Archäologische Informationen 27/1, 2004



DGUF-Nachrichten

SIEGMUND, Frank & Werner SCHÖN

Jürgen Hoika †

9

SCHÖN, Werner

Verleihung des Deutschen Archäologiepreises 2005 an die archäobotanische Arbeitsgruppe NRW. Laudatio anläßlich der Preisverleihung während der Jahrestagung der DGUF 2005 in Worms

10-13

SCHÖN, Werner

Jahrestagung Worms 2005

13

GEHLEN, Birgit

Archäologische Berichte

13

 

REZENSIONSANGEBOTE

14

ZEEB-LANZ, Andrea

Hinweise der Redaktion

14

 

Adressen der Vorstandsmitglieder und des Beirates der DGUF

 

 

 

 



Das aktuelle Thema: Stille Revolution: Der Handlungsrahmen der Archäologie wird verändert

LANGENBRINCK, Max

Archäologie bei linearen Großprojekten - ein modernes Märchen

19-24

GÖLDNER, Reiner, HARTSCH, Kerstin, OEXLE, Judith & Michael STROBEL

Wie läßt sich eine intensive landwirtschaftliche Flächennutzung mit dem Schutz archäologischer Kulturdenkmale in Einklang bringen? Ein Ausblick nach der Hochwasserkatastrophe im August 2002

25-36

STOEPKER, Henk

Qualitätssicherung in der niederländischen Archäologie am Beispiel des Maaswerkeprojektes

37-50

WILRICH, Thomas

Aktuelle Entwicklungen im Recht der Verbandsklage

51-56

     

Berichte

WEINER, Jürgen & Harald FLOSS

Eine Schwefelkiesknolle aus dem Aurignacien vom Vogelherd, Baden-Württemberg - Zu den Anfängen der Feuererzeugung im europäischen Paläolithikum

59-78

HOLDERMANN, Claus-Stephan

Methodische Überlegungen zur systematischen Erfassung lithischer Rohmaterialien. Zur Beschreibung von Silex-Rohstoffen, ihren Lagerstätten, deren räumlichen Bezüge, sowie zur Verwaltung von geoarchäologischen Vergleichssammlungen

79-107

EWERSEN, Jörg

Die unterschiedliche Nutzung von Haus- und Wildtieren im Neolithikum Ostholsteins am Beispiel der Schnittspurenanalyse an Knochen aus Grube - Rosenhof, Wangels LA 505 und Heidmoor

109-121

JUNG, Matthias

Überlegung zu möglichen Sitz- und Liegepositionen auf der Hochdorfer "Kline"

123-132

HAUPT, Peter & Sabine HORNUNG

Ein Mitglied der Heiligen Familie? Zur Rezeption eines römischen Soldatengrabsteines aus Bingerbrück, Kr. Mainz-Bingen

133-140

     

Tagungen & Arbeitsgemeinschaften

MEHLER, Natascha & Martin KÜGLER

18. Tagung des Arbeitskreises Tonpfeifen 2004 in Lüneburg

143-147

PECHTL, Joachim

Donauländischer Kreis

149-151

     

Bücher

 

Achim Werner: Steinzeit - Mahlzeit
Ein Kochbuch für die moderne Küche.
Beitrag zur Ernährungsgeschichte jungsteinzeitlicher Menschen in Mitteleuropa (Jost AULER)

155

     

Magisterarbeiten & Dissertationen

DIETL, Holger

Die Freilandfundstellen von Geelbek und Anyskop in Südafrika: Das Siedlungsverhalten während des Middle Stone Age

159-167

LANGE, Mathias

Nubier in der Wüste - Fundplätze des 5. und 4. Jahrtausends vor Chr. in der Laqiya-Region (NW-Sudan)

169-177

WOLTERS, Katrin

Mansfeld: Mehr als ein Keramikstil? Thesen zur Bedeutung des Mansfelder Stils

179-186

KIENLIN, Tobias L.

Frühes Metall im nordalpinen Raum: Eine Untersuchung zu technologischen und kognitiven Aspekten früher Metallurgie anhand der Gefüge frühbronzezeitlicher Beile

187-194

NAKOINZ, Oliver

Studien zur räumlichen Abgrenzung und Strukturierung der älteren Hunsrück-Eifel-Kultur

195-198

   

 


Das Allerletzte

199



Am 1. Februar 2005 verstarb in Schleswig nach langer schwerer Krankheit Dr. Jürgen Hoika (geb. 4. Juni 1941 in Oranienburg). Sein Tod kam überraschend, da er auf einem langsamen Wege der Erholung war und in diesen Wochen wieder aktiver an den Geschehnissen in der DGUF teilnahm und zugleich künftige wissenschaftliche Arbeiten plante.

