Am 1. Februar 2005 verstarb in Schleswig nach langer schwerer Krankheit Dr. Jürgen Hoika (geb. 4. Juni 1941 in Oranienburg). Sein Tod kam überraschend, da er auf einem langsamen Wege der Erholung war und in diesen Wochen wieder aktiver an den Geschehnissen in der DGUF teilnahm und zugleich künftige wissenschaftliche Arbeiten plante.
Jürgen Hoika studierte in Köln und Marburg Ur- und Frühgeschichte und promovierte 1970 bei Hermann Schwabedissen in Köln über "Die mittelneolithische Trichterbecherkultur auf der Halbinsel Wagrien und ihre Beziehungen zu Dänemark". Nach dem Studium ging er an das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum in Schleswig, wo er bis zu seiner Erkrankung im Jahr 2002 tätig war. Seine Forschungsschwerpunkte galten weiterhin der Trichterbecherkultur und der Neolithisierung des nördlichen Europa, aber auch fachpolitische und wissenschaftstheoretische Probleme gehörten zu seinen vornehmlichen Interessen. Seine wissenschaftliche Tätigkeit hat er in zahlreichen Publikationen dokumentiert. Jürgens Geradlinigkeit, sein scharfer Verstand, seine Zuverlässigkeit, seine Menschenfreundlichkeit und sein breit gefächertes wissenschaftliches, politisches und soziales Engangement machten ihn zu einem beliebten und geschätzten Freund und Kollegen - zuhause, in Deutschland und in Europa.
Jürgen Hoika war von 1991 bis 1995 stellvertretender Vorsitzender und
von 1995 bis 1997 Vorsitzender der DGUF. Er hat in diesen Funktionen die Gesellschaft
wesentlich geprägt und zu ihrer Stabilisierung beigetragen.
Seine reiche Erfahrung setzte er in viele Anregungen um, die Strukturen der
DGUF und die internen Abläufe besser zu ordnen. Auf seine Initiative hin
wurde dem Vorstand ein wissenschaftlicher Beirat an die Seite gestellt, um der
Gefahr allzu grosser "Inzucht" zu entgehen und neue Ideen sowie Ratgeber
und Aktivisten für die DGUF zu gewinnen. Ein wesentliches Anliegen war
ihm die Stiftung des "Deutschen Archäologiepreises", den er im
Vorstand mit großem Beharrungsvermögen durchsetzte, und zu dessen
Stiftungskapital er persönlich beitrug. Oft hat er unsere Tagungen durch
eigene Beiträge oder Anregungen dazu wesentlich mitgestaltet, wobei er
auch aus seinen weitreichenden persönlichen Kontakten schöpfte, über
die er uns interessante Vortragende aus den Regionen jenseits des ehemaligen
"eisernen Vorhangs" vermittelte. Im Mai 2001 lud er unsere Jahrestagung
nach Schleswig ein, deren Thema "Gräber: Spiegel des Lebens?"
und Programm er entscheidend gestaltet hatte. Die ihm folgenden Vorsitzenden
fanden in ihm als Mitglied des Beirates, dem er bis zu seinem plötzlichen
Tod angehörte, einen verlässlichen und guten Ratgeber.
Jürgen, wir vermissen Dich !
Prof. Dr. Frank Siegmund & Dr. Werner Schön
Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte möchte zum Gedenken an Dr. Jürgen Hoika eine Schrift herausgeben. Alle KollegInnen sind herzlich eingeladen, sich mit Beiträgen daran zu beteiligen. Um Zusendung von Manuskripten bitten wir bis zum 30. April 2006 an Dr. Werner Schön, An der Lay 4, 54578 Kerpen-Loogh .
Vom 5. bis 8. Mai fand die Jahrestagung der DGUF auf Einladung von Frau Dr.
Mathilde Grünewald im Museum im Andreasstift in Worms statt. Das Tagungsthema
und das attraktive Rahmenprogramm lockte zahlreiche Teilnehmer aus ganz Deutschland
herbei. Durch das interessante Vortragsprogramm, das unterschiedlichste Themen
mit verschiedenen wissenschaftlichen Schwerpunkten einschloß, wurde ein
breites methodisches und chronologisches Spektrum abgedeckt. Am Freitag Nachmittag
wurde der Deutsche Archäologie-Preis an die archäobotanische Arbeitsgruppe
NRW verliehen. Abends berichtete Prof. Dr. Christopher Pare aus Mainz in einem
öffentlichen Vortrag über neue Forschungsergebnisse zu den Fürstengräbern
der Hallstattzeit. Nach einer - trotz widrigen Wetters - schönen Exkursion
zu archäologischen Denkmälern der Pfalz unter der Leitung von Dr.
