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Guido Nockemann: Die bandkeramische Siedlungsgruppe Weisweiler 107 / Weisweiler 108 im Schlangengrabental.
Band 1: Dokumentation und Auswertung.

Archäologische Berichte 28

Die Aldenhovener Platte im Rheinland steht seit mehr als 40 Jahren im Fokus der Bandkeramik-Forschung. Im Vorfeld des Braunkohletagebaus in den Revieren zwischen Aachen und Köln wurden und werden zahlreiche Ausgrabungen und Prospektionen durchgeführt. Die Bände Arch. Ber. 28 und 29 von Guido Nockemann beinhalten die Auswertung und die Dokumentation der archäologischen Funde und Befunde der bandkeramischen Fundplätze Weisweiler 107 und Weisweiler 108, die zwischen 1994 und 1996 ergraben wurden. Die Dokumentation legt die bandkeramischen Hinterlassenschaften dieser Siedlungsgruppe vor. Die Auswertung arbeitet ihre Besonderheiten und Charakteristika heraus und klärt ihre kulturhistorische Position und Funktion innerhalb der rheinischen Bandkeramik. Hierzu werden die Keramik, die Steininventare, die Siedlungsgeschichte und die Fundverteilung innerhalb der Siedlungen untersucht sowie die sozialen Netzwerke, in die die Siedlungsgruppe eingebunden war.

Lage und Größe der Fundplätze

Bandkeramische Fundplätze im Schlangengrabental

Beide Siedlungen - die Großsiedlung Weisweiler 107 (WW 107) und der Einzelhof Weisweiler 108 (WW 108) - lagen auf der Nordseite des Schlangengrabentals, nordöstlich der ehemaligen Ortschaft Pattern. Die beiden Siedlungen sind kaum 100 m voneinander entfernt, jedoch durch ein Tälchen getrennt. Zusätzlich scheint die Grubenanlage von Weisweiler 107 beide Siedlungen zusätzlich sozial voneinander getrennt zu haben.

Geländemodell der Ortslage der Siedlungen WW 107 und 108

Zusammen mit den bereits untersuchten Siedlungen Weisweiler 6, 17, 29 und 111 sowie Lohn 3 bilden diese sieben Siedlungen des Schlangengrabentals gemeinsam eine Siedlungskammer, die parallel zu der nur wenige Kilometer weiter nordwestlich gelegenen Siedlungskammer des bekannten Merzbachtals liegt. Für die mehr als 1.200 bandkeramischen Befunde von WW 107 und 108 wurden mithilfe eines GIS ein Gesamtplan erstellt und die Siedlungsstruktur sowie die Hofplätze rekonstruiert. 

Die Keramik

Gefäß aus Weisweiler 108

Das keramische Inventar der Siedlungsgruppe Weisweiler 107/Weisweiler 108 umfasst knapp 1.300 verzierte und 700 unverzierte Gefäßeinheiten, die hinsichtlich ihrer Maße, Form, Erhaltung, Verzierung und Funktion untersucht werden. Sowohl die relativen Häufigkeiten der Gefäßmerkmale als auch ihre Verteilung auf die einzelnen Chronologie-Phasen werden mit den Entwicklungen in der rheinischen Bandkeramik verglichen. Als Besonderheit im Keramikinventar von WW107 / 108 sind einige Miniatur- und "Ad-hoc"-Gefäße zu werten.

Die Silices und die Felsgesteinartefakte

Relative Anteile der Silices in den Vergleichssiedlungen

Mit der Aufnahme des Silex- und Felsgestein-Inventars sind etwas mehr als 3.500 Silices, Felsgesteine und natürliche Grundformen aus Feuerstein erfasst worden. Die Auswertung der Grundformen und der Rohmaterialien lässt die Rolle von Weisweiler 107 und Weisweiler 108 im Weitergabe-Netzwerk der rheinischen Bandkeramik erkennen, wonach sich beide Siedlungen in wichtigen Details anders als nach dem bisherigen Modell erwartet verhalten. Der Einzelhof Weisweiler 108 weist nämlich deutliche Parallelen zu zwei weiteren Einzelhöfen auf der Aldenhovener Platte auf und zeigt eine Sonderstellung dieser autonomen Einzelhöfe im Weitergabe-Netzwerk an. Die Silexgeräte werden mit denen anderer Siedlungen hinsichtlich einer möglichen unterschiedlichen Gewichtung von handwerklichen zu landwirtschaftlichen Aktivitäten verglichen.