Jürgen Hoika studierte in Köln und Marburg Ur- und Frühgeschichte und promovierte 1970 bei Hermann Schwabedissen in Köln über "Die mittelneolithische Trichterbecherkultur auf der Halbinsel Wagrien und ihre Beziehungen zu Dänemark". Nach dem Studium ging er an das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum in Schleswig, wo er bis zu seiner Erkrankung im Jahr 2002 tätig war. Seine Forschungsschwerpunkte galten weiterhin der Trichterbecherkultur und der Neolithisierung des nördlichen Europa, aber auch fachpolitische und wissenschaftstheoretische Probleme gehörten zu seinen vornehmlichen Interessen. Seine wissenschaftliche Tätigkeit hat er in zahlreichen Publikationen dokumentiert. Jürgens Geradlinigkeit, sein scharfer Verstand, seine Zuverlässigkeit, seine Menschenfreundlichkeit und sein breit gefächertes wissenschaftliches, politisches und soziales Engangement machten ihn zu einem beliebten und geschätzten Freund und Kollegen - zuhause, in Deutschland und in Europa.

Jürgen Hoika war von 1991 bis 1995 stellvertretender Vorsitzender und von 1995 bis 1997 Vorsitzender der DGUF. Er hat in diesen Funktionen die Gesellschaft wesentlich geprägt und zu ihrer Stabilisierung beigetragen.
Seine reiche Erfahrung setzte er in viele Anregungen um, die Strukturen der DGUF und die internen Abläufe besser zu ordnen. Auf seine Initiative hin wurde dem Vorstand ein wissenschaftlicher Beirat an die Seite gestellt, um der Gefahr allzu grosser "Inzucht" zu entgehen und neue Ideen sowie Ratgeber und Aktivisten für die DGUF zu gewinnen. Ein wesentliches Anliegen war ihm die Stiftung des "Deutschen Archäologiepreises", den er im Vorstand mit großem Beharrungsvermögen durchsetzte, und zu dessen Stiftungskapital er persönlich beitrug. Oft hat er unsere Tagungen durch eigene Beiträge oder Anregungen dazu wesentlich mitgestaltet, wobei er auch aus seinen weitreichenden persönlichen Kontakten schöpfte, über die er uns interessante Vortragende aus den Regionen jenseits des ehemaligen "eisernen Vorhangs" vermittelte. Im Mai 2001 lud er unsere Jahrestagung nach Schleswig ein, deren Thema "Gräber: Spiegel des Lebens?" und Programm er entscheidend gestaltet hatte. Die ihm folgenden Vorsitzenden fanden in ihm als Mitglied des Beirates, dem er bis zu seinem plötzlichen Tod angehörte, einen verlässlichen und guten Ratgeber.

Jürgen, wir vermissen Dich !

Prof. Dr. Frank Siegmund & Dr. Werner Schön

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte möchte zum Gedenken an Dr. Jürgen Hoika eine Schrift herausgeben. Alle KollegInnen sind herzlich eingeladen, sich mit Beiträgen daran zu beteiligen. Um Zusendung von Manuskripten bitten wir bis zum 30. April 2006 an Dr. Werner Schön, An der Lay 4, 54578 Kerpen-Loogh .

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Vom 5. bis 8. Mai fand die Jahrestagung der DGUF auf Einladung von Frau Dr. Mathilde Grünewald im Museum im Andreasstift in Worms statt. Das Tagungsthema und das attraktive Rahmenprogramm lockte zahlreiche Teilnehmer aus ganz Deutschland herbei. Durch das interessante Vortragsprogramm, das unterschiedlichste Themen mit verschiedenen wissenschaftlichen Schwerpunkten einschloß, wurde ein breites methodisches und chronologisches Spektrum abgedeckt. Am Freitag Nachmittag wurde der Deutsche Archäologie-Preis an die archäobotanische Arbeitsgruppe NRW verliehen. Abends berichtete Prof. Dr. Christopher Pare aus Mainz in einem öffentlichen Vortrag über neue Forschungsergebnisse zu den Fürstengräbern der Hallstattzeit. Nach einer - trotz widrigen Wetters - schönen Exkursion zu archäologischen Denkmälern der Pfalz unter der Leitung von Dr. Andrea Zeeb-Lanz von der Bodendenkmalpflege in Speyer wurde am Samstag Abend ein von Mathilde Grünewald kreiertes Zeitreise-Menü offeriert, das einen weiteren Höhepunkt des Programms darstellte.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser erfolgreichen Tagung, für deren Gelingen wir allen Beteiligten ganz herzlich danken, werden in Band 28/1, 2005, der Archäologischen Informationen veröffentlicht.

Dr. Werner Schön

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Seit Beendigung der Zusammenarbeit mit dem HOLOS-Verlag in Bonn, bei dem die Archäologischen Berichte 3 bis 7 veröffentlicht wurden, erscheint die von der DGUF herausgegebene Monographien-Reihe ab Band 8 wieder in Kommission beim Verlag Dr. Rudolf Habelt, Bonn, wie dies schon für die beiden ersten Publikationen der Fall gewesen ist. Um den Schriftleiter zu entlasten, wird die Herausgabe der Archäologischen Berichte weiterhin von Birgit GEHLEN betreut. Interessierte AutorInnen und LeserInnen mögen sich auch in Zukunft mit Manuskriptvorschlägen und Bestellungen an sie richten (Dr. des. Birgit Gehlen, Archäologie & Graphik, An der Lay 4, D-54578 Kerpen-Loogh, Tel. 06593 / 98 96 42, Fax 989643, e-mail: bgehlen.archgraph@t-online.de).