Andrea Zeeb-Lanz von der Bodendenkmalpflege in Speyer wurde am Samstag Abend
ein von Mathilde Grünewald kreiertes Zeitreise-Menü offeriert, das
einen weiteren Höhepunkt des Programms darstellte.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser erfolgreichen Tagung, für deren
Gelingen wir allen Beteiligten ganz herzlich danken, werden in Band 28/1, 2005,
der Archäologischen Informationen veröffentlicht.
Dr. Werner Schön
Seit Beendigung der Zusammenarbeit mit dem HOLOS-Verlag in Bonn, bei dem die Archäologischen Berichte 3 bis 7 veröffentlicht wurden, erscheint die von der DGUF herausgegebene Monographien-Reihe ab Band 8 wieder in Kommission beim Verlag Dr. Rudolf Habelt, Bonn, wie dies schon für die beiden ersten Publikationen der Fall gewesen ist. Um den Schriftleiter zu entlasten, wird die Herausgabe der Archäologischen Berichte weiterhin von Birgit GEHLEN betreut. Interessierte AutorInnen und LeserInnen mögen sich auch in Zukunft mit Manuskriptvorschlägen und Bestellungen an sie richten (Dr. des. Birgit Gehlen, Archäologie & Graphik, An der Lay 4, D-54578 Kerpen-Loogh, Tel. 06593 / 98 96 42, Fax 989643, e-mail: bgehlen.archgraph@t-online.de).
Derzeit wird folgendes Verfahren bei der Übernahme eines Werkes zur Veröffentlichung angewandt: Nach Annahme des Manuskriptes für die Publika- tion in der Reihe Archäologische Berichte durch den Vorstand der DGUF müssen die AutorInnen selbst für die Anfertigung der Druckvorlage Sorge tragen. Richtlinien für die Gestaltung der Publikation werden von Birgit Gehlen ausgegeben. Die Archäologischen Berichte werden entweder im Offset-Druck oder direkt vom Datenträger auf gutem Graphikpapier in Auflagen von 200 bis 300 Exemplaren hergestellt. Die AutorInnen finanzieren mit dem Ankauf von 40 Exemplaren ihres Werkes zum reduzierten Preis und einer einmaligen Bearbeitungspauschale von derzeit Euro 150,00 einen Teil der Herstellungskosten; den größeren Teil übernimmt die DGUF in Vorleistung. Nach diesem Verfahren wurden seit 1997 die Bände 8-18 herausgegeben. Zuletzt erschien die Dissertation von Thorsten Uthmeier über das Micoquien, Aurignacien und Gravettien in Ba-yern. Weitere Monographien sind in Vorbereitung. Bitte beachten Sie auch die DGUF-Anzeigen in diesem Band. Als Herausgeber hoffen wir, mit der Reihe Archäologische Berichte weiterhin die Voraussetzungen schaffen zu können, einer größeren Zahl von ArchäologInnen ein preiswertes und gut erreichbares Forum für die Verbreitung ihrer Arbeiten zu bieten. Interessierte AutorInnen werden hiermit gebeten, nähere Auskünfte bei Birgit GEHLEN einzuholen.
Dr. des. Birgit Gehlen
Folgende Bücher wurden der Redaktion zur Rezension in den Archäologischen
Informationen angeboten.
Interessierte RezensentInnen melden sich bitte bei Andrea ZEEB-LANZ.
M. ARSLAN: Galater. Die vergessenen Kelten. Scheidegg 2004.
S. BERGMANN, S. KÄSTNER & E.-M. MERTENS (Hrsg.): Göttinnen, Gräberinnen und gelehrte Frauen. Frauen - Forschung - Archäologie 5. Münster/New York/München/Berlin 2003.
B. BÄBLER: Archäologie und Chronologie. Eine Einführung. Darmstadt 2004.
S. BRATHER: Ethnische Interpretation in der frühgeschichtlichen Archäologie. Geschichte, Grundlage und Alternativen. Berlin/New York 2004.
I. GÖRNER: Die Mittel- und Spätbronzezeit zwischen Mannheim und Karlsruhe. Fundber. Baden-Württemberg 27, 2003: 79-280.
P.G. GUZZO (Hrsg.): Pompeji. Die Stunden des Untergangs. 24. August 79 n. Chr. Stuttgart 2004.
V. KARAGEORGHIS & S. ROGGE (Hrsg.): Junge zyprische Archäologie. Schriften d. Institutes f. Interdisziplinäre Zypern-Studien 2. Münster/New York/München/Berlin 2004.
