Die turbulente kulturpolitische Lage in den späten 1960er Jahren machte auch vor der Ur- und Frühgeschichte als Wissenschaft nicht halt: Junge Forscher setzten sich das Ziel, verkrustete Strukturen aufzubrechen und das Fach durch neue Diskussionen zu beleben; allerdings blieben diverse Bemühungen ohne konkrete Ergebnisse.
Doch bereits vor 1968 hatte sich eine bundesweite Arbeitsgruppe aus Fachstudenten - der sogenannte Schleswiger Kreis - etabliert, die ihr Augenmerk verstärkt auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Nachbarwissenschaften richtete und sich dadurch neue Impulse für das eigene Fach und die Ausbildung erhoffte. Zum damaligen Zeitpunkt ahnte man noch nicht, daß daraus eine große, ständig wachsende Gesellschaft werden sollte.
Zur Initialzündung kam es Anfang 1969, als ein bundesweiter Aufruf an die Universitäten erging zur Wiederbegründung der "Gesellschaft für deutsche Vorgeschichte" - der Kossinna'schen Mannusgesellschaft, die maßgeblich am Mißstand der Urgeschichtsforschung zur Zeit des Nationalsozialismus beteiltigt gewesen war. Aufgeschreckt von dieser Ankündigung erkannte die Arbeitsgruppe die Dringlichkeit zu handeln. Die spontane Bonner Gründungsversammlung fand unter Teilnahme von ca. 15 Studenten und jüngeren Wissenschaftlern der Institute Köln, Marburg und Freiburg statt. Man beschloß, den Verein / die Arbeitsgruppe umzubenennen in "Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte" und, um einen Mißbrauch des Namens zu verhindern, sofort in das Vereinsregister Bonn eintragen zulassen. Der Grundstein war gelegt, und nach einigen kleinen Anlaufschwierigkeiten wurde schließlich eine "wirkliche" Gründungsversammlung in Tübingen veranstaltet: der Vorstand wurde gewählt, und die anlaufende Produktion einer eigenen Zeitschrift (Archäologische Informationen) beschlossen.
Im Laufe der Jahre durchlebte die DGUF viele Höhen und Tiefen, doch letztendlich ist es dank der unermüdlichen Initiative besonders tatkräftiger Mitglieder gelungen, die Gesellschaft fest zu etablieren.
Seit 1995 ist die Gesellschaft Mitglied im FORUM (Europäisches FORUM der Altertums- und Denkmalschutzvereine).
Eine Liste der Vorstände der DGUF seit der Gründung finden Sie hier.
* Diese Schilderung basiert auf: W. Schwellnus, Bemerkungen zur Entstehung und zum Standort der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte. Archäologische Informationen 13 (1), 1990, 6-9.