Derzeit wird folgendes Verfahren bei der Übernahme eines Werkes zur Veröffentlichung angewandt: Nach Annahme des Manuskriptes für die Publika- tion in der Reihe Archäologische Berichte durch den Vorstand der DGUF müssen die AutorInnen selbst für die Anfertigung der Druckvorlage Sorge tragen. Richtlinien für die Gestaltung der Publikation werden von Birgit Gehlen ausgegeben. Die Archäologischen Berichte werden entweder im Offset-Druck oder direkt vom Datenträger auf gutem Graphikpapier in Auflagen von 200 bis 300 Exemplaren hergestellt. Die AutorInnen finanzieren mit dem Ankauf von 40 Exemplaren ihres Werkes zum reduzierten Preis und einer einmaligen Bearbeitungspauschale von derzeit Euro 150,00 einen Teil der Herstellungskosten; den größeren Teil übernimmt die DGUF in Vorleistung. Nach diesem Verfahren wurden seit 1997 die Bände 8-18 herausgegeben. Zuletzt erschien die Dissertation von Thorsten Uthmeier über das Micoquien, Aurignacien und Gravettien in Ba-yern. Weitere Monographien sind in Vorbereitung. Bitte beachten Sie auch die DGUF-Anzeigen in diesem Band. Als Herausgeber hoffen wir, mit der Reihe Archäologische Berichte weiterhin die Voraussetzungen schaffen zu können, einer größeren Zahl von ArchäologInnen ein preiswertes und gut erreichbares Forum für die Verbreitung ihrer Arbeiten zu bieten. Interessierte AutorInnen werden hiermit gebeten, nähere Auskünfte bei Birgit GEHLEN einzuholen.

Dr. des. Birgit Gehlen

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Folgende Bücher wurden der Redaktion zur Rezension in den Archäologischen Informationen angeboten.
Interessierte RezensentInnen melden sich bitte bei Andrea ZEEB-LANZ.

M. ARSLAN: Galater. Die vergessenen Kelten. Scheidegg 2004.

S. BERGMANN, S. KÄSTNER & E.-M. MERTENS (Hrsg.): Göttinnen, Gräberinnen und gelehrte Frauen. Frauen - Forschung - Archäologie 5. Münster/New York/München/Berlin 2003.

B. BÄBLER: Archäologie und Chronologie. Eine Einführung. Darmstadt 2004.

S. BRATHER: Ethnische Interpretation in der frühgeschichtlichen Archäologie. Geschichte, Grundlage und Alternativen. Berlin/New York 2004.

I. GÖRNER: Die Mittel- und Spätbronzezeit zwischen Mannheim und Karlsruhe. Fundber. Baden-Württemberg 27, 2003: 79-280.

P.G. GUZZO (Hrsg.): Pompeji. Die Stunden des Untergangs. 24. August 79 n. Chr. Stuttgart 2004.

V. KARAGEORGHIS & S. ROGGE (Hrsg.): Junge zyprische Archäologie. Schriften d. Institutes f. Interdisziplinäre Zypern-Studien 2. Münster/New York/München/Berlin 2004.

Th. KLEIN: Wege zu den Kelten. 100 Ausflüge in die Vergangenheit. Stuttgart 2004.

G. KREMER: Das Heiligtum des Jupiter Optimus Maximus auf dm Pfaffenberg/Carnuntum, Band 2. Wien 2004.

W. KOM: Mesopotamien - Wiege der Zivilisation. 6000 Jahre Hochkulturen an Euphrat und Tigris. Stuttgart 2004.

M. KUCKENBURG: Die Kelten in Mitteleuropa. Stuttgart 2004.

F. LÜTH, Th. MAARLEVELD & F. RIECK (Hrsg.): Tauchgang in die Vergangenheit. Unterwasserarchäologie in Nord- und Ostsee. Sonderband Archäologie in Deutschland. Stuttgart 2004.

D. MAIER: Siedeln und Leben am Rande der Welt. Zwischen Steinzeit und Mittelalter. Sonderband Archäologie in Deutschland. Stuttgart 2003.

G. MARKL & S. LORENZ (Hrsg.): Silber, Kupfer, Kobalt. Bergbau im Schwarzwald. Filderstadt 2004.

A. PASTOORS & G.-C. WENIGER (Hrsg.): Bilder im Dunkeln. Höhlenkunst der Eiszeit. Die Sammlung Wendel. CD-ROM. Stuttgart o.J.

