Ur- und Frühgeschichte im Schulbuch I

 

Während der DGUF-Tagung in Oerlinghausen im Mai 1997 zum Thema "Archäologie und Jugend" kam die Idee auf, einen Arbeitskreis zu gründen, der sich mit der Archäologie, genauer gesagt mit der ur- und Frühgeschichte in Schulbüchern beschäftigen sollte.

Anlaß hierzu gab vor allem ein Vortrag von Anouk Spazier über eine Untersuchung der in Schleswig-Holstein verwendeten Schulbücher. Dabei wurde deutlich, daß die Darstellung der Ur- und Frühgeschichte im Unterricht zum Teil unakzeptabel ist. Dies bezieht sich sowohl auf die Texte als auch auf das verwendete Bildmaterial. Die Ursache für diese Mißstände liegt in erster Linie in der Bearbeitung der meisten Schulbücher durch Laien.

Der Arbeitskreis "Schulbuch" der DGUF, der sich momentan aus Archäologen und einem Mitarbeiter des Schroedel-Verlages zusammensetzt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, zunächst ein Kontingent aus Schulbüchern unterschiedlicher Schulformen, die in verschiedenen Bundesländern in Gebrauch sind, zu überprüfen. Da sich dieses Vorhaben sehr schnell als äußerst arbeitsintensiv entpuppte, wurde beschlossen, verschiedene Bücher nach Art der "Stiftung Warentest" anhand vorgegebener Kriterien zu untersuchen und die Ergebnisse in Tabellenform zusammenzutragen, um einen ersten Überblick zu bekommen. Folgende Kriterien wurden den Untersuchungen zugrunde gelegt:

1. Bildauswahl und Zusammenstellung
2. Arbeitsanweisungen
3. Texte
4. Quellenangaben

Anhand der großen Epochen Paläolithikum (inkl. Mesolithikum), Neolithikum und Metallzeiten (in Baden-Württemberg mit besonderer Betonung der Kelten) wurde mittels der genannten Kriterien überprüft, inwieweit die Schulbücher fachspezifisch anerkanntes Wissen vermitteln.

Es stellte sich heraus, daß je nach Interesse und Kentnisstand der Autoren eine Epoche besser oder schlechter dargestellt wird. Teilweise wiederholen sich in allen Büchern die gleichen Fehler (z. B. Rekonstruktion eines jungsteinzeitlichen Hauses), da man offensichtlich auf dieselbe (unrichtige) Vorlage zurückgreift. Die tabellarische Übersicht erlaubt. die Kapitel unmittelbar miteinander zu vergleichen. Außerdem geben die nur stichwortartig angegebenen positiven und negativen Kritikpunkte einen schnellen Überblick über Vor- und Nachteile der besprochenen Werke.


Auf diese Weise wurden bisher insgesamt neun Bücher überprüft. Aus Platzgründen wird die Publikation dieser umfangreichen Tabellenübersichten auf den nächsten Band (22/1, 1999) der Archäologischen Informationen verschoben. Da die beschriebene Form der Untersuchung allerdings nur ein unvollständiges Bild ergibt, werden ausführliche Rezensionen ausgewählter Schulbücher die Arbeit ergänzen.


Nach Abschluß dieser "Bestandsaufnahme" wird der Arbeitskreis "Schulbuch" die Rezensionen auch in pädagogischen Fachzeitschriften veröffentlichen. Außerdem wird er an die Kultusministerien und die Schulbuchverlage herantreten, um auf die Mißstände aufmerksam zu machen und Vorschläge zur Verbesserung der Qualität der Schulbücher einbringen. Ziel ist es, den Verlagen Fachleute bei der Erstellung neuer Schulbücher beratend zur Seite zu stellen. Außerdem soll ein "archäologischer Leitfaden" mit Bibliographien für Laien erstellt werden, um ihnen den Einstieg in die entsprechende Fachliteratur zu erkleichtern.


In diesem Sinne wäre es wünschenswert, wenn sich weitere Interessenten für die Mitarbeit im Arbeitskreis "Schulbuch" melden würden, vor allem für die Bearbeitung weiterer Schulbücher. Dieser Aufruf richtet sich nicht nur an die Kollegen innerhalb der Archäologie sondern auch an Pädagogen, Museums- und Verlagsmitarbeiter. Interessierte sind hiermit aufgefordert, sich an Christina Kempcke-Richter zu wenden.
Im Arbeitskreis "Schulbuch" sind folgende Personen engagiert: Sabine Damm, Dagmar Gaedtke-Eckardt, Friedrich Huneke, Christina Kempcke-Richter, Verena Nübling, Julia Obladen-Kauder, Martin Schmidt.

Christina Kempcke-Richter M.A.
kempcke-richter@palaeopasta.de

Dr. Verena Nübling
verena.nuebling@rpf.bwl.de



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Christina Kempcke-Richter & Verena Nübling, Archäologische Informationen 21/2, 1998, 327.