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Alexander Weide, M. Sc.

Deutscher Studienpreis für Archäologie 2014

Die DGUF hat am 6. Oktober 2014 zum zweiten Mal den Deutschen Studienpreis für Archäologie verliehen. Ausgezeichnet wurde Alexander Weide (Tübingen) für seine Master-Arbeit "On the Identification of Domesticated Emmer Wheat, Triticum turgidum subsp. dicoccum (Poaceae), in the Aceramic Neolithic of the Fertile Crescent". Ein Anerkennungspreis für eine besondere Studienleistung ging an Leo Klinke für seine Seminararbeit "Felsbild und Felsrelief – Eine photogrammetrische Untersuchung durch Structure from Motion an der Nachbildung der Höhlendecke von Altamira im Deutschen Museum München".

Laudator Dr. H. Kroll (li.), Preisträger A. Weide

Die archäobotanisch-archäologisch-experimentelle Studie, die Alexander Weide im März 2014 abschloss, liefert einen wichtigen Beitrag zur Neolithisierungsdebatte. Weide überprüft bestehende und entwickelt ergänzend neue Kriterien zur schärferen Unterscheidung zwischen wildem und domestiziertem Emmer. Wesentliches Element der sehr stringent aufgebauten Studie sind eigene Versuche zur Verkohlung von Emmerkörnern.

Bei der prämierten Studienleistung war der DGUF-Beirat nach der fachlichen Leistung sehr angetan von der klaren Struktur, guten Lesbarkeit und dem konsequent verfolgten Ziel: die Unterscheidung von wildem und domestiziertem Emmer. Die Arbeit berührt ein zentrales Element der so genannten Neolithischen Revolution und somit einen herausragenden Umbruch in der Menschheitsgeschichte. Alexander Weide beschreibt mittels moderner Technik Merkmale an rezentem Material, führt eigene Verkohlungsexperimente durch und vergleicht die gewonnene Erkenntnisse wieder mit dem urgeschichtliche Material des Fundplatzes von Chogha Golan am Fuße des Zagrosgebirges.

Die Gutachter hoben an der Arbeit hervor:

  • den sehr guten, aktuellen Überblick zum Stand der Forschung zum Themenfeld Archäobotanik und Archäologie des PPNA / PPNB im Vorderen Orient,
  • die kritische Auseinandersetzung mit den vorliegenden archäobotanischen Untersuchungen und Interpretationen zur Frage über die Determination domestizierten Emmers,
  • die saubere methodische Untersuchung zu den in der Forschung postulierten Domestikationsmerkmalen an Vergleichsmaterial und die Herausarbeitung eines neuen Merkmals (domestizierter Emmer hat "lifted scar", wilder Emmer nicht) bei unverkohlten und verkohlten Vergleichsinternodien,
  • die klare und nachvollziehbare Stellungnahme zur Möglichkeit einer Determination von wilden und domestizierten Formen anhand der verschiedenen bestehenden Unterscheidungsmerkmale (Abbruchnarbe und Maße),
  • das Ergebnis, dass die bislang benutzten Differenzierungsmerkmale keine klare Differenzierung zwischen wilden und domestizierten Formen erlaubt,
  • die kritische Anwendung der Bestimmungskriterien (inkl. "lifted scar") bei archäobotanischen Funden aus der Grabung Chogha Golan (inkl. Darstellung der Fundkontexte / Fundanteile) und somit die Bestimmung des Domestikationsstatus der dortigen Emmerfunde,
  • den guten Überblick über die Stellung dieser Funde (domestizierter Emmer) im späten 10 Jt. v. Chr., inklusive der Herausarbeitung der archäobotanischen Bedeutung dieser Funde.

Alexander Weide (geb. 1988) hat in Marburg und Tübingen Archäologische Wissenschaften resp. Naturwissenschaftliche Archäologie studiert und sein Studium in Tübingen im April 2014 mit einem M. Sc. abgeschlossen. Während seines Studiums nahm er an verschiedenen Praktika und Ausgrabungen teil, u. a. 2012-13 als verantwortlicher Archäobotaniker an der paläolithischen Forschungsgrabung in Sibudu (Südafrika) und 2013 an der metallzeitlichen Grabung Oymaagac Höyük (Türkei).

Dr. H. Kroll

In seiner Laudatio würdigte der Archäobotaniker Dr. Helmut Kroll aus Kiel die Leistung des herausgearbeiteten Merkmals, das er dem Publikum prägnant erläuterte. Die Konsequenz im Ernteprozess: "Man muss sich nicht länger bücken und die Körner vom Boden aufheben". Verliehen wurde der Preis in Berlin im Rahmen des 8. Deutschen Archäologiekongresses durch den Sprecher des Beirates der DGUF Dr. Christoph Rinne.

Anerkennung für eine besondere Studienleistung an Leo Klinke (Münster)
Die DGUF vergab 2014 eine Anerkennung für eine besondere Studienleistung, und zwar an Leo Klinke (Münster) für seine Seminararbeit "Felsbild und Felsrelief – Eine photogrammetrische Untersuchung durch Structure from Motion an der Nachbildung der Höhlendecke von Altamira im Deutschen Museum München".

A. Weide (li.) und L. Klinke

Die besondere Studienleistung von Leo Klinke bestand nach Ansicht des Beirats in dem engagierten Einsatz und zugleich in der eingehenden Auseinandersetzung mit der hochaktuellen Vermessungs- und Visualisierungstechnik Structure From Motion (SFM). In seiner Laudatio betonte Jochen Reinhard (Zug, CH) einen wesentlichen Aspekt für die Preisverleihung und den Unterschied zu den sich mehrenden Anwendungen: Leo Klinke präsentiert in einem Film die Decke aus dem Saal der Stiere in der Höhle von Altamira ohne die Malerei in ihrer wohl ursprünglichen Form und schafft es hiermit, die äußerst kreative und gekonnte Gestaltung der vorhandenen Form durch den Menschen erfahrbar zu machen.

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