H. SCHRÖCKE: Indogermanen, Germanen, Slawen. Ihre Wurzeln im mittel- und osteuropäischen Raum. Kiel 2003.

A. WILLEMSEN: Wikinger am Rhein 800-1000. Begleitbuch zur Ausstellung Bonn 2004. Stuttgart 2004.

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Archäologie bei linearen Großprojekten - ein modernes Märchen

Zusammenfassung - Das vorliegende "moderne Märchen" erzählt von der Rolle der Archäologie bei einem imaginären linearen Großbauprojekt. Es stellt einen modellhaften Ablauf vom Planungsbeginn bis zur Veröffentlichung der Forschungsergebnisse dar und verknüpft ihn mit den in der Zukunft möglichen politischen und legislativen Entwicklungen in Deutschland und Europa. Eine wesentliche Rolle kommt dabei der integrativen Beteiligung des gesamten Netzwerkes Archäologie zu.
Der Autor, Mitglied im AK 2 "Archäologie als Wirtschaftsfaktor - Wissenschaft als Dienstleistung" der DGUF, arbeitet in dieses Märchen Ergebnisse der Studie des AK 2 "Archäologie in Großbauprojekten" ein. Er stellt auf dieser Basis fest, daß die Beteiligung der Archäologie, wie sie in dem imaginären Projekt beschrieben wird, keine Darstellung einer Utopie ist. Das beschriebene Vorgehen wurde, wenn auch mit Einschränkungen bei der Baubegleitung, bei einigen Streckenabschnitten in dem durch den AK 2 untersuchten Vorhaben praktiziert. Stellt dieses Vorgehen ein "best practice" Beispiel dar, so verdeutlicht es gleichzeitig die Defizite, die bei der Beteiligung der Archäologie bei Großbauprojekten in Deutschland noch vorhanden sind.

Schlüsselwörter - Archäologie in Großbauprojekten, UVP, Genehmigungsverfahren, Integration, Netzwerk Archäologie, best practice


Abstract - The present "modern fairy tale" tells about the role of archaeology in an imaginary linear large construction project. It describes a model of course from the planning to the publication of the results of research and links it with the future political and legislational developments in Germany and Europe. An important part comes up to the integrative participation of the entire archaeological network.
The author, member of the Working Group 2 "Archaeology as Economic Factor - Science as a Service Rendered" of the DGUF integrates the results of the study of the WG 2 "Archaeology in large construction projects" in this fairy tale. Based on it he determines that the participation of archaeology as it is described in the imaginary project is not an unrealistic description. The described procedure was practiced in some sections of the line in the project investigated by WG 2, with some reductions in accompaniment of construction. If this procedure is a good example, it simultaneously illustrates the deficits still existing in participation of archaeology in large construction project in Germany.

Key words - Archaeology in large construction projects, "UVP", approval procedures, integration, archaeological network, best practice


Dipl.-Geogr. Max Langenbrinck
Freies Institut für Bauforschung
und Dokumentation e.V. (IBD)
Barfüßerstraße 2a
D - 35037 Marburg
ibd-marburg (at) t-online.de

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Zusammenfassung - In der Lommatzscher Pflege, einem Teilgebiet des mittelsächsischen Lößhügellandes zwischen Döbeln, Meißen und Riesa, ist das Archiv im Boden seit Jahrzehnten einem schleichenden Zerstörungsprozeß durch intensive ackerbauliche Nutzung und Bodenerosion ausgesetzt. In dieser seit der Linienbandkeramik genutzten Altsiedellandschaft treffen hervorragende naturräumliche Standortbedingungen und spezifische Strukturmerkmale der Landwirtschaft so zusammen, daß sich das Problem der Erhaltung archäo-logischer Kulturdenkmäler mit besonderer Schärfe stellt.
Am Beispiel dieser fruchtbaren Lößlandschaft sollen beispielhaft neue Wege zum Schutz der Archivfunktion des Bodens bzw. einer nachhaltigen archäologischen Substanzerhaltung beschritten und Maßnahmen substanzschützender Erosionsprävention in Kooperation mit regionalen Partnern in Landwirtschaft, Kommunen, Verbänden und Behörden entwickelt und umgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist eine Auswahl und Evaluierung erhaltungswürdiger archäologischer Kulturdenkmäler.
Unter Berücksichtigung des fachlichen und gesetzlichen Handlungsrahmens sowie der Förderprogramme des Freistaates Sachsen ("Umweltgerechte Landwirtschaft") werden Lösungsschritte in jedem Fall interdisziplinär und auf die gemeinsamen Schutzziele ausgerichtet sein müssen - insbesondere aufgrund der Vielfalt und Komplexität von Schutzaufgaben im Schnittfeld von Natur-, Landschafts-, Boden- und Denkmalschutz.
Die Adressaten förderpolitischer staatlicher Steuerung sind dabei in die Steuerung selbst einzubeziehen und an der Planung standort-bezogener Schutz- und Entwicklungsziele zu beteiligen, da eine Realisierung letztendlich von der Zustimmung lokaler Akteure, also von den Mitwirkungsmöglichkeiten für Landeigentümer und Landwirtschaftsbetriebe abhängt. Freiwilligkeit und Kooperationsbereitschaft beruhen nicht zuletzt auf der Identifikation mit der Geschichte einer Kulturlandschaft, die durch eine objekt- und standortbezogene Wissensvermittlung teilweise erst wieder geweckt werden muß.
Wie neue Wege zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit im Schnittfeld von Landwirtschaft, Boden-, Natur- und Denkmalschutz eingeschlagen werden können, ist Gegenstand eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Vorprojektes "Konzepte und Maßnahmen zum Schutz archäologischer Kulturdenkmäler auf ackerbaulich genutzten, erosionsgefährdeten Flächen in der Lommatzscher Pflege", in dem landwirtschaftliche Betriebe und staatliche Stellen zusammenwirken. Da das Projekt auf ordnungsrechtliche Maßnahmen verzichtet und dem Prinzip der Freiwilligkeit verpflichtet ist, sind effektive Mitwirkungsmöglichkeiten zu schaffen und konsensbildende Beteiligungsstrukturen zwischen Landwirtschaft und Behörden aufzubauen.