Th. KLEIN: Wege zu den Kelten. 100 Ausflüge in die Vergangenheit. Stuttgart 2004.
G. KREMER: Das Heiligtum des Jupiter Optimus Maximus auf dm Pfaffenberg/Carnuntum, Band 2. Wien 2004.
W. KOM: Mesopotamien - Wiege der Zivilisation. 6000 Jahre Hochkulturen an Euphrat und Tigris. Stuttgart 2004.
M. KUCKENBURG: Die Kelten in Mitteleuropa. Stuttgart 2004.
F. LÜTH, Th. MAARLEVELD & F. RIECK (Hrsg.): Tauchgang in die Vergangenheit. Unterwasserarchäologie in Nord- und Ostsee. Sonderband Archäologie in Deutschland. Stuttgart 2004.
D. MAIER: Siedeln und Leben am Rande der Welt. Zwischen Steinzeit und Mittelalter. Sonderband Archäologie in Deutschland. Stuttgart 2003.
G. MARKL & S. LORENZ (Hrsg.): Silber, Kupfer, Kobalt. Bergbau im Schwarzwald. Filderstadt 2004.
A. PASTOORS & G.-C. WENIGER (Hrsg.): Bilder im Dunkeln. Höhlenkunst der Eiszeit. Die Sammlung Wendel. CD-ROM. Stuttgart o.J.
H. SCHRÖCKE: Indogermanen, Germanen, Slawen. Ihre Wurzeln im mittel- und osteuropäischen Raum. Kiel 2003.
A. WILLEMSEN: Wikinger am Rhein 800-1000. Begleitbuch zur Ausstellung Bonn 2004. Stuttgart 2004.
Zusammenfassung - Das vorliegende "moderne Märchen" erzählt
von der Rolle der Archäologie bei einem imaginären linearen Großbauprojekt.
Es stellt einen modellhaften Ablauf vom Planungsbeginn bis zur Veröffentlichung
der Forschungsergebnisse dar und verknüpft ihn mit den in der Zukunft möglichen
politischen und legislativen Entwicklungen in Deutschland und Europa. Eine wesentliche
Rolle kommt dabei der integrativen Beteiligung des gesamten Netzwerkes Archäologie
zu.
Der Autor, Mitglied im AK 2 "Archäologie als Wirtschaftsfaktor - Wissenschaft
als Dienstleistung" der DGUF, arbeitet in dieses Märchen Ergebnisse
der Studie des AK 2 "Archäologie in Großbauprojekten" ein.
Er stellt auf dieser Basis fest, daß die Beteiligung der Archäologie,
wie sie in dem imaginären Projekt beschrieben wird, keine Darstellung einer
Utopie ist. Das beschriebene Vorgehen wurde, wenn auch mit Einschränkungen
bei der Baubegleitung, bei einigen Streckenabschnitten in dem durch den AK 2
untersuchten Vorhaben praktiziert. Stellt dieses Vorgehen ein "best practice"
Beispiel dar, so verdeutlicht es gleichzeitig die Defizite, die bei der Beteiligung
der Archäologie bei Großbauprojekten in Deutschland noch vorhanden
sind.
Schlüsselwörter - Archäologie in Großbauprojekten, UVP, Genehmigungsverfahren, Integration, Netzwerk Archäologie, best practice
Abstract - The present "modern fairy tale" tells about the role of
archaeology in an imaginary linear large construction project. It describes
a model of course from the planning to the publication of the results of research
and links it with the future political and legislational developments in Germany
and Europe. An important part comes up to the integrative participation of the
entire archaeological network.
The author, member of the Working Group 2 "Archaeology as Economic Factor
- Science as a Service Rendered" of the DGUF integrates the results of
the study of the WG 2 "Archaeology in large construction projects"
in this fairy tale. Based on it he determines that the participation of archaeology
as it is described in the imaginary project is not an unrealistic description.
The described procedure was practiced in some sections of the line in the project
investigated by WG 2, with some reductions in accompaniment of construction.
If this procedure is a good example, it simultaneously illustrates the deficits
still existing in participation of archaeology in large construction project
in Germany.
