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Mirko Geisendorf: Der eisenzeitliche Siedlungsplatz von Schwerte-Wandhofen (Kreis Unna)

Archäologische Quellen 2

Als wissenschaftlicher Grabungsleiter dieses Projekts veröffentlicht Mirko Geisendorf hier den Grabungsbericht einer Untersuchung der Firma ArchBau, die von April bis Juni 2017 im Schwerter Ortsteil Wandhofen (Kreis Unna, Nordrhein-Westfalen) stattfand. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna mbH als Investor – die zu dieser Publikation auch ein Vorwort beiträgt – betreibt dort die Einrichtung eines Gewerbegebietes, wodurch eine vorausgreifende Ausgrabung nötig wurde. Auf dem 1,5 ha großen Grabungsgelände wurde eine in ihren Details ungewöhnliche eisenzeitliche Siedlung (ca. 8.–1. Jh. v.C hr.) erfasst. Der Band stellt die Ausgrabung, alle wesentlichen Befunde sowie ausgewählte Funde vor.

Die Grabungsfläche

Im August 2016 wurde im vorgestellten Grabungsareal, welches direkt neben dem eingetragenen Bodendenkmal "Haus Wandhofen" (abgegangen) lag, eine archäologische Sachverhaltsermittlung vorgenommen, deren Ergebnisse einen bis dahin unbekannten eisenzeitlichen Fundplatz anzeigten. Daher fand im Folgejahr eine großflächige Untersuchung statt. Von dem Siedlungsplatz konnten Gruben und eine lose Bebauung mit vereinzelten Pfostenhäusern nachgewiesen werden. Darüber hinaus zeichnet sich der Fundplatz jedoch durch einige ungewöhnliche Befunde aus, insbesondere einen in dieser Region bislang einmaligen Grundriss aus insgesamt 18 massiven Pfosten, der als Speicherbau interpretiert wird. Ferner gelang es, zahlreiche Gruben mit deutlichen Holzkohle- und Brandlehmspuren zu dokumentieren, welche einen intensiven Gebrauch von Feuer im Untersuchungsgebiet belegt.

Großer Erdofen (Befund 206)

Das Element Feuer spielte auch bei zwei Erdöfen eine Rolle, welche dort festgestellt wurden. Diese in der Region Schwerte erstmals dokumentierten Öfen wurden auch im übrigen Westfalen bisher lediglich ein einziges Mal beobachtet. Besonders auffallend ist insbesondere ein Ofen, dessen Gesamtfläche fast 4 m² betrug; er dürfte nicht nur für ein Gehöft angelegt worden sein, sondern sollte vermutlich eine größere Personengruppe versorgen. Angesichts des großen Speicherbaus und dieses ungewöhnlich großen Erdofens steht die Frage im Raum, ob dort ungewöhnlich viele Personen saisonal bzw. temporär und zentral versorgt werden sollten.

Als Speicher gedeuteter 18-Pfostenbau

Das geborgene Keramikmaterial wies keinerlei spezifische Merkmale auf, welche eine genauere Datierung des Fundplatzes innerhalb der Eisenzeit ermöglichten. Vielmehr handelte es sich bei den überraschend wenigen im Verlauf der Maßnahme geborgenen Funden um nahezu unverzierte Alltagskeramik von eher bescheidener und grober Qualität, welche lediglich über einen kurzen Zeitraum in Benutzung blieb.

Der vorliegende Band stellt die Grabungsergebnisse der Sondage des Sommers 2016 sowie der Grabung im Frühjahr 2017 zusammen, wobei keine vertiefende wissenschaftliche Ausarbeitung stattfand. Diese konnte im Rahmen der Grabungsauswertung nicht erfolgen. Insbesondere eine gesicherte abschließende Deutung des vorgefundenen Siedlungsplatzes muss nach derzeitigem Forschungsstand offenbleiben.

Der Autor

Mirko Geisendorf, M.A. (Jahrgang 1988) studierte Archäologie in Bamberg und Tallinn. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Firmenarchäologie und leitete als Archäologe in den Firmen ARCHBAU und archaeologie.de zahlreiche Verursachergrabungen unterschiedlicher Zeitstellungen. In der ersten Jahreshälfte 2017 untersuchte er den hier vorgelegten eisenzeitlichen Siedlungsplatz in Schwerte-Wandhofen.

 

Der Band

Kerpen-Loogh 2018. 66 Seiten (inkl. 54, meist farbigen Abb. u. 1 Beilage). Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). ISBN 978‐3‐945663‐14‐1. Softcover. 29,80 Euro, für DGUF-Mitglieder 19,90 Euro. Preise zzgl. Porto und Verpackung.

Online‐Ausgabe (Open Access): ISBN-PDF: 978‐3‐946654‐91‐9, DOI: 10.11588/propylaeum.342.469, urn:nbn:de:bsz:16‐propylaeum‐ebook‐342‐2

CC BY 4.0

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