Schlüsselwörter - Sachsen, Lommatzscher Pflege, Landwirtschaft, Kulturlandschaft, Erosion, Nachhaltigkeit, Archivfunktion des Bodens, Auswahl und Bewertung archäologischer Fundstellen, Freiwilligkeit, Kooperation, Teilhabe, teilflächengesteuerte Landwirtschaft.


Abstract - In the Lommatzscher Pflege, a part of the middle Saxon Loess-Hill region between Döbeln, Meißen and Riesa, the archive of the soil has been exposed to a creeping decline through intensive agricultural use and soil erosion for years. This cultural landscape which has been cultivated since the linear pottery culture benefits from excellent natural conditions of location and specific structural features of its agriculture, so that the problem of the preservation of archaeological monuments arises with particular severity. In this fertile loess-landscape it is illustrated how new means of the conservation of the archive-function of the soil and a sustainable preservation of archaeological substance are taken and measures of erosion-preventing are developed and realized in cooperation with regional partners in agriculture, local authorities and societies. Yet in order to achieve this, a selection and evaluation of archaeological sites worth preserving is required.
While considering the specific and legal frame of action as well as the promotion programs of the Free State of Saxony ("sustainable agriculture") solutions will have to be interdisciplinary and directed towards the common aims of protection-especially because of the diversity and complexity of conservation at the centre of the preservation of nature, landscape, soil and monuments. Those who benefit from State-promotion are to be involved in its carrying out as well as in the planning of location-related projects of protection and development, since a successful realization depends upon the possibility of participation of the landowners and agricultural businesses. However, the willingness to cooperate and work voluntarily bases on the identification with the history of a cultural landscape. This identification partly has to be revived through an object- and location-related conveying of knowledge. How new ways for an effective co-operation in the centre of agriculture, conservation of soil, nature and monuments could be found is the subject of a project promoted by the Deutsche Bundesstiftung Umwelt: "concepts and measures for protection of archaeological monuments on agricultural used land, susceptible to erosion in the Lommatzscher Pflege". The project, in which agricultural businesses and State-authorities work together, does not involve regulatory proceedings and focuses on voluntary contributions. Therefore it is important to create effective and consent-directed means for participation between agriculture and authorities. (translated by Juliane Bartosch)

Keywords - Saxony, Lommatzscher Pflege, agriculture, cultural landscape, erosion, sustainability, archive-function of the soil, selection and evaluation of archaeological sites, voluntariness, cooperation, participation, precise farming


Dr. Reiner Göldner, Dr. Judith Oexle
und Dr. Michael Strobel
Landesamt für Archäologie
mit Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden
Zur Wetterwarte 7
D - 01109 Dresden
RGoeldner@archsax.smwk.sachsen.de
JOexle@archsax.smwk.sachsen.de
MStrobel@archsax.smwk.sachsen.de

Dr. Kerstin Hartsch
H&G GmbH
Gebauerstr. 2
D - 01189 Dresden
K.Hartsch-HuG (at) t-online.de

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Zusammenfassung - Gemäß der gegenwärtigen niederländischen Gesetzgebung, können archäologische Ausgrabungen nur durch öffentliche Institutionen erfolgen, so etwa durch die staatliche Denkmalpflege (Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek), Universitäten und örtliche archäologische Abteilungen (Stadt-Archäologen). Ab 2005 jedoch wird ein neues Gesetz Ausgrabungen auf kommerzieller Basis erlauben, die von Privatfirmen ausgeführt und nach dem Verursacherprinzip finanziert werden.
Um die archäologische Qualität in einem kommerziellen Umfeld zu garantieren, müssen die Firmen eine Arbeitserlaubnis beim "Kollegium für archäologische Qualität" (College voor de Archeologische Kwaliteit) beantragen und garantieren, daß Mitarbeiter und Unternehmen in der Lage sind, die Geländearbeit auszuführen und Ergebnisberichte nach professionellem Standard und vorgeschriebenen Richtlinien zu erstellen. Alle kommerziellen Archäologen sind persönlich einem Verhaltens-Kodex verpflichtet, der vom niederländischen Archäologenverband aufgestellt wird. 2005 wird ein Register der professionellen Archäologen erstellt sein, unter Berücksichtigung von Begutachtungen und einer Beschwerdekommission.
Schließlich wird die Staatliche Forschungsagenda für die niederländische Archäologie Forschungsfragen formulieren, die als Leitlinie für die Ausgrabungen dient. Archäologische Forschung im Maaswerken-Projekt - ein Fluß-Umbau-Projekt über eine Flußlänge von 200 km entlang der Maas - sind von ihrem Beginn an im Jahre 1997 auf ein bestimmtes Forschungsprogramm im Rahmen des staatlichen Qualitätssicherungs-Management gestützt gewesen. Für ein Großprojekt wie das der Maaswerken, sind solche Rahmenbedingungen notwendig, um koherente und relevante wissenschaftliche Ergebnisse von gleichbleibend hoher Qualität zu erzielen. Die Forschung ist auf Landschafts-Archäologie mit einem regionalen Ansatz ausgerichtet anstatt einer Fundplatz-orientierten Richtung.