Key words - Archaeology in large construction projects, "UVP", approval procedures, integration, archaeological network, best practice
Dipl.-Geogr. Max Langenbrinck
Freies Institut für Bauforschung
und Dokumentation e.V. (IBD)
Barfüßerstraße 2a
D - 35037 Marburg
ibd-marburg (at) t-online.de
Zusammenfassung - In der Lommatzscher Pflege, einem Teilgebiet des mittelsächsischen
Lößhügellandes zwischen Döbeln, Meißen und Riesa,
ist das Archiv im Boden seit Jahrzehnten einem schleichenden Zerstörungsprozeß
durch intensive ackerbauliche Nutzung und Bodenerosion ausgesetzt. In dieser
seit der Linienbandkeramik genutzten Altsiedellandschaft treffen hervorragende
naturräumliche Standortbedingungen und spezifische Strukturmerkmale der
Landwirtschaft so zusammen, daß sich das Problem der Erhaltung archäo-logischer
Kulturdenkmäler mit besonderer Schärfe stellt.
Am Beispiel dieser fruchtbaren Lößlandschaft sollen beispielhaft
neue Wege zum Schutz der Archivfunktion des Bodens bzw. einer nachhaltigen archäologischen
Substanzerhaltung beschritten und Maßnahmen substanzschützender Erosionsprävention
in Kooperation mit regionalen Partnern in Landwirtschaft, Kommunen, Verbänden
und Behörden entwickelt und umgesetzt werden. Voraussetzung dafür
ist eine Auswahl und Evaluierung erhaltungswürdiger archäologischer
Kulturdenkmäler.
Unter Berücksichtigung des fachlichen und gesetzlichen Handlungsrahmens
sowie der Förderprogramme des Freistaates Sachsen ("Umweltgerechte
Landwirtschaft") werden Lösungsschritte in jedem Fall interdisziplinär
und auf die gemeinsamen Schutzziele ausgerichtet sein müssen - insbesondere
aufgrund der Vielfalt und Komplexität von Schutzaufgaben im Schnittfeld
von Natur-, Landschafts-, Boden- und Denkmalschutz.
Die Adressaten förderpolitischer staatlicher Steuerung sind dabei in die
Steuerung selbst einzubeziehen und an der Planung standort-bezogener Schutz-
und Entwicklungsziele zu beteiligen, da eine Realisierung letztendlich von der
Zustimmung lokaler Akteure, also von den Mitwirkungsmöglichkeiten für
Landeigentümer und Landwirtschaftsbetriebe abhängt. Freiwilligkeit
und Kooperationsbereitschaft beruhen nicht zuletzt auf der Identifikation mit
der Geschichte einer Kulturlandschaft, die durch eine objekt- und standortbezogene
Wissensvermittlung teilweise erst wieder geweckt werden muß.
Wie neue Wege zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit im Schnittfeld von
Landwirtschaft, Boden-, Natur- und Denkmalschutz eingeschlagen werden können,
ist Gegenstand eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten
Vorprojektes "Konzepte und Maßnahmen zum Schutz archäologischer
Kulturdenkmäler auf ackerbaulich genutzten, erosionsgefährdeten Flächen
in der Lommatzscher Pflege", in dem landwirtschaftliche Betriebe und staatliche
Stellen zusammenwirken. Da das Projekt auf ordnungsrechtliche Maßnahmen
verzichtet und dem Prinzip der Freiwilligkeit verpflichtet ist, sind effektive
Mitwirkungsmöglichkeiten zu schaffen und konsensbildende Beteiligungsstrukturen
zwischen Landwirtschaft und Behörden aufzubauen.
Schlüsselwörter - Sachsen, Lommatzscher Pflege, Landwirtschaft, Kulturlandschaft, Erosion, Nachhaltigkeit, Archivfunktion des Bodens, Auswahl und Bewertung archäologischer Fundstellen, Freiwilligkeit, Kooperation, Teilhabe, teilflächengesteuerte Landwirtschaft.
Abstract - In the Lommatzscher Pflege, a part of the middle Saxon Loess-Hill
region between Döbeln, Meißen and Riesa, the archive of the soil
has been exposed to a creeping decline through intensive agricultural use and
soil erosion for years. This cultural landscape which has been cultivated since
the linear pottery culture benefits from excellent natural conditions of location
and specific structural features of its agriculture, so that the problem of
the preservation of archaeological monuments arises with particular severity.
In this fertile loess-landscape it is illustrated how new means of the conservation
of the archive-function of the soil and a sustainable preservation of archaeological
substance are taken and measures of erosion-preventing are developed and realized
in cooperation with regional partners in agriculture, local authorities and
societies. Yet in order to achieve this, a selection and evaluation of archaeological
sites worth preserving is required.
While considering the specific and legal frame of action as well as the promotion
programs of the Free State of Saxony ("sustainable agriculture") solutions
will have to be interdisciplinary and directed towards the common aims of protection-especially
because of the diversity and complexity of conservation at the centre of the
preservation of nature, landscape, soil and monuments. Those who benefit from
State-promotion are to be involved in its carrying out as well as in the planning
of location-related projects of protection and development, since a successful
realization depends upon the possibility of participation of the landowners
and agricultural businesses. However, the willingness to cooperate and work
voluntarily bases on the identification with the history of a cultural landscape.
