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2014-2017: DGUF setzt sich für den Erhalt von Archäologie an der Universität des Saarlandes ein

An der Universität Saarbrücken sollten die Professuren für Ur- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie gestrichen werden. Beide Fächer suchten im Dezember 2014 – jedes für sich – mit einer öffentlichen Petition um breite Unterstützung. Die DGUF unterstützte beide Petitionen, versuchte aber vor allem, gemeinsam mit dem dArV konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln, die im Saarland langfristig eine universitäre archäologische Kompetenz sichern. Weder Universität noch Landesregierung nahmen unser Gesprächs- und Beratungsangebot an. Doch der öffentliche Druck scheint sich gelohnt zu haben: Im Sommer 2016 wurde wieder eine Professur für Ur- und Frühgeschichte in Saarbrücken ausgeschrieben, im Frühjahr 2017 erreichte das Verfahren zur Wiederbesetzung das Stadium der Bewerbungsvorträge.

Die Archäologie im Saarland ist bedeutend. Das Fürstinnengrab von Reinheim ist heute Teil des Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim.

Stand Ende 2014
Das Saarland ist arm, die Schuldenbremse 2020 drängt, die Landespolitik muss sparen und verpflichtet auch ihre Landesuniversität Saarbrücken zum Sparkurs. Die geplanten verminderten Finanzzuweisungen des Landes führten dazu, dass die Universität Saarbrücken bis zum Jahr 2020 nach eigener Aussage 20 % Mittel im Bereich zentrale Einrichtungen und Verwaltung und 15 % im Bereich der Fakultäten einsparen muss. So tobten seit spätestens Anfang 2014 in Saarbrücken wechselnde Sparszenarien, wobei die Diskussionen hie und da einzelne Fächer betrafen, aber auch ganze Fachbereiche resp. Fakultäten zur Disposition zu stehen schienen. In diesem Kontext wurden im Dezember 2014 Pläne zur Streichung der Professur für Klassische Archäologie und des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte laut, resp. zur Abwicklung der gesamten Altertumswissenschaften in Saarbrücken: Alte Geschichte, Klassische Archäologie, Klassische Philologie, Vor- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie. Mitte Dezember 2014 wandten sich die Klassische Archäologie und die Ur- und Frühgeschichte u. a. mit je einer eigenen Petition an die Öffentlichkeit und suchen Unterstützung.

Wen wundern die Streichungspläne?
Dass beide Fächer die inneruniversitäre Solidarität über Jahre hinweg arg strapaziert hatten, war kein Geheimnis, weshalb die Pläne nicht überraschten. So war der ganze Bereich bereits seit längerem in einem Rückbau begriffen: 2001 blieb die Professur für Frühgeschichte (Prof. Dr. Frauke Stein) und 1995 die Professur für Vorderasiatische Archäologie (Prof. Dr. Winfried Orthmann) unbesetzt. Seit dem Tod von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jan Lichardus im März 2004 war der Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte vakant. Seit dem Ruf des damaligen Hochschuldozenten Prof. Dr. Ralf Gleser zum Wintersemester 2008 an die Universität Münster wurde der Kernbetrieb der Ur- und Frühgeschichte in Saarbrücken im Alleingang von dem wiss. Mitarbeiter Prof. Dr. Rudolf Echt aufrechterhalten, der im Februar 2016 die Altersgrenze erreichte, ergänzend traten bis 2014 semesterweise wechselnde Vertretungen hinzu. Die zuletzt tätige Berufungskommission zur Besetzung einer auf den 1.10.2012 ausgeschriebenen W2-Professur für Ur- und Frühgeschichte lieferte nach dreijähriger Tätigkeit (übliche Dauer: ein bis zwei Semester) eine nicht konsensfähige Liste ab. In der Klassischen Archäologie hatte die Stelleninhaberin 2014 die Altersgrenze erreicht und fungierte anschließend für zwei Jahre als Seniorprofessorin. Reihenweise schlossen Studierende der Ur- und Frühgeschichte ihr Nebenfach Klass. Archäologie auf besonderen Antrag hin in Trier ab. Wen sollten angesichts dieser Tatsachen die Streichungspläne wundern?