Schlüsselwörter - Qualitätssicherung, niederländische Archäologie, Maaswerken-Projekt


Abstract - According to present Dutch legislation archaeological excavations may only be executed by public institutions, such as the State Service for Archaeological Heritage Management, Universities and Local Archaeological Departments (town archaeologists). In 2005, however, a new Monument Act will allow excavations on a commercial base, carried out by private companies, financed according to the 'developer pays' principle. Since 1998 this principle has already been practised in a provisional way, starting with large infrastructural projects.
In order to sustain archaeological quality in a commercial environment all commercial firms must apply for a working license by the 'College for Archaeological Quality' and prove that their staff and organisation is able to conduct fieldwork and to produce reports according to a professional standard, using obligatory normative guidelines. The quality is monitored by the "State Inspectorate for Archaeology". Misconduct can lead to withdrawal of the license. All commercial archaeologists are bound at a personal base to a code of conduct, maintained by the Dutch Association of Archaeologists. In 2005 a Register of Professional Archaeologists will be set up, involving peer review and a complaint commission.
Finally the 'National Research Agenda for Dutch Archaeology' will formulate research questions, to be used for the 'programs of requirements' for excavations. Archaeological research in the Maaswerken Project - a flood management project with a length of 200 km along the river Maas - has been based since the beginning in 1997 on a specific research program within the framework of the national quality management system. For large scale projects like the Maaswerken this is necessary in order to get coherent and relevant scientific results of an all-over high quality. Research is focused on landscape archaeology with a regional approach instead of a site focused bias.

Key words - Quality management, Dutch Archaeology, Maaswerken project


Drs. Henk Stoepker
Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek
Postbus 1600
NL - 3800 BP Amersfoort
Niederlande
h.stoepker (at) archis.nl

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Abstract - Finds from prehistoric European sites show that fire was exclusively produced on the basis of the percussion principle using sulphuric iron. Traditionally a nodule of sulphuric iron from the Magdalenian of Trou de Chaleux in Belgium is considered to be the oldest unambigous find. In 1934 a nodule of sulphuric iron from the Aurignacian of the Vogelherd cave with definite traces of use wear was published by G. Riek. Though this find is mentioned in the literature relevant to the subject, it is described to lack traces of use. For the first time the piece is described here in detail, and its importance as the oldest known percussion lighter to date for the history of intentional firemaking in European Prehistory is outlined. Additionally, the most important finds of sulphuric iron are presented, among them one example which was hardly observed by science.

Keywords - Firemaking, lighter, Middle Palaeolithic, Upper Palaeolithic, Aurignacian, sulphuric iron, pyrite, marcasite, strike-a-light, tinder

Zusammenfassung - Fundstücke aus urgeschichtlichen Fundplätzen Europas belegen, daß Feuer ausschließlich unter Verwendung von Schwefelkies nach dem Perkussionsprinzip hergestellt wurde. Als ältester zweifelsfreier Fund gilt traditionell eine Schwefelkiesknolle aus dem Magdalénien vom Trou de Chaleux in Belgien. Im Jahre 1934 wurde eine aurignacienzeitliche Schwefelkiesknolle aus der Vogelherdhöhle von G. Riek veröffentlicht, die eindeutige Gebrauchsspuren aufweist. Zwar findet sich dieser Fund in der einschlägigen Literatur, wird aber als frei von solchen Spuren beschrieben. Das Stück wird hier erstmals detailliert vorgestellt und seine Bedeutung als ältestes bekanntes Schlagfeuerzeug für die Geschichte der intentionellen Feuererzeugung in der europäischen Urgeschichte herausgearbeitet. Ergänzend werden die wichtigsten bekannten Schwefelkiesfunde präsentiert, darunter auch ein von der Wissenschaft kaum berücksichtigtes Stück.

