Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.
Arbeitskreis 2 "Archäologie als Wirtschaftsfaktor - Wissenschaft als Dienstleistung"

Der Arbeitskreis 2 der DGUF (AK 2) versteht das archäologische Fach als Netzwerk, in dem alle Beteiligten sich gut ergänzen können. Hierzu zählen beispielsweise Universitäten, Museen, ehrenamtliche Heimatforscher, die archäologische Denkmalpflege, Grabungsfirmen und Verbände. Diese Träger des Netzwerkes sind nicht nur als Element der Kulturwissenschaften, Einheiten zur Umsetzung von Gesetzgebung oder Teile der öffentlichen Kommunal- und Länderstruktur, sondern auch Mitglied und Bestandteil unserer Wirtschaftswelt.

Die Vernetzung und Verwebung mit der modernen Ökonomie spiegelt sich u.a. in den mannigfaltigen Bemühungen der Länderregierungen um mehr Wirtschaftlichkeit und Kosteneinsparung wider. Diese Vorgänge drängen archäologische Institutionen immer stärker in eine Rolle, die das Wissen um wirtschaftliches Denken und neue Ideen zur Qualitätssicherung voraussetzt. Archäologie ist in unserer heutigen Zeit – entgegen vieler Vorurteile – längst keine Insel der Glückseligen mehr, die in aller Ruhe und mit Pinselchen den Spuren der verblichenen Ahnen hinterherforschen könnten...

Ein weiterer bedeutender Schauplatz, der die Archäologie als Wirtschaftsfaktor in Erscheinung treten lässt, sind die sich wandelnden Genehmigungsverfahren für Bauprojekte. Mittlerweile werden sie zunehmend nach europäischen Richtlinien gestaltet und der gesetzlich verankerte Schutz von Kulturdenkmalen wird tendenziell stärker mit dem Landschaftsschutz insgesamt in Verbindung gebracht. Boden- wie auch Baudenkmale werden hier als ein wichtiger Identität spendender Bestandteil gewertet und dies bedeutet ganz handfeste Nachteile für Investoren, wenn die Risiken für die geplanten Bauprojekte nicht weitsichtig und mit Sachverstand aller beteiligter Seiten abgewogen und einer tragfähigen und tragbaren Lösung zugeführt werden.

Diese Herausforderung hat die DGUF erkannt und auf der Jahrestagung in Stralsund 1998 den AK 2 "Archäologie als Wirtschaftsfaktor - Wissenschaft als Dienstleistung" gegründet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, im Bereich der Verflechtungen zwischen öffentlich-juristischen, europarechtlichen, wirtschaftlichen sowie fachlichen Komponenten klärend und fördernd zu wirken. Die Zusammenhänge sollen analysiert und Lösungsansätze sichtbar gemacht und diskutiert werden. Es gilt, im Hinblick auf den Erhalt und den verantwortungsvollen Umgang mit Kulturdenkmalen mehr zu erreichen und den aktuellen Entwicklungen mit öffentlichkeitswirksamen und gut durchdachten Positionierungen entgegentreten zu können.


Das aktuelle Projekt

Das zweite Projekt des AK 2 "Archäologie in Großbauprojekten am Beispiel der ICE-Neubaustrecke Köln Rhein/Main" widmet sich exemplarisch den Abläufen und Interessenspositionen in Genehmigungsverfahren für Linienprojekte.

In Großbauprojekten begegnen Investoren, Planungsbüros und Behörden nahezu immer archäologischen Denkmalen als Bestandteil einer auch unter anderen Aspekten schützenswerten Landschaft. Diese im Boden verborgenen Spuren unseres kulturellen Erbes genießen gesetzlichen Schutz und sollen vor ihrer flächenhaften Zerstörung bewahrt werden. Im Rahmen der notwendigen Interessenabwägung wird jedoch häufig der Schutz eines Denkmals zu Gunsten anderer Belange zurückgestellt. Das Aufgeben eines Denkmals bedeutet einen Substanzverlust, der mit Ersatzmaßnahmen kompensiert wird: Ausgrabung, Dokumentation, Bergung und Archivierung der Fundstelle und der Funde werden als Auflagen für das Bauprojekt formuliert. Damit geht eine Steigerung der Kosten sowie ein erhöhter Aufwand bei der Koordination des Bauablaufes und parallel dazu die Zerstörung von Denkmalen einher.

Die in Arbeit befindliche Studie des Arbeitskreises wird erstmals in Deutschland ein repräsentatives, länderübergreifendes Fallbeispiel untersuchen und dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen sowie Interessenlagen in Großbauvorhaben transparent machen.

Als konkretes Projekt wurde die Neubaustrecke Köln – Rhein/Main ausgewählt, die Hessen, Nordrhein-Westfalen, Köln und Rheinland-Pfalz tangiert und einen guten Vergleich der Umsetzungsvarianten in den einzelnen Bundesländern ermöglicht. Im Rahmen der Studie wird dargestellt, welche Aufgaben, Interessen und Arbeitsschritte die beteiligten Ämter für Bodendenkmalschutz wahrgenommen und wie sie ihre Belange in den einzelnen rechtlichen und planerischen Schritten umgesetzt haben. Hierzu gehört auch die Vernetzung innerhalb der Behördenlandschaft, wie z.B. aktuelle Fragen zum nachhaltigen Kulturgüterschutz oder die Ausrichtung der Rechtsprechung auf die 2003 in Deutschland ratifizierte Malta-Konvention. Ebenso dokumentiert die Arbeitsgruppe zusammen mit ihren Kooperationspartnern der DB ProjektBau GmbH die Interessen der Investoren und deren Ziele in den Planungs-, Genehmigungs- und Bauabläufen.

Die Studie zielt vor allem auf die Verbesserung der Zusammenarbeit und Integration aller Beteiligten von Großbauprojekten und somit die Förderung der Umsetzung der gesetzlich verankerten Schutzinteressen von Kultur und Landschaft. Die Analyse wird Problemlösungen in einer Dokumentation zusammenfassen. Als Grundlage dienen Akten, Interviews mit Entscheidungsträgern sowie Referate von Projektbeteiligten und Fachleuten auf Spezialgebieten.

Zum Abschluss des Projektes wird der AK 2 die Ergebnisse für die Öffentlichkeit nutzbar machen: die Publikation und eine Tagung, bei der alle am Projekt Beteiligten und Interessierten aus ihrer Sicht Bilanz ziehen, soll dazu dienen, entwickelte Perspektiven zu diskutieren. Die Ergebnisse können in spätere Projekte einfließen und somit den Abstimmungsprozess zwischen den Beteiligten optimieren und fördern.

Arbeitskreis "Archäologie als Wirtschaftsfaktor"



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Diese Seite wird betreut von Dr. Maren Siegmann. Letzte Änderung 26.10.2007