Chronologie
Mit Hilfe einer Korrespondenzanalyse der Bandtypen aus allen (!) zum Zeitpunkt der Bearbeitung verfügbaren bandkeramischen Grubeninventaren der rheinischen Bandkeramik erstellt Guido Nockemann eine relative Chronologie der rheinischen Bandkeramik. Die Befunde bzw. Bandtypen werden darüber hinaus in das bekannte Standardmodell zur Chronologie des Merzbachtals eingehängt und so den dort postulierten 15 Hausgenerationen zugeordnet. Grundlage sind die mehrfach erprobten Modelle zur bandkeramischen Siedlungsstruktur und den Hofplätzen. So wird der Siedlungsablauf von Weisweiler 107 und Weisweiler 108 rekonstruiert und mit der Entwicklung der Besiedlung im Schlangengrabental sowie der rheinischen Bandkeramik insgesamt verglichen.

Binnenanalyse der Siedlungsplätze
Die Intrasite-Analyse der Funde erbringt interessante Ergebnisse in Hinblick auf das Standardmodell der Aktivitätszonen auf bandkeramischen Hofplätzen. Anhand der Verteilung der Fels- und Silexgeräte wie auch der Keramikverzierungen wird die interne Struktur und Organisation der bandkeramischen Siedlungen untersucht und mit bisherigen Erkenntnissen verglichen.

Netzwerkanalyse
Durch eine Netzwerkanalyse der Zwickelmotive wurden die Verbindungen der Siedlungen der rheinischen Bandkeramik untereinander herausgearbeitet. Ausgangspunkt ist die angenommene symbolhafte Bedeutung der Zwickelmotive, die als soziale Äußerungen interpretiert werden. Die soziale Netzwerkanalyse ist eine Methode der empirischen Sozialforschung zur Erfassung und Analyse sozialer Beziehungen und Netzwerke. Die Aufwertung präzisiert das Beziehungsgeflecht zwischen den Siedlungen der rheinischen Bandkeramik und kommt zu einer Neubewertung. Auch die Art der Verbindungen der Siedlungen zu den zwei Gräberfeldern der Aldenhovener Platte sowie zum Erdwerk Langweiler 3 sind bemerkenswert.

Band 1: Dokumentation und Auswertung
Der hier angezeigte Band Archäologische Berichte 28 enthält vor allem die Auswertung des Materials: Er publiziert die Siedlungsgruppe Weisweiler 107/Weisweiler 108, erweitert die Erkenntnisse zur rheinischen Bandkeramik und beleuchtet neue Aspekte, speziell für die Siedlungsvorgänge im Schlangengrabental auf der Aldenhovener Platte. Damit schließt die Arbeit eine bisherige Lücke, denn nunmehr liegen alle bisher bekannten bandkeramischen Siedlungen im Schlangengrabental vor und sind hier zusammenhängend ausgewertet. Der gleichzeitig erschienene Folgeband, Archäologische Berichte 29, enthält die zahlreichen Anhänge (Tabellen, Listen etc.) sowie die Tafeln mit Funden und Plänen.

Der Autor

Guido Nockemann

Guido Nockemann (geb. 1973) studierte Ur- und Frühgeschichte, Archäologie der Römischen Provinzen und Historische Geographie an den Universitäten Köln und Bonn. Von 2009 bis 2011 arbeitete er als Volontär in der Bodendenkmalpflege für den Kreis Lippe am Lippischen Landesmuseum Detmold. Es folgten zahlreiche Tätigkeiten und Projektleitungen in der Denkmalpflege, praktischen Archäologie und im musealen Bereich. 2014 wurde er in Köln promoviert. Seit 2013 ist er als wissenschaftlicher Sammlungsleiter an der FAU Erlangen-Nürnberg tätig.

Der Band
Kerpen-Loogh 2017. 510 Seiten, zahlreiche, z.T. farbige Abbildungen. Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). E-Book im kostenlosen Open Access: ISBN 978-3-945663-12-7. DOI: 10.11588/propylaeum.295.403 

Gedruckte Ausgabe, Hardcover: ISBN 978-3-945663-12-7. Preis: 110 Euro. Für DGUF-Mitglieder: 70 Euro. Preise zzgl. Porto und Verpackung. 

CC BY 4.0

Bestellung:
DGUF-Verlag
z. Hd. Dr. Werner Schön
An der Lay 4
D-54 573 Kerpen-Loogh
Telefon: 06593 / 9896-42
Telefax: 06593 / 9896-43
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Frank Siegmund, Herausgeber der Reihe, im Gespräch mit Autor Guido Nockemann. mehr

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