Schlüsselwörter - Feuererzeugung, Feuerzeug, Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum, Aurignacien, Schwefelkies, Pyrit, Markasit, Feuerschlagstein, Zunder


Jürgen Weiner M.A.
Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Außenstelle Nideggen
Zehnthofstr. 45
52385 Nideggen
juergen.weiner (at) lvr.de

Priv.-Doz. Dr. Harald Floss
Institut für Ur- und Frühgeschichte
und Archäologie des Mittelalters
Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Schloss
Burgsteige 11
D - 72070 Tübingen
harald.floss (at) uni-tuebingen.de

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In memoriam Wolfgang Weißmüller


Zusammenfassung - Eine Voraussetzung zur Bildung von Mobilitätsmodellen für steinzeitliche Gesellschaften ist der Aufbau von geoarchäologischen Vergleichs- und Bestimmungssammlungen. In der archäologischen Praxis ergibt sich hieraus die Notwendigkeit einer einheitlichen Systematik der makroskopischen Rohmaterialbeschreibungen, sowie eines einheitlichen Beschreibungsschlüssels für Aufschlüsse von Lagerstätten. Nur so sind Kooperationen verschiedener geoarchäologischer Vergleichssammlungen auf gleichem Informationsniveau, beginnend mit der Geländearbeit, der einheitlichen petrographischen Beschreibungen, bis zur endgültigen Einordnung der Rohmaterialien in eine Handstücksammlung, sowie deren identische Verwaltung zu gewährleisten. Beschreibungen der Rohmaterialaufschlüsse, ihrer räumlichen Beziehungen, qualifizierende und quantifizierende Angaben zu den Lagerstätten der verschiedenen Rohmaterialien, aber auch Informationen zu Qualitäten und Quantitäten, der, z.T. in einer Lagerstätte auftretenden verschiedenen Rohmaterial-Varietäten, müssen mit dieser Sammlung über entsprechende Datensätze verknüpfbar und abrufbar sein, wenn sie aktuellen Analysen gerecht werden sollen. Hierdurch können, neben rein petrographischen, auch ökonomische und siedlungsarchäologische Fragestellungen behandelt werden.

Schlüsselwörter - Grundlagenforschung, Methode, Geoarchäologie, Vergleichssammlung, Alpen, Voralpenland, Petrographie, Lagerstätte, Silex, Jura-Hornstein, Muschelkalk-Hornstein, Keuper-Hornstein, Radiolarit, Kieselschiefer, Lydit, Quarzit, Bergkristall, Quarz, Mobilität, Mesolithikum, Hochgebirgsarchäologie.


Abstract - A pre-condition for the creation of mobility models of Stone Age societies is the building of Silex-raw-material collections enabling comparison and classification. In archaeological practice this triggers both the necessity to introduce a standardized systematic of macroscopic raw-material descriptions and a standardized description key for information concerning cross-country deposits. Only this makes possible a cooperation of different comparative geo-archaeological collections, starting with cross-country work, standardized petrographic descriptions, and continuing with the final classification of raw materials into a collection of handpieces and their identical administration. Descriptions of information derived from raw materials, their spatial relations, qualifying and quantifying information concerning the deposits of various raw materials, but also information on qualities and quantities of partially differing varieties of raw materials within a deposit must be both linkable to corresponding data banks and retrievable from these, if they want to meet up to date analysis standards. As a result, not only purely petrographic, but also economic questions and questions about settlement archaeology can be dealt with. The prescription key presented herein has been fundamentally expanded for northern alpine deposits. It has been tested in practice and can be both expanded and adapted to other conditions without problems.

Keywords - basic research, methods, geo-archaeology, comparative collection, flint, chert, silex, raw material, Alps, petrography, deposit, Jurassic-hornstone, Muschelkalk-hornstone, Keuper-hornstone, radiolaryte, siliceous slate, Flysch-quartzite, lydite, quartzite, rock crystal, quartz, mobility, Mesolithic period.


Claus-Stephan Holdermann M.A.
Hochgebirgsarchäologie
Institut für Geologie und Paläontologie
Universität Innsbruck
Innrain 52
A - 6020 Innsbruck
Tel. ++43 (0) 512/507-5676
Stephan.Holdermann (at) uibk.ac.at

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Zusammenfassung - Der vorliegende Bericht befaßt sich mit den Untersuchungen von Tierknochenfunden aus den Grabungen Heidmoor, Grube-Rosenhof und Wangels LA 505 im südlichen Schleswig-Holstein. Ziel dieser Untersuchung war es, die auf den Knochenresten vorhandenen Werkzeugspuren zu dokumentieren, um hierdurch Rückschlüsse auf die verschiedenen Zerlegungsverfahren der Tierkörper ziehen zu können. Als Überblick erfolgte zunächst die Betrachtung der Lage dieser Klingenritzungen im einzelnen und im Zusammenhang auf einem Rothirschskelett, um deren mögliche Herkunft zu verstehen. Deutlich wurde dabei auch, daß viele Faktoren bestehen, die Einfluß auf eine derartige Analyse nehmen können. Insgesamt konnten aber etliche Unterschiede bei der Zerlegung und Weiterverarbeitung von verschiedenen Tierarten von Fundplatz zu Fundplatz herausgearbeitet werden. So ließen beispielsweise die Befunde bei Fischottern und Haushunden den Schluß zu, daß man Fell und Fleisch der Tiere nicht auf allen Fundplätzen gleichermaßen nutzte. Ebenso wurden ungewöhnliche Zerlegungsmuster bei Schweinen und Hausschafen bzw. Hausziegen festgestellt. Insgesamt verdeutlicht der Bericht, daß die tatsächliche Verwendung bzw. Nutzung von Wild- und Haustieren aus archäologischen Knochenkomplexen offensichtlich nur über eingehende Untersuchungen der Spuren auf den Resten erfolgen kann.