This identification partly has to be revived through an object- and location-related
conveying of knowledge. How new ways for an effective co-operation in the centre
of agriculture, conservation of soil, nature and monuments could be found is
the subject of a project promoted by the Deutsche Bundesstiftung Umwelt: "concepts
and measures for protection of archaeological monuments on agricultural used
land, susceptible to erosion in the Lommatzscher Pflege". The project,
in which agricultural businesses and State-authorities work together, does not
involve regulatory proceedings and focuses on voluntary contributions. Therefore
it is important to create effective and consent-directed means for participation
between agriculture and authorities. (translated by Juliane Bartosch)
Keywords - Saxony, Lommatzscher Pflege, agriculture, cultural landscape, erosion, sustainability, archive-function of the soil, selection and evaluation of archaeological sites, voluntariness, cooperation, participation, precise farming
Dr. Reiner Göldner, Dr. Judith Oexle
und Dr. Michael Strobel
Landesamt für Archäologie
mit Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden
Zur Wetterwarte 7
D - 01109 Dresden
RGoeldner@archsax.smwk.sachsen.de
JOexle@archsax.smwk.sachsen.de
MStrobel@archsax.smwk.sachsen.de
Dr. Kerstin Hartsch
H&G GmbH
Gebauerstr. 2
D - 01189 Dresden
K.Hartsch-HuG (at) t-online.de
Zusammenfassung - Gemäß der gegenwärtigen niederländischen
Gesetzgebung, können archäologische Ausgrabungen nur durch öffentliche
Institutionen erfolgen, so etwa durch die staatliche Denkmalpflege (Rijksdienst
voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek), Universitäten und örtliche
archäologische Abteilungen (Stadt-Archäologen). Ab 2005 jedoch wird
ein neues Gesetz Ausgrabungen auf kommerzieller Basis erlauben, die von Privatfirmen
ausgeführt und nach dem Verursacherprinzip finanziert werden.
Um die archäologische Qualität in einem kommerziellen Umfeld zu garantieren,
müssen die Firmen eine Arbeitserlaubnis beim "Kollegium für archäologische
Qualität" (College voor de Archeologische Kwaliteit) beantragen und
garantieren, daß Mitarbeiter und Unternehmen in der Lage sind, die Geländearbeit
auszuführen und Ergebnisberichte nach professionellem Standard und vorgeschriebenen
Richtlinien zu erstellen. Alle kommerziellen Archäologen sind persönlich
einem Verhaltens-Kodex verpflichtet, der vom niederländischen Archäologenverband
aufgestellt wird. 2005 wird ein Register der professionellen Archäologen
erstellt sein, unter Berücksichtigung von Begutachtungen und einer Beschwerdekommission.
Schließlich wird die Staatliche Forschungsagenda für die niederländische
Archäologie Forschungsfragen formulieren, die als Leitlinie für die
Ausgrabungen dient. Archäologische Forschung im Maaswerken-Projekt - ein
Fluß-Umbau-Projekt über eine Flußlänge von 200 km entlang
der Maas - sind von ihrem Beginn an im Jahre 1997 auf ein bestimmtes Forschungsprogramm
im Rahmen des staatlichen Qualitätssicherungs-Management gestützt
gewesen. Für ein Großprojekt wie das der Maaswerken, sind solche
Rahmenbedingungen notwendig, um koherente und relevante wissenschaftliche Ergebnisse
von gleichbleibend hoher Qualität zu erzielen. Die Forschung ist auf Landschafts-Archäologie
mit einem regionalen Ansatz ausgerichtet anstatt einer Fundplatz-orientierten
Richtung.
Schlüsselwörter - Qualitätssicherung, niederländische Archäologie, Maaswerken-Projekt
Abstract - According to present Dutch legislation archaeological excavations
may only be executed by public institutions, such as the State Service for Archaeological
Heritage Management, Universities and Local Archaeological Departments (town
archaeologists). In 2005, however, a new Monument Act will allow excavations
on a commercial base, carried out by private companies, financed according to
the 'developer pays' principle. Since 1998 this principle has already been practised
in a provisional way, starting with large infrastructural projects.
In order to sustain archaeological quality in a commercial environment all commercial
firms must apply for a working license by the 'College for Archaeological Quality'
and prove that their staff and organisation is able to conduct fieldwork and
to produce reports according to a professional standard, using obligatory normative
guidelines. The quality is monitored by the "State Inspectorate for Archaeology".
