"Junge
Archäologen der Altmark e.V."
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Laudatio
von Dr. Henning Hassmann
Aus der Fülle der hochkarätigen Vorschläge für die nächste Auszeichnung wurde eine deutliche Wahl getroffen. Der zum zweiten Mal verliehene Deutsche Archäologiepreis geht in diesem Jahr an den Verein Junge Archäologen der Altmark". Der Verein engagiert sich insbesondere mit Kindern und Jugendlichen auf dem weiten Feld der Archäologie in ihrer Heimat, der Altmark. Dieser nördliche Bereich Sachsen-Anhalts liegt an der Grenze nach Niedersachsen, genau in der Mitte zwischen Bremen und Berlin. Die Altmark ist besonders reich an archäologischen Denkmälern. Besonders hervorzuheben ist die große Zahl hier noch gut erhaltener, obertägig sichtbarer Bodendenkmäler, vor allem eine Fülle von Megalithgräbern. Am 15. März 1972 gründete der Geschichtslehrer Hartmut Bock mit sieben Schülern an der Oberschule Stöckheim eine Schülerarbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Archäologie ihrer Heimat. Unterstützt wurde die Gruppe vom damaligen Bezirksbodendenkmalpfleger Dr. Johannes Schneider. Die Gruppe wuchs und wuchs und fusionierte 1991 mit der benachbarten Arbeitsgemeinschaft Junge Historiker" in Kleinau unter Leitung von Otto Mewes zum Verein junge Archäologen der Altmark e.V. Das in diesem Jahr gefeierte 30jährige Bestehen der Jugendarbeitsgemeinschaft ist Kennzeichen einer beeindruckenden Kontinuität in der Arbeit. Die DGUF ist sich der Tatsache bewusst, dass es auch andere Gruppen gibt, die durch langjähriges und kontinuierliches Engagement Großes leisten. Insofern vergeben wir den Preis in gewisser Weise auch pars pro toto", um auf den für die archäologische Denkmalpflege nicht wegzudenkenden ehrenamtlichen Einsatz hinzuweisen. Bedeutend an den Jungen Archäologen ist aber die konsequente Verbindung von Jugendarbeit und Archäologie. Allein die über Jahre hin erfolgreiche Jugendarbeit verdiente bereits eine Auszeichnung. Bezeichnend ist zudem, dass die Gruppe der Jungen Archäologen trotz der enormen Umstellung nach der Wende nicht wie fast alle anderen Arbeitsgemeinschaften zerfallen ist, sondern gerade in den wirren Zeiten der Neu- und Umorientierung in der Archäologie Aufgabe und Halt gefunden hat. Bemerkenswert erscheint auch die Tatsache, dass es zu DDR-Zeiten gelungen ist, durch die Beschäftigung mit dem Nischenbereich Ur- und Frühgeschichte staatlicher Vereinnahmung weitestgehend zu entgehen, indem man sich in das staatliche System der Jugendförderung eingefügt und sogar von der Förderung des sozialistischen Staates profitiert hat, aber stets eine sachliche und ganz an der Ur- und Frühgeschichte orientierte Arbeit geleistet hat. |
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Diese drei Jahrzehnte währende erfolgreiche Arbeit der Jungen Archäologen konnte nur dadurch gelingen, dass den Mitgliedern wirklich etwas geboten wurde und wird. Es liegt wohl auch in der Persönlichkeit des Gründers, Hartmut Bock, der es versteht, bei den Kindern und Jugendlichen diese nachhaltige Begeisterung auszulösen.
Die Jungen Archäologen haben sich selbst folgende Aufgaben gestellt:
Pflege und Kontrolle geschützter Bodendenkmäler. Die noch obertägig erhaltenen archäologischen Denkmäler bedürfen der ständigen Pflege. Durch das regelmäßige Entfernen von Unkraut, Gestrüpp und Müll werden z.B. die Megalithgräber in einem hervorragendem Zustand gehalten. Beschilderungen machen die Denkmäler auch für Touristen noch attraktiver.
