


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