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Das europäische Kulturerbe-Siegel nimmt Gestalt an

Ein Kommentar von Dr. Gerhard Ermischer

Was lange währt wird endlich gut ...
Gerade bei europäischen Verfahren gilt dieses Sprichwort. Schon 2009 befragte die Europäische Kommission die Bürger der EU, was sie von der Einführung eines europäischen Kulturerbe-Siegels hielten, und wie eine solche Auszeichnung konkret aussehen sollte. Auch die DGUF gab dazu eine umfassende Stellungnahme ab und setzte sich dafür ein, dass nicht nur Gebäude sondern auch Landschaften und archäologische Stätten ausgezeichnet werden können. 

Warum ein neues Siegel?
Das Kulturerbe-Siegel ist keine ganz neue Erfindung. Bisher hatten sich sechs Staaten zusammengeschlossen, die das Siegel vergeben haben. Vor allem Frankreich bemühte sich darum, das Siegel zu einem allgemeinen Projekt der EU zu machen und es europaweit zu etablieren. Hintergedanke war, dass inzwischen die Vergabe neuer UNESCO-Welterbestätten limitiert ist. Damit soll das Ungleichgewicht in der Verteilung der Welterbestätten zwischen Europa und den anderen Kontinenten ausgeglichen werden. Für die DGUF war es daher wichtig, dass das Siegel nicht nur eine hübsche Medaille wird, sondern auch mit Inhalt und Leben erfüllt wird.

Die DGUF setzte sich daher dafür ein, dass für das neue Siegel klare Regeln gelten, großer Wert auf die Vermittlung des kulturellen Erbes gelegt wird und die wissenschaftliche Erforschung und denkmalpflegerische Betreuung der Stätten nicht zu kurz kommt. Mit der Einführung des neuen Siegels wurden von der EU auch tatsächlich neue Regeln festgeschrieben. Diese gelten nicht nur für die neu gewählten Kulturstätten, sondern auch die mehr als 60 Stätten, die von den ursprünglichen sechs Staaten bereits in der Vergangenheit ausgewählt wurden.

2011 wurde die Einführung des neuen Siegels auf europäischer Ebene beschlossen, 2012 sprach sich auch Deutschland dafür aus, an dem Verfahren teilzunehmen. 2013 werden die ersten 16 Stätten in Europa ausgewählt.

Und wie geht es weiter?
Die DGUF wandte sich 2009 auch an die Ständige Kultusministerkonferenz (KMK). Hinter diesem Wortungetüm versteckt sich ein Zusammenschluss der Kulturministerien der deutschen Länder. Denn im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland sind allein die Länder für die Kultur zuständig. Unter anderem damit auch für den Denkmalschutz. Die KMK hat daher auch die Aufgabe, die deutschen Kandidaten für das Europäische Kulturerbe-Siegel zu wählen.

Die DGUF sprach sich dafür aus, auch eine archäologische Kulturlandschaft in diese Liste aufzunehmen: die "Eiszeitliche Höhlenlandschaft Donau-Alb". Bisher hat sich die KMK für zwei Kandidaten entschieden: die "Stätten der Reformation" und den "Eisernen Vorhang". Wir werden dran bleiben und uns weiter dafür einsetzen, dass auch eine archäologische Stätte aufgenommen wird.

Der Erfolg hat viele Väter
Ende 2012 kam eine Reihe guter Nachrichten für das kulturelle Erbe: Die EU-Kommission schlägt Änderungen an der UVP-Richtlinie zu Gunsten des kulturellen Erbes vor. Die deutsche Bundesregierung möchte, dass Deutschland den UNESCO-Konventionen zum immateriellen Erbe und zum Unterwassererbe beitritt.  Und nun wird das neue Europäische Kulturerbe-Siegel aus der Taufe gehoben.

Wir haben uns an den entsprechenden Konsultationen beteiligt, Stellungnahmen geschrieben uns bei Entscheidungsträgern dafür eingesetzt. Deshalb freuen wir uns über den Erfolg. Aber es soll hier auch gesagt werden, dass wir dabei nie allein waren. Viele Verbände aus der Archäologie, wie der West- und Süddeutsche Altertumsverband, der Deutsche Archäologenverband oder der neu gegründete Dachverband, der Deutsche Verband für Archäologie, aber auch andere Verbände wie der Bund Heimat und Umwelt oder Civilscape haben uns unterstützt.

Oft haben wir den Anstoß geliefert, aber wir haben uns auch an den Initiativen anderer Verbände beteiligt und sie unterstützt. Denn eine Stimme allein, egal wie qualifiziert sie ist, kann im Ringen um Entscheidungen auf europäischer oder auch nationaler Ebene nichts ausrichten. Wir sind nur als Orchester, nicht als Solisten, stark. Trotzdem verkünden wir alle natürlich gerne die Erfolge auf unseren Websites oder auch anderen Plattformen, etwa auf Facebook. Der Erfolg hat viele Väter - Mütter natürlich auch -, und alle, alle sind sie stolz. Wir auch.

Kommentar vom 14.12.2012
Dr. Gerhard Ermischer war von 2005-2009 DGUF-Vorsitzender, von 2009-2014 Beirat der DGUF.

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