Schlüsselwörter - Norddeutschland; Neolithikum; Fundplatz Heidmoor, Wangels, Grube-Rosenhof; Tierknochenuntersuchung; Schnittspuren-Analyse; Zerlegungstechnik; Fell- und Fleischnutzung.


Abstract - This paper presents an procedure to analyze cut marks on animal bone finds from the excavations of Heidmoor, Grube-Rosenhof, and Wangels in the southern Part of Schleswig-Holstein. The aim of the investigation was to document the cut marks on bone remainders in order to find criteria for interpreting different butchering practices of the animal bodies. At first, the position of cut marks on a red deer skeleton were studied in order to understand their possible origin. They indicated that many factors exist which may influence such an analysis. However, some differences of the skinning and butchering procedures between different sites could be worked out on the base of different animal species. For instance, cut marks show that the European fish otter and dogs were butchered in different ways. These animals were skinned, though their meat was not used in any case. It was also possible to find out that butchering marks on bones of pig and sheep/goat were unusual. In consequence, the paper clarifies that the use of wild and domestic animals can only be analyzed by detailed investigations on cut marks and use traces of bones.

Keywords - Northern Germany; Neolithic; excavation sites Heidmoor, Wangels, Grube-Rosenhof; archaeozoology; cut marks; skinning and butchering technology.


Dr. Jörg Ewersen
Kolonnenweg 96
D - 24837 Schleswig

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Zusammenfassung - Gegenstand des Textes sind die Körperhaltungen, die auf der "Kline" aus dem Hochdorfer "Fürstengrab" ver-mutlich eingenommen wurden. Es soll am Fallbeispiel dieses Möbels zum einen gezeigt werden, wie man bereits auf der Grundlage vergleichsweise spärlicher Informationen zu instruktiven Schlußfolgerungen gelangen kann, wenn man sie nur geduldig ausbuchstabiert, und zum anderen, wie irreführend die vorschnelle Heranziehung von Vergleichsobjekten sein kann.

Schlüsselwörter - Hochdorf, Kline, Hermeneutik


Abstract - This paper deals with assumed postures for resting on the bronze kline found in the princely tomb of Hochdorf. With the example of this kline I try to show, how instructive conclusions can be drawn, even if only little information is available, and how misleading it might be to trust analogies.

Keywords - Hochdorf, kline, hermeneutics


Matthias Jung M.A.
Institut für Archäologische Wissenschaften
Abt. Vor- und Frühgeschichte
J.W. Goethe-Universität
Grüneburgplatz 1
D - 60323 Frankfurt am Main
matjung (at) stud.uni-frankfurt.de

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Peter Haupt und Sabine Hornung


In memoriam James Whitehead


Zusammenfassung - 1859 wurde in Bingerbrück beim Eisenbahnbau ein römisches Gräberfeld gefunden. Von mehreren bemerkenswerten Grabsteinen nennt einer als Bestatteten einen Tiberius Julius Abdes Pantera, gebürtig aus Sidon. Im Laufe der Zeit wird dieser miles aus der Cohors I Sagittariorum Gegenstand weitreichender Vermutungen, die ihn über antike Quellen letztlich als leiblichen Vater Jesu interpretieren. Entsprechende, besonders im anglo-amerikanischen Sprachraum aktuelle Thesen lassen sich als Versuche moderner Menschen deuten, religiöse Dogmen auch auf die Gefahr ihrer Auflösung hin begreifbar zu machen.

Schlüsselwörter - Bingerbrück, Provinzialrömische Archäologie, Antiken-Rezeption, Frühes Christentum


Abstract - In 1859 a Roman cemetery was discovered during railway construction at the town of Bingerbrück/Germany. Among many remarkable tombstones a particular one belonged to the deceased Tiberius Julius Abdes Pantera who had been born in Sidonia and served in the Cohors I Sagittariorum. Since the discovery of that monument many theories concerning the soldiers identity have been written down. In quoting ancient literary sources some of the authors conclude, that the Roman archer buried in Bingerbrück was indeed the father of Jesus Christ. Those theories, having been discussed mainly in Anglo-American literature, can be understood as an attempt of modern society to grasp religious dogma by actually dissolving it.

Keywords - Bingerbrück, Roman Archaeology, Reception of Antiquity, Early Christianity


Dr. Peter Haupt
Institut für Vor- und Frühgeschichte
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Schönborner Hof - Südflügel
Schillerstraße 11
D - 55116 Mainz

Sabine Hornung M.A.
Römisch-Germanisches Zentralmuseum
Ernst-Ludwig-Platz 2
D - 55116 Mainz

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