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"Abwechslungsreich, spannend und interessant":
"Deutschlands Supergrabungen" im ZDF

Ein Kommentar von Dr. Frank Siegmund

"Deutschlands Supergrabungen", ein reißerischer Titel und zwei Mal 45 Minuten Terra-X zur besten Sendezeit - da liegen unter Fachleuten Kritik, Spott und auch Kollegenneid nahe. Was wird ausgewählt, wie werden die Geschichten präsentiert, wo werden Fehler gemacht? Der Berliner Landesarchäologe und Direktor des Neuen Museums Prof. Dr. Matthias Wemhoff dient über beide Folgen als Roter Faden, da werden Erinnerungen wach an mehrere zurückliegende Folgen in einem ähnlichen Format im ZDF mit einem darin auffallend präsenten Archäologen, an die sich seine steile Karriere anschloss. Welche Karriere soll hier befördert werden? Nach zwei Folgen erweist sich die Skepsis als unberechtigt

Die bedeutenden Ausgrabungen sind fair vertreten
Vorgestellt werden 20 Ausgrabungen über alle Epochen, von der ältesten Kunst in Deutschland 35.000 v. Chr. im schwäbischen Lonetal bis zum Berliner Fluchttunnel unter der Mauer von 1963; eine Liste der ausgewählten Orte findet sich auf der Website des ZDF. Nicht alle Bundesländer sind vertreten, die Auswahl ist stark mittelalter- und neuzeitlastig, aber auch aus der Sicht eines Fachmannes sind die bedeutenden Ausgrabungen der vergangenen Jahre fair vertreten. Es wird ein guter Querschnitt auch über unterschiedlichste Grabungs- und Erhaltungssituationen geboten.

Harte, anstrengende Arbeit und Abenteuer zugleich
Die von Andreas Sawall (Buch und Regie) bei Spiegel TV für das ZDF produzierte Dokumentation geht auf: Es ist abwechslungsreich, spannend und interessant. Matthias Wemhoff hält als Person die Geschichte zu den notwendigerweise schnell wechselnden Orten und Zeiten für den Zuschauer gut zusammen, wirkt frisch und authentisch; ein seriöser und renommierter Wissenschaftler und ein Bub, der Spaß an der Sache hat, in einer Person.

Viele übernommene Bilder aus Filmen und Reenactment-Dokumentation veranschaulichen die Grabungen und die deutenden Thesen dazu. Dazwischen immer wieder Sequenzen, die echte Grabungen, echte Archäologenarbeit und Archäologinnen zeigen: ungeschminkt, authentisch und sympathisch. Man sieht Grabungen, auf denen es nass ist, wo es regnet, stinkt, eng und unbequem ist. Archäologie wie sie eben ist: harte, anstrengende Arbeit und Abenteuer zugleich.

Welches Bild von Archäologie wird vermittelt?
Archäologie ist keine Schatzgräberei, sie ist Notgrabung und Rettung vor der Zerstörung durch Dritte. Das Wort "Hightech” fällt häufig und wird in vielen unterschiedlichen Beispielen belegt, aber Bilder von richtig ausgrabenden Archäologen und per Hand zeichnenden Tauchern signalisieren, dass Hightech nicht alles ist. Metallsonden werden als nützliche Instrumente gezeigt, zugleich wird die Problematik von Sondengängern und Raubgräbern klar angesprochen und u. a. am Beispiel der Moorleiche von Uchte aufgezeigt, wie wichtig der vom Fachmann untersuchte Fundzusammenhang ist. Ja, es wird auch Gold gezeigt, aber zwischendurch ist ein unscheinbares zerbrochenes Gefäß aus Lübeck ein besonderer Fund, und ein paar Holzkohlenmeiler werden zu wichtigen Zeugnissen der Lausitzer Industriegeschichte.

Eindruck des dicht Gedrängten
Der schnelle Schnitt der Bildfolgen und die Auswahl der Hintergrundmusik mag nicht jedermanns Sache sein, unterstreicht den Eindruck des dicht Gedrängten und vermittelt so die - richtige - Botschaft, dass es noch viel mehr Stoff gäbe, hätte man nur mehr Zeit. Die Dokumentation zeigt, wie mit harter Arbeit und hohem Einsatz die Archäologie belastbare Fakten erarbeitet, sie unterstreicht am Ende aber auch, dass Archäologie deutet und Geschichten erzählt, und dass Deutungen irrig sein können. Ein gelungener Zweiteiler, der unsere Arbeit gut und verständlich in die Öffentlichkeit vermittelt.

Erstausstrahlung von "Deutschlands Supergrabungen": ZDF, 13. und 20.5.2012
Kommentar vom 1.6.2012

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