Misconduct can lead to withdrawal of the license. All commercial archaeologists
are bound at a personal base to a code of conduct, maintained by the Dutch Association
of Archaeologists. In 2005 a Register of Professional Archaeologists will be
set up, involving peer review and a complaint commission.
Finally the 'National Research Agenda for Dutch Archaeology' will formulate
research questions, to be used for the 'programs of requirements' for excavations.
Archaeological research in the Maaswerken Project - a flood management project
with a length of 200 km along the river Maas - has been based since the beginning
in 1997 on a specific research program within the framework of the national
quality management system. For large scale projects like the Maaswerken this
is necessary in order to get coherent and relevant scientific results of an
all-over high quality. Research is focused on landscape archaeology with a regional
approach instead of a site focused bias.
Key words - Quality management, Dutch Archaeology, Maaswerken project
Drs. Henk Stoepker
Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek
Postbus 1600
NL - 3800 BP Amersfoort
Niederlande
h.stoepker (at) archis.nl
Abstract - Finds from prehistoric European sites show that fire was exclusively
produced on the basis of the percussion principle using sulphuric iron. Traditionally
a nodule of sulphuric iron from the Magdalenian of Trou de Chaleux in Belgium
is considered to be the oldest unambigous find. In 1934 a nodule of sulphuric
iron from the Aurignacian of the Vogelherd cave with definite traces of use
wear was published by G. Riek. Though this find is mentioned in the literature
relevant to the subject, it is described to lack traces of use. For the first
time the piece is described here in detail, and its importance as the oldest
known percussion lighter to date for the history of intentional firemaking in
European Prehistory is outlined. Additionally, the most important finds of sulphuric
iron are presented, among them one example which was hardly observed by science.
Keywords - Firemaking, lighter, Middle Palaeolithic, Upper Palaeolithic, Aurignacian, sulphuric iron, pyrite, marcasite, strike-a-light, tinder
Zusammenfassung - Fundstücke aus urgeschichtlichen Fundplätzen Europas belegen, daß Feuer ausschließlich unter Verwendung von Schwefelkies nach dem Perkussionsprinzip hergestellt wurde. Als ältester zweifelsfreier Fund gilt traditionell eine Schwefelkiesknolle aus dem Magdalénien vom Trou de Chaleux in Belgien. Im Jahre 1934 wurde eine aurignacienzeitliche Schwefelkiesknolle aus der Vogelherdhöhle von G. Riek veröffentlicht, die eindeutige Gebrauchsspuren aufweist. Zwar findet sich dieser Fund in der einschlägigen Literatur, wird aber als frei von solchen Spuren beschrieben. Das Stück wird hier erstmals detailliert vorgestellt und seine Bedeutung als ältestes bekanntes Schlagfeuerzeug für die Geschichte der intentionellen Feuererzeugung in der europäischen Urgeschichte herausgearbeitet. Ergänzend werden die wichtigsten bekannten Schwefelkiesfunde präsentiert, darunter auch ein von der Wissenschaft kaum berücksichtigtes Stück.
Schlüsselwörter - Feuererzeugung, Feuerzeug, Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum, Aurignacien, Schwefelkies, Pyrit, Markasit, Feuerschlagstein, Zunder
Jürgen Weiner M.A.
Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Außenstelle Nideggen
Zehnthofstr. 45
52385 Nideggen
juergen.weiner (at) lvr.de
Priv.-Doz. Dr. Harald Floss
Institut für Ur- und Frühgeschichte
und Archäologie des Mittelalters
Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Schloss
Burgsteige 11
D - 72070 Tübingen
harald.floss (at) uni-tuebingen.de
In memoriam Wolfgang Weißmüller
Zusammenfassung - Eine Voraussetzung zur Bildung von Mobilitätsmodellen
für steinzeitliche Gesellschaften ist der Aufbau von geoarchäologischen
Vergleichs- und Bestimmungssammlungen. In der archäologischen Praxis ergibt
sich hieraus die Notwendigkeit einer einheitlichen Systematik der makroskopischen
Rohmaterialbeschreibungen, sowie eines einheitlichen Beschreibungsschlüssels
für Aufschlüsse von Lagerstätten. Nur so sind Kooperationen verschiedener
geoarchäologischer Vergleichssammlungen auf gleichem Informationsniveau,
beginnend mit der Geländearbeit, der einheitlichen petrographischen Beschreibungen,
bis zur endgültigen Einordnung der Rohmaterialien in eine Handstücksammlung,
sowie deren identische Verwaltung zu gewährleisten. Beschreibungen der
Rohmaterialaufschlüsse, ihrer räumlichen Beziehungen, qualifizierende
und quantifizierende Angaben zu den Lagerstätten der verschiedenen Rohmaterialien,
aber auch Informationen zu Qualitäten und Quantitäten, der, z.T. in
einer Lagerstätte auftretenden verschiedenen Rohmaterial-Varietäten,
müssen mit dieser Sammlung über entsprechende Datensätze verknüpfbar
und abrufbar sein, wenn sie aktuellen Analysen gerecht werden sollen. Hierdurch
können, neben rein petrographischen, auch ökonomische und siedlungsarchäologische
Fragestellungen behandelt werden.
