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Der Arbeitskreis "Kulturgutschutz"

Zahllose Raubgrabungen an archäologischen Stätten, die Plünderung antiker Kulturstätten sowie der massenhafte Diebstahl von Kunstgegenständen aus Kirchen und Museen in aller Welt bedrohen das gemeinsame kulturelle Erbe der Menschheit. Unwiederbringliche kulturelle Hinterlassenschaften, die allen Menschen gemeinsam gehören, werden aus ihrem Zusammenhang gerissen und der Kontext zerstört, um einige wenige kostbare Objekte daraus in Privatbesitz zu verbringen, die dann in unzugänglichen Sammlungen und Tresoren verschwinden, zur persönlichen Freude, Prunksucht und Eitelkeit weniger. Der mit dem illegalen Handel mit Kulturgütern erzielte Umsatz geht in die Milliarden.

Während der Handel mit bedrohten und geschützten Tier- und Pflanzenarten zu Recht mit schweren Strafen belegt ist, fehlt im Antikenhandel ein ausreichendes Problem- und oft auch Unrechtsbewusstsein. Antiken können aber genauso wenig nachwachsen wie ausgestorbene Tierarten und sind daher genauso von unwiederbringlichem Verlust bedroht. Der Arbeitskreis Kulturgutschutz will dazu beitragen, Politik und Öffentlichkeit für die Gefahren zu sensibilisieren, und darauf hinwirken, dass die Gesetzgebung in Deutschland verbessert wird.

Bedrohung durch illegalen Handel mit Antiken
Ein besonderes Anliegen des 2005 von Susanne Heun, Reinhard Dietrich und Gerhard Ermischer gegründeten DGUF-Arbeitskreises "Kulturgutschutz" ist es, auf das zentrale Problem des fehlenden Herkunftsnachweises für Antiken aufmerksam zu machen: Der Handel mit provenienzlosen Stücken "aus altem Sammlungsbestand" ist in Deutschland legal, und auch die Vorbesitzer werden vom Kunsthandel - aus Gründen der Verschwiegenheit, des Persönlichkeitsschutzes etc. - oft nicht genannt. Was liegt da näher, als bei illegal erworbenem Kulturgut eine tatsächlich bekannte Provenienz "zu vergessen"? Damit sind dem Kulturgutraub und der mit ihm einhergehenden Zerstörung archäologischer Fundstätten und der Hehlerei Tür und Tor geöffnet. Hier stehen nicht nur der - zumeist arme - Raubgräber vor Ort und der Antikenhandel, sondern auch die Käufer am Ende einer zumeist internationalen Weitergabekette und Deutschland als Gemeinwesen in der Verantwortung.

Kulturgutraub findet auch in Deutschland statt
Darüber hinaus fordert der Arbeitskreis einen besseren Schutz archäologischer Denkmale in Deutschland. Denn Kulturgutraub ist keinesfalls etwas, das nur im Ausland stattfindet, mit Käufern und Sammlern in Deutschland. Auch in Deutschland werden Plünderungen und Raubgrabungen verübt, insbesondere im Zusammenhang mit dem Einsatz von Metalldetektoren.

UNESCO-Kulturgüterschutzkonvention
Das bisher weitreichendste internationale Instrument gegen den illegalen Handel mit Kulturgut ist das 1970 von der UNESCO verabschiedete "Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut", dass nach langwierigen Debatten erst am 30. November 2007 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde.

Der Arbeitskreis fordert eine sach- und fachgerechte Anwendung des UNESCO-Übereinkommens über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut (die so genannte Kulturgüterschutzkonvention). Sie ist unserer Überzeugung nach in Deutschland nur unzureichend umgesetzt. So fehlt in Deutschland insbesondere die Pflicht zur Führung eines Herkunftsnachweises gemäß Art. 6 der UNESCO-Konvention.

Aktivitäten des Arbeitskreises Kulturgutschutz
Der Arbeitskreis hat seit seiner Gründung im Jahr 2005 vor allem den Vorstand der DGUF in seiner Tätigkeit beraten. Dafür hat er zu Händen des Vorstandes DGUF-Standpunkte und Stellungnahmen verfasst, beispielsweise im Oktober 2015 zum Entwurf des neuen Kulturgutschutzrechts der Bundesrepublik Deutschland.

Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, hat der Arbeitskreis erreicht, dass die DGUF im Jahr 2011 den Sonderpreis zum Deutschen Archäologiepreis an Rainer Fromm, Michael Strompen und Kristian Lüders verliehen hat für ihre Filmdokumentation "Blutige Schätze. Der Antikenhandel und der Terror" (Erstsendung im ZDF, 24. Februar 2011).

Der Arbeitskreis liefert für den DGUF-Newsletter regelmäßig Inhalte für die Rubrik "Kulturgutschutz" zu. Er erstellt für Bürger, Politiker und Journalisten, die sich über Kulturgutschutz informieren wollen, Handreichungen zu einzelnen Aspekten dieses Themenkomplexes.

Urgeschichte, Vorgeschichte und andere Archäologien: Eine Begriffsklärung
Das Fach, um das es der DGUF geht, wird mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet.
Hinter dem bekannten, scheinbar einfachen Begriff "Archäologie" verbergen sich viele unterschiedliche Archäologien. mehr

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