Kontrolle von Bodenaufschlüssen und Notbergungen. In der Baustellenbeobachtung liegt ein enormes Potenzial für den archäologischen Erkenntnisgewinn, das nur durch diese ehrenamtliche Tätigkeit genutzt werden kann. Diese Kontrollen sind die ideale Ergänzung der professionellen Grabungstätigkeit durch die staatliche Denkmalpflege
Flurbegehungen zur Sicherung bekannter und Auffindung neuer Fundstellen. Regelmäßige Begehungen überpflügter Äcker präzisieren das Bild bekannter und führen zur Entdeckung vieler neuer Fundstellen. Die Tätigkeit der Jungen Archäologen haben unser Bild der archäologischen Kulturlandschaft in der Altmark erheblich verdichtet.
langfristig geplante Rettungsgrabungen mit Aufarbeitung und Publikation. Dank der hohen Qualifikation der Jungen Archäologen auf grabungstechnischem Gebiet ist die Gruppe in der Lage, in enger Abstimmung mit dem Landesamt in Halle auch eigene Rettungsgrabungen durchzuführen. Darunter befinden sich Fundplätze von herausragender Bedeutung
Öffentlichkeitsarbeit durch Vorträge und Zeitungsartikel. Die enorme Medienresonanz in der Region geht auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit der Jungen Archäologen zurück. Die Jugendlichen halten Vorträge in Schulen und Dorfgasthöfen, Hunderte von Interessierten werden über Grabungen und zu Bodendenkmälern geführt. So sind die Jungen Archäologen auch Anlaufstelle für Hinweise aus der Bevölkerung. Bemerkenswert ist die große Zahl an wissenschaftlichen und populären Publikationen, die durch Unterstützung durch die Vereinsmitglieder oder sie selbst entstanden sind
fachliche Weiterbildung der Mitglieder durch Vorträge und Tagungen Die hohe Qualifikation der Jungen Archäologen ist Ergebnis einer dauerhaften und intensiven Schulung der Mitglieder im Verein und durch Fachleute aus den Museen und der staatlichen Denkmalpflege
Weiterbildung und Förderung des Vereinslebens durch Fahrten und Exkursionen. Die Exkursionen dienen nicht nur der Fortbildung und dem Erlebnis, sondern die Reisen eröffnen bei den Jugendlichen neue Perspektiven und schaffen den Raum für eine weltoffene Sicht auf eine grenzübergreifende Kulturlandschaft
Diese Vereinsziele sind keine leeren Worthülsen, sondern jeder einzelne Aspekt lässt sich anhand der enormen Leistungsbilanz dreißigjähriger Tätigkeit eindrucksvoll belegen. Seit der Gründung treffen sich die Aktiven einmal wöchentlich zur Schulung, zur Fundbearbeitung und Auswertung der Ergebnisse ihrer Arbeit. Höhepunkte der Arbeit sind die jährlich stattfindenden Ausgrabungen und die Exkursionen, die die Jugendlichen in heimische und ferne Kulturlandschaften führen.
Die Qualität der Arbeit ist durch die sehr gute Betreuung durch den eigenen Verein und durch die Institutionen der kommunalen und staatlichen archäologischen Denkmalpflege gewährleistet. Die enge Zusammenarbeit mit dem zuständigen Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle wurde nach der Wende mit dem Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Sachsen-Anhalt in Halle und der Außenstelle in Magdeburg noch intensiviert.
In den 70er und 80er Jahren waren die Jungen Archäologen eine feste Größe in der personell unzureichend besetzten archäologischen Denkmalpflege der Altmark. Zwar sind die Rahmenbedingungen für die Archäologie nach der Wende besser geworden, aber aus dem Bauboom der 90er Jahre resultiert eine erneute Herausforderung für die archäologische Denkmalpflege, der sich die Jungen Archäologen in ihrem Arbeitsfeld mit erheblichem persönlichem Einsatz erfolgreich stellen.
Damit leisten die Jungen Archäologen einen wichtigen Beitrag für die Archäologie in der Region und ergänzen die amtliche archäologische Denkmalpflege in erheblichem Umfang.

Durch die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in die Arbeit entsteht eine große Nachhaltigkeit und eine Langzeitwirkung. Viele, die als Schüler zu den Jungen Archäologen kamen, sind der Gruppe auch nach Beendigung der Schulzeit treu geblieben, haben Aufgaben im Verein übernommen und unterstützen die archäologische Jugendarbeit. Inzwischen betreuen Väter, die als Schüler in die Arbeitsgemeinschaft gelangten, die Generation ihrer Kinder im Verein. Die Nachhaltigkeit lässt sich aber nicht nur in der Generationen währenden Bindung der Mitglieder ablesen, sondern das bei den Kindern geweckte Interesse an der Archäologie wirkt im späteren Berufsleben nach und sorgt damit für eine hohe Akzeptanz der Bodendenkmalpflege in den verschiedensten Bereichen.
Mit der Verleihung des Deutschen Archäologiepreises an die Jungen Archäologen der Altmark" möchte die DGUF erneut darauf aufmerksam machen, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Archäologie ist. Der Preisträger gibt zugleich ein Beispiel für eine sinnvolle und erfolgreiche Jugendarbeit, das bundesweit Schule machen sollte.
Diese Seite wurde erstellt von Gisela Schulte-Dornberg, Stand 02. August 2002