Schlüsselwörter - Grundlagenforschung, Methode, Geoarchäologie, Vergleichssammlung, Alpen, Voralpenland, Petrographie, Lagerstätte, Silex, Jura-Hornstein, Muschelkalk-Hornstein, Keuper-Hornstein, Radiolarit, Kieselschiefer, Lydit, Quarzit, Bergkristall, Quarz, Mobilität, Mesolithikum, Hochgebirgsarchäologie.
Abstract - A pre-condition for the creation of mobility models of Stone Age
societies is the building of Silex-raw-material collections enabling comparison
and classification. In archaeological practice this triggers both the necessity
to introduce a standardized systematic of macroscopic raw-material descriptions
and a standardized description key for information concerning cross-country
deposits. Only this makes possible a cooperation of different comparative geo-archaeological
collections, starting with cross-country work, standardized petrographic descriptions,
and continuing with the final classification of raw materials into a collection
of handpieces and their identical administration. Descriptions of information
derived from raw materials, their spatial relations, qualifying and quantifying
information concerning the deposits of various raw materials, but also information
on qualities and quantities of partially differing varieties of raw materials
within a deposit must be both linkable to corresponding data banks and retrievable
from these, if they want to meet up to date analysis standards. As a result,
not only purely petrographic, but also economic questions and questions about
settlement archaeology can be dealt with. The prescription key presented herein
has been fundamentally expanded for northern alpine deposits. It has been tested
in practice and can be both expanded and adapted to other conditions without
problems.
Keywords - basic research, methods, geo-archaeology, comparative collection, flint, chert, silex, raw material, Alps, petrography, deposit, Jurassic-hornstone, Muschelkalk-hornstone, Keuper-hornstone, radiolaryte, siliceous slate, Flysch-quartzite, lydite, quartzite, rock crystal, quartz, mobility, Mesolithic period.
Claus-Stephan Holdermann M.A.
Hochgebirgsarchäologie
Institut für Geologie und Paläontologie
Universität Innsbruck
Innrain 52
A - 6020 Innsbruck
Tel. ++43 (0) 512/507-5676
Stephan.Holdermann (at) uibk.ac.at
Zusammenfassung - Der vorliegende Bericht befaßt sich mit den Untersuchungen
von Tierknochenfunden aus den Grabungen Heidmoor, Grube-Rosenhof und Wangels
LA 505 im südlichen Schleswig-Holstein. Ziel dieser Untersuchung war es,
die auf den Knochenresten vorhandenen Werkzeugspuren zu dokumentieren, um hierdurch
Rückschlüsse auf die verschiedenen Zerlegungsverfahren der Tierkörper
ziehen zu können. Als Überblick erfolgte zunächst die Betrachtung
der Lage dieser Klingenritzungen im einzelnen und im Zusammenhang auf einem
Rothirschskelett, um deren mögliche Herkunft zu verstehen. Deutlich wurde
dabei auch, daß viele Faktoren bestehen, die Einfluß auf eine derartige
Analyse nehmen können. Insgesamt konnten aber etliche Unterschiede bei
der Zerlegung und Weiterverarbeitung von verschiedenen Tierarten von Fundplatz
zu Fundplatz herausgearbeitet werden. So ließen beispielsweise die Befunde
bei Fischottern und Haushunden den Schluß zu, daß man Fell und Fleisch
der Tiere nicht auf allen Fundplätzen gleichermaßen nutzte. Ebenso
wurden ungewöhnliche Zerlegungsmuster bei Schweinen und Hausschafen bzw.
Hausziegen festgestellt. Insgesamt verdeutlicht der Bericht, daß die tatsächliche
Verwendung bzw. Nutzung von Wild- und Haustieren aus archäologischen Knochenkomplexen
offensichtlich nur über eingehende Untersuchungen der Spuren auf den Resten
erfolgen kann.
