Der Deutsche Archäologiepreis wurde 1999 zum ersten Mal verliehen. Ausgezeichnet wurden
Prof. Dr. Irwin Scollar und Frau Dipl.-Math. Irmela Herzog.
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Prof. Dr. Irwin Scollar
wurde 1928 in New York geboren. Nach Studium mit Bachelor und Master-Abschluß
und anschließendem Volontariat kam er Mitte der 1950er Jahre nach Europa, wo
er 1959 in Edinburgh aufgrund einer Studie über die Michelsberger Kultur und
ihre Regionalisierung promovierte. Seit 1959 bis zu seiner Pensionierung war
er am Rheinischen Landesmuseum in Bonn angestellt. Ab 1980 lehrte er außerdem
regelmäßig an der Universität Köln; 1989 wurde er dort zum Honorarprofessor
ernannt.
Wichtige Tätigkeitsfelder in Bonn waren die Luftbild-Archäologie
und die Geophysikalische Prospektion. Als Pionier machte er
sich verdient um die systematische Anwendung und Nutzbarmachung dieser Prospektions-Methoden
für die Archäologie in Deutschland. So entwickelte Prof. Scollar ein "Differential-Protonen-Resonanz-Magnetometer",
mit dessen Hilfe archäologische Fundstellen auch ohne Ausgrabung sichtbar gemacht
werden können. Die digitale Bildverarbeitung, die er am Rheinischen
Landesmuseum in Bonn aufbaute, erleichterte die Auswertung der Ergebnisse von
Luftbild-Archäologie und geophysikalischer Prospektion.
Ein wichtiger Beitrag zur Bodendenkmalpflege ist die "Bonner Bodendenkmälerdatenbank",
die Prof. Scollar entwickelte und aufbaute. Darin entwickelte er ein grundlegendes
Konzept von Fundstellenverwaltung und Kartenintegration per EDV, was die Verwaltung
einer ständig wachsenden Zahl von archäologischen Fundstellen erleichterte.
Das Konzept wurde 1985 vom Verband der Landesarchäologen als maßgeblicher Standard
für die Bundesrepublik Deutschland empfohlen.
Ein weiteres EDV-Werkzeug für Archäologen stammt ebenfalls aus seiner Feder
und erreichte weltweite Bekanntheit: Das "Bonn Archaeological and
Statistics Package" (BASP). Es ermöglicht die EDV-unterstützte
Ordnung von Funden mithilfe eines Seriationsverfahrens.
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Das
Werk der zweiten Preisträgerin, Diplom-Mathematikerin Irmela Herzog,
ist eng mit dem Werk von Prof. Scollar verknüpft. Sie wurde in den 1960er Jahren
in Bonn geboren und studierte dort von 1981-1987 Mathematik. Schon in dieser
Zeit arbeitete sie häufiger bei Prof. Scollar. Ihre Diplomarbeit beschäftigte
sich mit "Einer Bewertungsmethodik bei der mathematischen Entzerrung von
Schrägluftbildern". 1988 wurde sie als wissenschaftliche Referentin in
der EDV-Abteilung des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege angestellt, wo
sie bis heute arbeitet.
Oft war es Frau Herzog, die für Probleme und Ideen, die Prof. Herzog aufwarf,
die mathematischen Lösungen lieferte und sie in Computerprogramme umsetzte.
Sie schuf ein spezielles Clusterverfahren zur Verknüpfung von inhaltlichen und
räumlichen Daten, das heute unter dem Namen "Gemeinsame Nachbarschaftsgruppierung"
Teil des Programmpaketes BASP ist. Ebenfalls Teil des BASP ist ihr Programm
zur Lösung großer Harris-Matritzen. Das Konzept der Harris-Matrix wurde
1979 von Edward C. Harris entwickelt, es ist ein Verfahren, mit dem komplexe
archäologische Stratigraphien auf ihre innere Logik geprüft und abstrakt dargestellt
werden können. Auch hier lieferte Irmela Herzog den mathematischen Ansatz zur
EDV-technischen Lösung des Problems, wofür sie als einzige die Zustimmung des
Erfinders der Harris-Matrix fand.
Die von Scollar initiierte Bonner Bodendenkmälerdatenbank wird
heute wesentlich von Irmela Herzog realisiert und gepflegt und dient als praxiserprobtes
Modell für Programme anderer Denkmalämter.
Sowohl Prof. Irvin Scollar als auch Irmela Herzog haben ihr Wissen und ihre Erfahrungen immer wieder an andere vermittelt und mit Rat und Tat zur Lösung von Problemen beigetragen. Seinen Niederschlag fand das nicht nur in zahlreichen Lehrveranstaltungen und Tutorien, sondern auch in ihrem Lehrbuch zur Prospektion: "Archaeological Prospecting and Remote Sensing" (1990), das als Standardwerk in dem Bereich gelten kann.
Diese Seite wurde erstellt von Gisela Schulte-Dornberg, Stand 02. August 2002