Erfolg kann nur haben, wer realistische Lösungen aufzeigt
Was sollte man angesichts der beiden Petitionen im Dezember 2014 als Außenstehender tun? Wegschauen, weil man eh nichts machen kann? Das hieße, die Studierenden und vor allem das saarländische Umfeld, das eine Archäologie an seiner Landesuniversität braucht, für die Fehlleistungen derzeitiger Entscheidungsträger zu bestrafen. Daher unterzeichnete der DGUF-Vorstand beide Petitionen, verbunden mit deutlichen Kommentaren – diese Option bieten die Petitions-Plattformen. Wir wollten Dritte dazu anregen zu handeln, auch wenn dies zunächst kaum mehr als ein Zeichen der Solidarität sein konnte. In solchen Lagen sind Petitionen, die allein die eigenen Leistungen in einer zumeist fernen Vergangenheit beschwören und den Erhalt des Ist-Zustandes fordern, wirklichkeitsfremd und daher auch schädlich. Denn der Ist-Zustand war in Saarbrücken seit Jahren desaströs – warum ihn aufrechterhalten? Der DGUF-Vorstand unterzeichnete die Petitionen und machte via DGUF-Newsletter breiter auf sie aufmerksam, weil eine Petition pro Archäologie, die nur wenige hundert Unterschriften erhält, eine fatale Außenwirkung weit über Saarbrücken hinaus hätte. Doch Erfolg kann nur haben, wer realistische Lösungen aufzeigt, die Veränderungen gegenüber dem Vorherigen mit sich bringen und auch die Sparzwänge der Universitätsleitung zur Kenntnis nehmen. Daher hatten wir zugleich die Initiative zu Gesprächen ergriffen, die zugleich auf Veränderungen – auch Einsparungen – und auf einen Erhalt von universitärer Archäologie im Saarland zielten.

Stand Herbst 2015
Im Herbst 2015 klang der Saarbrücker Protest aus. Die beiden aus Saarbrücken heraus gestarteten Petitionen erreichten bis zu ihrem Abschluss 1.710 (Klass. Arch.) bzw. 2.450 (Vor- und Frühgeschichte) Unterschriften. Weder Universität noch Landesregierung nahmen das Gesprächs- und Beratungsangebot der beiden großen Fachgesellschaften DGUF und DArV an. Vielmehr meldeten die Petenten seitens der Vor- und Frühgeschichte am 20.7.2015 über ihre Petitionsplattform, das Fach sei in Saarbrücken gerettet, es werde eine W2-Professur für Ur- und Frühgeschichte sowie eine W1-Stelle für Klassische Archäologie erhalten bleiben (siehe DGUF-Newsletter vom 31.7.2015 Punkt 4.3.). Mitte August 2015 brach die Universität indes förmlich das schwebende Besetzungsverfahren um die W2-Professur für Vor- und Frühgeschichte ab und unterrichtete darüber alle Bewerber, während Prof. Echt auch über die Altersgrenze hinaus den Lehrbetrieb und damit das Fach in Saarbrücken bis auf weiteres aufrecht erhielt.

Stand Winter 2016/2017
Anfang November 2015 hatte der in Saarbrücken zuständige Fakultätsrat die Neuausschreibung der W2-Professur für Vor- und Frühgeschichte beschlossen. Im Juni 2016 erreichte die Nachricht die DGUF, dass nach einem längeren Instanzenweg eine W2-Professur für Vor- und Frühgeschichte gesichert sei und neu ausgeschrieben werden soll, was dann auch geschah. Das Verfahren zur Besetzung der W2-Professur führte zu Einladungen an fünf Bewerber zu Bewerbungsvorträgen (6.2.2017). Über die weitere Entwicklung bei der Klassischen Archäologie war der DGUF bis Jan. 2017 nichts bekannt.

 

Stand: Januar 2017

Urgeschichte, Vorgeschichte und andere Archäologien: Eine Begriffsklärung
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