Schlüsselwörter - Norddeutschland; Neolithikum; Fundplatz Heidmoor, Wangels, Grube-Rosenhof; Tierknochenuntersuchung; Schnittspuren-Analyse; Zerlegungstechnik; Fell- und Fleischnutzung.
Abstract - This paper presents an procedure to analyze cut marks on animal bone
finds from the excavations of Heidmoor, Grube-Rosenhof, and Wangels in the southern
Part of Schleswig-Holstein. The aim of the investigation was to document the
cut marks on bone remainders in order to find criteria for interpreting different
butchering practices of the animal bodies. At first, the position of cut marks
on a red deer skeleton were studied in order to understand their possible origin.
They indicated that many factors exist which may influence such an analysis.
However, some differences of the skinning and butchering procedures between
different sites could be worked out on the base of different animal species.
For instance, cut marks show that the European fish otter and dogs were butchered
in different ways. These animals were skinned, though their meat was not used
in any case. It was also possible to find out that butchering marks on bones
of pig and sheep/goat were unusual. In consequence, the paper clarifies that
the use of wild and domestic animals can only be analyzed by detailed investigations
on cut marks and use traces of bones.
Keywords - Northern Germany; Neolithic; excavation sites Heidmoor, Wangels, Grube-Rosenhof; archaeozoology; cut marks; skinning and butchering technology.
Dr. Jörg Ewersen
Kolonnenweg 96
D - 24837 Schleswig
Zusammenfassung - Gegenstand des Textes sind die Körperhaltungen, die auf
der "Kline" aus dem Hochdorfer "Fürstengrab" ver-mutlich
eingenommen wurden. Es soll am Fallbeispiel dieses Möbels zum einen gezeigt
werden, wie man bereits auf der Grundlage vergleichsweise spärlicher Informationen
zu instruktiven Schlußfolgerungen gelangen kann, wenn man sie nur geduldig
ausbuchstabiert, und zum anderen, wie irreführend die vorschnelle Heranziehung
von Vergleichsobjekten sein kann.
Schlüsselwörter - Hochdorf, Kline, Hermeneutik
Abstract - This paper deals with assumed postures for resting on the bronze
kline found in the princely tomb of Hochdorf. With the example of this kline
I try to show, how instructive conclusions can be drawn, even if only little
information is available, and how misleading it might be to trust analogies.
Keywords - Hochdorf, kline, hermeneutics
Matthias Jung M.A.
Institut für Archäologische Wissenschaften
Abt. Vor- und Frühgeschichte
J.W. Goethe-Universität
Grüneburgplatz 1
D - 60323 Frankfurt am Main
matjung (at) stud.uni-frankfurt.de
In memoriam James Whitehead
Zusammenfassung - 1859 wurde in Bingerbrück beim Eisenbahnbau ein römisches
Gräberfeld gefunden. Von mehreren bemerkenswerten Grabsteinen nennt einer
als Bestatteten einen Tiberius Julius Abdes Pantera, gebürtig aus Sidon.
Im Laufe der Zeit wird dieser miles aus der Cohors I Sagittariorum Gegenstand
weitreichender Vermutungen, die ihn über antike Quellen letztlich als leiblichen
Vater Jesu interpretieren. Entsprechende, besonders im anglo-amerikanischen
Sprachraum aktuelle Thesen lassen sich als Versuche moderner Menschen deuten,
religiöse Dogmen auch auf die Gefahr ihrer Auflösung hin begreifbar
zu machen.
Schlüsselwörter - Bingerbrück, Provinzialrömische Archäologie, Antiken-Rezeption, Frühes Christentum
Abstract - In 1859 a Roman cemetery was discovered during railway construction
at the town of Bingerbrück/Germany. Among many remarkable tombstones a
particular one belonged to the deceased Tiberius Julius Abdes Pantera who had
been born in Sidonia and served in the Cohors I Sagittariorum. Since the discovery
of that monument many theories concerning the soldiers identity have been written
down. In quoting ancient literary sources some of the authors conclude, that
the Roman archer buried in Bingerbrück was indeed the father of Jesus Christ.
Those theories, having been discussed mainly in Anglo-American literature, can
be understood as an attempt of modern society to grasp religious dogma by actually
dissolving it.
Keywords - Bingerbrück, Roman Archaeology, Reception of Antiquity, Early Christianity
Dr. Peter Haupt
Institut für Vor- und Frühgeschichte
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Schönborner Hof - Südflügel
Schillerstraße 11
D - 55116 Mainz
Sabine Hornung M.A.
Römisch-Germanisches Zentralmuseum
Ernst-Ludwig-Platz 2
D - 55116 Mainz